Erfahrungen mit Kleinkläranlagen/ Pflanzenkläranlagen mit Klärschlammkompostierung?




Hallo zusammen,
ich lese hier nun schon eine ganze Weile im Stillen mit, aber da ich wahrscheinlich demnächst (sollten nicht noch irgendwelche Katastrophen dazwischenkommen)Besitzer einer denkmalgeschützten Mühle sein werde, hoffe ich, daß sich auch ein paar Antworten für mich finden lassen.

Eine Kleinkläranlage ist nötig, und ich als Pflanzenfreund hätte gerne eine Pflanzenkläranlage. Und weil ich von der öffentlichen Entsorgung so weit es eben geht unabhängig sein möchte, schwebt mir eine Kläranlage mit Klärschlammkompostierung vor.
Der einzige Systemanbieter, der Pflanzenkläranlage mit Kompostierung verbindet, ist die Firma Mutec-Markgraf (hab zumindest nur die gefunden?!). Die Herstellerinfos klingen natürlich ganz toll, aber mich würden ein paar Meinungen aus der Praxis interessieren, ob das wirklich so geruchsfrei, kostengünstig und wartungsarm funktioniert - hat jemand so oder ein ähnliches System?

Über Antworten freue ich mich!
Dankeschön und herzliche Grüße
Barbara



Brix



Hallo

ein guter Experte für solche Anlagen ist Hans Brix in Aarhus (DK). Er hat solche Anlagen getestet, aber ob's auch diese war weiss ich nicht.

Gut waren "vertikale" Pflanzenkläranlagen, also solche, in denen das Wasser von oben nach unten floss. "Horizontale" Anlagen (in denen das Wasser waagerecht abfliesst) hingegen scheinen nicht so gut zu funktionieren.

Gruss, stt



vieleicht



hallo barbara,
kann dir lorenz albert, ex bürgermeister zu sternberg (grabfeld) weiterhelfen.
der hat auch schon dinkelklos gebaut und wollte glaub ich in der gemeinde so ein projekt machen.
absoluter freak!!!
gruß frank



Kleinkläranlage



bevor man viel Zeit investiert ist es nötig sich rückzuversichern, ob definitiv keine Anschlusspflicht an das öffentliche Netz besteht.
Ich habe selber einmal eine Baustelle im Außenbereich betreut, wo wir langem hin und her nachher auf Grund einer bestehenden Anschlusspflicht das gesamte Abwasser ca. 800 m bergauf pumpen mussten.





Hallo Barbara
Ich habe mir deinen Text mehrere Male durchgelesen. Wir hatten auch dieselben Anforderungen an eine Pflanzenkläranlage gestellt und nach langen hin und her auf die einfachste Art der Abwasserreinigung entschieden. Bei der Berechnung der kosten die wir angestellt haben war uns die Amortisierungszeit durch die entstehenden Kosten einfach zu lang. Die wasserrechtliche Erlaubnis die wir einholten sicherte uns ein betreiben der Anlage für die nächsten 10 Jahre zu und die Anfallenden Kosten eines innovativen Systems lagen weit darüber.
Also eine Dreikammergrube ein Pumpenschacht vor dem Schilfbeet, Schilfbeet, Sichtschacht, und ein Verdunstungsteich mit Randverrieselung erschien uns als das einfachste System.
Die Anlage wird einmal im Jahr geprüft und arbeitet seit 4 Jahren zu unserer besten Zufriedenheit.
Ein Buch war uns sehr hilfreich bei der Findung von Argumenten.
ISBN 3-922964-52-4 Naturnahe Abwasserreinigung (ökobuch Klaus Bahlo Gerd Wach)
Sicher gibt es schon eine neue Auflage
Für Fragen immer offen die Lehmschwalbe aus der Uckermark



Demonstrationszentrum



Hallo Barbara,

in Leipzig gibt es ein Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserbehandlung e.V.
Dort kann man sich verschiedene Verfahren ansehen und sich beraten lassen. Das Ganze läuft herstellerunabhängig, aber natürlich bekommt man auch Infos, welche Hersteller was anbieten.
Mehr unter: http://www.bdz-abwasser.de/

Gruß, Kalle.



Schlammkompostierung?



