Ausbau eines historischen Dachstuhls - Winddichtheit bei Durchdringungen




Guten Abend verehrtes Forum,

folgenden Sachverhalt würde ich gerne hier diskutieren:

Wir sind dabei einen ehemaligen Kuhstall zu sanieren und umzunutzen. Heute geht es mir um das Dachgeschoss des Stalls, welches z. T. bis in den First und z. T. bis unter die Kehlbalkenlage ausgebaut wird.

Unser Architekt hat den folgenden Dachaufbau vorgesehen:
Das Dach wird komplett neu eingedeckt. Auf die Sparren (ca. 14/14cm) kommt eine 52mm dicke Holzfaser-Unterdeckplatte, darauf dann Konterlattung und Lattung (40/60).
Zwischen den Sparren wird eine Holzfaser-Flex-Dämmung eingebaut, dann wird die Dachfläche von innen mit einer 18mm OSB-Platte verkleidet. Laut unserem Architekten übernimmt diese Platte auch die Funktion der Dampfbremse. Er hat dazu geraten, weil er sie im Gegensatz zu einer Folie für solider hält und eine Folie bei den ganzen Durchdringungen, z. B. von Kopfbändern, Zangen und anderen Dachbauteilen, kaum korrekt zu Verarbeiten wäre. Da die Durchdringungen ja bei der OSB-Platte auch irgendwie noch geschlossen werden müssen soll insbesondere an den Durchdringungen alles mit der Flexdämmung fest ausgestopft werden und dann mit einem speziellen Tape abgeklebt werden.

Soweit so gut. Ich halte diese Konstruktion auch für i. O. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass man da wirklich alles dicht kriegt. Schließlich sind die Bauteile die die OSB-Lage durchdringen erstens teilweise alt und rissig, und zweitens auch nicht genau rechteckig oder gar gehobelt. Das sind im Prinzip ja noch erkennbar Baumstämme. Auf diesem Untergrund kann man doch nicht anständig abkleben, oder?

Unser Architekt sagt darauf angesprochen, dass die Bedenken schon berechtigt seien, und man nur versuchen könne die zwangsläufig entstehenden und vorhandenen Fehlstellen so gering wie möglich zu halten. Der Dachaufbau sei in dieser Hinsicht "fehlertolerant" genug.

So, genug geschrieben. Ich würde mich sehr freuen, hier die ein oder andere Meinung zu obigem Sachverhalt zu hören.

Vielen Dank im Voraus.
Beste Grüße
H. Altmüller



Architekt



Was der Architekt vorschlägt hat Hand und Fuß.
Findet man selten. Alles richtig.
Wenn man die Holzflex gegen Zellulose tauscht wird das System noch ein wenig fehlertoleranter da die Einblasdämmung sich wesentlich besser an die krummen und halbrunden Sparren anpasst, ein dichteres Gefüge aufweist und dadurch Strömungsdichter ist. Darüber hinaus ist der sommerliche Hitzeschutz besser.
Mich würde Interessieren welchen Architekt Sie haben. Da ich auch aus OWL komme würde ich warsch. gerne mal mit ihm zusammenarbeiten.
Gruß aus Lemgo



Moin Henry,



schonmal ne Rolle Sicrall in den Händen gehabt? Das möchtest du nicht freiwillig irgendwo wieder abpuhlen müssen.

Spannend wird es an den sichtbar verbleibenden Durchdringungen - da will man später nicht auf's Tape gucken.

Was kommt auf die OSB?

Gruss, Boris



Hallo Herr Altmüller,



der Aufbau ist soweit in Ordnung. Auch bietet die OSB Platte einen sicheren Untergrund für die letzte Ausbaulatte.
Die möglichen Fehlstellen sollten wie schon gesagt so gering wie möglich sein. Also gute Ausschreibung und Bauüberwachung sind hier wichtig.

Anbei ein Foto meines gedämmten und ausgebauten Dachstuhls.

Grüße



Vielen Dank



N´Abend zusammen,

vielen Dank für Ihre, zum Glück positiven, Antworten. Und vielen Dank auch für das Foto von Ihrem ausgebauten Dachraum, Herr Böttcher. Sehr gelungen.

Ich denke, dass wir das Projekt dann so wie beschrieben angehen werden. Die Zellulose werden im Rahmen der Ausschreibung alternativ anfragen, und dann später entscheiden.

Der Architekt kommt übrigens nicht aus OWL, sondern aus der Nähe von Hannover. Wir kennen uns vom Studium aus Detmold.

Der weitere Aufbau nach der OSB-Platte wird aus einer Lattung und einer Gipskarton- oder Gipsfaserplatte bestehen. Wenn das Budget es hergibt ggf. auch eine Lehmbauplatte.
Hier steht noch die Überlegung im Raum, ob man die Lattung nicht sparen kann und die Ausbauplatte direkt auf die OSB schrauben. Da gehen die Meinungen die ich bislang gehört habe weit auseinander. Unser schon genannter Architekt sagt: mit Lattung ist es fachgerecht, aber funktionieren würde es auch ohne. Zumindest wenn es sich nicht um sehr große Flächen in einem Stück handelt.

Also, vielen Dank nochmal und schönen Abend allerseits.
Grüße
Altmüller