Die erstarrte Idylle




Bei der Recherche über die "Revitalisierung von städtischen und dörflichen Kernbereichen " bin ich auf diesen Artikel gestoßen.

http://www.zeit.de/1996/43/Erstarrte_Idylle

Viel Vergnügen



Hallo Robert,



was wolltest du mit dem Artikel sagen?

Die Innenstädte aller dieser Städte sind heute genauso tot wie 1996 oder noch toter und die Perspektiven für den ländlichen Bereich nord-und Mittelhessens sin besc... genug.

Mit freundlichen Grüßen
aus der Europäischen Modellstadt

J. Simon



Ich stelle mir eher die Frage....



...(und hier zur Diskussion) was der Autor dieses Artikel mitteilen will (Robert hat´s ja nur eingestellt ;-)). Was wollen uns diese Worte sagen? (frei nach Otto Waalkes).
Möglicherweise reicht mein schlichtes Gemüt nicht aus um es zu verstehen.

Nur um einige Dinge aufzugreifen:

Für die drei, in die Kneipe einfallenden Jugendlichen, wäre auch in der Plattenbausiedlung alles entweder "ätzend" oder "geil". Das ist nun mal der Sprachjargon und hat nichts mit Fachwerkstädten oder der Restauration derselben zu tun.

Auch das Behörden Freitagnachmittag im allgemeinen geschlossen haben ist nicht unbekannt.

Mir sind Kunsthandwerkstuben allemal lieber als "Spielhöllen" an jeder Ecke. (Ein Phänomen welches auch in Städten des konjunkturschwächeren Raums zu beobachten ist).

Für mich ist dieser Artikel ein Sammelsurium von Klischees, dem Titel folgend, kätzerisch dargebracht.
Möglicherweise hätte es in der Schule für einen Aufsatz dieser Art den Vermerk "Thema verfehlt" gegeben.

Irgendwo fällt die Bemerkung der "unspäktakulären Landschaft".

Ist das so? Vermutlich muß vieles "späktakulär" sein um vermarktungswürdig zu sein.

Versucht dieser Artikel daraufhinzuweisen, dass die meißten Restaurationen und Instandsetzungen von Fachwerkhäusern "überzogen" sind?

Ein schöner "Aufhänger" für die Gesellschaftspolitischen Probleme unserer Zeit. Denn die lese ich daraus auch wenn der Artikel vermutlich einige Jahre alt ist. Da wird ja noch von DM geredet ;-)

Wenn der Autor jedoch mitteilen will das "alles vergänglich" ist, auch historische Bausubstanz, so kann ich ihm nur beipflichten.

Wie gesagt: ich verstehe es nicht ganz!

nachdenkliche Grüße
Martin



danke für



den hinweis auf diesen artikel in der ZEIT !
zum dort beschriebenen stimmungsbild ein -zugegebenermaßen "herausgerissenes", aber sehr passendes- zitat:
"Trüb ists heut, es schlummern die Gäng' und die Gassen und fast will
Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit."
ein weiterer, sehr lesenswerter vortrag zum thema denkmal(-pflege):
edoc.hu-berlin.de/kunsttexte/download/denk/rossmann.PDF
provokant vielleicht, aber durchaus anregend.
gruß, carmen



Hallo Simon,



Eigentlich geht es um Kommunalpolitik .
Frag doch mal bei der nächsten Bürgerversammlung in Alsfeld , wer von den Stadtverordneten in einem Fachwerkhaus wohnt.
Ich tippe mal 80 % von denen wohnen im Neubaugebiet.( weil sie schlau sind )
Gleichzeitig wollen die in den Kernbereichen auf karierte Häuser mit karierten
Fenstern gucken.(möglichst frisch lackiert) Die Straßen und Plätze sollen auch kariert sein.
Dafür werden dann "Fasadenprogramme" beschlossen.
Dafür kann sich der Eigentümer eines Fachwerkhauses gerade mal ein Gerüst leihen. (immerhin).
Gleichzeitig werden Aufstellungsbeschlüsse für Sondergebiete mit großflächigen Einzelhandel auf der grünen Wiese beschlossen.

