Suche Hilfe bei Datierung eines Fachwerkhauses im Altenburger Land

02.03.2013 Udo Schreyer



Hallo an alle Fachwerk-Experten!

Wer kann mir helfen, den Erbauungszeitraum des abgebildeten Fachwerkhauses zu datieren. Das Foto ist ungefähr von 1900 und zeigt ein Fachwerkhaus im Altenburger Land, genauer gesagt in Niedersteinbach, ca. 15km von Altenburg entfernt. Lässt sich anhand des charakteristischen Fachwerks, die Erbauung ungefähr datieren?

Vielen Dank im Voraus für alle fachkundigen Hinweise!

Udo Schreyer



Fachwerkhaus



Eine Altersbestimmung ist ohne Inschriften oder schriftliche Nachweise mehr ein Ratespiel.
Anscheinend sind mehrere Umbau- und Erweiterungen an dem Haus vorgenommen worden. Ob der Wirtschaftsteil links später hinzugefügt wurde ist spekulativ, aber der rückwärtige Anbau ist sicher jüngeren Datums.
Vom Stil des Kernbaues allein auf das Alter zu schließen ist reine Glücksache. Die Andreaskreuze mit ihren alemannisch inspirierten Überblattungen und die wilden Männer können zum Zeitpunkt des Fotos 10, 50, 150 Jahre oder noch älter gewesen sein. Wandernde Zimmerergesellen können solche Stilelemente aus der Ferne migebracht haben. Das Land wurde ansonsten vom Wechsel baulicher Stilepochen weitgehend verschont, Bauern waren konservative Bauherren.
Das was woanders schon lange aus der Mode war blieb auf dem Lande noch lange aktuell.
Anhaltspunkte sind eher in Ortschroniken oder Kirchenregistern zu finden. Wenn z.B. eine Ortschaft in einem der vielen Kriege gebrandschatzt wurde kann man zumindest eine untere Grenze des Baualters setzen. Unabhängig von solchen Ereignissen können Teile des Gebäudes älteren Datums sein, wenn immer wieder auf dem Vorhandenen aufgebaut wurde.
Eine Hilfe könnte die ursprüngliche Funktion des Gebäudes sein. Das Erdgeschoss mit seiner Geschosshöhe und den hohen, zahlreichen Fenstern passt nicht so recht zu einem Bauerngehöft.

Viele Grüße



Hallo Herr Schreyer,



gibt es denn im Altenburger Land nicht ähnliche Fachwerkhäuser mit gleichen Stilelementen, Schnitzereien und Zimmererarbeiten die Nachweislich datiert sind.?
Wenn ja könnte man doch so schon einmal grob vergleichen.
Eine Dentrochronologische Untersuchung währe auch noch eine Möglichkeit ( wenn es das Haus überhaupt noch gibt), zumindest um das Fälljahr einiger Balken zu bestimmen. Hierbeit kann aber eine Zweitverwendung des Holzes nicht ausgeschlossen werden.
So wie es aussieht hat dieses Haus schon viele Umbauten erfahren.

Mit freundlichen Grüßen
Danilo



Über die Konaktstelle..



Altenburg der IG-Bauernhaus finden sie Hilfe. www.igbauernhaus.de. Man kann jedes FW-Haus ganz gut und genau datieren. Die Hausforschung läßt dieses zu. Ihr Haus ist an Hand des ersten Blick´s und den konstruktiven Gegebenheiten des vorderen Bereiches etwa in die Zeit von der 2. Hälfte des 17 Jh. bis zur 1. Hälfte des 18 Jh.zur datieren. Genaueres kann man nur vor Ort und mit allen Parametern beurteilen. Eine Dentroprobe hilft natürlich am meisten.

