Altes Fachwerkhaus: Überlegungen zu Bodenaufbau über Erdreich

23.04.2021 Tom


Hallo, ich habe mir viele Artikel zu dem Thema hier durchgelesen und viele Anregungen bzw. Mechanismen aufgenommen. Dennoch bin ich mir zum optimalen Aufbau weiterhin unsicher.

Situation: Ein 500 Jahre altes FW-Haus ist größtenteils nicht unterkellert. Es steht auf ebenem lehmigem Boden, das Grundwasser ist ca. 5m tief, die Gegend ist eher regenarm. Noch habe ich nicht erkundet, in wie weit die Balken unter den Dielen ersetzt werden müssen.

Am stimmigsten finde ich 2 konträre Bodenaufbauten:
(1) diffusionsoffen (zB mit Glasschaum)
(2) diffusionsgeschlossen und hohlraumfrei unter den Dielen (zB Glasschaum, Beton, Abdichtung, Holzfaserdämmplatte)

Gründe für (1) und gegen (2):
Ich fürchte, dass bei einem Versiegeln eines Großteils des Bodens die Feuchte im Boden ansteigt (weniger Verdunstungsfläche) und solche Balken stärker angreift, die einerseits die Stile tragen, andererseits unzugänglich für das Einbringen einer Dampfsperre sind. Hier vermute ich, dass eine Dämmung mit Glasschaum die Bodenfeuchte wenig beeinflusst. Zudem sollte sie das Luftvolumen unter den Dielen und somit den Feuchtigkeitseintrag reduzieren. Auch fände ein Großteil der Luftbewegung in wärmerer Umgebung statt. Das Argument von G Böttcher, dass der Glasschaum durch seine poröse Oberfläche die Verdunstung erhöht, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Weder die Oberfläche noch die Schotterstruktur dürften Feuchtigkeit aus dem Boden saugen und wenn die Luftbewegung vornehmlich in den wärmeren, oberen Steinen stattfindet, sollte auch nicht so viel mehr durch Konvektion als auf der ursprünglichen Erdschicht kondensieren.
Zudem stellt die Struktur originär den Fachwerksverbund der Wände her.

Gründe für (2) und gegen (1)
Zumindest im Bereich der Dielung kommt keine Bodenfeuchte hoch, und auch die Konvektionsfeuchte entfällt. Man könnte vermutlich Balken zwischen zB Holzfaserplatten für den Fachwerksverbund und für die Fixierung der Dielen einbringen, ohne dass diese schädlicher Feuchte ausgesetzt sind. Aber wie gesagt, was passiert unter den Fassaden und den Wänden?! Es gibt kein Risiko von muffigen Düften und man darf auch großflächig einen Teppich darauf legen. Es reduziert auch das Risiko bei (1), dass der untere Bereich des Balkens durch eine zumindest teilweise daneben befindliche Isolierung mit Glasschaum noch kühler und feuchter als gegenwärtig wird und somit stärker angegriffen wird.

Stimmt mein Verständnis zu den Risiken, übersehe ich etwas? Und vor allem, habt Ihr Erfahrungen, welches Risiko im Kontext eines Fachwerkhauses dominiert?

Vielen Dank
Tom



Bodenaufbau über Erdreich



Hallo Tom,

zuerst mal:
das Fachwerk, also die Wände, kannst du bei deinen Überlegungen weg lassen.
Die haben mit dem Unterbau des Fußbodens nur bedingt bis gar nichts zu tun. Bei den Fw-Wänden kommt es darauf an dass der gemauerte Sockel auf dem das Fachwerk steht, trocken ist. Denn von da aus kann Feuchtigkeit in die Schwelle ziehen, nicht vom Boden zwischen den Wänden. Deshalb sollte/muss im Sockel eine Horizontalsperre sein.
Es sei denn, der Boden wäre höher als die Schwelle. Was hoffentlich bei dir nicht der Fall ist und unbedingt vermieden werden sollte.

