Andreaskreuz ausfachen...aber wie?

16.03.2014 Stephan969



Liebe Fachwerkfreunde,
auf dem Bild sehen Sie mein kleines Sorgenkind im Vorharz. Das oberste Stockwerk soll nach dem Aussteifen wieder ausgefacht werden. Nun bin ich hin und hergerissen, was die Materialien angeht. Ursprünglich sind natürlich Lehmgefache, sinnvoll aber vermutlich wie in den bereits unteren Stockwerken eine Ausfachung mit Ziegeln, denke ich, mit Lehmputz. Wie facht man aber die sehr kleinen Zwischenräume der Bänder/Andreaskreuze aus? Hat da jemand Erfahrungen? Tipps?



Leichtlehmziegel



lassen sich prima zurecht schneiden und angepassen.

Wow ist das ne wilde Hütte:-)

Sinnvoll wäre es, so eine Wand mit einer einheitlichen Gefachausmauerung zu versehen.

Grüße Martin



Wow,



wenn das nur das kleine Sorgenkind ist, wie sieht dann das große Sorgenkind wohl aus???

Ich habe bei mir auch die kleinen Zwischenräume mit Lehmsteinen vermauert. Da sich die Lehmsteine gut mit dem Hammer oder Säge bearbeiten lassen waren auch die Schrägen kein Problem.

Man könnte die komplizierten Stellen auch nur mit geeigneten Lehm ausstopfen/ bzw ausstampfen.


Was sind das für helle Punkte im 1 OG auf den Balken. (Gewindestangen mit Unterlegscheiben?)

Mit Grüßen
Danilo



Rein interessehalber...



...wie sieht denn der Boden im 2. OG aus? Ist bekannt, was da passiert ist (denn das wird vermutlich nicht so gebaut worden sein)?

Das war offensichtlich früher einmal mit Staken und Lehmputz ausgefacht. Das kann man auch immer noch so machen. Ich würde aber auch eher Leichtlehmsteine benutzen.



Super! ;)



Zuerst...das kleine Sorgenkind ist auch das Große :)
Ja, die hellen Punkte sind Gewindestangen, die im Innern mit zusätzlichen Balken gekontert sind. Der Grund ist wohl, dass man nicht davon ausging, dass da jemand so schnell für den Kaufpreis von 1,-€ zuschlagen würde und man auf Nummer Sicher ging. Allerdings fehlen auch einige statische Elemente zur Aussteifung.
Der Boden in allen Geschossen ist ansatzweise in Waage. In der Dritten wegen der merkwürdigen "Schiefe" sozusagen terassenförmig. Laut Denkmalbehörde wurde Mitte des 18. Jhd. allerdings der Unterbau durch die Ziegelmauern ersetzt, vielleicht ist da die Ursache zu suchen?!
Und ja, die Gefache sind bisher mit Lehmstaaken ausgefacht, allerdings nicht mehr sehr gut erhalten. Der Vorschlag mit den Lehmsteinen ist daher wirklich gut. Den werd ich wohl umsetzen. Lehm hab ich genug. Die kann ich dann kostengünstig selbst fertigen.
Grüße, Stephan



Respekt



Das Haus hast du gekauft? Respekt! Dagegen sieht ja mein Huaskauf wie eine perfekt vernünftige Entscheidung aus. ;)

Mal im Ernst, ich wünsche viel Erfolg für das Projekt. Gibts das Ganze auch irgendwo als Blog zu verfolgen?

LG,
Tina



Also



Hangschweine und Hangkühe kenn ich ja, aber Hanghäuser???!!!!

Stehts in dem Ort in der Bauordnung, daß alle Firste miteinander verbunden sein müssen? Termiten? Baumeister mit Halsbruch?
Wie viel Whisky braucht man, um das Teil "geradezusaufen?"

Stephan, mit Verlaub, aber bei DEM Anblick kann doch niemand wirklich ernst bleiben....

Schreib doch mal mehr über das Teil.... Was ist die Ursache für dieses Desaster? Hast Du vor, diese Schieflage beizubehalten?


Lehmziegel, Strohlehm, Lehmstaken. Zum Ausfachen kannst Du alles nehmen, was bearbeitbar und historisch verwendbar war und ist.



Andreas



Wieso schief??? ;)



Ja, muß ja sogar so bleiben! Wie beschrieben, ist das Haus innen ja gerade ausgebaut. An den Kopfbalken sieht man, dass die Konstruktion so gewählt wurde. Da ist nichts abgesackt, gerutscht oder verzogen. Ob es ursprünglich so eine Art "Flucht" zwischen den unterschiedlich hohen Nachbargebäuden schaffen sollte oder warum auch immer das Oberhaus vermeintlich die untere Etage optisch "aufsaugt"...keine Ahnung. Die Zierbalken (nicht im Foto erkennbar) sind aber bereits so in der Schräge und definitiv um 1600 verbaut worden. Wohl eine Aufgabe für die Hausforschung. ;) DAS wieder gerade machen wäre nicht machbar ohne Abriss. Aber warum auch gerade machen? Der Ordnung halber? ;)
Und ne, es gibt noch keinen Blog darüber. :)))
Grüße, Stephan



Ich lerne gerade, dass schief relativ ist



Wir hatten ja gerade die Diskussion über das schiefe Haus in Witzenhausen. Aber Dein Haus ist wirklich grandios! Ich würde mich sehr über ein paar Bild von innen freuen. Der Boden ist gerade?