Wie vor ca 2 Wochen in Fulda.
Hier wurde von der Mehrheitsfraktion (na ,wer ist das denn? ) beschlossen in einer ehemaligen Fabrik im Randbereich von Fulda eine City-Mall zu verwirklichen.

Kleinteiliger Einzelhandel auf einer großen zusammenhängenden Fläche.
Sozusagen ein Einkaufsdorf.

SOWAS GEHÖRT IN DIE KERNBEREICHE !!!

Aufgrund des demografischen Wandels werden die Probleme größer.

Wer der Meinung ist, eine mittelalterliche Stadt sei ein Kulturgut, der muss Geld in die Hand nehmen und es unter den Fachwerkhausbesitzern verteilen.

Denkmalschutz ist nicht die Sache von Einzelnen , auch nicht von Gemeinden, nicht von Landkreisen , auch nicht von Kirchen, sondern es ist Sache der hessischen Staatskanzlei, vertreten durch den Kultusminister.

viele Grüße
aus Zierenberg mit dem ältesten (karierten) Fachwerkrathaus Hessens

und vom Betreuer (äh Besitzer) eines Fachwerkhauses anno 1707



und ich



stelle mir gerade vor, ich würde an meiner eigentlich schönen Bude so rumkrokeln, wie der an diesem eigentlich schönen Thema...aua!(blöder Text-in allen Belangen)



Sach ich ja!...



...mein schlichtes Gemüt!

Dass das Sinn und Zweck dieses Artikels war...!

Für mich schwer erkenntlich.

Grüße
Martin



Hallo Robert



als ich 1996 in der von dir besagten Kommunalpolitik war, war Denkmalschutz schon kein großes Thema, höchstens mit "Fassadenprogrammen", damit die Touris sich vielleicht mal hierher verirren. Die Erhaltung der alten Bausubstanz in Einklang mit den Bedürfnissen der Menschen und den Bestimmungen war und ist auch heute auf dieser Ebene kein Thema. Denkmalschutz wird von weiten Teilen der Bevölkerung weiterhin als Gängelei empfunden und die finanziellen Mittel für Zuschüsse gibts schon lange nicht mehr. Ich denke es werden sehr bald sehr viel mehr Fachwerkhäuser verschwinden, als uns lieb ist. Und die Grüne Wiese POlitik geht auch in Alsfeld, Schlitz, Lauterbach und sonstwo weiter.
Weder in Schlitz noch in Alsfeld oder in Lauterbach gibt es z.b. noch einen Lebensmittelmarkt in der Altstadt. Ist alles draußen am Rand, wo die Omis zu Fuß nicht mehr hinkommen. Mit unserer städtebaulichen Kultur ist es in absehbarer Zeit bald vorbei. Die Zahl der leerstehenden FW-Häuser steigt und der Verfall ist nur eine Frage der Zeit.

Gruß J. Simon



Die Zeit



richtet sich von Hause aus ja nicht so an die schlichten Gemüter.....und beschäftigt sich gern etwas intellektueller mit Sinnfragen...

Wenn ein "Entscheider" hier zu seinen Irrtümern stehen darf und das auch tut, finde ich das zunächst mal erfrischend.

Die Seelenlosigkeit so mancher deutscher "Puppenstuben" find ich ziemlich zum kotzen und mir tun die Besitzer dort echt leid, die noch so einem "alt- und romantisch-Klischee" für teuer Geld hinterherbauen müssen.

Wenn sich in den Denkmalbehörden mal die Vorstellung durchsetzt, dass ein Haus auch nach 300 Jahren weiter "wachsen" darf, statt ewig Vergangenes darstellen zu müssen, wäre von der Seite schonmal was gewonnen.

Gruss, Boris



ich finde es zwar auch schade,



daß wir uns in einer "Aufsverkaufsgesellschaft" befinden, aber lieber auf der grünen Wiese, als in den historisch gewachsenen innerstädtischen Mittelpunkten.

Die alten Gebäude haben schlimmeres hinter sich als unsere Zeit.

Gruß...J.