Altes Holztor ersetzen

23.03.2020 zultan32


Altes Holztor ersetzen

Liebe Fachwerk Freunde,
Mein altes Holztor auf einem (derzeit) ungenutzen Grundstück hat leider endgültig das zeitliche gesegnet.
Wie man auf den Bildern sehen kann, bestand das Tor früher wohl mal aus zwei Teilen, welche miteinander verrschaubt wurden. Das Haus auf der linken Seite, mit der Bruchsteinmauer, gehört dem Nachbarn (Grenzbebauung).
Um den Zugang von Unbefugten zu verhindern, möchte ich das Tor nun zeitnah ersetzen.
Das bestehende Tor ist einer 50cm dicken Mauer verankert.
Das jetzige Tor hat die Größe 270x200, das neue soll auch diese Maße bekommen.
Weiterhin sollte das neue Tor von außen und innen geöffnet werden können, inklusive Möglichkeit das ganze mit mit einem normalen Schloss abzuschließen.
Jetzt stellt sich mir die Frage wie ich vorgehe.
Option 1, Seperator Torpfosten, Stahlrahmen und Holzbeplankung
Option 2, Neues Tor an bestehende Aufhängung, im bisherigen Stil.
Eigentlich würde ich gerne Option 2 wählen, aber da habe ich noch einige offene Fragen.
Vielleicht könnt Ihr mir da weiterhelfen. Es soll ein sehr einfaches Holztor werden, ähnlich wie die Türe im Anhang.

Erste Frage, gibt es eine Möglichkeit die alte Aufhängung weiterzuverwenden ?
Wie wurde das früher gemacht ? Ich nehme an hier wurde der Balken eingesetzt, und anschließend die obere Halterung eingemauert.
Ich würde ungern die Befestigung rausmeiseln und neu einmauern.

Zweite Frage, gibt es hier eventuell eine Holzverbindung bei welchem man den Pfosten im Drehlager aus zwei Teilen baut, reinfädelt und das ganze dann mit einem Holznagel, Holzstück fixiert ?

Dritte Frage, ich habe überlegt auf die linke Seite eine Art Stützrad mit Stoßdämpfer anzubauen, um das Gewicht etwas abzufangen. Macht das Sinn ?

Vierte Frage, Gibt es ein Fachbuch das bei der Dimensionierung / Bemaßung des Holzes helfen kann ?

Fünfte Frage, habt hier schon jemand Ähnliches gemacht, und hat Tips/Bilder oder andere Anregungen ?

Weitere Bilder in meiner Dropbox: https://www.dropbox.com/sh/ehvqv9qqhz4wsif/AAAeoYQ1t9N6Kvufa_9rRGkTa?dl=0

Viele Grüße vom Kaiserstuhl
Till



Vorabliteratur



http://delibra.bg.polsl.pl/Content/35494/BCPS_39554_1942_Holzturen-und-Holzto.pdf
(Ich würde gerne zitieren von wem - ist aber im Originalthread https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/torverrriegelung-278272.html nicht sichtbar.

Die Scharniermechanik ist sicher verwendbar, allerdings sollte die Stahldolle unten neu hergestellt bzw. überarbeitet werden, die Grundplatte muss wieder auf den Dorn befestigt werden. Solche Drehangeln wurden nicht aus 2 Stücken hergestellt, der obere Dorn ist etwas länger, wurde also zuerst oben eingefädelt, nach oben gedrückt und unten in die Sandsteinmulde geführt. Wahrscheinlich geht es besser, wenn Tor und Angelbalken seperat auf den "Schnürboden" gefertigt werden incl. der Zapfverbindung Querhölzer-Angelbalken, dann den Angelbalken einbauen und dann erst mit ein paar das Tor in die Zapfenlöcher fädeln und Holznägel setzen.



Danke für die Antwort



Hallo Pope,
Danke für den tollen Link. Werde mir das PDF heute Abend mal gründlich anschauen.
Danke auch für die Erklärung mit dem einfädeln des Angelbalken. Das macht Sinn.
Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Nach dem Ausbau des alten Tores werde ich mir die Dolle mal anschauen.
Es sah eigentlich so aus als ob das Teil aus einem Guss ist. Aber zur Not haben wir einen alten Schmied im Dorf, der kann sowas sicherlich reparaieren / anfertigen.
Gruß Till



Die Grundplatte der Dolle



scheint mir auf dem Foto abgerissen zu sein. Du mußt Dir das Eisenteil wie das Holzbein vom Käptn aus der Schatzinsel vorstellen, es wird praktisch auf den unteren Teil des Angelbalkens aufgezogen.



