Altes Haus dämmen aber wie?

11.08.2014 Himmel.See



Hallo zusammen,

nachdem ich hier schon einige lehrreiche Beiträge gelesen habe, möchte ich ein paar Fragen stellen. Eingangs einige Worte zum Hintergrund: Wir haben vor kurzem ein Haus erstanden; Baujahr 1926. Es wurde vom vorherigen Besitzer 1986 kernsaniert und bekam einen Anbau nach damaligem Stand der Technik verpaßt. Das Mauerwerk von 1926 ist Fachwerk und wurde 1986 mit einem Wärmedämmputz versehen. Das Mauerwerk hat eine Dicke von 140 mm. Derzeit hat das Haus ca. einen Heizenergiebedarf von 25000 kWh/a.

Das Haus hat einen Gewölbekeller, dessen Wände im unteren Bereich nach stärkeren Regenfällen leicht feucht sind. Der Keller liegt nur teilweise unter der Erde. Der Wohnbereich beginnt im Hochparterre.

Wir überlegen uns nun das Dach und die Fassade des Wohnbereichs zusätzlich zu dämmen. Das Dach würde dabei auch gleich neu gedeckt und zusätzliche Dachfenster und eine Gaube realisiert werden.

Derzeit neigen ich zu folgendem Dämmungsaufbau: Ständeraufbau z.B. mit KVH (oder SteicoWall),
Abschluß mit Holzfaserdämmplatte (z.B. SteicoUniversal),
die Gefache dann mit Einblasdämmung füllen (vgl auch Bild).

Nun zu meinen Fragen:

-Ist eine solche Dämmmaßnahme überhaupt (wirtschaftlich) sinnvoll? (Annahme: weite Teile der Fassadendämmung werden selber ausgeführt.)

-Soweit ich verstanden habe, könnte eine solche Konstruktion direkt auf dem Putz angebracht werden. Ist das so richtig?

-Sollte für die Einblasdämmung eher Holzfaser oder Zellulose als Material gewählt werden?

-Sollten die Fenster (von 1986) direkt mitgewechselt werden?

-Derzeit liebäugeln wir mir einer VHF. Bietet diese im Vergleich zu einem Putzsystem Vorteile was den Abtransport von Feuchtigkeit angeht?

Ich würde mich sehr über kompetente Antworten zu meinen Fragen freuen. Vielen Dank vorab.

Beste Grüße
Timo



Zum Verständnis:



Ich frag mal dumm: Die Dämmung soll außen drauf, oder?
Ralph Schneidewind



Adam Riese sagt...



1 Heizgradtag bei 1 W/m2K = 0.024 kWh.

Stuttgart scheint so um 3600 HGT pro Jahr zu haben, das wären bei 1 W/m2K ca. 86 kWh / m2 und Jahr. Mit dem u-Wert vorher und nachher lässt sich die Ersparnis, und damit die Rückzahlzeit berechnen. Ich wäre da skeptisch.

Mit Vorhangfassade wird das ganze etwa 35 cm dick, was die Fenster zu Schießscharten degradiert, und einen erheblichen Dachüberstand erfordert.

Mit 14 cm flexibler Holzfaser kommt man in diesem Fall eigentlich schon unter den EnEv Grenzwert...



Hallo,



bei einer 14er Wand ist eine Dämmung bestimmt sinnvoll.

Wandaufbau:
Fachwerk,
Steico Wall 160 mm,
dazwischen Steico zell,
Steico prodect 60 mmm,
Putzsystem gemäß steico.

Die Fenster müssen in die Dämmebene gebracht werden,
neue müssen es nicht sein.

Was ist eine VHF?

Grüße
Gerhard



Sorry, ich war in Hektik.



Dämmung soll außen drauf!
Ich bin zur Zeit Subunternehmer bei einer Firma die solche Arbeiten laufend ausführt und ich halte deren System für sehr gut.
Ob Cellulose oder Holzfaser eingeblasen wird macht meines Wissens keinen großen Unterschied. Cellulose ist halt etablierter.
Eventuell könnte mein derzeitiger Hauptunternehmer für sie interessant sein. Ich mach mal'n büschn Werbung: D-i-e Werkstatt in Freudenstadt-Musbach.
Freudenstadt ist zwar ein paar Meter von Stuttgart entfernt, aber so viel ich weiß hatten die dort auch schon Baustellen.
Ralph Schneidewind



