Antikes Waschbecken - Zulauf dichten/erneuern - WIE?

21.03.2013 2004 tertnes



Habe ein uraltes Doppelwaschbecken, das in einen antiken Schrank eingebaut wurde. Zulauf ist nicht dicht - Installateur will das ganze "Graffl" nicht herrichten und meint, ich müsse einen Bastler finden, bzw. jemanden, der die richtigen Ersatzteile hat. Anhand Fotos bitte ich um Hilfe



Wo ist das Problem?



Hallo,

es geht schon eng zu unterm Waschbecken. Es scheinen mir Normgewinde zu sein.

Lösung 1:
Alles nachbauen mit Kupferrohr und den passenden Verschraubungen.

Lösung 2: Mit lebensmittelechten Schläuchen, Rohren und Verschraubungen das "Geraffel" zum Hydrauliker oder Druckluftfachbetrieb bringen und aus Edelstahl nachbauen lassen.

Gruß
Selle



Passecht nachbauen? Überhaupt leistbar?



Danke vielmals für die Info - ist Nachbauen überhaupt finanziell sinnvoll? Kann mir vorstellen, dass so eine Einzelanpassung tagelange Arbeit in Anspruch nimmt und nicht leistbar ist? Gibt es Möglichkeiten, Ersatzteile aufzutreiben? Schicke Foto vom Waschbecken aussen. Gruss Elisabeth





Das sind Standard Bauteile. Das stückle Bleirohr muß sowieso raus.
Das Kunstück ist nur die passenden Bauteile am Lager zu haben und jemand zu finden , der bereit ist in seine Schütten auch hineinzusehen.



Mein Installateur im Dorf sieht das ganz anders



Mein Installateur im Dorf sieht das ganz anders. Er sagt, das sind überhaupt keine Standardteile. Aber DANKE für die Info mit dem Bleirohr! Das muss wirklich raus! Würde gerne wissen, wie man zu solchen Teilen kommen könnte, damit das System dicht ist. Danke



Mit dem einen Bild...



... braucht man eine Zeit um festzustellen, wo oben und unten ist ;-)

Spannend wäre noch, wie es in der Wand weitergeht, bzw. in oder entgegengesetzt der Fließrichtung: woher das kommt...

Grundsätzlich kann ich den Installateur verstehen: er muss ja auch ein paar Jahre für seine Arbeit grade stehen (Gewährleistung) und ein Wasserschaden kann teuer werden... ich würde das "Graffl" auch entsorgen, es ist doch jetzt schon doller Materialmix, mindestens eine Verbindung ist ja eh gekittet, und ab der Wand neu aufbauen, vorbehaltlich s.o.


MfG,
sh



Neuaufbau



Zwar nicht stilecht, aber zugelassen, preisgünstig und zukunftssicher: Selber Nachbauen mit Verbundrohr und Eurokonusverbindern. Messinganschlüsse mit richtigem Gewinde an Zulauf und Armatur ggf. online bestellen, wenn sich kein Händler findet, der das Teil vor Ort verkaufen will oder kann.

Es gibt bei dem ganzen alten Installationskram zwar weder "Standard" noch "Norm", aber letztendlich nur eine begrenzte Anzahl von verschiedenen, meist zölligen Gewindeabmessungen, die auch heute noch alle lieferbar sein sollten und somit per Zwischeadapter den Anschluss an die Verbundrohre bewerkstelligen könnten.

Ich sehe höchstens ein Problem darin, das angegammelte Geraffel in dem engen Raum unterm Waschtisch heraus zu bekommen, ohne Keramik oder Armatur zu beschädigen.



Mir



scheinen das hauptsächlich unzählige 3/8"-Verschraubungen mit vernickeltem(?) Kupferrohr zu sein, gewürzt mit einem Schuss Bleirohr. Das Kernproblem sehe ich darin, dass das Ventil selbst undicht zu sein scheint.

Mein Ansatz wäre, den Installateur das Ganze an der Wand abklemmen zu lassen, das Kastl nach vorne zu rücken und dann in aller Ruhe bessere Fotos zu machen. Auf den Fotos hier sieht man nur mit Mühe, was überhaupt Frischwasser und was Abfluss ist.

