Es geht langsam los,

11.05.2006



Hallo,
erst mal für die Leute die mein Projektvorhaben schon eine Weile mitlesen. Ich war am Dienstag mit dem Makler im Haus, abgesehen von einigen Wasserschäden, die vom Dach kommen, sieht die Grundsubstanz noch recht gut aus. Im Keller sind schöne Gewölbe und auch ein gotischer Bogen. Das Baujahr ist 1810, doch durch den gotischen Bogen nimmt man an das die Grundmauern schon deutlich älter sind. Die Mauer am Eingang stammt z.b. aus dem 16. Jahrhundert.

Am Montag kommt die Architektin, deswegen meine erste Frage:

Wie erkenne ich ob sie "wirklich" Ahnung von der Sanierung solcher alten Gemäuer hat?

Denn wie ich hier gelesen habe, kann man da eine Menge falsch machen.

Die Sanierung des Gebäudes ist die eine Sache, die zweite ist die Finanzierung. Wenn ich von der Bank Geld möchte, muss ich ein Nutzungskonzept vorlegen.

Hat jemand Ahnung was da alles reingehört und wie so was formell auszusehen hat?

Ideen zur Nutzung habe ich schon, und das die Architektin ein Gutachten über die Sanierungsarbeiten inklusive Kosten liefern muss weis ich auch schon, aber mehr auch nicht. Also wenn jemand das schon mal gemacht hat, währe es nett, wenn ich auch hierzu ein paar Tipps bekommen könnte.

Also danke schon mal in Vorraus!



Gute Architekten?!!



Das wichtigste für die Wahl von baubegleitenden Fachleuten (und damit ist nicht nur die Architektin gemeint) sind m. E. nach folgende Punkte:
1. Stimmt die menschliche Chemie und das Bauchgefühl?
2. Können vergleichbare Referenzen in der Sanierung vorgelegt werden?
3a. Keiner kann alles - besteht die grundsätzliche Vorrausetzung eigene Grenzen zu erkennen und damit umzugehen?
3b. Wenn eine fachliche Ecke nicht völlig abgedeckt werden kann, sind Sonderfachleute an der Hand, die schnell und unproblematisch zugeschaltet werden können (Brandschutz, Holzschutz, Gebäudetechnik, Bauphysik, u. ä.)?
4. Stimmt die architektonische Grundlinie mit den eigenen Vorstellungen überein (auch in der Sanierung kann eine Menge gestaltet werden)?

Das Nutzungskonzept ergibt sich aus den gemeinsamen Überlegungen des Bauherrn und der AchitektIn und einer (manchmal vorerst fiktiven) Festlegung für die Nutzung einzelner Räume und Gebäudeteile und findet sich anschließend im Baugenehmigungsantrag, den Entwurfszeichnungen und der Baubeschreibung wieder.

Eben weil keiner alles kann, lassen sich die meisten Archis in Sachen Statik, Holzschutz und Bauwerksabdichtung für die Sanierungskonzeption eines Gebäudes diese Teilbereiche bereits im Vorfeld zuarbeiten um eine höhere Kostensicherheit zu erreichen.

Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



wenn Sie jetzt schon der Architektin



wenig vertrauen schenken und Sie die Baufachfrau noch nicht auf Ihre Kompetenz in Sachen Altbausanierung geprüft haben,wieso betrauen Sie Ihre Architektin mit diesem schwierigen Auftrag?



Architektin



Bis jetzt habe ich ja noch niemanden beauftragt, die Architektin kommt nur erst mal zur Besichtigung.

Aber bei einem solchen Projekt muss ich mich so gut es geht absichern, für böse Überraschungen während der Sanierung bleibt sicherlich kein Spielraum. Und damit meine ich nicht die Schäden am Gebäude.

Ich denke das es viele Anbieter gibt, die mir ALLES erzählen würden um den Auftrag zu bekommen. Für mich ist halt wichtig ob einer nur "erzählt", oder ob er wirklich weis was er tut
Sie nannte mir 2 ähnliche Objekte, die sie selbst schon betreut hat. Die werde ich mir erst mal ansehen. Aber 2 hört sich erst mal relativ wenig an. Ich geh mal davon aus das Erfahrung in diesem Gebiet einfach die Grundlage für eine gute Sanierung ist. Wenn dann erst gegen Ende erkannt wird das doch noch 3 tagende Balken getauscht werden müssen, währe das sicherlich ein heftiger finanzieller Schlag.

Ich dachte nur das es vielleicht Insiderwissen gibt, worann man dann erkennt wie tiefgründig das Wissen des Architekten wirklich ist.



geh' doch hier in die Tiefe



hier findest Du eigentlich alles, was Du benötigst und im speziellen auch sehr kompetente Architekten (mit Geist und Kreativität).
Die Antwort von Martin ist sehr Weise.