Altes Haus dämmen



Hallo Timo,
Ich habe so etwas ähnliches gerade hinter mich gebracht: auf 30 cm Betonsteinwand mit Putz:
240 mm Steikowall, darauf 60 mm Steikoprotekt-Holzfaserplatten befestigt.
Hohlraum mit Zellulose ausgeblasen.
Auf die Platten und auf die dahinterliegenden Ständer
kommt senkrecht eine 33 mm dicke Konterlattung, darauf quer Rhombuslärchenschalung.
Durch die Hinterlüftung gibts keine Feuchtigkeitsprobleme, allerdings könnte man die 60 mm Steikoprotekt-Platten auch direkt Verputzen wie bei WDVS Fassaden (Statt Styropor=EPS)
Ich habe neue Lärchen Fenster eingebaut:
Die Steikoträger bündig neben die Fensteröffnung gesetzt
Auf die Träger und auf die innere Fensterlaibung 18 oder 22 mm Sperrholzplatten geschraubt zur Befestigung der Fenster und zur zusätzlichen Stabilisierung.
Die Fenster sind jetzt außen bündig mit dem Steikoträger, wobei die Fensterrahmen voll mit den Holzfaserplatten überdämmt werden.
Die Platten sind zu den Seiten hin 20 Grad schräg geschnitten- mit demselben Winkel wie die Fensterrahmen.
Dadurch spart man sich das spätere Nachstreichen, hat eine bessere Wärmedämmung, die innere Fensterlaibung ist jetzt fast 50 cm tief, sodass man die Fensterbänke als Sitz nehmen kann.
Innen auf die Sperrholzplatten kommen noch Gipsfaserplatten oder zementgebundene Spanplatten- primär zur Verbesserung der Schalldämmung.
U-Wert der gesamten Wand entspricht jetzt etwa Passivhaus Standard- ob die Wand dünner oder dicker gemacht wird ändert nur unwesentlich den Gesamtpreis.
Die Träger haben netto ca 6,50 € je Meter gekostet, dann ca 2 Dübel je Meter und die Zellulose etc.
Wenn du vieles selber machst bei handwerklicher Begabung, sollte sich das wirtschaftlich auf Dauer rechnen, ggf Mithilfe beim Einblasen suchen.
Steikowall hat den Vorteil nur ca 1/3 Holzanteil wie KVH zu haben, daher natürlich leichter zu befestigen und entsprechend besserer Dämmwert.
Zellulose ist günstiger, leichter, weniger Primärenergieaufwand, ansonsten relativ ähnlich wie Holzfaserdämmung.
Wenn die alten Fenster noch ok sind dürfte sich ein Austausch nicht lohnen, je nachdem womit du heizt, in welcher Gegend du wohnst etc.
Bei Fragen kannst du mich anrufen 0043-4733 20072
Aber wieweit sinnvoll und wirtschaftlich hängt natürlich auch von gewünschter Optik des Gebäudes und jetzigem Zustand ab, Dachüberstand etc, evt Flächenverlust bei Balkons, Terassen etc.das läßt sich aus der ferne nicht beurteilen.
Grüße von Andreas



Außendämmung



Ihre Bestandswand hat jetzt einen U- Wert der so um die 1,7 liegen müsste.
Ich empfehle Ihnen sich die nachstehende Grafik einmal in Ruhe anzuschauen und über das Verhältnis zwischen Dämmstärkenzuwachs und damit zu erzielender Energieeinsparung nachzudenken das sich etwa ab 10 cm Dicke einstellt.
Dann über die Nachteile in finanzieller und konstruktiver Sicht die so eine Bunkerwand mit sich bringen wird.



Die Grfik von Herr Bötcher bringt es auf den Punkt!



Ab 10 cm Dämmstoffdicke bringt jeder weitere Zentimeter nicht mehr viel.

Bei einer Innendämmung lohnt sich ab 6 cm kaum der Mehraufwand.

Grüße aus Koblenz
Gerd



Zustand des Fachwerks untersuchen



Hallo
Nur zur Ergänzung
Bei der vorhandenen Fachwerkwand mit Steinausfachung kann es ja wohl nur ein Vollziegel sein mit allenfalls dünnem Putz.
Wärmedämmputz hatten wir auch bei unserem Haus in ca 6 cm Stärke.Darauf befand sich ein kunststoffvergüteter ( eher verschlechterter)
Putz, der teilweise hohläugig war und abblätterte.
Wenn sich dieser Putz auf Fachwerk befindet würde ich vor umfangreicheren Arbeiten an der Fassade vorsichtshalber erst einmal die Fachwerkbalken, besonders Schwellen und Eckständer untersuchen.
Im Zweifelsfall Putz entfernen, was bei Wärmedämmputz relativ leicht gehen sollte.
Die Frage bei Euch wäre dann eher, ob überhaupt etwas machen, da wie schon geschrieben die Stärke des Wandaufbaus an den Kosten kaum etwas ändert, der einzige Posten wäre ein etwas höherer Preis für die Zellulose- alle anderen Kosten sind praktisch gleich ob 15 oder 30 cm gedämmt wird.
Natürlich sind die ersten cm der Dämmung am wirkungsvollsten, wie die
Grafik zeigt. Wenn aber sonst nichts dagegen spricht ( Optik, Dachüberstände, Platzverlust o.ä ) und angesichts fast unveränderter Kosten und Aufwandes würde ich trotzdem so gut wie möglich dämmen.

Schließlich bleibt das ja hoffentlich die nächsten 50-100 Jahre stehen und wie sich die Heizkosten entwickeln steht ja in den Sternen oder bei Putin.
Wenn alles verschraubt wird ist die komplette Konstruktion reversibel und in späteren Zeiten wiederverwendbar und rückbaubar .
Wenn ich Zeit habe werde ich meine Konstruktionszeichnung und Fotos reinstellen.



