Klebe- und Armierungsmörtel auf Lehmgrundputz

04.09.2008



Hallo Welt,
ein angeblich mit Lehmbau vertrauter Architekt hat bei unserem Lehmfachwerk behauptet, der durch Witterung abgefallene Lehm-Oberputz könne durch Klebe- und Armierungsmörtel auf Zementbasis ersetzt werden. Ich halte das für katastrophal dumm. Wer könnte mir denn Argumente gegen den Zement liefern.
Danke



Lehmputz



Lehmputz im Außenbereich ist eine diffizile Sache, da er nicht ausreichend witterungsbeständig ist.

Ob eine Beschichtung mit einem armierten und kunststoffmodifizierten Putzsystem funktioniert (Um das es hier wahrscheinlich geht), kann ich nicht einschätzen.
Bei größeren durchgehenden Flächen wie der Wellerwand einer Scheune mag das funktionieren, bei Fachwerk halte ich es wegen dem Übergang Oberputz- Holz für falsch.

Solche Systeme werden auf weichen mineralischen Dämmputzen eingesetzt, um die Witterungsbeständigkeit zu sichern, sie sind nicht für Gefachputz entwickelt.
Falls es so was als Neuentwicklung geben sollte:

Verlangen Sie von dem Mann, das er sich an die allgemein anerkannten Regeln der Technik halten soll, das sind in diesem Fall die WTA- Merkblätter und die Lehmbauregeln vom Dachverband Lehm.

Wenn er Verfahren vorschlägt, die nicht diesen Regeln entsprechen (das wären solche nach dem "neuesten Stand der Technik" bzw. dem "aktuellen Stand der Wissenschaft"), dann muß er Ihnen als Auftraggeber das mitteilen.
Dazu gehört auch eine Aufklärung über die eventuellen Folgen beim Einsatz von nicht hinlänglich erprobten und bewährten Verfahren, für die Ihr Haus Laborratte spielen soll.
Zumindest den Nachweis der Gebrauchstauglichkeit durch Material-und Einsatzprüfungen sollte er vorweisen.

Viele Grüße



???



Sehr fragliche Beratung,auf jeden Fall ist diese Aussage nicht richtig.Wir empfehlen unseren Kunden den Verputz der Gefache mit Luftkalk ,auf keinen Fall Kalkzement oder Klebe und Armierungmörtel verwenden.Diese sind nach dem Abbinden härter als der darunter liegente Lehm.Diese bilden eine Schale und fallen früher oder später ab.P.s Wir kommen aus Strehla bei Oschatz und arbeiten ab und zu in Leipzig.Wenn Sie dazu noch Fragen haben helfen wir gern weiter.

Freundliche Grüße Maurermeister Torsten Selle



Zement auf Lehm



Argumente gegen Zement:

- Hohe Härte (Regel bei Putzausführung: immer von Hart (Stein) nach weich, bei Bewegung des Lehms fällt der Armierungsmörtel als Schale ab)

- Armierungsmörtel sind immer hydrophob eingestellt, d.H. eingedrungenes Wasser kann nicht mehr entweichen, es weicht entweder den Lehm dahinter auf und der Zementmörtel verliert die Bindung zum Untergrund, oder das Wasser geht ins Holz und verwandelt die Balken in kürzester Zeit in Mehl.

desweiteren wurde von Herrn Böttcher und Herrn Selle schon alles dazu geschrieben, ich würde mir eventuell einen anderen Architekten suchen.



Architekt?



Nehmen Sie Ihren Architekten in die Haftung!
Ist er bei Ihnen nur beraterisch tätig oder hat er die bestehenden Arbeiten bereits in der Gesamtheit bei Ihnen betreut?
Was ist als Untergrund vorhanden und wie wurden die Aufbauschichten ausgeführt?
Lehmputz ist im Außenbereich sicherlich möglich, doch sollte die Bewitterung der Fassade genauestens analysiert werden.

Grüße Udo Mühle