Sockelwiederherstellung Trasskalkmörtel oder Kalksandmörtel

03.08.2012 krakenspaten



Ich habe an unserem Fachwerkhaus den Sandstein-Sockel(ohne Keller (teilweise ) freigelegt, und werde die losen, fehlenden und kaputten Teile ersetzen und anschliessend neu verfugen. Es ist die wetterabgewandte Seite mit Fußwegpflaster und nur geringe Niederschlagsmengen, die an den Bereich gelangen, bzw. dort versickern können. Grundwasser ist nicht in der Nähe. Es gibt keine offensichtlichen Probleme mit Feuchtigkeit an dieser Stelle.
Nun zu meiner Frage:
(Ich habe in diesem Forum schon viel dazu gefunden, aber so richtige Klarheit konnte ich nicht erlangen.)
Ist es besser mit Kalksandmörtel zu mauern, weil Feuchte die ans Gemäuer kommt auch wieder wegziehen kann?
ODER:
Sollte ich TrassKalkMörtel bevorzugen, weil der eher die vorhandene Erdreich-Feuchte nicht so weiterleitet? Oder schadet das eher?
Wäre eine Kombination sinnvoll, d.h. gannz unten eher Trasskalkmörtel als einfache Horizontalsperre?
Für Antworten und Meinungen wäre ich sehr dankbar.



Sockel



Das es dort keine Feuchteprobleme gibt sehe ich etwas anders. Unabhängig von dem Altschaden durch die defekte Dachentwässerung steht der Sockel a) vor und b) hat nur eine geringe Neigung an der Oberfläche.
Das sollten Sie ändern.
Wie der Mörtel heißt und was drin ist spielt nicht die Rolle bei der Sanierung. Er muß für die ihm zugedachte Rolle als Sockelputz über die erforderlichen Eigenschaften wie Festigkeit, Frostsicherheit und eine gewisse Wasserabweisung verfügen. Im Sockelbereich ist das nicht nur ein Putz sondern mehrere, die sie dafür brauchen. Putze im Sockel- und Außenbereich werden grundsätzlich mehrlagig als System ausgeführt.

Viele Grüße





Sie sollten außerdem darauf achten, daß der Sockelputz nicht gegen die Holzschwelle stößt.
Idealerweise Steinhöhe (NF) bündig mit Aussenkante Schwelle vertikal nach unten, besser noch etwas zurückspringend, danach Sockelvorsprung mit ausreichender Schräge ausbilden.
Gutes Gelingen!
Bernd Kibies



nur verfugen oder vollflächig putzen?



Soll der Sockel gänzlich freigelegt und anschließend verfugt werden, so dass die Steine sichtig bleiben, oder ist ein vollflächiger Sockelputz vorgesehen?

Wenn das Ziel eine Verfugung ist, könnte ich einiges zur Auswahl des Mörtels sagen.



lieber weich als hart



Hallo

ich rate Ihnen von harten zementären oder trassigen Beimengungen im gesamten Fachwerk- und Sanierungsbau ab.

Zu den Gebetsbüchern, die im Umlauf sind:

Dann noch eines:
Hier ist ein Link ->DIN-Rechtsverbindlichkeit

DIN-Normen sind jedoch keine Lehrbücher. Deshalb muss jemand, der sie anwendet, soviel Sachverstand haben, dass er die Verantwortung für sein Handeln selbst übernehmen kann.



Und dann zu etwas nicht allzu harteM:
Hier ist ein Link ->Frost und Salz


oder halt Sand und Kalk aber das würde ich bei sensiblen und vorgeschädigten Bauteilen nicht machen.