Gruß
Hartmut



Toll



wie und das du das machst! Bloß nix grade rücken!





Das sieht so aus, als vor oder beim Ersatz des EG irgendetwas mordsmäßig schief gegangen ist.

Das zweite OG ist original (wenn auch nicht mehr in der ursprünglichen Position)

Das erste OG ist eine Notlösung, die Gefach Füllungen sind wahrschenlich aus dem gleichen Zeitraum, wie das EG,
es gibt keine Brüstungsriegel unter den Fenstern und re ist die Geschosshöhe ungewöhlich hoch (vergl. Nebenhaus)

Das EG war wohl nicht mehr zu retten.

Ist es möglich, dass es links einen Torbogen gegeben hat, der an der Außenseite nicht gehalten hat?

Anbei noch ein Beispiel (Stolberg), da stehen aber wenigstens die Stiele aufrecht!

Gruß GE



Danke, danke, danke



:) Vielen Dank für die freundliche Motivation. Schönes Beispiel dieses Haus in Witzenhausen. Klar, dass man nicht immer unbedingt für solche Projekte Schulterklopfen bekommt. Selbst die Dame vom Denkmalamt fragte mich bei der Besichtigung unter vier Augen: "Aber ein bißchen verrückt sind Sie schon?". Aber da der Eigentümer aus NL die hektoliterweisen Wassereinbrüche ignorrierte, war das Haus faktisch zum Tode innerhalb von wenigen Monaten verurteilt, also hab ich zugeschlagen.
In Osterwieck selbst scheint aber keinen die Substanz zu schockieren. Viele der gleichaltrigen Häuser dort haben ebenfalls sehr merkwürdige Einstellungen zum Lot. :)
Die Fakten: Ja, die Böden sind gerade, Die Decke im 1.OG natürlich so schief wie die Außenlage, Deckenbalkenhöhe um die 1,60 m. Ich habe leider nur ein altes Bild vom ersten Besuch eines Raumes. Mittlerweile sind die Räume besenrein und trocken ;)
Ich selbst versuche meine beiden Denkmalhäuser so original wie möglich zu rekonstruieren, weshalb die "Schieflage" erhalten bleibt.Ein Konzept gibt es noch nicht, allerdings erste Kontakte zum Bundesverband für Kleinwüchsige für ein evtl. Urlaubsdomizil. Aber für Ideen bin ich immer offen ;)
Grüße, Stephan



Holznagel



das wäre doch eine tolle Geschichte für den Holznagel von der Interessengemeinschaft Bauernhaus! Sozusagen als fortlaufende Sanierungsgeschichte. Wirklich sehr spannend!

Grüße
Peter



Stimmt vermutlich,



was die untere Etage angeht. Die wurde im 18. oder 19. Jhdt. ausgetauscht, weil unrettbar.
Ein Torbogen gibt/gab es im Nachbargebäude links und laut Überlieferung waren die drei Haäuser wohl mal ein gemeinsamer Komplex, der immer mehr zerschlagen wurde.
Merkwürdig ist bei der Schieflage aber, dass die drei Traufen/Firste der Häuser ja sozusagen eine Linie bilden? (siehe Foto) Zufall? Wenn es tatsächlich mal durch die unterste Etage in Mitleidenschaft gezogen wurde, war ein "Geradeziehen" natürlich nicht mehr möglich, denke ich und man hat einfach die Oberste mitsamt Dach abgefangen. Das könnte eine Erklärung sein?!
Grüße, Stephan



Holznagel?!



Witzig, dass Du den erwähnst. Ich habe gestern Kontakt zur IgB aufgenommen, aber wegen eines anderen Hauses, dass wirklich ein Bauernhaus ist. Da ist fast alles gerade. :) Unschwer zu erkennen, ein Stampflehmhaus, mit dem damals selben Handycap: Keiner wollte es und alle haben gehofft und sich Mühe gegeben, dass der Regen das Grundstück "freiwäscht". Meint Ihr, das könnte den Holznagel interessieren? Dieses Haus wird hier im Forum bestimmt noch öfter auftauchen ;)



IGB



also, der Verein heißt zwar so, die schmeißen einen aber nicht raus, wenn man KEIN Bauernhaus oder Denkmal hat. :-) Mein Haus ist ein altes Brinksitzerhaus, also auch kein Bauernhof und auch kein Denkmal und ich bin das schon seit Jahren begeistertes Mitglied. Den Tipp zu dem Verein habe ich mal von einem befreundeten Architekten bekommen, der mit mir die Erstbegehung meiner "Ruine" gemacht hat ... Er wies mich auf die im Mitgliedsbeitrag enthaltenen Bauherrenversicherung hin. Was da für eine Wissensgoldgrube liegt, habe ich erst danach lernen dürfen. Außerdem sind die alle eine bisschen verrückt - wie wir eben :-)