Ich hab mir einmal erlaubt, das Foto zu drehen und die erkennbaren Teile zu markieren. 1 ist die Griffstange des Ventils mit einer Stopfbuchsendichtung am unteren Ende. Hier scheint die Undichtigkeit zu sein. 2 ist das eigentliche Ventil. Von unten kommt die Zuleitung aus Bleirohr und ein paar Verschraubungen 3/8 oder (vermutlich eher) 1/2". Den Bleibogen und die Sammlung an Verschraubungen durch einen Druckschlauch wie an modernen Armaturen zu ersetzen ist das geringste Problem. 3 ist dann der Mischer und Auslauf, der ist hoffentlich noch intakt.

Die spannendste Aufgabe dürfte sein, das alte Ventil wieder dicht zu kriegen oder ein neues mit den alten Griffen zu verbinden und dort platzmäßig unterzubringen.



WT-3-Loch-Armatur



kann man reparieren.
Ist aber sehr aufwendig.
Ich würde eine neue einbauen.
z.B. Grohe Sinfonia. Kostet aber 825€ + MwSt. + Montage.
Ich füge mal ein Bild bei.
Viel Erfolg
SG



Bild zur Armatur



Das mit dem Bild hat nicht geklappt.
Neuer Versuch.



Bei



der Summe ist Bastelei eventuell doch eine Überlegung wert... vor allem wenn man sie selber macht, aber selbst mit Arbeitszeit sieht das nicht so schlecht aus.

Unser Installateur würde das sicher machen, aber der ist in Niederösterreich und nicht in Tirol.

Die einfachste Lösung - wenn der Mischerteil mit Auslauf noch dicht ist - dürfte sein, nur die Ventile zu ersetzen und zu hoffen, dass man die sichtbaren Spindeln mit Handgriffen auf moderne Standardventile schrauben kann (z.B. Absperrventile).

Ansonsten stellt sich die Frage, ob die Ventile reparabel sind. Mir sieht das so aus als ob die Stopfbuchsenverschraubung undicht wäre, dem kann man eventuell mit dem Wechsel der dort verbauten Dichtschnur abhelfen. Fragt sich nur, wo man Ersatz auftreibt.



Moin,



was genau ist undicht?

Tropft oben einer der Hähne oder unten das Absperrventil?

Ansonsten Teile behutsam mit Kriechöl "einweichen", passende Maulschlüssel oder Zange mit Lappen verwenden und erstmal versuchen Hahnscheibe bzw. Stopfbuchse zu richten.

Mit 3 verschiedenen Universal-Dichtungssätzen aus dem Baumarkt, habe ich bisher noch alles hingekriegt, notfalls mit schnitzen......

Hanf, Teflonband, Hahnenfett, Neo-Fermit gehören m.E. auch noch in die Reparaturbox.

Hast du schon geklärt, ob du 1/2" bzw. 3/4"-Anschlüsse oder Sondermasse hast?

Sonst mit der Schieblehre Masse abnehmen, Detailfotos von den Anschlüssen machen, Einbaudatum ermitteln und es vielleicht auch nochmal im Haustechnikforum versuchen.

Dass dein Installateur da nicht begeistert ist, kann ich verstehen......wenn er dir später für die vielen Stunden Pfriemelei die Rechnung präsentiert hätte, wäre eure Freundschaft spätestens beendet........

Grüsse, Boris



Ich



sehe da im Bild keine Absperrventile, sondern eine Art Einbauventil, auf dessen extrem langer Spindel wohl der oben sichtbare Kreuzgriff sitzt. Und genau das scheint undicht zu sein den grünen Spuren von der Spindel abwärts nach zu urteilen.
Da würde ich - wie schon oben geschrieben - auf eine undichte Stopfbuchse tippen. Achtung: die alten Dichtschnüre mit etwas Respekt (und Feuchtigkeit) behandeln, laut Knaurs Handwerksbuch (1958) waren das zum Teil Asbestschnüre. Also beim Ausbau schön nass halten damit es nicht staubt und dann angemessen in Plastikfolie verpackt und verklebt entsorgen, solche Miniaturmengen wird man als Normalmensch sicher ohne Probleme los.

Ob Dichtungen noch helfen hängt meiner Erfahrung nach davon ab, ob der Ventilsitz noch glatt ist. Ich hatte letztens ein Ventil wo der dermaßen schartig war, dass eine neue Dichtung wohl bald wieder hinüber gewesen wäre (und das war alles andere als antik, schon Cu-Rohr in der Wand).