FK



Nochmal nachgefragt - Sockel-/Fundamentwiederherstellung



Liebe Fach(werk)leute!
1000-Dank für Ihre schnellen, aufschlussreichen Antworten. Habe mich sehr darüber gefreut. Ein paar Dinge würde ich gerne noch anmerken und fragen.
Zuerst war ich glaube nicht präzise genug. Ich bin gerade dabei, den nicht sichtbaren Teil des Fundamentsockels wiederherzustellen (Sockel war wohl das falsche Wort). Der Sockel ist dagegen eher unbeschadet. Eine Restaurateurin kümmert sich teils im Rahmen einer Studienarbeit schon hierum.
Die Salzbelastung (im Labor gemessen) ist eher gering -trotz Fußweg mit Streusalzbelastung. Ansonsten wird es am Sandstein abseits des Rinnenschadens fast nie nass.
(Ich bin ziemlich beeindruckt Herr Böttcher, wie Sie anscheinend mit Adlerauge und Sachverstand ausgerüstet aus diesem Kompri-Foto die schadhafte Entwässerung ausgemacht haben!). Zwei Sandsteine sind schadhaft und sollen ausgetauscht werden. Der Rest kommt jetzt wohl doch ohne Festigung aus und wir mit einem Romanesco-Sanierputz behandelt.
Ist da auch ein Zweischichten-Aufbau nötig?
Dass der Sockelvorsprung abgeschrägt werden muß, ist uns klar, die Restaurateurin kämpft noch mit sich wegen solcher Freveltaten. Aber wir wollen dannn doch lieber das Haus erhalten, als nur eine schöne Steinkante.
Im Fundamentbereich sieht es eher abenteuerlich aus, wie man auf dem Foto erkennen kann. Unter den Stufen war nur bindige Erde mit einigen Steinen drin. Unter dem Ständer wurde wohl mal wegen Stromkabel noch ein Stein entfernt. Keine Angst, weiter grabe ich jetzt nicht, ohne den anderen Teil wieder zu untermauern.
Sowie ich es verstanden habe, wäre es also besser auf den Trassanteil zu verzichten. Ich würde gerne mit einer "guten Mischung" aus 1:3,5 Kalkhydrat und Maurersand arbeiten.

???? Ich habe nur Sorge, da ich das ganze abschnittsweise machen muss, und dann ja zwischenzeitlich verfüllen muss, dass der Mörtel nicht genug CO2 zum Abbinden bekommt. Reicht da Luftzufuhr durch eine Kiesdrainageschicht.???

Geplant ist eine dünne Kiesschicht direkt am Stein (ca.10 cm) davor Geotextil (zB. Optiflor) als Trennschicht und davor noch ein Austausch des bindigen Bodens auf ca. 20cm Breite.
Fällt dazu jemandem was ein, auf oder stellen sich gar die Nackenhaare auf. Für weitere Feedbacks, Schelte oder Vorschäge wäre ich dankbar.
Nebenbei bemerkt lade ich jeden interessierten Menschen im Forum ein -falls mal in Hildesheim unterwegs- vorbeizuschauen. (Vorher melden! 05121 694755)
Liebe Grüße, andre peters



noch ein Foto vom Sockel



Hier noch ein Foto vom Sockel dazu.



Und ich wusste...



... dass ich das Haus kenne.

Ich komme die Tage dann mal vorbei...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Sockelmauerwerk



Hier ist Beratung vor Ort anscheinend dringend erforderlich. Wenn Sie die Sockelsanierung selber ausführen wollen dann brauchen Sie einen Berater der Sie einweist und kontrolliert. Das mit dem Kalkmörtel im Bereich unterhalb der Oberfläche sollten sie vergessen und lieber zu einem bewährten Material greifen, dem "ewigen Kütt" (nennt sich heute Zement- bzw. Kalkzementmörtel).

