Altes Bauernhaus von 1800 herum soll komplett renoviert werden.. Hilfe! :)

23.07.2018 kischde



Hallo zusammen!

Bevor ich euch direkt überfalle, hier eine kurze Vorstellung:
Wir sind Anfang 40, wohnen im nördlichsten Zipfel Baden-Württembergs und haben vom Hausbau leider nur bedingt Ahnung. Meine Frau hat bereits Erfahrung mit der Verarbeitung und dem Aufbringen von Lehmputz in Fachwerkhäusern, ich habe eine Elektronikerausbildung und erledige die Hausinstallation daher selbst - in Abstimmung mit einem E-Meister, der auch die Abnahme macht.
Das in etwa zu uns.

Wir haben uns das besagte Haus mit Stall und Scheune gekauft um einen Kindheitstraum meiner Frau zu verwirklichen (die Pferde direkt mit am Haus zu haben) und für uns und unsere beiden Jungs endlich ausreichend Platz zum Ausbreiten zu haben.
Zum Corpus delicti: nach Kauf eines alten Bauernhauses aus ca. 1800 herum steht nun quasi die Komplettrenovierung an. Fundament besteht aus Muschelkalk, darüber Fachwerk und die Gefache sind großteils mit Ziegelsteinen zugemauert. Die Wände sind bisher wahrscheinlich mit Lehmputz verputzt, worüber zuletzt eine 2-3 mm bis hin zu 2 cm dicke Schicht Zementputz gezogen wurde... Was, wie ich vermute und mein Schwiegervater bereits bestätigte, im Innenbereich quasi eine Todsünde ist und der Verursacher eigentlich noch jetzt zumindest gefedert gehört.
Wir haben nun in der Waschküche begonnen, den hohlliegenden Putz abzuschlagen. Der Heizungsbauer wird ab etwa Oktober Heizkörper und in der Waschküche die Heizanlage, sowie Wasser und Abwasser in den beiden Bädern und Küche (wo nötig) neu legen.

Nun sollen die Wände komplett befreit werden, um die Balken wieder sichtbar zu machen. Die Gefache (so bisherige Überlegung) wollen wir mit Lehmputz verputzen. Nun stellt sich die Frage, wie die Elektroinstallation (klassich + Netzwerk; kein Smarthome, etc) zu realisieren ist, was die Anbringung der Leitungen und Dosen, Schalter, usw. angeht. Und ob ein Lehmputz über den Gefachen überhaupt ausreicht oder ob weitergehende Maßnahmen nötig sind.

Ich hoffe daher auf euren Input und eure Ideen um einem - wie ihr seht - Laien etwas unter die Arme zu greifen. Vielen lieben Dank im Voraus für alle gut gemeinten Ratschläge (solange selbige das Anzünden und neu hochziehen außen vor lassen ;) )

Gruß René



Sichtfachwerk



Sichtfachwerk funktioniert bei Außenwänden immer nur auf einer Seite. Entweder innen oder außen. Auf einer Seite muss ich das Gebäude dicht bekommen.
Bei Innenwänden ist das weniger Kritisch, kann aber, da der Übergang Fachwerk zum Gefach nie dicht ist, auch unschöne Nebeneffekte in Sachen Geruchsübergang und Schalschutz mit sich bringen. Deswegen rate ich auch Innen eher dazu nur eine Seite Sichtfachwerk auszuführen.

Sichtfachwerk mt Elektro kann man machen. Dabei ist immer im Detail zu überlegen, wie bekomme ich die Leitung ins Gefach ohne die statisch entscheidenden Balken zu schwächen.
Wenn es sein muss, kann man aber auch die Leitungskanälen und die Installationen mit guten Systemen, auch optisch ansprechend, Aufputz, z.B. in einer Sockelleiste/Fußleiste verlegen.

Viel Spaß und alles Gute für die Heimarbeit - M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land



Putzempfehlungen?



Danke für die hilfreichen Denkanstöße! Küche z.B. werden wir der Einfachheit halber komplett verputzen, um Gerüche dort zu halten und um es hier durch gerade, glatte Wände einfacher zu haben.
In den Bädern dürfte es für die Wände vermutlich auch besser sein, wenn hier komplett verputzt wird. Somit bleiben nicht viele Räume, in denen beidseitiges Sichtfachwerk überhaupt zur Debatte stünde. Zwischen Ess- und Wohnzimmer bspw. wäre es für uns zu überlegen.
Gibt es in Sachen Lehmputz Ratschläge, welches Material qualitativ gut ist und wie man sinnigerweise vorgehen sollte (z.B. zuerst einen 'Grundputz' und drüber einen deckputz oder 'den guten Lehmputz L-123' und den sauber aufbringen)?

Die E-Installation hinter Sockel- oder Deckenleisten wäre glaube ich eine optisch ansprechende und zum Stil des Hauses passende Option, ja.



Heizung



Hallo René,

ich habe gerade deinen Text gelesen. Mit Elektroinstallation kenne ich mich leider nicht aus, aber mir ist noch etwas zum Thema Heizung eingefallen: Freunde von uns haben auch vor 3 Jahren ein altes Bauernhaus gekauft, wo die Heizungen nicht mehr funktionierten. Anstatt alles neu machen zu lassen, sind die auf Infrarotheizungen umgestiegen. Also komplett elektronisches Heizen. Das ist in alten Häusern auch deshalb gut, weil es gegen Feuchte Wände vorbeugt. Was ja in alten Bauernhäusern keine Seltenheit ist... Und die Teile sehen auch echt schick aus, zum Beispeil kann man sich einen Infrarotheizung Spiegel ins Bad hängen, oder eine Bildheizung ins Wohnzimmer, da sieht man also nichtmal einen Heizkörper...
Nur mal so als Anregung. Hast ja noch Zeit darüber nachzudenken. Wie ich bei dir gelesen habe, soll der Heizungsbauer ja erst im Oktober kommen...

Viel Erfolg mit eurem Haus!
LG Niklas