Tor ausrichten



mit bestehenden Kloben ist was für Menschen mit viel Geduld.
Du glaubst gar nicht in wie viele Richtungen etwas "winsch" sein kann.
Desweiteren gibt es ja noch das jahreszeitliche Quell/Schwundverhalten eines frei bewitterten Tores - ich rate dir verstellbare Kloben zu verwenden (evtl kannste ja was an die alten anschweißen).
viel Glück
oLe



Das Tor...



...war Ursprünglich zweiflüglig, und diesen Zustand würde ich auch für den Neubau anstreben. Ist einfach leichter bedienbar und könnte auch leichter dimensioniert werden als ein doppelt breiter Flügel.

Zum Anschlagen des linken Flügels wurde ursprünglich wohl das Gebaude des Nachbarn genutzt. Bist Du soweit im Reinen mit ihm, daß er da zustimmen würde?

Auch bei einflügliger Ausführung müsste da ja ein Schließkasten, Schließblech o.ä. befestigt werden.

Alternative: Setzen einer neuen Torsäule.

Grüße

Thomas



Danke für Eure Antworten



@Pope
hab verstanden wie Du das meinst. Ich glaube das Bild ist etwas missverständlich, der obere Ring ist der "Kloben" welcher in die Wand gemauert ist.
@Ole
Ich werde mir die bestehenden Kolben nach Ausbau des alten Tores genau anschauen. Aber bevor ich da was ranschweiße, würde ich das gleich richtig machen, und zur Not die Maurerkelle schweneken.
@Thomas
ja Du hast Recht, so wie das aussieht war der linke Flügel an der Hauswand des Nachbars angeschlagen.
Das Haus ist allerdings recht baufällig, daher würde ich eher den Weg gehen dort eine Torsäule hinzustellen.
Ich habe noch einige Sandsteinsäulen, welche man hier eventuell verwenden kann.

Zum schließen des Tores habe ich überlegt,auf der linken Seit einen Torriegel zu benutzen, welcher sein Gegenstück im Boden hat. Zugang von außen durch eine Klappe mit Vorhängeschloss.



Holztüren und Holztore


Holztüren und Holztore

Habe mir das Buch mal angesehen, sehr interessant.
Eine Konstruktion wie ich sie machen möchte, mit den bereits vorhandenen "Ring Kloben" konnte ich leider nicht finden.
Aber ich habe eine nette Anregung gefunden, vielleicht werde ich das Tor mit Diagonalstreben beplanken.



Gibt es noch weitere Literatur ?


Gibt es noch weitere Literatur ?

Ich habe heute etwas gegoogelt, und ein weiteres interessantes Buch entdeckt.
Der Titel lautet "Die landwirthschaftliche Bauwissenschaft Theil 2" und kann bei Google Books
oder hier https://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd18/content/pageview/12767923 als PDF geladen werden.
Es sind unterschiedliche Versionen, die Variante von Google bietet Volltextsuche, hat aber keine Abbildungen.
Die Version der Uni Halle hat keine Volltextsuche, dafür am Ende die Abbildungen.

Dort habe ich etwas über diese Art Tore mit "Ring Kloben" gefunden.


Seite 437ff
Herfertigung der Thore in Scheunen, Schuppen und Gehöfte

Thorwege (Portale in der Prachtbaukunst), sind die Einfahrten in Gehöfte, in den Scheunen ...
und werden entweder massiv ausgeführt oder von Holz erbauet.
Von der ersteren enthält Fig. * Tab. VI Theil 1. eine ganze einfache Einrichtung, wie man sie gewöhnlich im Innern
der Gehöfte anlegt....

Die Konstruktion oder die Zusammensetzung der einzelnen Zimmerholzstücke, woraus die Thorflügel bestehen, ist ebenfalls sehr verschiedenen.
Einige Ideen dazu enthaltenb Fig. IV. V. VI. VII. (Tab. V.)
In Fig IV. sind a die Spindeln, b ist der Vorschlag, c sind die Riegel oder Spangen, d die Bänder oder Streben.
Die Hauptsache in der Verbindung ist diese, daß der Vorschlag, so viel wie möglich, aufwärt gedrückt wird, und unten nicht auf den Boden anschleift,
weil sonst die Flügel keinen freien Gang erhalten.
Fig V. und VII. enthalten ähnliche, ebenfalls sehr einfache Verbindungen.
Fig. VI aber ist zusammengesetzer, und enthält eine Thüre, die in beiden Flügeln zugleich steht.

