Bausünde verstecken bzw. anpassen

01.10.2006



Hallo

Leider wurde bei unserem Haus in der Vergangenheit vom ehemaligen Besitzer ein Anbau an die Rückseite angefügt.
Optisch passt das leider gar nicht zu einem Umgebindehaus.
Sieht man ja ganz gut auf dem Bild :-(
Jetzt habe ich die Überlegung, die hässliche Fassade optisch der alten Bausubstanz anzupassen.
Zum Beispiel durch die Montage von Fachwerkbalken, als optische Vorsatzschale. Dann mit Lehm wieder die Gefache verputzt.
Würde so etwas Sinn machen ?
Hat vielleicht noch jemand andere Ideen?
Bin für jede Hilfe dankbar.

Viele Grüße, Karin





Sehr geehrte Frau Issler,
versuchen Sie bitte nicht, den Anbau historisierend anzupassen.
Da das Thema sehr umfassend ist, möchte ich nicht einfach mal so auf die Schelle dazu Stellung zu beziehen.
Steht das Umgebindehaus denn unter Denkmalschutz?
Können Sie bitte den Anbau noch etwas deutlicher fotografieren und auch mal die verwendeten Materialien beschreiben.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies





Hallo Herr Kibies

Ja, das Umgebindehaus steht unter Denkmalschutz. Sollte eigentlich zwischenzeitlich für alle Umgebindehäuser zutreffen. Gibt ja auch leider nicht mehr viele davon.

Das mit dem Holz war nur mal ein erster Gedanke. Vielleicht reicht auch schon ein von Hand aufgetragener Lehmputz?

Es handelt sich um einen massiven Steinanbau, mit einem Mörtelverputz, soweit ich das erkennen kann. Der Verputz müsste sowieso überarbeitet werden.

Viele Grüße, Karin



Ich könnte mir ganz gut vorstellen,



dass man den Anbau in anderer Art verbessert. Vielleicht EG weißer Putz und Obergeschoss mit einer Lärchenschalung, die dann im Laufe der Zeit dunkel wird. So passt der Anbau dann farblich und Materialmäßig zum alten Teil, versucht aber nicht etwas zu sein, was es nicht ist. Eine Dämmung des Gebäudes im Zuge dieser Arbeiten wäre sicherlich sinnvoll und ist vermutlich auch Pflicht.
Ich würde mir von einem geschickten Planer einmal ein paar Zeichnungen anfertigen lassen. Dann kann man die neue Situation besser einschätzen.





Also die Idee mit Holz im Bereich des Obergeschoss gefällt mir auch sehr gut. Will ja jetzt auch nicht die alte Fassade einfach nur nach hinten kopieren.
So könnte ich vielleicht aber die Optik entscheident ansprechender gestalten.

