Aufbau Bodenplatte in altem Fachwerkhaus auf Lehmboden

06.03.2008



Hallo zusammen, wir haben ein altes Fachwerkhaus gekauft und müssen uns jetzt langsam um eine Bodenplatte Gedanken machen. Wir haben hier mal im Forum so nachgeschaut, mit dem Ergebnis, dass wir sehr erstanunt über die vielen Techniken sind. Da unser Vorbesitzer alles an diesem Haus falsch gemacht hat, was man an einem Fachwerkhaus nur falschmachen kann, haben wir jetzt schöne alte Böden herausreißen müssen, da sie fein säuberlich mit PVC Böden und der nächsten Schicht Holzboden und Teppich abgedichtet waren. Hierdurch ist der darunterliegende Lehmboden (wie man sich wohl vorstellen kann) sehr feucht. Wir wollen jetzt eine Bodenplatte aus Beton gießen und haben hier schon einige Aufbauten gefunden, aber sind uns nicht sicher, welcher Aufbau für uns richtig wäre. Auf die Bodenplatte soll später wieder ein Holzfußboden-Aufbau entstehen. Wir freuen uns auf jede Antwort



Woher wißt ihr...



...daß der Lehmboden wegen dem "Baumarktaufbau" feucht ist?

Gruß Patrick.



Baumarktaufbau trifft´s genau



Hallo Patrick,
in einem Zimmer haben wir tatsächlich einen Boden gefunden, wie er früher verlegt wurde. Auf den Lehmboden Schlacke und darauf schön den Aufbau für den Holzfußboden. Und genau in diesem Zimmer war der Lehm einfach nur erdfeucht. In den anderen Zimmern, eben denen mit so treffend bezeichnetem, Baumarkaufbau konnte man richtig sehen, wie der Lehm geschwitzt hat. Aber auch dort ist der Boden inzwischen in erdfeucht abgetrocknet. Wir spielen nun mit dem Gedanken "wasserfesten" bzw. -undurchlässigen Beton für die Bodenplatte zu verwenden.



Fußbodenaufbau



Fragen und Diskussionen über Fußbodenaufbauten sind hier regelmäßig zu finden.
Oft dreht es sich um die Frage, ob der geplante Aufbau über dem Boden diffusionsoffen sein soll oder nicht.

In Eurem Fall habt Ihr das Ergebnis beider Varianten gesehen.

1. Variante:
Unter dem diffusionsoffenen Fußboden war der Lehm also nur erdfeucht.
Aber was heißt das?
Bei Gebrauch ist der Innenraum i.d.R. immer wärmer als der darunter liegende Boden. Die erwärmte obere Bodenschicht beginnt auszutrocknen, Wasser wird in den Innenraum abgegeben.
Je wärmer es wird, je mehr Wasser verdunstet.
Wir der Boden dadurch trocken?
Nein, da bei bindigen Böden durch ihre Kapillarität immer Wasser nachströmt. Der Nachschub erfolgt durch das Grundwasser, auch wenn es einige m tiefer liegen sollte.
Grund ist die hohe kapillare Steighöhe, die je nach Korngröße bis ...zig- m betragen kann.
(Kies z.B. verfügt im Gegensatz dazu nur über eine geringe Steighöhe im cm - dm- Bereich. Feuchte kann nur im Luftaustausch über die Hohlräume im Kies abgeführt werden.)
Trocken ist solch ein Boden nur, wenn oben mehr Wasser verdunstet als unten kapillar nachströmen kann.
Diese Verdunstung wird durch Konvektion wärmerer Luft über den Pumpeffekt in der Dielung bewirkt. (Beim Laufen über der Dielung biegen sich die Bretter wie eine Membran durch).

2. Variante:
Die dichten Beläge haben Luft- und damit Wärmeaustausch behindert.
Warme, eingedrungene Luft konnte im kühleren Bereich in Erdbodennähe und am Boden kondensieren, die Verdunstungsrate des Bodens sank.
Ergebnis: Feuchteakkumulation durch Kondensat.
Der Lehm konnte nur in geringem Maße austrocknen, es erfolgte zusätzlich eine Auffeuchtung durch nachströmendes kapillares Wasser.

