sichtfachwerk restaurieren

02.02.2008



Hallo an alle,
habe mich einige Zeit umgesehen, aber leider keinen Beitrag gefunden, der sich mit der handwerklichen Herangehensweise bei der Sanierung von Sichtfachwerk beschäftigt.

Mein FWH hat Lehmgefache, die in einem ganz akzeptablen Zustand sind. Ich würde die gerne erhalten (vielleicht mit Lehm an den Rändern nacharbeiten).
Als erstes aber (denke ich) wäre es sinnvoll die Balken mechanisch zu bearbeiten. Macht man das mit einem kleinen (oder großen) Winkelschleifer? Mit Drahtbürstenaufsatz (Stahl)? Oder gibt andere (bessere) Hilfsmittel?
Wie lange muss man Schleifen (gibt es hier einen optischen Anhaltspunkt)?
Bevor man die Gefache Verputz sollte man wahrscheinlich die Balken Grundieren bzw. mit einem ersten oder zweiten Anstrich versehen?
Zudem stellt sich die Frage nach der Farbqualität? Bei uns im Dorf bleichen alle Ökoanstriche (Lasuren usw.) aus bzw. blätttern ab. Die "richtigen" Farben "atmen" aber nicht. Und dann empfehlen viele "in eine Richtung diffusionsoffene" Farben (ich glaube die heißen Silikantfarben)

Wer ist so freundlich und teilt mir seine Erfahrungen mit?
Viele Grüße
J.H.



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und ausbleichen kenn ich eigentlich nur von Bondex, Brillux und Co. Anstriche auf Standölbasis, ob Lasur oder deckend, haben diese Probleme nicht, vorausgesetzt, die Pigmente sind Lichtecht. Guck mal bei "www.kreidezeit.de", sehr informative Seite.
MfG
dasMaurer



Jos Verfahren



Hallo Herr Hoehl,

bei der Entschichtung der Fachwerkbalken haben sich unter anderem die Strahlverfahren bewehrt z.B. das Jos-Verfahren (heist auch Rotec Wirbelstrahlverfahren oder Rotosoft). Der Vorteil ist die realtiv schonende Oberflächen erhaltung, beim Abschleifen mit der "Flex" geht ein wenig von der ursrünglichen Oberfläche und von den Bearbeitungsspuren verloren. Nachteil vom Jos Verfahren, der Dreck vom Strahlgut und der Feuchteeintrag (relativ gering aber trotzdem vorhanden) ins Gefüge. Eine lange Trocknungszeit von mindestens 8 Wochen vor dem Anstrich ist dringend erforderlich.

Bei den Lehmgefachen: Die Ränder solten fixiert werden und mit Lehm ausgedrückt werden. Ein zweilagiger Kalkputz wäre hier dann aufzubringen.

Der Anstrich der Balken: Grundierung mit Halböl (Leinöl mit Terpentin 1:1) je nach Saugverhalten eventuell zweimal Alternativ auch eine Leinölgrundierfirniss (111). Zwischen und Schlussanstrich Leinölfarbe im Farbton nach Vorgabe der UDB und /oder nach Befund. Hersteller könnten sein: Kreidezeit, Leinöl pro, Schopf & Vollmer, usw. Schlussanstrich + 5-10% Standöl.

Der Anstrich der Gefache: Ideal wäre ein Kalkanstrich mit 10 jährigem Holzbegranntem Mamorsumpfkalk (Altmannsteiner)

2. Variante: Handelsübliche fertige Kalkfarbenprodukte
3. Variante: Silikatfarbe (Reinsilikat, Silin, Keim, Beecksche Mineralfarben)
(4. Variante:) Dispersionssilikatfarbe nicht unbedingt zu empfehlen, wird aber leider sehr häufig empfohlen. Ist leicht zu Verarbeiten und fertig zu beziehen.

Reihenfolge:
Balkenbearbeiten, Balken grundieren, Gefache verputzen, Balken zweiter Anstrich, Gefache fertig streichen, Balken fertig streichen, Gefache ausbessern (Tropfen)

Grüße aus Bad Offenbach

Jürgen Jobmann



tolle Antwort



Sehr geehrter Herr Jobmann,
haben sie herzlichen Dank für ihre ausführliche und fundierte Antwort.
Viele Grüße
J.H.





Ja, ist ein guter Beitrag von Jürgen Jobmann !
Ergänzend dazu will ich aber darauf hinweisen, das er mit dem Terpentinanteil beim Halböl bestimmt Balsamterpentinöl gemeint hat, und nicht das Terpentinzeugs aus dem Baumarkt ! Das ist nur billiges Testbenzin und hat in Leinöl nichts verloren ! Balsamterpentinöl, Oleum Terpentinum Balsamicum, bekommt man übrigends, unglaublich aber wahr, in der Apotheke manchmal billiger als im Naturfarbenhandel !





Schreibt man "übrigends" oder "übrigens" ? :-)



Thomas



"b"

:-)





?



na die zweite Variante glaube ich stimmt, hab aber nicht nachgeschaut...



:-)

Gruß Patrick.



Übrigens



gehört dieser Link Canoo in jede gute Favoritenliste ;-).



Fachwerkbalken



Herr Jobmann hat Recht!

Noch ein Tipp zur Entschichtung:

Falls Ihr alter Anstrich auch ein Standölanstrich ist,brauchen Sie nur mit einer Drahtbürste die losen Teile Auszubürsten.

Falls nicht muss alles runter.

viele Grüße aus Nordhessen