Der Name Pflanzenkläranlage täuscht etwas über die Rolle der Pflanzen beim Klärungsprozess. So wie ich es verstehe, unterstützen die Schilfpflanzen dank Ihrer eigenartigen Luftwurzeln die Belüftung tieferer Beetschichten und schaffen damit ein geeignetes Milieu für die Gruppe der aerob arbeitenden Bakterien. Diese und alle anderen Mikroorganismen sind die Arbeiter in der Anlage.
Ich habe seit 12 Jahren eine solche Kläranlage und der Anfall von sich sedimentierenden, nicht mehr abbaubaren Schlamm geht gegen Null. Wenn nicht die Kinder viel Sand in den Abfluss spülen oder falsche Müllfracht diesen Weg nimmt, bleibt nichts übrig. Es ist kein Hexenkessel, sondern der normale Kreislauf, wenn der Eintrag organisch bleibt. Die untere Wasserbehörde glaubt dies manchmal nicht und der Abwasserverband möchte gern durch den Schlammaushub (gern und oft im Turnus auch ohne jeden Grund) die entgangene Abwassergebühr wieder einholen.
Es beginnt also bei der wasserrechtliche Genehmigung von der Unteren Wasserbehörde, dazu kommt der beauflagte Wartungs&Prüfungsintervall und die Nachweispflicht und damit kann erst recht eigntlich abgeschätzt werden, mit welcher Anlage bei welchem Anfall man autark und günstig in die nächsten Jahre segeln kann. Technisch ist dies alles kein Problem.



Danke für die Antworten



Hallo zusammen,
schon mal ganz herzlichen Dank für die Antworten.
Anschlußpflicht besteht nach (mündlicher) Auskunft der Gemeinde nicht.

Grüße Barbara



Prima!!





nochmal Danke für die Antworten, aber so ganz zufrieden bin ich noch nicht ;-)



Hat denn niemand so ein System ? ;-)

@ Kalle: Danke für den Hinweis für das bdz.
Viele interessante Infos, aber eine Anlage mit Kompostierung haben die anscheinend auch nicht.

@ Mario: Über die Funktionsweise bin ich mir schon im Klaren. Die Pflanzen entziehen dem Wasser aber auch Nährstoffe, tragen also doch auch direkt zur Reinigung bei (wobei der Anteil der Bakterien schon viel größer ist).

Was ich bei Deiner Antwort nicht so ganz verstanden habe: "...eine solche Kläranlage und der Anfall von sich sedimentierenden, nicht mehr abbaubaren Schlamm geht gegen Null" , d.h. Du leitest da das gesamte Abwasser samt Feststoffen rein? (Eigenbau oder Systemanbieter?)

Nach meiner bisherigen Kenntnis muß (?) ein Absetzschacht vorgeschaltet werden, wo der Klärschlamm entweder abgefahren wird, oder so, wie ich das meine, dann nach einer einjährigen Vorrotte in einen Kompostbehälter kommt und (nach Angaben des Herstellers) in einem Jahr normaler Kompost draus wird.

@ Ralf: Danke Dir auch für Deine nette Antwort und die Buchempfehlung, da bin ich auch schon mal drüber gestolpert, mal sehen, ob es das auch in der Bibo gibt. Ich denke, daß die Pflanzenkläranlage gut funktioniert, darüber braucht man eigentlich nicht mehr zu diskutieren, mich würden eben in erster Linie Erfahrungen mit der Klärschlammkompostierung interessieren.
Eine Vergleichsrechnung habe ich noch nicht angestellt, sollte dann aber auch anstehen. Die Herstellungskosten sind deutlich höher als bei einem herkömmlichen System, über die örtlichen Abfuhrgebühren hab ich mich noch nicht informiert. In Sachsen gibts zumindest derzeit etwas Fördermittel für eine Kleinkläranlage.

Schönen Gruß
Barbara



BDZ



Hallo Barbara,

Du hast Recht, aber darum ging es mir auch nicht wirklich. Sie haben dort von jedem Grundtyp eine Anlage und testen die verschiedenen Verfahren im Langzeittest. Auf jeden Fall sind sie kompetente Ansprechpartner bei Fragen und das Herstellerunabhängig und können Dir bestimmt , sofern vorhanden, noch andere Hersteller mit dieser Technik benennen.

Ansonsten möchte ich ein paar Aspekte zum Verständnis der Anlage beitragen.
Ich habe mir das System mal angesehen.
Im Endeffekt geht es NICHT um die Kompostierung von Klärschlamm, denn der entsteht erst beim Abbau im Pflanzenbeet (was zu einer Verdichtung innerhalb des Beetes führt und irgendwann nach vielen Jahren eine Erneuerung erforderlich macht)und besteht im Wesentlichen aus abgestorbenen Mikroorganismen.
Kompostiert werden sollen die Feststoffe des Abwassers und da ist wirklich nicht alles kompostierbar. Darin befinden sich unter anderem auch Textilfasern (Kunstfasern!) und andere Fremdstoffe, die im Abfluss oder WC landen.