Als nächstes:
Glasschaum hat eine geschlossenzellige Struktur.
D. h., er besteht aus winzigen zusammengebackenen hohlen Glaskügelchen. Da die Kügelchen geschlossen sind kann Glasschaum keine Feuchtigkeit aufsaugen und da sie hohl sind hat er seine Dämmeigenschaften.
Deswegen kann er als Schotter gleichzeitig zur Kapillaritätsbrechende Schicht und zur Dämmung eingebaut werden. In Plattenform produziert wird er z. B auch zur Perimeterdämmung verwendet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schaumglas
http://www.waermedaemmstoffe.com/htm/schaumglas.htm

Zu deinen beiden Aufbauvarianten:
Bei einem Grundwasserspiegel von 5 m gehe ich davon aus, dass das Erdreich an der Oberfläche nicht all zu feucht ist.
Trotzdem, wenn eine Betonplatte rein soll, muss unter den Beton eine Folie (nicht auf ihn), damit beim Einbringen der Beton und dessen Anmachwasser nicht in die Schotterschicht sickern. Somit liegt auch der Beton schon im Trocknen. Es braucht keine Folie/Abdichtung mehr unter dem weiteren Aufbau, egal welcher Art.
Wenn ein Dielenboden auf Lagerhölzer rein soll, brauchts zwar keine Betonschicht, man kann die Lagerhölzer auch direkt auf den Schotter legen, aber eine Folie sollte trotz dieser Gegebenheiten (relativ trockener Untergrund) auch unter die Lager. Wegen der dampfförmig aufsteigenden Feuchtigkeit, die andernfalls ins Holz zieht. Auch wenn ein Dielenboden diffusionsoffen ist und die Feuchtigkeit in den Raum verdunsten kann. Sie kommt aber ständig nach.
Wird irgendwann mal der Dielenboden mit einem dampfdichten Belag zu gelegt, wirds ohne Folie "unten rum" feucht, weil dann die Feuchtigkeit nicht mehr nach oben weg kann.
Schon aus dem Grund würde ich auf jeden Fall eine Folie einbauen. Man hält sich für die Zukunft alle Optionen offen.

Das Thema Kondensatbildung brauchst du in dem Fall nicht weiter zu bedenken. Es gibt keine, da der Raum über dem Boden immer wärmer ist als der Untergrund. Wenn überhaupt, dann bildet sich Kondensat unter dem Glasschaumschotter, wo es am kältesten ist.

Gruß,
KH



Herzlichen Dank



für die ausführliche Antwort. Genau in die Richtung hatte ich ursprünglich gedacht, mich dann aber durch die vielen Beiträge von G Böttcher (RIP) etwas verunsichern lassen. Der sagte ja fortlaufend, dass er in seiner Praxis immer die Schäden durch Feuchteeintrag in Folge von Konvektion gesehen hat.

Aber vielleicht hat er das auch nicht mit einer Dämmung unterhalb des Luftraums gesehen, die sicher für weniger Feuchteschäden sorgt, wie Du auch sagst. Dann klingt eine Dämmung mit Glasschaum und einer Folie darüber ja voll ausreichend. Der Fußboden ist noch drin, daher sind meine Überlegungen noch theoretischer bzw. planerischer Art. Sollten die Balken voll unterfüttert sein (denke bei dem Baujahr aus märkischen Feldsteinen (Granit)), müsste ich das nur in den Zwischenräumen tun. Wenn sie auf einzelnen Auflagern stehen (was ich eher nicht glaube), würde ich die Folie an den Hohlstellen unter die Balken durchführen.

Würdest Du auf eine Abdichtung der Dampfsperre zu den Seiten (bzw. der Folienstücken beim etwaigen Unterfüttern hohl liegender Balken) achten? Luftbewegung sollte da ja kaum sein und das bisschen an den Kanten durchkommende Feuchtigkeit würde sich im Luftraum unter den Dielen verteilen.

Muss der Glasschaumschotter zwangsläufig für die Isolierwirkung verdichtet werden, auch wenn keine Balkenabstützung drauf kommt? Da liegen zum Teil historische Dielen, bei denen ich nicht weiß, wie gut ich sie rausbekomme. Da würde ich am liebsten nur wenige rausnehmen und von der Seite arbeiten.



Re: "am liebsten nur wenige rausnehmen"



Was ich gestern beschrieben habe wird nicht gehen ohne den Dielenboden komplett auszubauen.
Die Folie sollte vollflächig über der Schotterschicht liegen, nicht nur als Streifen unter den Lagerhölzer.
Und falls du zur Dämmung Glasschaumschotter verwenden willst, muss die Schicht ca. 25 - 30 cm dick sein, damit der U-Wert den heutigen Anforderungen entspricht.
Alternativ kannst du auch als kapillaritätsberechende Schicht "normalen" Schotter, ohne Feinanteil einbauen, darauf die Folie vollflächig auslegen, darauf die Lagerhölzer und ziwschen die Lagerhölzer hochdämmendes Material einbauen, z. B. HWF-Platten, Isofloc, o. ä..

