Anstrich mit Sumpfkalkfarbe sehr fleckig



Anstrich mit Sumpfkalkfarbe sehr fleckig

Hallo zusammen,

Das Thema ist schon des öfteren beleuchtet worden, jedoch waren die verwendeten Materialien ander und sich daraus resultierenden Lösungen noch nicht hilfreich.

Ich habe in meiner zu renovierenden Wohnung die Wände mit selbst hergestellten Kalkputz und Sumpfkalkfarbe ausgeführt.
Der Untergrund besteht aus gemischten reinen Kalk und Kalk-Zement Putzen. Den Oberputz habe ich aus reinem Kalkputz (Sand 0-1mm und Weißkalkhydrat CL90) ausgeführt und mit der Gartenspritze mehrmals nachgenässt. Aufgrund der unebenen Wand variieren die Putzstärken etwas.
Den ersten Anstrich habe ich quasi freskal ausgeführt, nachdem der Putz soweit angetrocknet war, dass Putz sich mit dem Pinsel nicht mehr auflöst aber noch nicht 100% durchgetrocknet ist (> 24h).
Die weiteren Anstriche sind auch mit viel Wasser erfolgt.
Die Farbe habe ich wie folgt angemischt:
- 1 Teil Sumpfkalk (ca. 18 Monate, selbst gelöscht)
- 3 bis 4 Teile Wasser ( je nach Anstrich)
- ca. 5% (auf den Sumpfkalk) Eisenoxyd

Den Anstrich habe ich mit einem hochwertigen Quast und in liegenden achten ausgeführt.
Das Ergebnis ist jedoch eine sehr fleckige Wand, wobei auffällt, dass jeder Pinselstrich eine andere Färbung hat. An zwei Stellen haben sich komischerweise zwei dunkle Flecken gebildet.
Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube ich habe dem letzten Anstrich auch etwas Kaseinkleber (Quark und Sumpfkalk) zugefügt.

Habt Ihr Hinweise woran das liegen könnte und was ich evtl. falsch gemacht habe?





Bei Kalkanstrichen auf den noch frischen Putz (freskal), wird der (Sumpf-) Kalkteig nicht so stark verdünnt.

Grund- bzw. Erstanstrich 1 Raumteil Sumpfkalk mit 2 bis maximal 3 Raumteilen Wasser verdünnen.

Besser auch man mischt innig in den nur durchgerührten Sumpfkalkteig zunächst 0,5 bis maximal 1 Raumteil Marmormehl (0,03 mm), das man am besten über Nacht mit etwas Wasser eingesumpft hat und verdünnt dann mit dem restlichen 2,3 Raumteilen Wasser. Diese Kalkschlämme massiert man dann in den frischen Kalkputz ein und sollte so einen hinreichen weiß grundierten Grund ergeben.

(Bei der Freskomalerei werden ja lediglich mit Sinterwasser streichfähig eingestellte Pigmente in die frische Putzschicht eingearbeitet um so den vollen Farbton zu erhalten.)

Bei Fassaden ist die freskale Farbfassung schon (fast) Pflicht um eine hinreichende Wetterbeständigkeit zu erlangen. Innen würde ich mich da nicht so verrückt machen.

Auf diesem (getrockneten) Untergrund würden dann weitere Anstriche erfolgen, in der "gewöhnlichen" Verdünnung von 1 Raumteil Sumpfkalk mit 3 bis maximal 4 Raumteilen Wasser . Auch farbig pigmentierte Anstriche werden zunächst immer weiß unterlegt um die Farbwirkung zu verbessern.

Also vorliegend scheint es so, dass infolge ungenügender Saugfähigkeit, der noch feuchten Putzfläche nicht genügend Material für einen deckenden Anstrich aufgetragen wurde.

Was hast du den für Eisenoxidpigmente verwendet?

Sanierungsempfehlung:

Die Fläche weitestgehend trocknen lassen. Für den "Zweit"- bzw. "Zwischenanstrich", in den noch unverdünnten, glattgerührten Sumpfkalkteig 0,15 Liter fettarme Milch (1,5 Prozent Fett) pro 1 Liter Kalkteigvolumen einrühren.

Ebenfalls kann der Anstrich noch mit bis zu 10 Volumenprozent ebenfalls auf den unverdünnten Kalkteig bezogen Marmormehl zugegeben werden. Dadurch wird die Deckfähigkeit erhöht und der anstrich offenporiger, was auch die Carbonatisierung begünstigt.

Diese Mischung wird dann mit 3 Raumteilen Wasser verdünnt.

Deckung prüfen!

Diesen Anstrich eventuell nochmals auftragen.

