Altes Haus Bj. 1890 - Horizontalsperre zu hoch - erneuern?

04.05.2015 Anne



Liebe Fachwerk-Experten,

wir sanieren gerade ein kleines Häuschen Bj. ca. 1890 (zweischaliges Mauerwerk, nicht unterkellert, kein Fachwerk, sandiger Untergrund).
Es verfügt über eine alte, brüchige, aber offensichtlich noch funktionstüchtige Horizontalsperre (Dachpappe o.ä.), die allerdings zwischen der 3. und 4. Ziegelreihe über Bodenniveau eingezogen wurde. Daher sind die unteren 3 Steinreihen nass.

Die bereits konsultierten Fachunternehmen halten eine Trockenlegung für unverzichtbar. Nun fragen wir uns, welche der folgenden Optionen die sinnvollste ist.

a) keine neue Sperre, reinen Kalkputz anbringen und mit der Feuchtigkeit im Sockelbereich leben. Aber womit in diesem Fall die feuchten Ziegel verputzen?
b) keine neue Sperre, Bodenniveau anheben (Deckenhöhe derzeit 2,76), reinen Kalkputz anbrigen
c) Trockenlegung per Mauerwerksaustausch
d) vielleicht hat jemand noch eine andere Idee, wie z.B. Abdichtung von außen (Fundament nur ca. 20-30 cm tief, kein Keller, sandiger Boden)

Andere gängige Methoden der Trockenlegung kommen für uns aus verschiedenen Gründen nicht in Frage (Bohrlochinjektion wg. Hohlräumem im Mauerwerk, Aufsägen oder Eintreiben von Stahlplatten wg. Statik, außerdem werden bei Maueraustausch die feuchten Steine gleich beseitigt) .

Wenn ich den Fachleuten a) und b) vorschlage, bekomme ich immer den Einwand, dass die Sperre sicher in ein paar Jahren nicht mehr funktionieren wird und der Einbau einer nachträglichen Sperre im bewohnten Zustand auch mit Zusatzkosten verbunden wäre. aKlingt logisch, aber ist wirklich damit zu rechnen, dass eine 120 Jahre alte Sperre noch brüchiger wird, als sie es bereits ist?

Der Anbieter von c) empfiehlt Folgendes:

- Sockelputz innen und außen abschlagen
- Fugen auskratzen
- die 3 Reihen Feuchte Steine austauschen und dabei unten und oben eine Sperre einziehen
- Steine an schwer zugänglichen Stellen per Bohrlochinjektion (Remmers) behandeln
- Grundverkieselung mit Aida Kiesol
- zementgebundene Dichtungsschlämme auf erdberührten Flächen aufbringen

Falls wir uns für den Maueraustausch entscheiden, wäre diese Vorgehensweise korrekt?

Wir wären sehr dankbar, wenn wir den ein oder anderen Ratschlag bekommen würden, der uns bei der Entscheidungsfindung weiterhilft...

Vielen Dank!

Anne



Feuchtigkeit innen und aussen ?



... oder nur innen ? Wenn nur innen, könnte es auch Kondensation sein.

Sind die Wände irgendwie gedämmt ? Ist der Hohlraum zwischen der inneren und äusseren Schale hinterlüftet ?

Wie sieht der Bodenaufbau aus ?

Ist der sandige Boden besonders feucht ?

Könnte man ausserhalb vom Haus Feuchtigkeit im Umkreis abhalten ?

Vorschlag e)

Kerndämmung des Mauerwerks
Fussboden Abdichten und dämmen



Kondensat



hielten wir bisher für unwahrscheinlich, da die Durchfeuchtung wirklich nur in den unteren 3 Reihen bis zur Horizontalsperre vorliegt. Oder ist das kein Ausschlussargument? Die Vorbesitzerin hatte eine Art Styropor-Tapete an der Wand und hat sicherlich wenig geheizt und gelüftet, was Kondensat durchaus begünstigt hätte.

Die Wände sind nicht gedämmt, weder innen, noch außen oder in den Hohlräumen.

Was genau ist mit Hinterlüftung der Hohlräume gemeint?
Es scheint ein abgeschlossener Hohlraum mit einer Verbindungsreihe auf Bodenniveau und nochmal in ca. 50 cm Höhe zu sein. Also eher keine Hinterlüftung, soweit ich das verstehe.

Der Bodenaufbau besteht aus Holzdielen auf Balken auf Sand, wie feucht dieser Sand ist haben wir noch nicht überprüft, da wir den Boden gerne erhalten wollten (außer ganz am Rand, dort ist er feucht, aber das ist ja aufgrund der nassen Steine kein Wunder).

Allgemein scheint der Sand jedenfalls nicht übermäßig feucht zu sein.

Die Möglichkeiten, Feuchtigkeit im Umkreis fern zu halten sind begrenzt, da es sich auf einer(am stärksten betroffenen) Seite um Grenzbebauung handelt. Dort war der Sockel auch bis vor einigen Monaten komplett mit Erde zugeschüttet.

Ob die Feuchtigkeit außen an den Wänden besteht, ist schwer zu sagen. Am Putz sind Ränder zu sehen, die auf Feuchtigkeit hindeuten. Diese könnten aber theoretisch auch schon älter sein und nur von vorübergehender Feuchtigkeit stammen.

Inwiefern würde denn die Bodenabdichtung und -dämmung das Feuchtigkeitsproblem an den Wänden beheben? Oder wäre das nur im Falle von Kondensat eine Lösung?

Besten Dank für die Hilfe!
Anne



Feuchtetest



Ein Loch in den Sand graben, schauen ob sich unten eine Pfütze bildet...

Bei zweischaligen Wänden sieht man oft aussen kleine Oeffnungen in den Fugen - das meinte ich mit Hinterlüftung.

Je wärmer die Wand ist, desto eher kann sie trocknen. Eine Kerndämmung könnte dazu einen Beitrag leisten. Günstiger als eine Aussen- und vor allem als eine Innendämmung.

Ein dichter und gedämmter Bodenaufbau würde Verdunstungskälte von Bodenfeuchtigkeit abstellen. Ueber mögliche Aufbauten wurde hier schon oft geschrieben. Vielleicht kann man den bestehenden Boden ausbauen und wiederverwenden, oder - einfacher - durch einen ähnlichen neuen Boden ersetzen.

Die Styroportapete sollte durch einen diffusionsoffenen Putz ersetzt werden.

Im Zweifelsfall kann ein Bauphysiker den Feuchtegehalt und die kapillare Saugfähigkeit der Ziegel messen, und angemessene Massnahmen vorschlagen.



Vielen Dank



für die Erläuterungen. Nein, dann hat es wohl keine Hinterlüftung. Wäre das von Vorteil?

Die Styroportapete haben wir schon vor einiger Zeit restlos entfernt.
Sollten wir keinen Maueraustausch vornehmen, würde Kalkputz denn auf den feuchten Steinen halten? Der Trockenlegungsspezialist war der Meinung, Kalkputz dürfe da auf keinen Fall rauf (nur oberhalb des durchfeuchteten Bereichs), da Kalkputz die Feuchtigkeit noch mehr ziehen würde. Stimmt das denn?

Vielleicht kankönnte uns auch noch jemand sagen, ob das Verfahren mit Dichtschlämme und Grundverkieselung im Falle eines Maueraustausches üblich und korrekt ist? Das wäre super.

Herzlichen Dank vorab
Anne