Grüße, Karin





Hallo Frau Issler,
da das Umgebindehaus unter Denkmalschutz steht, sind die Arbeiten mit der zuständigen Denkmalbehörde abzustimmen. Diese Arbeiten sind dann auch erlaubnispflichtig. Das ist jedenfalls in NRW so. Ich denke, die anderen Denkmalschutzgesetze der Länder sind ähnlich.
Wie Herr Heim schon richtig geschrieben hat, sollte der Anbau nicht etwas sein, was er nicht ist. Ein Pseudo-Fachwerkkitsch wäre in jedem Fall die falsche Entscheidung.
Der Anbau, aus einer deutlich späteren Bauphase, sollte sich behutsam vom Denkmal absetzen. Bestrebungen nach einer deutlichen Trennung mit sehr moderner Architektur sind oftmals auch gefragt, hier aber an einem bestehenden Gebäude mit geringem Aufwand weniger praktikabel.
Sie sollten die regionalen Bauweisen im Auge behalten, diese aber nicht 1:1 historisierend kopieren.
Die von Herrn Heim genannte Variante könnte Rückschlüsse vortäuschen, die es so nicht gibt. In einigen Regionen ist diese Bauweise als historisch einzuordnen. Man würde eher ein ehemaliges Wirtschaftgebäude dahinter vermuten, als einen später angefügten Neubau mit Wohnnutzung. Evtl. wurde aber ein schon früher angefügtes Wirtschaftsgebäude erneuert. Dann wäre etwas Bauforschung sinnvoll, evtl. liegen auch alte Katasterpläne vor.
Eine Umgestaltung des Baukörpers anhand zweier Fotos ist nun nicht ganz einfach, insbesondere ist hier nur eine Seite einsehbar.
Vielleicht schauen Sie sich mal in der Region um, dort finden Sie sicherlich auch gelungene Beispiele einer Ergänzung. Ohne das Gebäude und die Umgebung eingehend zu kennen, würde ich eher zu einer reinen Putzvariante tendieren. Ein Kalkputz, weiß gestrichen, ohne Sockel. Dabei sollte natürlich die Gebäudegröße berücksichtigt werden.
Evtl. erscheint dann ein großer, weißer Baukörper als zu dominant. Schlagläden könnten die Fassade zusätzlich entschärfen.
Alternatv, eine komplette Holzschalung, dabei besteht aber dann wieder die Gefahr der Anmaßung an ein Wirtschaftsgebäude/Scheune.
Evtl. kann auch noch ein wenig die Fensterart und -aufteilung verändert werden. Diese sollten dann aber keine Sprossen bekommen. Das ist allerdings dann auch wieder eine Kostenfrage.
Was für eine Dacheindeckung hat denn das Gebäude? Aus welchem Material ist die Eindeckung? Ich vermute mal, es handelt sich dabei um Biberschwänze aus Ton, oder?
Diese werden mit der Zeit schön altern und zusätzlich den großen Baukörper entschärfen.
Den Vorschlag von Herrn Heim, einen guten Planer einzuschalten, sollten Sie beherzigen, evtl. kann Ihnen die Denkmalbehörde dabei behilflich sein.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies



Lösungen und Ansprüche



Die Auswahl der Machbarkeiten sollten durch eine genaue Begutachtung einer vor-Ort-besichtigung heraus erfolgen.
Betrachtung der Anbindungen des Anbaues an die histor. Substanz, Dachübergänge, Nutzungsvarianten etc.
Dazu wäre eine Terminierung am Objekt sinnvoll, um präzise Details zu erörtern.

Grüße Udo Mühle





Hallo Herr Mühle

Da haben wir uns glaube ich an dem Wochenende verpasst.
Ich werde Sie anrufen, wenn wir das nächstemal da sind, das ist dann besser.
Wir wohnen ja noch nicht im Haus, und sind dann in der Zeit immer in einer Ferienwohnung.

Vermutlich haben Sie ja schon mal einen ersten Blick drauf geworfen.

Es soll in Zukunft eben nicht so als Fremkörper wirken, wie es der Anbau jetzt tut.
Und in diesem Forum bekommt man doch viele Information , die einem vor den "groben" Sünden bewahren.
Deswegen bich ich auch für jeden Gedanken erst mal sehr dankbar.
Die Vorredner haben da sehr gute Argumente geliefert, was gegen die eine , oder für die andere Variante spricht.

Viele Grüße, und einen erholsamen Brückentag ,
Karin



@ Bernd Kibies



ich bin nicht der Meinung, dass man Zwangasweise aus einer Holzverschalung auf ein altes Wirtschaftsgebäude schließen muss.





@Fred Heim,
deswegen habe ich ja auch geschrieben: "könnte". Nicht durchweg, ist aber so gemeint.
Natürlich beschränke ich mich in meiner Aussage auf einige Punkte, mehr kann man anhand zweier Fotos auf diesem Wege aber nicht machen. Schlußendlich muß es heißen, Planer einbeziehen und Denkmalbehörde einschalten.
Grüße
Bernd Kibies