Fazit:

Wenn Ihr einen diffusionsoffenen Aufbau wollt, dann müßt Ihr ihn aktiv, also durch Heizung und Nutzung, trockenhalten. Das funktioniert, geht aber nur durch Energiezufuhr; kostet also im Winter mehr Heizenergie und schafft trotzdem kalte Füße.
Eine wärmedämmende Schüttung zwischen Lehmboden und Dielung mindert diese Probleme, beseitigt sie aber nicht.


Bei einem diffusionsdichten Aufbau ist es innen trocken, darunter feucht.
Der Fußbodenaufbau muß an seiner Unterseite also Feuchte vertragen können.
Das wäre z.B. Beton.
Wenn man den Luftaustausch, also die Konvektion, durch dichte Anschlüsse ausschließt und eine dampfdichte Grenzschicht (Abdichtung) einbaut, werden beide Bereiche getrennt. Innen warm und trocken, darunter kalt und feucht.
Vorteil: Weniger Energieverbrauch, weniger Luftfeuchteeintrag im Innenbereich.

Vorschlag Aufbau Variante 1:
Schüttung aus Schaumglasschotter oder gebundem Liapor,
darauf Lagerhölzer mit Dielung.

Vorschlag Variante 2:
Planum aus Kies,
10 cm Unterbeton,
Abdichtung aus Schweißbahn, Dichtschlämme o.ä.,
trittfeste Wärmedämmung,
Estrich,
Dielung.

Alternativ kann direkt über der Abdichtung Dielung auf Lagerhölzern mit dazwischenliegender Dämmung verwendet werden.

Viele Grüße



Fußbodenaufbau, Kies unter Beton ja/nein?



Hallo Herr Böttcher,
vielen lieben Dank für die schnelle, Antwort. Zumal Ihre Antwort das Für und Wider fachmännisch aber für einen Laien verständlich erklärt hat. Das war es, was wir bei den anderen Diskusionen vermisst haben (oder bei der Vielzahl nicht gefunden haben)

Jetzt aber noch eine Frage:

Wir haben uns für warme Füße, also Variante 2 entschieden und wollen einen Beton mit speziellem Zusatzt benutzen, der ihn wasserundurchlässig macht. Müssen wir dann noch eine Kiesschicht haben? Und wenn ja, wie hoch muss diese mindestens sein?

Wir freuen uns auf Ihre Antwort.

Liebe Grüße



Schaumglasschotter



Es geht auch ohne Beton. www.schaumglasschotter.de
Nach dem Schaumglasschotter Feuchtesperre( z.B. Gefitas)und dann bewährter Kreuzlattungsaufbau mit Massivholz.



Fußbodenaufbau



Theoretisch nicht (Frostgefahr wird unter Ihrem Fußboden wohl nicht bestehen) aber praktisch schon.
Der Kies dient zum Herstellen eines genügend verdichteten, waagerechten Planums in der erforderlichen Höhe, es läßt sich damit besser arbeiten als mit dem anstehenden bindigem Boden.
Spezielle Zusätze braucht Ihr Beton nicht.
Aber es kostet nur ein paar € mehr, WU- Beton zu bestellen, Schaden wird es nicht.
Die Dichtigkeit wird über die Betonrezeptur, also das Verhältnis von gut abgestuftem Zuschlag, Zement und Wasser und über die Verarbeitung bzw. Verdichtung erzielt.
Zusätze sind nur Hilfsmittel zur besseren Verarbeitung.
Eine Abdichtung sollten Sie trotzdem einbauen.

Viele Grüße



Lehmboden



Dieses Problem mit feuchtem Lehmboden hatten wir auch und entschieden uns für die von Georg Böttcher letztgenannte Variante: Abdichtung mit starker Folie/Schweißbahn, Dämmung mit Styrodur 5 cm, dann Verlegeplatten, Lagerhölzer 8cm mit Perlite dazwischen, Dielen. Seit 7 Jahren keinerlei Probleme und warme Füße!
Wichtig ist bei allen Abdichtungen die sorgfältige Ausführung zu den Wänden und zu den Horizontalsperren.

Gruß R. Lehner