WT-3-Loch-Armatur reparieren



Da es sich um Trinkwasser (Lebensmittel) handelt, sollte man kein Kriechöl verwenden.
Am Waschtisch zapft man sicher kein Kaffeewasser, aber zum Zähneputzen benutzt man es allemal.
Und Mineralöl ist nicht gerade gesundheitsförderlich.
Ansonsten kann man die Armatur reparieren und Ersatzteile, die nicht mehr zu bekommen sind ggfs. anfertigen.
Ist aber ein erheblicher Aufwand und der Installateur überschlägt im Kopf den Aufwand und kommt zum Schluss: "Vielleicht geht ein ganzer Tag drauf und ob alles klappt, weis ich nicht. Und dann?" Also verweigert er sich.
Ein guter Heimwerker kann das auch gebacken kriegen.
…übrigens, die vorgeschlagene Armatur von Grohe ist nicht die einzige, einfach mal recherchieren. Und der genannte Preis ist der Listenpreis, mal mit dem Händler oder Installateur reden.
Gutes Gelingen



Wenn kein Kriechöl, dann vielleicht doch Zitronensäure?



Mit einem Pinsel vielleicht mit Zitronensäure einschmieren, bis sich die Teile lösen? Ein neues Set wie zB von Grohe habe ich eigentlich nicht im Sinn, da gerade die Armaturen echt schön sind! Es geht also eben nur um den Unterbau. Vielleicht kennt jemand einen passenden Bastler mit Installationswissen aus Tirol? Wäre ECHT SUPER!



Zitronensäure?



Mein Gefühl sagt mir, dass Säure kontraproduktiv ist. Aber es kann auch sein, dass ich etwas verpasst habe. Zum Kalk lösen okay, aber in diesem Fall liegt wohl eher Korrosion vor.

Es gibt auch einige Kriechöle mit Lebensmittelzulassung, die würde ich eher nehmen. Hat denn überhaupt schon mal jemand versucht, die Verbindungen mit regulärem Werkzeug zu lösen?
Es gibt auch andere Systeme, z.B. dieses:

http://www.inwerk-bad-und-spa.de/3-loch_-_waschtischbatterie-ba22009.htm

Evtl. nimmt man aber einfach irgendeine billige 3-Loch-Armatur und verwendet lediglich den Unterbau mit den Mischzuleitungen falls diese adaptierbar sind.

Bastler, die bezüglich eines solchen Projektes willig und bezahlbar sind, findet man wohl eher im privaten Bereich als im Branchenverzeichnis. Selbst Osteuropäer, die aus alten sozialistischen Mangelzeiten Improvisieren und Tüfteln gewohnt waren, haben das alles verlernt. Am besten in Verwandtschaft und Bekanntschaft, bei Arbeitskolleg/innen und in der Nachbarschaft herumfragen. Die Wahrscheinlichkeit, auf diese Weise z.B. einen Rentner zu finden, der Zeit und Lust auf solche Liebhaberjobs hat, ist gar nicht mal sooo gering.



Was



mir noch eingefallen ist: wenn dieses Ding nicht gerade aus den USA importiert ist, sind das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alles normale zöllige Whitworth-Rohrgewinde!

Meine Arbeitshypothese zu diesen Gewinden ist, dass sich die in der ersten Hälfte des 19. Jh. in ganz Europa durchgesetzt haben, als die Briten überall Gaswerke mit den kompletten Leitungsnetzen bis in die Wohnräume (Gasbeleuchtung!) gebaut haben. Und dieser Standard ist uns - abgesehen von der Umbenennung auf sehr krause metrische Maße vor einigen Jahren (kommt halt davon, wenn man Zollmaße auf zwei Nachkommastellen umrechnet) - bis heute erhalten geblieben.

Ist das euer einziges Badezimmer, oder ist längeres Basteln eine Option?



Liebe Bedenkenträger,



i.d.R. kommt kein Kriechöl an die wasserführenden Teile und wenn kann man's mit etwas Spiritus problemlos entfernen - wir bewegen uns schon wieder in Richtung gutgemeinter Desinformation.......

Das meisste wird sowieso danach verschrottet und unser Fragesteller ist ja schon Blei-resistent.....;-)

Da unten mit der Flex rumzufuchteln falls eine Verbindung sich nicht lösen lässt, sehe ich nicht als Alternative.