Grüße Udo



Restauration



Hallo Ralf,
schauen Sie - ein Altbau ist immer anderst.In früheren Zeiten wurden z.B. die Putze sehr oft angeglättet-analysiert man denselben , so stellt man fest , das sehr grobes Korn verwendung fand ,auch schon 12mm - 16mm Zuschlag.Nun muss man sich fragen wer die Mischung macht ; der Verputzer oder der/die Architekt/in.Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen;Aufgabe war :Ausfugarbeiten in einem denkmalgeschütztem Viertel.Unser Mörtel mit Sumpfkalk und dem vor Ort gewonnenem Sand war zu weiss! ...(Sumpfkalk ist schon immer weiss gewesen..?) es wurde dann Sackware genommen , (Hydraulischer oder sogar hochhydraulischer Kalk)die Mauer ganzflächig überputzt und dann wurden die Steine mit Hochdruckreiniger saubergefegt....keine Spur einer Kelle -eines Handwerks
Wer entscheidet? Architekt-in , die Norm und die auf dem Markt gepriesenen Baumaterialien oder der Zimmermann,Fensterbauer,Stuckateur,Schreiner...oder das Geld
Beim Altbau lernt man immer was dazu ...
Schade nur das heute eine Zeit herrscht wo man sich fragen muss ob man dem nächsten trauen kann...
Grüße
Mladen Klepac



Trau, schau, wem



genau das ist heutzutage die große Quizfrage. Besonders spannend wird es, wenn die Angstfrage gestellt wird.

Martin Malangeri hat es eigentlich schon richtig beschrieben. Leider laufen aber auch sehr gute Schauspieler auf Gottes gutem Erdboden rum, die genau wissen wie sie ihr Unvermögen kaschieren. Früher und heute gab und gibt es Menschen und ... Menschen.

Für die bösen Überraschungen sollte man/frau sich ein Extrageld zurechtlegen. Denn die kommen ganz bestimmt ...

Unser Nutzungskonzept (wohnen und arbeiten unter einem Dach) ergab sich eigentlich von ganz alleine mit der Bestandsaufnahme (ohne ist keine vernünftige Kostenschätzung möglich) und dem Sanierungskonzept - alles zusammen hat unseren Banker sehr interessiert. Und weil wir unsere Hausaufgaben offenbar recht gut gemacht haben, war auch die Kreditzusage keine echte Hürde mehr.

Viel Glück und ein gutes Händchen
wünscht
Ulrike Nolte



völlig richtig



Für böse Überraschungen muß man immer etwas Geld in Reserve haben (eigene Erfahrung, die wahrscheinlich fast alle hier gemacht haben...).

Wenn die Architektin (nur) zwei Objekte saniert hat, muß das ja nicht heißen, daß sie schlecht ist, sondern kann ja auch sein, daß sie gerade angefangen hat... Wenn die Sanierungen in Ordnung sind, ist es doch egal wieviele auf ihr Konto gehen. Ein Architekt, der 20 Referenzen angeben kann, könnte auch 20 mal Sch... gebaut haben.

Aber wenn ein Architekt nicht notwendig ist, sollte man vielleicht besser mit erfahrenen Handwerkern sprechen. Oder sind so gravierende Umbauten geplant?

Gru



Sanierung



Erst mal danke an alle die geantwortet haben!

Das Gesamtobjekt ist sehr groß, deswegen denke ich, ist ein Architekt sinnvoll, weil der wahrscheinlich am besten den Überblick über alles hat. ich persönlich weis zwar das Dach Fassade und Innenausbau gemacht werden müssen, aber ich würde wahrscheinlich recht ungeplant an die Sache gehen.

Nachdem ich mir das Haus noch mal privat und in Ruhe angesehen habe, sehe ich sowieso schwarz, denn die Wasserchäden die ich Anfangs gesehen habe, sind im ganzen Haus zu finden. Sogar eine komplette Innenwand hat sich schon gelöst und droht nach Außen zu kippen. Und auch die Nebengebäude haben ähnlich große Wasserschäden. Ich warte mal ab was die Architektin heute dazu meint.

Aber ich befürchte das eine Sanierung, selbst mit Fördermitteln, einfach nicht finanziell zu packen ist. Es nützt ja auch keinem was, wenn das Haus top renoviert ist, und ich in der Schuldenfalle sitze, weil ich keine finanzielle Nutzung gefunden habe. Ideen habe ich zwar genug, aber ich weis das die Umsetzung sehr schwer ist. Und im jetzigen Zustand des Hauses werden sich wohl keine Interessenten finden.



Alles Gute



Hallo,
ja eine Bauführung ist schon wichtig.Wichtig wäre es auch das die Handwerker verschiedener Gewerke sich als Team sehen , früh zusammenkommen , mehr miteinander Kommunizieren , und so , möglichst geradlinig , zum Ziel gelangen.
mit freundlichen Grüßen
Mladen Klepac