der wunsch,



dass der seitenflügel nicht als fremdkörper wirkt, ist zwar legitim, aber wohl kaum ausführbar - ein umgebindehaus ist ja auch vom grundflächentypus her überaus kompakt und ein seitenflügel gehört da nicht dran, holzverschalt oder nicht. ihr haus wird ohne abriß nie mehr ein klassisches umgebindehaus - kann man drehen und wenden wie man will.
das haus ist nicht mehr homogen und unversehrt - eine tatsache, der sie sich stellen müssen. wenn sie nicht abreißen können/wollen würde ich eher auf dem standpunkt stehen, den bruch zu betonen. irgendwie ist das ja auch lebendige baugeschichte, mit der man frieden schließen muss, innen wie außen - durch kaschieren wird das nicht gelingen.
der unvoreingenommene betrachter wird immer vor ihrem haus stehen, sich die augen reiben und sich fragen, was da wohl nicht stimmig ist.
ich war ja mit einem ähnlichen problem konfrontiert: klassizistisches Haupthaus und übler seitenflügel aus den 30igern (auch für damalige verhältnisse billig und wirr und proportionslos). in einem längeren denkprozess - zusammen mit denkmalschutz und anderen zuständigen behörden - haben wir uns für abriß und überaus kontrastierendem (über Farbe bis dachform, fensterformen) neubau auf den fundamenten des alten entschieden, auch wenn das die proportion nicht verbessert hat.
ein vollständiger verzicht auf den anbau hätte denn auch verheerende folgen - innerliche totalentkernung - gehabt, weil das haupthaus heutigen wohnvorstellungen sonst nicht angemessen gewesen wäre. das wäre ein viel größerer verlust an identität für das haus gewesen, die ausradierung des atems der vergangenen generationen.
ich bin, trotz durchaus anfänglicher skepsis, vom ergebnis überaus angetan und gerade die deutliche äußere scheidung ermöglicht es am meisten, sich das haus vorzustellen, wenn es unversehrt wäre. (was man auch bei ihrem ganz gut kann - gerade weil der seitenflügel so unpassend ist). es gibt ein paar verbindende zitate: z.b. einzelne holzrankgitter für eine lichte begrünung (die die nicht stimmige proportion abmildern soll), die die waagerechte betonen, wie die fensterfronten im klassizistischen hauptgebäude es tun und die fesnter sind ebenfalls aus holz, wenn auch von schlichter profilierung). innen ist das ganze überaus homogen, das was das eigentlich wichtige für ein Wohnhaus ist: es muss funktionieren und zwar im großen ganzen für eine unbestimmte anzahl von nutzern. und das tut es.
das ganze war ein denkprozeß über monate, viel vollgekritzeltes papier, schlaflose nächte meinerseits und am ende stand eine durchaus praktische computersimulation, die die entscheidung mal visualisiert hat. (für den eigentlichen denkprozeß setzt man sich mit sowas eher scheuklappen auf).





Hallo Karin

Ich habe mal auf die Schnelle was ausprobiert und versuche es mal als Bild hochzuladen (Ich hoffe es stört dich nicht das ich an deinem Foto herumgebastelt habe). Ist zwar nicht so perfekt aber vielleicht kann man ja erkennen was ich meine:
Erdgeschoss gleicher Farbton wie am "Original" dann ein breites dunkles Band. Oben weiß gestrichen und mit dunkelbraun/schwarz Wörter daraufgeschrieben. Das nimmt die Farbigkeit des Fachwerkbaus auf, ohne etwas zu imitieren. Gleichzeitig ist es was völlig eigenständiges.
Wenn es dir gefällt kannst du mir die genauen Abmessungen der Fassade schicken dann kann ich mal eine genauere Darstellung ausprobieren.
Viel Spaß noch
Dorothée





verdammt hat wohl nicht geklappt mit dem foto. ich probiers nochmal oder könnt ihr es sehen?





Ich weiß nicht was ich falsch gemacht habe, ich schick es dir als mail, ok?
Dorothée





Hallo Frau Ziller,
auch nach dem 2. Versuch kann ich leider noch nichts sehen.
Bernd Kibies





Ich glaube es war/ist zu groß habe es jetzt nochmal kleiner gespeichert. Neuer versuch.
Danke für die info, Bernd
dorothée