Grüsse, Boris



Whitworth-Rohrgewinde



Danke für Info - habe gerade nach den Whitworth-Rohrgewinden gegoogelt, kann aber von aussen absolut nicht sagen, ob meines ein solches ist - Waschbecken hab ich im Burgenland gekauft, woher es aber original stammt, kann ich nicht sagen. Das mit Bastler im Bekanntenkreis suchen ist sicher eine gute Idee, das versuche ich schon erfolglos seit 3 Wochen. Zum Glück ist im Bad noch ein kleines Wäschewaschbecken (neu, IKEA), das wir nun zum Händewaschen hernehmen (sind erst vor 4 Wochen ins 100 Jahre alte Haus eingezogen, das wir 2 Jahre lang komplett saniert haben...aber das ist eine andere laaaaaange Geschichte).
Eine neue 3-Loch Mischbatterie, wie empfohlen, kommt sicher nicht rein, gerade diese originalen Armaturen haben ihren besonderen Charm. Der Unterbau ist die Herausforderung. Ich werde mal den ganzen Forumbeitrag auf mein Facebook posten (hab zwar nicht viele Kontakte), um Bastler zu suchen. DANKE!
Morgen probier ich mit Zitronensäure um den Kalk aufzulösen, im ersten Schritt, wenn das nichts nutzt, werde ich das empfohlene Öl versuchen aufzutreiben.



Ich möchte...



... definitiv nicht die Angstschiene fahren, aber das Thema "Blei" nochmal ansprechen.

Es geht nicht um den Bogen da im "Graffl", aber wenn schon so ein Bogen da eingeflickt worden ist, dann möchte ich empfehlen, die Leitungen im Haus in der Gesamtheit mal etwas intensiver anzuschauen... die Armatur selber natürlich auch... auch wenn das nicht im Original da hingehörte...

Eine gewisse Belastung scheint mir nicht ausgeschlossen.

Natürlich wäre es schade um das hübsche "Schätzchen", aber wenn es mit Nachziehen einer Stopfbuchse getan wäre, hätte der Klempner locker sein Werkzeug gezückt.

Die ebenfalls erwähnte und keineswegs auszuschließende Asbestbelastung durch Dichtmaterial sollte gleichfalls nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Bei uns führt das Gesundheitsamt eine entsprechende Wasser-Analyse für eher schmales Geld (~25 Euro) durch. Das Wasser sollte ein paar Tage stagniert haben, also in der Leitung gestanden sein.

Keine Panik...

MfG,
sh



nein keine Angst



Danke für deine Sorge. Wir haben bei der Sanierung des Hauses ALLE Leitungen rausgerissen und neu installieren lassen, vom besagten Installateur. Da sollte ausser dem einen kleinen Stück Leitung in der Wasserzufuhr unterm Waschbecken kein Blei im Haus sein (was aussen in der Zuleitung ist, weiss ich natürlich nicht, wir haben alles bis zur Stichleitung neu gemacht).



OK...



... dann passt das wohl...
;-)

sh



Nebenschauplätze…



Mit Zitronensäure bekommt man verkalktes Porzellan oder Kunststoff wieder sauber, auf altem Metall unbekannter Legierung könnte es zu Korrosion führen, wogegen der jetzt evtl. vorhandene Kalk das kleinere Übel gewesen wäre.

Warum nicht die dafür vorgesehenen und altbewährten Mittelchen aus der Sprühdose nehmen? Die haben sicherlich auch eine höhere Kriechfähigkeit, was die tieferen Gewindegände angeht und schonen das Material vor Korrosion, was nicht unerheblich sein dürfte, wenn man die historischen Armaturen wiederverwenden will.

Kleiner Tipp, wenn es mit der Suche nach dem richtigen Installateur nicht klappen sollte: Falls es bei Euch in der Nähe eine Oldtimer-Werkstattgemeinschaft oder einen entsprechenden Club gibt: Dort finden sich oft engagierte und sehr nette Menschen, die Spaß am Tüfteln und Schrauben haben. Einfach mal den Kontakt suchen und das Problem schildern, die Leute kennen sich mit alten Schrauben aus und können das Geraffel zumindest fachgerecht zerlegen, damit man mal eine Bestandsaufnahme machen kann. Dazu wird es aber wohl nötig sein, den ganzen Trumm in so eine Werkstatt zu wuchten, immerhin lockt dann (ohne Gewähr) als "Bezahlung" eine Spende in die Vereinskasse und die Auffrischung der Bier- und Kaffeebestände in der Vereinswerkstatt.

Keine Ahnung, wie es in Tirol um diese Szene bestellt ist, bei uns gibt es inzwischen auch viele Clubs, die sich mit der Restaurierung historischer Landmaschinen befassen, einfach mal herumhören…