Altes Fachwerk begradigen/erneuern

14.03.2016 fillius



Ich komme direkt zur Sache: Ich habe hier ein sehr altes Fachwerkhaus, das in manchen Bereichen wirklich grauenvoll aussieht. Vorerst soll es allerdings nur um ein Zimmer gehen, bei dem Wände, als auch Boden erneuert werden sollte. Momentan klebt alte Tapete an den vier Wänden, die unbedingt ab sollte. Ein Stück habe ich an einer Ecke mal herausgeschnitten, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt (siehe Bild). Erstmals ist die Tapete auf eine Art Schaumschicht geklebt, allerdings nur auf zwei Außenwände. Dahinter kommt dann Putz in allen möglichen Farben und Formen. Dazu eine alte Fußleiste. Als jemand der gar keine Ahnung, bis auf ein Ausbildungsjahr Farbtechnik hat, habe ich kaum Ahnung was zu tun ist. Mein Ziel ist es die Wände völlig zu begradigen, so dass diese am Ende aussehen wie neu. Ein Fachmann hat mir geraten mit Rigips zu arbeiten. Dazu würde ich gerne hier ein paar Meinungen sammeln, wie ich denn nun vorgehen sollte. Es ist definitiv mein Ziel die Wände zu begradigen, so dass sie, wie schon gesagt, modern aussehen. Das Fachwerk soll in diesem Zimmer nicht mehr zu sehen sein. Wie soll ich nun vorgehen?

Dann zu dem Boden. Momentan ein grauenvoller Teppich, der weg soll. Der Dielenboden sieht meiner Meinung nach recht gut aus, "knarscht" auch nicht. Wenn ich schon dabei bin würde ich mir auch zum Dielenboden gerne Meinung anhören wie ich diesen bearbeiten kann, so dass er wieder schön ordentlich aussieht.



schwieriger Anfang....



Ich denke Du solltest Dir schon Jemanden zur Hilfe nehmen, der etwas mehr Praxis hat, um gewisse Abläufe und Arbeiten schon im Vorfeld zu koordiniern.

Holger Heerdegen
Tischlerei und Restaurierungswerkstatt



Lesen bildet



hier im Forum, im Internet, in einschlägiger Literatur etc.
Ein gutes Buch ist z.B. Fachwerkhäuser von Wolfgang Lenze, ISBN 9783816785309,ca. 40€, derer gibt es noch viele mehr.

Wenn sie dann etwas mehr Grundlagenwissen haben, läßt sich ihr Vorhaben auch in diesem Forum diskutieren. Ein diy-Begleitkurs kann hier niemand leisten.

Die "Art Schaumschicht" ist eine Styroportapete wie sie tw. auch heute noch gerne verwendet wird als billige Abhilfe, wenn morgens an der kalten Außenwand die Haare im Bett anfrieren.

Gruß
Selle



Lehm



ist dafür hervorragend geeignet. Ich hatte auch Styroportapete auf Dispersionskleber den ich mechanisch entfernen musste. Bei mir hielt der Putz darunter, er war aber alles anderes als eben. Ich hätte es auch einfacher gehabt wenn ich statt Multitool und Spachtel mir gleich eine Sanierfräse geholt hätte. Fünf Zentimeter Ausgleichsschicht Lehm brauchen aber auch im Sommer schon mehr als einen Monat Trockenzeit. Ich habe dann in Absprache mit dem Bauphysiker 40 mm Holzweichfaser genommen und die verklebt, gedübelt und mit Lehm 2-lagig verputzt. Bei mir ist die Endschicht jetzt vollkommen eben, aber recht grob. Das Finish lässt sich auch mit Kalkputz statt Lehm feiner machen wenn gewünscht.



schwieriger Anfang....



Lieber Fillius,
ich kann mich Holger nur anschließen. Das Thema Sanierung an und in einem Fachwerkgebäude ist ein sehr komplexes Thema und erfordert ein enormes Fachwissen.

Die eine oder andere Detailfrage lässt sich vielleicht beantworten, aber auch eine Detailfrage ist immer mit den Gegebenheiten und Planungen des Gesamtaufbaues einer Fachwerkwand verbunden.
Ich kann dir nur raten, dir einen nachweislich am historischen Fachwerk erfahrenen Handwerker bzw. Planer hinzuzunehmen, sonst läufst du Gefahr das Fachwerk nachhaltig zu schädigen.


Gruß aus Bamberg

L. Parisek

P.S.: Es drängt sich mir auch ein wenig die Frage auf, warum nach deiner Meinung der Innenraum bzw. die Wände dieses Fachwerkhauses unbedingt "modern" und "begradigt" aussehen sollen