Fassadendämmung



Noch etwas zum Nachdenken bezüglich der wirtschaftlichen Dämmstärke:
Die Wärmeverluste eines freistehenden ungedämmten Hauses über die Fassade liegen bei etwa 20-25%. Wenn ich 10 - 14 cm Dämmung anbringe erreiche ich einen U- Wert von etwa 0,25. Damit reduzieren sich (theoretisch) die Wärmeverluste an der Fassade auf 25% wenn ich die 20-25% gleich Hundert setze. Auf den Gesamtwärmeverlust bezogen wären das etwa 18% Energieinsparung.
Wenn ich 30 cm Dämmstärke anbringe, also mehr als das Doppelte, reduziert sich die Gesamtenergieeinsparung nochmals um ewas mehr als 1%. Rechnen Sie die "Ersparnis" mal im Vergleich zu dem Mehraufwand den Sie für diese 15 cm betreiben müssen. Noch mal 10 cm mehr Dämmstärke sind energetisch schon nicht mehr nachweisbar. Im Gesamtzusammenhang mit den anderen energetischen Sanierungen gesehen (neue Fenster, Heizung, Dämmung Dach, Fußboden) geht es hier nur noch um ein paar dutzend KWh/a.





Hallo zusammen,

danke erst einmal für die zahlreichen Antworten. Die Einwände bezüglich der Dämmstärke sind natürlich berechtigt und der exponentielle Verlauf ist natürlich gegeben. Andererseits kostet zusätzliche Dämmstärke auch nicht mehr so viel mehr, da die zusätzlich notwendige Füllung nur marginale Kosten verursacht. Zumindest für mich wirkt es so als lägen die Kostentreiber eher an anderer Stelle.

Das Dach soll übrigens auch mindestens auf ENEV Standard gedämmt werden.

Leider sind wenige auf die Frage ob Zellulose oder Holzfaser der Vorzug zu geben wäre eingegangen. Vielleicht könnte hier noch jemand etwas schreiben besonders hinsichtlich der kapilaren Transporteigenschaften.

Was würden sie eher empfehlen eine hinterlüftete Fassade oder ein Putzsystem?

@Andreas Teich: Warum würden Sie das Fachwerk überprüfen? Der Putz scheint noch in sehr gutem Zustand zu sein. Da blättert nichts ab oder dergleichen.

@Gerhard Schobig: VHF = vorgehängte hinterlüftete Fassade.

Viele Grüße
Timo



Zellulose oder Holzfaser etc



Hallo Timo,

Zellulose oder Holzfaser haben weitestgehend die gleichen eigenschaften-letztlich beide aus dem gleichen rohstoff, nur ist Papier eben aus einer höheren verarbeitungsstufe der holzfasern entstanden.
kappilare feuchtigkeitseigenschaften praktisch gleich.Holzfaser ist eher für leute, die grundsätzlich Abneigung gegen Zeitungspapier bzw Druckerschwärze haben.
energetisch auf die herstellung bezogen hat Zellulose Vorteile, da es sich um ein recyclingprodukt handelt.
meiner Meinung nach hat Zellulose auch eher Vorteile bei der setzungssicherheit, da es leichter ist, zudem auch preisgünstiger.
ich persönlich würde Zellulose nehmen, wobei ich genauso gut Holzfasern einblasen könnte-ich sehe aber keinen Vorteil dabei.
Zum Fachwerk: die Gefahr bei Verkleidungen von Fachwerk ist immer die Feuchtigkeit, die sowohl von innen über Kondenswasser oder höhere Luftfeuchtigkeit kommen kann oder von außen falls doch irgendwo, auch durch winzige fugen, Feuchtigkeit eingedrungen ist.
bei wärmedämmputz mit evt kunststoffvergütetem spachtelputz besteht zumindest die Möglichkeit, dass dies die diffusionsfähigkeit einschränken kann.
es gibt zuhauf fachwerkgebäude, die durch WDVS oder sonstige gutgemeinte Bekleidungen irreparabel geschädigt oder zerstört wurden.
muß natürlich nicht sein, aber es ist kein großer aufwand an einigen stellen wie Sockel, eckständer o.ä. den putz zur Überprüfung aufzuschlagen.
bei einem diffusionsoffenen Aufbau mit Zellulose sind keine erhöhten feuchtigkeitsanreicherungen zu befürchten.
bauphysikalisch ist eine hinterlüftete Fassade einer verputzen WDVS Fassade immer vorzuziehen.

wenn überhaupt direkt verputzen dann auf dafür zugelassenen Holzfaserplatten o.ö.-bloß kein EPS-Styropor etc, aus ökologischen,schallschutztechnischen, brandschutz- und diffusionsgründen.
Direkt verputzen reduziert natürlich die Wandstärke und kann aus gestalterischen bzw denkmalschutzgründen notwendig sein.
soweit erst einmal hoffentlich die fragen beantwortet ?
gruß von andreas



Ine vorgesetzte,



hinterlüftete Fassade hält länger wie eine verputzte.
Ralph Schneidewind