Zitat: "Die täglich entwässerten Dickstoffe werden nach ca. 12 Monaten aus dem geschlossenen MUTEC-System, mit Strukturmaterial vermischt, als Rohkompost durch unser Wartungspersonal im Rahmen der Wartungsarbeiten in ein Spezial- Doppelkompostvlies vollständig geruchssicher und temperaturgeschützt eingepackt und in einem Komposter auf dem Pflanzenbeet zur Fertigkompostierung mit Hitzehygienisierung (für weitere 12 Monate) gelagert. Nach ca. 4 – 6 Jahren wird dann der wohlriechende Fertigkompost im Rahmen der Wartung mit entsprechender Genehmigung zur Verwertung auf Kulturflächen und Blumentöpfen des Betreibergrundstücks verbracht. Da dieser Fertigkompost seuchenhygienisch unbedenklich und pflanzenverträglich ist, gefährdet er nicht das öffentliche Allgemeinwohl."

Zusammengefasst: Sehr lange Zeit bis Nutzung des Kompostes möglich ist, Vermischung mit Strukturmaterial und Genehmigung erforderlich. Insbesondere Letzteres ist nicht zu unterschätzen, denn in den Dickstoffen sind auch Schadstoffe des Abwassers enthalten.
Was mit Sicherheit funktionieren wird ist die geringe Geruchsbelästigung. Einmal durch das geringere Faulpotential im 1.Schacht und dann natürlich durch den Biofilter. Und richtig gebaute Pflanzenkläranlagen haben sowieso ein geringes Geruchspotential.

Gruß, Kalle.



Empfehlung



Hallo Barbara,

ich kann Dir Folgende Firma empfehlen

www.bio-quelle-launhardt.de.

Und ein Teich an einer Mühle macht sich bestimmt auch ganz gut.

Viele Grüße
Kerstin





http://www.wwt-online.de/_fachinfo/artikel/pdf/wwt_0608_26.pdf

Viele Grüße,
Philipp Kawalek





Habe meine biol. KKA seit 2oo7 in Betrieb. Falls Erfahrungen vor Ort gewünscht, bitte rufen Siue mich an unter 03526882089
Gruß -Werner aus Gleina bei Riesa





Habe meine biol. KKA seit 2oo7 in Betrieb. Falls Erfahrungen vor Ort gewünscht, bitte rufen Sie mich an unter 03526882089
Gruß -Werner aus Gleina bei Riesa



Notabschaltung von Pflanzenkläranlagen



Hallo Zusammen,
ich schreibe zur Zeit eine Hausarbeit über Pflanzenkläranlagen (Funktionsweise, Wirtschaftlichkeit usw.) und möchte dabei gerne den Punkt Sicherheit und Notabschaltung solcher Anlagen ansprechen.
Kann mir jemand möglicherweise eine Info darüber geben, wo die mech. Schwachstellen einer Pflanzenkläranlage liegen, oder eine Überwachung mittels Sensoren Sinnvoll wäre?

würde mich über eure Meinungen und Wissen ungemein freuen.

Grüße Viktor Ritscher



Schwachstellen



Hallo Viktor Ritscher,

sorry das ich erst jetzt antworte - war im Urlaub.

Die Schwachstellen einer Pflanzenkläranlage können zugewachsene Beschickungs- oder Ablaufrohre und ein verdichtetes Kiesbett sein. Dann natürlich ausgefallene Pumpen für die Beschickung mit Abwasser oder die Weiterleitung des geklärten Abwassers (je nach Ausführung und Gegebenheiten vor Ort).

Der Abbau der Schadstoffe findet über die Pflanzen statt, bzw. die im Kiesbett lebenden Mikroorganismen. Solange diese nicht mit Chemikalien (z.B. stark clorhaltige Reinigungsmittel) abgetötet werden, findet auch eine Reinigung des Abwassers statt. Von daher macht ein Einbau von teurer Messtechnik keinen Sinn. Regelmässige Kontrollen mit Sichtprüfung des gereinigten Abwassers und jährliche Wartung mit Analyse sollten von daher reichen.
Und zur Warnung vor ausgefallenen Pumpen reichen einfache Schwimmerschalter mit optischer oder akustischer Warnung völlig aus.

Bitte bedenke auch, dass der Hauptvorteil der Pflanzenkläranlagen das Fehlen aufwändiger Technik ist. Dieser Vorteil würde mit teurer Zusatztechnik zur Überwachung komplett zunichte gemacht.

MfG
Kalle.