Grüße Peter



Osterwieck



Hallo, Stephan,
ich kenne diese Häuserzeile in Osterwieck. Erst einmal Gratulation, daß Du Dir dieses ans Bein bindest und es denkmalgerecht, - also so wie es jetzt steht, erhalten möchtest.
Zur Erklärung der Schieflage: Diese sehr alten Häuser sind ehemalige Gerberhäuser und wurden ursprünglich sicher nie so gebaut. Die Gerber arbeiteten immer mit viiieeel Wasser, um die Felle zu gerben bzw. Alaun wieder auszuspühlen. Dadurch sind verschiedendlich die unteren Wände und Zwischenwände weggefault und alles oben drüber nachgesackt, ohne daß es hochgedrückt werden konnte.. Die Reparaturen wurden dann sparsam ausgeführt. So ist allmählich das heutige "Bild" und Statik entstanden. Es gab sicher mehrere Reparaturphasen im Laufe der Jahrhunderte.
Diesem muß man dann einfach gerecht werden. Eine glückliche Hand und gutes Gelingen.!

Leitet Manfred Neikes dort die Kontaktstelle der Interessengemeinschaft Bauernhaus noch ? Er besitzt ja eines der Nachbarhäuser.
- Herzliche Grüße, auch an ihn.
Dietmar



Wow,



und danke für die wirklich fundierten Infos. Das klingt sehr plausibel. Die Denkmalbehörde konnte mir leider nicht so viel dazu sagen.
Was Herrn Neikes angeht, kann ich leider noch nichts sagen. Ich bin ja NOCH nicht bei der IGB angemeldet. ;) Aber wenn er mir dann über den Weg laufen sollte, werde ich mich erinnern und ihm die Grüße bestellen.
Tatsächlich sind noch sehr viele Häuser in Osterwieck leerstehend und machen nicht den Anschein, als würde da bald was passieren. Soweit ich weiß, hat sich ein "Investor" davon gleich fünf Stück gesichert...seit Jahren. :(

Gruße, Stephan





Manfred Neikes wohnt im Hagen 27. Aufgrund seines Alters hat er sich von der ehrenamtlichen Arbeit etwas zurückgezogen. Das steht ihm zu.
Aber sein Herz für alte Häuser ist geblieben.



Erstmal



auch von mir herzlichen Glückwunsch zu diesem doch einzigartigen und wie ich finde, somit interessante Häuschen. Hat was… :-)
Ich wünsche Dir viel Spaß und ein glückliches Händchen!

Ich hätte zu der ’’Schräglage’’ noch eine Idee als Gedankenanregung.
Für mich als Leihe sieht es so aus als hätte das Haus früher nur 2 Etagen und ein Schrägdach gehabt. Irgendwann hat man dann noch eine Etage mit einem Spitzdach drauf gesetzt.
Aber wie gesagt, das ist nur mein erster Eindruck gewesen als ich das Bild gesehen habe.

Bei der These mit dem weg gefaulten Balken, warum betrifft das im Prinzip nur eine Etage und warum stehen die Balken noch gerade? Aber wie gesagt, ich bin Leihe. Mir kamen nur diese Fragen in den Sinn wie ich die Beiträge gelesen habe.

Um auf die eigentliche Frage zurück zu kommen, ich würde auch mit Lehmziegel arbeiten :-)
Gruß
Andreas



Lehmziegel



werden nun wohl meine erste Wahl sein bei der Ausfachung. Das ist auch die kostengünstigste Variante. Vielen Dank nochmal für die Hinweise und die Infos zum Haus selber! ;)

Gruß aus B. an der S., Stephan



Preiswert?



Stephan

Die preiswerteste Variante wäre Staken, Weidenzweige als Geflecht und Strohlehmwurf....
Allerdings etwas aufwändiger und flexibler als Lehmziegel.
Dafür eine Arbeit für absolute Laien und für die ganze Familie.
Aufarbeitbaren Baulehm gibts sicher in irgendeiner Grube oder Baustelle, Staken gibts beim Förster und Weidentriebe auch sicher in der Umbebung.


Andreas



Schieflage



@ Andreas, der jetzige Schiefstand ist sicher erst im Laufe von vielen Jahrzehnten entstanden. Der enorme Wassereintrag durch den Arbeitsprozeß Gerben fand sicher auch immer nur an der linken Seite statt. Dort war ein Durchgang zum Hof. Und hauptsächlich dort links ist das Fachwerk weggefault - und alles darüber nachgerutscht. Oben wurde recht wenig verändert, nur immer wieder ausgebessert, damit es bewohnbar blieb.