MfG Mikroby



Vielen Dank für die ersten Antworten



Vielen Dank für die ersten drei Antworten. Das Haus gibt es nicht mehr, deshalb habe ich nur die Möglichkeit über dieses älteste Foto zu gehen. Über Gerichtshandelsbücher habe ich die Besitzerfolge lückenlos bis 1532 zurück bestimmen können. Von mindestens 1532 bis 1831 war das Grundstück im Besitz meiner direkten Schreyer-Ahnenlinie. Allerdings gibt es in diesen Quellen keine Hinweise, wann ein Neubau stattfand. Ich freue mich über weitere Kommentare! Viele Grüße, Udo Schreyer



Altenburger Land



Hallo Herr Schreyer,

Ist das Haus denn ein typischer Vertreter der Altenburger Hausprovinz?
Gibt es das Haus noch?
Haben Sie Zutritt?
Aufgrund der Schmuckelemente könnte es auch ein "öffentliches" Gebäude gewesen sein: Pfarrhaus--Forsthaus-- Amtsgericht--oder so???

Auf jeden Fall handelt es sich bei dem hinteren Teil um einen Anbau-- oder umgekehrt??

Wenn man sich das Dachgefüge anschauen könnte , wäre man schon einen Schritt weiter: Bearbeitungsspuren der Hölzer ,
Sparrendach , Firstsäule??

Gibt es Stichbalken-- Gratstichbalken??

viele Fragen -- viele Grüße

PS Der Beitrag hat sich mit dem von Herrn Schreyer überschnitten.



Vielen Dank für die ersten Antworten



Das Haus war kein öffentliches Gebäude. In den Kaufverträgen des 17. und 18. Jahrhunderts wird es immer als Handfrongut bezeichnet. Tatsächlich war aber mein Vorfahre Mitte des 18. Jahrhunderts dort Amtsrichter. Ich habe meine Forschungen zu dem Grundstück erst vor 10 Jahren begonnen und da war das zu sehende Fachwerkhaus gerade seit 5 Jahren abgerissen. Ich könnte die heutigen Besitzer des Grundstückes noch einmal kontaktieren und fragen, ob sie von dem Fachwerk irgend einen Balken aufgehoben oder weiter verwendet haben. Wie viel Holz benötigt man für eine solche dentrochronologische Untersuchung? Wo kann ich als Privatperson eine solche Datierung in Auftrag geben und mit welchen Kosten ist zu rechnen? Ich frage auch noch mal, ob es Bilder vom Abriss gibt, wo man vielleicht die Fragen zum Dachstuhl beantworten kann.



habe



meine Untersuchung an zwei aus verschiede Seiten des Haus durch Erneuerung gewonnenen Balkenstücken mit 10 cm Länge durchführen lassen - das hätte mich 10 DM damals gekostet - mit ein bissel jammern war es umsonst - Ich bin zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet :-). Wichtig wäre, daß ev. die Baumkante zu sehen ist - oder wo sie war, um das Jahr der Fällung ermitteln zu können. Damals war es ein Institut in Berlin. Das ist aber über 10 Jahre her





Was nutzt allein die Kenntnis über das Jahr der Fällung?
Das Holz kann zum einen aus früheren Bauten wiederverwendet wurden sein und somit viel älter als das betreffende Haus sein, es kann aber auch viel später, bei Sanierungen bzw. Umbauten, als frisches Holz eingebracht wurden sein und somit viel jünger als das Haus sein.



es



ist ein Anhaltspunkt - älter kann es nicht sein !
und wenn man die Möglichkeit hat, aus zwei oder mehr weit voneinander getrennten Entnahmestllen Proben zu haben und diese dann alle auf das gleiche Jahr (+- 2 wegen "Lagerhaltung" von Bauholz) hindeuten, so könnte man eine Reparatur mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen. Hat man dann eine einheitliche Jahreszahl, dann kann man überlegen, ob es zur Geschichte und den alten Dakumenten passt.
Das Holz von meine Haus wurde 1813/1814 gefällt, in alten Vermessungskarten von 1844 (müüste es auch in Altenburg geben !! ) ist es aber bereits eingezeichnet - das schließt eine Wiederverwendung also fast aus.
Und der Fragestelle will ja nur eine ungefähre Datierung und ein paar Möglichkeiten dafür. Also nicht so pessimistisch !



Vielen Dank für die ersten Antworten



So sehe ich es auch, ich möchte lediglich Anhaltspunkte von den Experten dieses Forums haben, wie ich vorgehen könnte. Mir ist auch bewusst, dass immer noch Spielraum für eine sehr abweichende Datierung gibt, aber es gilt an dieser Stelle einfach der Versuch. Danke für die bisherige Hilfe!