viele Grüße



Besser weich statt hart - oder doch besser Beton /Trass



Danke Herr Böttcher für Ihre Anregungen und Einschätzung. Fachkundige Berater für das ganze Vorhaben habe ich wie gesagt. (Von den Fähigkeiten der Restaurateuren halten Sie glaube ich nicht so viel. Sie werden wissen wieso, denke ich.)
Auf meine Frage gibt es hier wie wir sehen verschiedenste Antworten von jeweils Fachleuten mit anderen Überzeugungen. Um mich entscheiden zu können, bleibt mir ja nur die Möglichkeit, Begründungen oder Erklärungen auszuwerten/zu hinterfragen oder mich dort weiter zu informieren.
Mein bisheriger Plan war es, am Fachwerkhaus wenn möglich auf Beton zu verzichten. Den MG II könnte man ja auch mit Trass anmischen. Nur gibt es ja hier und in der Fachwerk-Fachliteratur viele, die sagen "zu hart" , "zu dicht" . Deswegen zögere ich noch. Über eine kurze Einschätzung Ihrerseits und natürlich auch von anderen Mitgliedern würde ich mich freuen.
Interessant finde ich übrigens, dass ja das alte bruchstückhafte Fundament, das offensichtliuch nur ca. 30cm tief zu sein scheint und im lehmigen Boden steht scheinbar schon Jahrhunderte gehalten hat(zumindestens an der wetterabgewandten Seite).
Liebe Grüße, andre peters



Sockel



Der Unterschied zwischen Erahnen, Glauben und Wissen liegt meistens in nüchternen Zahlen.
Beim Mauern gibt es einige Grundsätze:
Die Fugen sind dazu da um die Last gleichmäßig zu verteilen und Verformungen aus Belastungsspitzen aufzunehmen. Dafür sollten die Fugen möglichst dünn, gleichmäßig und waagerecht verlaufen. Der Mörtel sollte immer etwas weicher sein als der Stein, damit Verformungen in der Fuge aufgenommen werden können.
Das sind in der Regel Mörtel der Gruppe MG II (Kalkzementmörtel) mit einer Druckfestigkeit von 2,5 bis etwa 8 N/mm² und MG III (Zementmörtel) mit einer Druckfestigkeit von etwa 10 bis 15 N/mm².
Mörtel der Gruppe I (Kalkmörtel) ist für für Ihre Zwecke nicht zulässig und ungeeignet.
Normale Vollziegel haben eine Druckfestigkeit von etwa 15 N/mm².
Natursteine sind etwa um das 10- fache fester als Zementmörtel. Wenn der Mörtel härter ist als das Steinmaterial dann brechen bei Überlastung auch die Steine. Beispiel: Wenn bei einer Sanierung altes, mit weichem Mörtel aufgeführtes Mauerwerk aus weichgebrannten Ziegeln neu mit hartem Zementmörtel ausgefugt oder teilsaniert wird, kann es bei Lastumlagerungen (die bei Sanierungen die Regel sind) zu Rissen und Brüchen kommen. Der extremste Fall ist wenn der Zementmörtel der neu ausgefugten Backsteinwand samt Ziegelschale abscherbelt weil sich die Altwand verformt, die Fugenbereiche mit dem zu harten Mörtel nicht.
Damit ist erst einmal klargestellt das die Festigkeit von Zementmörtel bei Ihrem Vorhaben keine Gefahr darstellt.
Zu weicher, nicht abbindender Kalkmörtel wäre aber eine Gefahr.
Sie haben keine exakt geformten Steine mit parallelen, waagerechten Lagerfugen und gutem Überbindmaß in den Stoßfugen. Dann hätten sie von mir aus auch mit lehmigem Sand mauern können wenn anschließend geputzt wird.
Sie haben ungleichmäßig geformtes Bruchsteinmauerwerk mit unregelmäßigen Fugen. Dafür brauchen Sie einen festen Mörtel der auch Schubspannungen aufnehmen kann und der in ein paar Tagen genügend Festigkeit aufbaut.

Viele Grüße



Gärtner bedankt sich



Hallo Herr Böttcher,
vielen herzlichen Dank für Ihre aufschlussreichen und sehr hilfreichen Ausführungen zu diesem Thema. Ich werde also Härte und Festigkeit walten lassen. Fotos demnächst hier. Grüße , andre peters