Ansonsten den Schlussanstrich mit reinem (ggf. farbig, pigmentierten) Sumpfkalk in dreifacher Verdünnung ausführen. Auch beim Schlussanstrich kann wiederum wie beschrieben fettarme Milch zugesetzt werden.

Der Anstrich wird im Kreuzgang ausgeführt.

Die Anstrichwirkung im Licht ist von vielen Faktoren abhängig. So hat die Putzstruktur und der Lichteinfall Auswirkung.

Die Anstrichtechnik in Kalk macht auch noch was aus. Der Anstrich kann sehr "lebendig" ausfallen.

Die "Wolkigkeit" , insbesondere stärker pigmentierter Kalkanstriche, kann gewollter und oft umworbener Ausdruck von Authentizität sein, man kann es aber auch dezenter haben.

Da der Pinsel / Quast beim Aufsetzen weniger Farbe abgibt als beim Ausstreichen könne "Pinselsterne" entstehen. Dies wird aber durch mehrfache Anstrichfolge überlagert.

Dann spielt die Saugfähigkeit eine Rolle um ein zügiges nass in nass Streichen zu ermöglichen und so Ansätze zu minimierem.

Man braucht nur mal nach "kalkverf" bei Google zu fragen und taucht sofort in diese vielseitige Farbenwelt ein, oft viel gelobt und von hohem Preis.

Da wird der unstreitig "gute" Löschkalkteig noch zum "Luxusartikel" ausgelobt. Den Unterschied macht die Verarbeitung und nicht der Preis.



Anstrichtechnik



was @ Herr Mario geschrieben hat ist völlig korrekt. Ich denke, hier ist die Technik sehr ausschlaggebend gewesen, überlall steht viel von "einmassieren". Das ist ja auch richtig, aber dann hat man eben genau dieses Bild. Der "Kreuzstrich" egal ob waagerecht/senkrecht oder diagonal als letzten Pinselgang egalisiert das Bild. Dabei ist entscheiden zum Ende in der zu streichenden Fläche den Druck auf den Quast zu Verringern, damit auch die Pinselansätze ausgestrichen werden. Viel Freude beim Streichen mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Pigmente



Erst einmal vielen Dank für die schnellen und sehr ausführlichen Antworten!

Als Pigmente habe ich Eisenoxydschwarz von Kreidezeit verwendet. Bei diesen kam es mir aber auch seltsam vor, dass sich immer ein schwimmender Film im Eimer abgesetzt hat und die Farbe ständig aufgerührt werden musste, um sie gleichmäßig in den Quast zu bekommen. Ist der Film normal?
Mir kommt es so vor, als würden sich die Pigmente nicht so recht im Wasser-Kalk-Gemisch und ebenfalls auf der Wand verteilen.
Das Ergebnis auf dem Bild ist bereits der dritte Anstrich. Die Pinselstriche haben sich leider nicht egalisiert obwohl ich mit viel Mühe versucht habe die Pinsel-Absätze weich auslaufen zu lassen.

Habe ich es richtig verstanden, dass ich den nächsten Anstrich ohne Pigmente und erst den übernächsten mit Pigmenten ausführen sollte?





Die Eisenoxidpigmente sind schwer zu benetzen. Hier hilft ein Tropfen Spülmittel beim Einrühren in den Kalkteig die Verteilung zu verbessern.

Durch die hohe Farbkraft können hier schon geringe Abweichungen in der Mischung zu deutlichen Farbtonabweichungen führen. Meist passt der Farbton schon nach ein paar Stunden Standzeit nicht mehr genau.

Wenn das Pigment nicht feinteilig emulgiert sind, kann es auch sein das man solche Pigmentknöllchen die dann auf der Wand aufgerieben werden. Also die Verarbeitung von schwarzen Pigmenten sind in gewissen Umfang immer ein farbiges Erlebnis.

Ich habe mal auf einem Dachziegel einen Kalkanstrich bemustert.

Dreimal (geringe Saugfähigkeit, wegen Hartbrand) mit der oben beschriebenen Zwischenbeschichtung (Sumpfkalkteig mit Zusatz von fettarmer Milch und 10 Porzent Marmormehl, anschließend dreifach mit Wasser verdünnt).

Zweimal (nur) mit Sumpfkalk und Milch, dreifach verdünnt.

Darauf dann zweimal mit Ruß grau getöntem Sumpfkalk, Milch in knapp dreifacher Verdünnung gestrichen.





Bei andern Lichtverhältnissen treten die Nuancen deutlicher hervor. Das ist die "Lebendigkeit" solcher Anstriche, da gibt es keine Monochromie industrieller Farben.