Wenn du nur Folienstreifen unter die Lagerhölzer legst und der Untergrund dazwischen offen bleibt, hast du nach wie vor das Problem, dass die Feuchtigkeit gasförmig durch den Schotter bis unter die Dielung aufsteigt (diffundiert) und die Lagerhölzer und Dielen dem entsprechend feucht(er) werden.

Liegen die Lagerhölzer auf dem Fundamentsockel auf, brauchst du den Schotterunterbau nicht zu verdichten. Liegen sie, oder ihre Auflagen auf dem Untergrund musst du den Schotter verdichten, damit der Boden sich nicht im Laufe der Zeit absenkt.

Ich habe nicht alle Beiträge von G. Böttcher gelesen, gehe aber davon aus dass er sich auf Hohlräume in Bauteilen bezieht. Denn Konvektion entsteht nur in Hohräumen, wo sich die Luft bewegen kann. In Materialien spricht man von Diffusion und Kapillarität:
https://de.wikipedia.org/wiki/Konvektion https://de.wikipedia.org/wiki/Diffusion https://de.wikipedia.org/wiki/Kapillarität



entschuldige, unklar ausgedrückt


entschuldige, unklar ausgedrückt

die Folie soll schon vollflächig auf den Schotter. Die Frage ist nur, ob die Seiten abgedichtet werden müssen (geklebt) oder ob eine lose am Balken/Feldsteinen anliegende Kante ok ist. Klar ist auch, dass die Folie möglichst wenig Balken abdecken sollte bzw. die Schotterschicht möglichst nicht an die Balken stoßen sollte ohne Folie dazwischen (in oberen Bild rechts außen dargestellt.

G Böttcher meinte, dass durch das Laufen und den damit verbundenen Auf- und Abbewegungen der Dielen es zu einem ständigen Luftaustausch unter den Dielen kommt und dadurch die Konvektion stattfindet.



Zur Zeichnung



So wie du es in der unteren Zeichnung dargestellt hast, wäre es richtig, wenn du die einzelnen Streifen mit einander verklebst. So dass es am Ende eine durchgehend geschlossene Folie ergibt. Wenn du diese dann an den Ränder/Wänden bis Oberkante fertigen Fußboden (OKFF) hoch ziehst, sind alle Spatzen gefangen. Je nachdem wie holprig die Wandanschlüsse sind, würde es ziemlich schwierig die Folie an den Rändern zu verkleben. Deswegen ist es einfacher die Folie bis OKFF hoch zu ziehen.
Den Raum zwischen den Lagerbalken kannst du auf der durchgängigen und an den Ränder hochgezogenen Folie mit jedem x-beliebigen Dämmmaterial bis OK Lagerbalken auffüllen (z. B. Perlite- od. Isofloc-Schüttung), damit eben kein Hohlraum unter den Dielen bleibt. Dann gibts auch keine Konvektion und das von G. Böttcher beschriebene Problem hat sich erledigt.

So wie es auf der oberen Zeichnung dargestellt ist, die Folie nur zwischen die Balken zu legen, selbst wenn sie an ihnen verklebt würde, wird es nix. Wenn die Balken ohne Folie auf den Steinen liegen kommt da die Feuchtigkeit von unten ans Holz ran, wenn auch nur dampfförmig. Dann kannst du die Folie auch ganz weg lassen, die Balken selbst sind ja nicht dampfdicht. D. h., die Feuchtigkeit diffundiert durch die Balken unter die Dielung. Sind die Steine und/oder der Mörtel mit dem sie vermauert sind, auf denen die Balken liegen kapillar leitfähig, zieht die Feuchtigkeit sogar in flüssiger Form von unten ins Holz. Dann verrotten sie garantiert mehr oder weniger schnell, bzw. sie sind so feucht dass evtl. Holzschädlinge "einziehen".
Meines Erachtens hast du nur zwei Optionen: Entweder mache es so wie auf der unteren Zeichnung, allerdings wie von mir oben beschrieben, auch wenn es aufwändiger ist, oder lasse es ganz, weil eine "Teillösung" ist den Aufwand nicht wert, sie bringt nichts.