Fachwerkaußenanstrich

24.05.2004



Ich muss dringend die Fachwerkbalken meines Hauses streichen. Zum Bau hat man Eiche und Fichte verwendet. Hat jemand Erfahrung mit Leinölfirnis oder kann mir sonst einen Tipp geben, welches Material ich verwenden kann.
Danke.



Fachwerkanstrich



Liebe Renate

Auch wenn mich Anhänger der reinen Lehre der Baubiologie dafür kreuzigen, ich habe bei meinem Haus (siehe Foto rechts) die besten Efahrungen mit Reinacrylatanstrichen (wie von Consolan oder Bondex) gemacht.
Der Anstrich hat vergleichweise geringe sd-Werte, geht bei erhöhter Oberflächentemperatur durch seine dann fast gummiartige Konsistenz bei allen Holzbewegungen mit.
Mein Anstrich ist jetzt seit 14 Jahren auf dem Fachwerk und zeigt auch bei intensiver Suche, keine Risse, keine Abplatzungen, keine Dampfdruckblasen etc.

Übrigens empfiehlt das Zentrum für Handwerk und Denkmalspflege in Fulda eben diesen Anstrich. Na sowas !

Nun, ja jetzt hab ich meine unmaßgebliche Meinung gesagt. Was sagen denn die Fachwerkanstrichspezialisten ?

Mit besten Grüßen


L. Parisek





Hallo,
Stand der Technik für die Holzbehandlung im Außenbe-reich sind schnelltrocknende, leicht zu verarbeitende Acryl- und Alkydharzanstriche. Oftmals führen solche Anstriche zu vorzeitiger und nachhaltiger Schädigung des Holzes. Durch Ihren hohen Kunstharzgehalt sind diese Farben nahezu diffusionsdicht, obwohl gegenteilig versprochen, und verspröden recht schnell. Durch Risse dringt Feuchtigkeit in das Holz ein, kann aber über die diffusionsunfähigen intakten Flächen nicht schnell genug entweichen. Ergebnis: Blasenbildung im Anstrich, Verfaulen des Holzes, teurer Restaurierungsaufwand.

In der Denkmalpflege wird vielfach auf altbewährte Re-zepturen zurückgegriffen: klassische Ölfarben.
Dies hat gute Gründe:
Die Molekülgröße des Leinöls (ca. 50x kleiner als Kunstharze) gewährleistet gutes Eindringvermögen in die Holzoberfläche.
Durch die gute Diffusionsfähigkeit der Ölanstriche ist der Feuchtigkeitsabtransport aus dem Holzinneren an die Umgebung gewährleistet. Das Holz ist somit vor Fäulnis durch Staunässe geschützt. Außerdem blättert, platzt bzw. reißt ein Anstrich aus natürlichen Ölen nicht, bleibt elastisch und wittert oberflächlich allmählich ab, wäh-rend der Anstrich darunter aber noch intakt ist. Er ist damit ohne großen Instandhaltungsaufwand durch einfa-ches Reinigen und Überstreichen zu renovieren.
Zudem wird durch den Einsatz „aktiver Pigmente“ wie Zinkweiß die Haltbarkeit der Ölanstriche erheblich ver-bessert.

Viele Grüße Gerd Meurer





Ein kleiner Anhang noch,

das Fulda einen Acylatanstrich empfiehl kann ich kaum glauben und wenn doch ist es wenig nachvollziehbar.



Farbenrausch bei Renate Feldmann


Meine Wenigkeit im Büro  1   (der junge Kerl)

Also lieber Gerd,
du stellt hier etwas in den Raum, das ich so nicht bestätigen kann.
Das Abplatzen mit den Alkydharzfarben stimmt, aber bei den Reinacrylatfarben hab ich so etwas noch nicht erlebt.

Es ist eher so, dass ich einige Bekannte habe, die in einer Ökosiedlung leben und auf Biofarben für Holz im Außenbereich vor Wut einen dicken Hals kriegen. Ihnen wurde einfach zu viel versprochen und jetzt haben sie nach jahrelangen wiederholten liebevollen Streichen, verottete Hölzer und Fenster.

Ich habe den Eindruck, dass du Gerd meine Stellungnahme nicht gelesen hast. Ich würde mir eine Antwort darauf wünschen.

Alles sehr sonderbar! Gerade in den Ausbildungszentren für Denkmalpflege wird immer wieder auch auf die Gefahren und Schwierigkeiten bei Leinölanstrichen hingewiesen. Ich blättere gerade in den vorliegenden Arbeitsblättern zur Denkmalpflege aus Fulda (M. Gerner) und finde immer wieder den Hinweis, dass die Leinölanstriche gerade für neues Fachwerk durch die wiederholten Leinölschichten die Wasserdampf-durchlässigkeit z.T. zu stark behíndern. (Na sowas !) (Arbeitsblatt für Themenbereich 4, "Deckende Anstriche auf Fachwerhölzern", von Manfred Gerner und Dr. G. Weidig)


Was ich vergessen habe, ist darauf hinzuweisen, dass natürlich auch bei Reinacrylatanstrichen eine zu hohe Schichtdicke zu Schwierigkeiten mit der Dampfdiffussion führen kann.

Gruß


Lutz



Consolan? Warum nicht.



Ich, selbst Malermeister und Absolvent der Probstei Johannesberg in Fulda, halte consolan durchaus für eine Alternative. Wichtig ist, das der Anstrich verdünnt wird. So wird nur die oberste Holzschicht "eingefärbt" und es bildet sich keine geschlossene Farbschicht. Dies kann übrigens auch bei einer Übersikkativierung von Leinölanstrichen passieren.