Anmerkung:

Zusammengesetztere Thore in Einfahrten kommen hächstens bei ungewöhnlich weiten Thorwegen oder eigentlichen Portalen vor, und gehören nicht hierher.
Nach den hier mitgetheilten Abbildungen ist man im Stande, alle auf dem Lande vorkommende Thorwege,
sie mögen nun zu Einfahrten in Gehöfte, oder ini Scheunen dienen, zu verfertigen.
Stärke der Materialien und Festigkeit der Verbindung werden durch den Zweck hinlänglich bestimmt



Noch etwas gefunden


Noch etwas gefunden

Habe über Google Books zwei weitere Bücher entdeckt
Einmal das "Illustrierte Haus- und Familienlexikon - Ein Handbuch für das praktische Leben" von 1865
https://books.google.de/books?id=GaZmAAAAcAAJ&pg=PA202&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiu3cztmbXoAhW1uXEKHUnWAJgQ6AEITDAE#v=onepage
Und dann noch das Buch "Allgemeine Baukonstruktionslehre : mit besonderer Beziehung auf das Hochbauwesen ; ein Handbuch zu Vorlesungen und zum Selbstunterricht" von 1885
Dieses Buch ist bei Google als Vorschau verfügbar, oder als komplett Ausgabe im Internet Archive
https://archive.org/details/allgemeinebaukon02brey/page/634/mode/2up
https://books.google.de/books?id=iHf_CwAAQBAJ&lpg=PA219&hl=de&pg=PA219#v=onepage&q&f=true

Zitat aus dem Buch Allgemeine Baukonstruktionslehre:
Das Thorgerippe besteht aus den Wendesäulen, Fig. 8 Tagel 88, den Schlagsäulen, dem Oberriegel,
Dem Unter- oder Schwellriegel und dem Strebebande, zu welchen Verbandstücken, wenn das Thor hoch
ist, wohl noch ein oder zwei Mittelriegel hinzuzkommen.
Das Strebeband muss immer in die Wendesäule und den Oberriegel versazt (verzapft ?) werden,
und nicht etwa in den Schwellriegel und in die Schlagsäule; auch geht, wenn Mittelriegel
vorhanden sind, immer das Band durch und jene sind in dieses eingezapft.
Die Schlagsäule hängt auf versatzen Zapfen der Ober- und Schwellriegel, welche ihrerseits mit eben
solen Zapgen in der Wendesäule befestigt sind.
Diese Hölzer brauchen nicht alle von gleicher Stärke zu sein, doch müssen sie natürlich auf der Seite,
welche mit Brettern bekleidet werden soll, bündig liegen. Die Anzahl der Mittelriegel richtet sich darnach,
dass die Bretter der Bekleidung alle 1,2 - 1,5 m genagelt werden können.
Diese Thore bekommen gewöhnlich eine horizontale Schlagleißte oder einen beweglichen Thürschwengel
als Verschlussmittel, welch letzterer den Vorteil giebt, dass er, in seine vertikale Stellung gebracht,
beim Öffnen des Thores keinen Raum versperrt.

Bekleidet man die jetzt beschriebenen Thüren und Thore statt der Bretter mit Latten ini angemessenen
Zwischenräumen, so entstehen die sogenannten Lattenthüren, die vielfach in Anwendung stehen.
Oft wendet man dabei statt der Latten runde Stangen "Staketen" in From von Lanten u.f.w. an,
und in diesem Falle macht man die Quer- und Strebeleisten, statt von Holz, gern von Flacheisen und
befestigt die Lanzen u.f.w. mit Holzschrauben. Sollen diese Thüren zum Verschluss von Höfen und Gärten diensen,
so ist es gut, die Lanzen so nahe aneinander zu rücken, dass man den Fuß nicht dazwischen bringen kann,
weil die Strebeleisten sonst als Leitern benutzt werden können.
Letztere werden oft auch der Symmetrie wegen, in Form von Andreaskreuzen angebracht.


Zitat aus dem Buch "Illustrierte Haus- und Familienlexikon"
Große schwere hölzerne Thorwege an Scheunen, Schuppen, Ställen, eiserne Thore in Umfriedigungsmauern
usw. werden zweckmäßigerweise nicht mit Bändern sondern mit Pfannen und Zapfen und Schellen oder Halsbändern beschlagen.
Die Pfannen werden auf den Thürschwellen, wenn diese von Holz sind, aufgeschraubt;
sind dieselben von Stein, so werden sie eingebleit.
Die Zapfen werden an die Holzthore mittels Lappen und Schrauben befestigt,
an eisernen Thoren werden solche gleich an den hintern Stab oder den eisernen Rahmen angebracht.
Die Schellen oder Halsbänder, welche den hintern abgerundeten Eisenstab eines eisernen Thors oder das
hintere abgerundete Rahmstück, die Wendesäule, umfassen und so den Thorflügel in senkrechter Stellung erhalten,
werden in den Mauern, Gewänden oder Säulen mittels Schrauben oder Verbleiung befestigt.