Holzfenster fassadenbündig - unmöglich?

05.08.2013 Diana



Liebes Forum,
nach langem Mitlesen mit vielen hilfreichen Tipps habe ich nun auch eine Frage.
Wir haben ein Fachwerkhaus von ca. 1840. Die Wände im OG sind Holzständerwände mit Lehm gefüllt. Die Wände werden z.T. innen gedämmt, aber auch mit einer Außendämmung versehen. Aufbau wäre:
Holzständerwand mit Lehm
6 cm Hölzer als Aufbau die mit Holzfaser-Flex gedämmt sind
Dampfbremse
Hinterlüfung
Deckleistenschalung.

Nun sind heute endlich unsere Fenster eingebaut worden und unser Zimmermann hat diese auf Höhe der Dämmung gesetzt, was bedeutet, dass die Fenster ca. 8 cm von der Außenfassage nach innen gesetzt sind.
Wir wollten diese aber unbedingt bündig mit der Deckleistenschalung haben.

Die Begründung ist, dass die Fenster, wenn sie weiter herausgesetzt werden würden, in die Hinterlüftung kommen und er nicht sicher ist, ob es hier ein Tauwasser-Problem gibt.
Wir haben uns sozusagen das letzte halbe Jahr an einer Idee festgebissen, die jetzt wohl so nicht ausführbar ist.

Kann uns bitte jemand Rat geben, ob das grundsätzlich gar nicht möglich ist oder gibt es vielleicht doch eine Chance, die Fenster soweit herauszusetzen, dass sie Fassadenbündig sind?

Vielen Dank schonmal!!



innen - außen gedämmt bündig auf höhe ...



... sorry, aber so richtig nachvollziehen kann ich es nicht - vielleicht kommt ja noch einer, der den Durchblick hat.
Für die ganz Dummen wäre eine Zeichnung gut.

Oder aber Du beschreibst mal den kompletten Wandaufbau von Innen nach Außen.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



sorry, ich versuch's mal:



also der wandaufbau von innen nach außen wäre
innendämmung (lehm, holzfaser)
dann kommt das alte ständerwerk, das mit lehm gefüllt ist.
dann kommt eine 60er holzfaser-flex-dämmung.
darauf eine dampfbremse
dann eine erneute Lattung - hinterlüftung - Konterlattung - deckleistenschalung.

stand der dinge ist, dass die denkmalschutzrechtliche Genehmigung sagt, die fenster sollen bündig mit der außenwand sein. heißt, die fenster sind direkt unter der schalung.

jetzt sind sie aber in der 60er dämmung eingebaut. heißt, wenn hinterlüftung und konterlattung noch kommen, sind die fenster ca. 8 cm von der außenwand eingerückt und somit nicht mehr bündig - wie es auch unser wunsch war. das ist hier regional einfach so und alles andere finden wir sehr seltsam aussehend.

unserem zimmermann ging es darum, die fenster auf die dämm-ebene zu bauen. wenn er die jetzt mit einem neuen rahmen noch die 8 cm nach außen versetzt, würde evtl. eine kältebrücke dort entstehen und wir hätten hier ein problem mit dem taupunkt.



und so



sah das haus ursprünglich aus, mit der schönen asbest-fassade.



Fenster fassadenbündig bei Boden-Deckelschalung



Die Ausführung von Eurem Zimmermann ist in meinen Augen die Richtige.

Einmal bekommt Ihr keine Wärmebrücke durch einen Versatz bei der letzten dämmenden Ebene - das andere war die angesprochene Hinterlüftung, die sich so besser auführen lässt.

Das mit der Dampfbremse macht gar keinen Sinn und ist sicherlich ein Verständigungsfehler. An der Stelle braucht es eine diffusionsoffene Wandschalungsbahn, die als Winddichtung dient.

An der Stelle der Wandschalungsbahn würde ich viel lieber eine Holzdämmplatte mit Nut- und Feder setzen (z.B. Multitherm von GUTEX).

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



es ist



eine wind-dichtung. die firma schreibt es als dampfbremse aus.

danke für die infos.



Planung



erstaunlich, dass solche Maßnahmen einfach ohne Planung ausgeführt werden und sich im Laufe der Ausführung dann die Details ergeben.



Ich würde auch



dem Zimmerer recht geben. Das ist für mich ein klassisches Beispiel, wo Denkmalschutz und Wärmedämmverordnung nicht zusammen kommen.
Das Wichtigste ist ja wohl, dass es mit der Bauphysik funktioniert.
Ralph Schneidewind



Fensterdetail



Grundsätzlich kann man das Fenster fassadenbündig einbauen, nur nicht einfach in die Hinterlüftungesebene. Dann gibt´s die bekannten Wärmebrücken und ggf. Kondensatbildung. Die aber beim - vollflächigen und hohlraumfreien und kapillaraktiven- Anschluß an einen Massivholzquerschnitt wie einen Fachwerkständer, eher mal unwahrscheinlich ist.

Z.B. könnte man mit einem Laibungsrahmen, der separat in die Rohbauöffnung zwischen die Ständer gesetzt wird, die Laibung nach vorne verlängern und dort das Fenster einbauen.

Der Laibungsüberstand vor dem Fachwerk müsste dann umlaufend auf der Außenseite im Anschluss an die Fassade gedämmt werden. Eine Belüftung erfolgt seitlich, nach oben und unten in die Hinterlüftungsebene.

Solche Punkte müssen vorher durch eine Fachplanung geklärt werden, dann ist ziemlich viel machbar. Der Handwerker ist idR. kein Planer, der sich zu Hause noch ein paar Ausbaudetails überlegt.

Den Folienkram sollten SIe gegen eine geeignete Holzfaserplatte (DWD-Platte) als winddichten Gefacheabschluß tauschen. Wenn die Windbremse schon als Dampfbremse angeboten wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, das Sie das falsche Material geliefert bekommen. Beim Einbau achtet dann auch keiner mehr darauf.



Danke,



das hilft mir erstmal weiter.

Falls ich das hier posten kann: http://unger-diffutherm.de/udiproduktesystem/holzfaser-fuers-dach/udisteam/
Das ist als Abschluss jetzt außen dran. Habe ich mich sicher falsch ausgedrückt, ich hatte wegen der Zeichnung nochmals auf der Internetseite des Herstellers geschaut und da steht das eben als "Dampfbremse".

Für mich persönlich wäre das eine Fassadenverstümmelung, wenn die Fenster so blieben und ich würde mich schlecht an der Ansicht des Hauses erfreuen können.

Jedoch bin ich mir der Sache auch bewusst, was die Folgen sein können. Ich werde wohl noch einige schlaflose Nächte haben...



Dampfbremse



Nur mal kurz die Verarbeitungshinweise zittiert:
"Die Dampfbremsen warmseitig..."

Wenn, dann sollte maximal die "Udi STEAM Tex 155" eingesetzt werden.

Gibt es eine Detailplanung zum Wandaufbau/Anschlussdetails Fenster?