Altersbestimmung Haus

21.03.2021 Scharrenbroich


Liebe Community,

mein Mann und ich haben letztes Jahr ein Haus im Bergischen Land gekauft. Laut Maklerin ist das Baujahr 1864. Da ich geschichtlich interessiert bin habe ich direkt weitere Nachforschungen betrieben. Beim zuständigen Katasteramt habe ich die älteste Katasterkarte von 1827 bekommen. Darauf ist das Haus bereits im heutigen Grundriss eingezeichnet. Im Garten habe ich ebenfalls einige Funde gemacht. U.a. mehrere Dachpfannen die vom Geschichtsverein grob auf das 18. oder 19. Jhd datiert wurden. Auch einen Türbeschlag habe ich gefunden. Ich vermute, dass das Haus jedoch noch älter ist. Es besteht aus zwei Teilen: einem zweigeschossigen Teil und einem eingeschossigen Teil von dem ich vermute, dass dieser nachträglich angebaut wurde, vielleicht zur Viehhaltung? Aber auch dieser "Anbau" war 1827 schon vorhanden. Und ich glaube, dass das Haus schon einmal abgebrannt ist und dann an derselben Stelle neu errichtet wurde. Der zweigeschossige Teil ist teilweise unterkellert mit einem Gewölbekeller mit Stampflehmboden. In diesem Boden ist ein Brandhorizont zu finden. Im Dachstuhl sind zum einen sehr unförmige Ziegel verbaut, die teilweise schwarz und angekohlt aussehen, zum anderen sind regelmäßige Ziegel ohne Verfärbungen verbaut. Ich denke, dass die verkokelten Ziegel vom abgebrannten Haus da wieder verbaut wurden. Das Fundament ist sehr dick aus Grauwacke und Mörtel. Die Wände sind allesamt aus Ziegeln, über den Türen und Fenstern sind Sturzbalken. Da Dendrochronologie bei einem abgebrannten Haus wenig Sinn macht: Kann ich anhand konstruktiver Merkmale mehr herausfinden? Oder hat jemand weitere Tipps? Ort ist Rösrath.



Der erste Gang



um weitere Infos zu erhalten wäre normalerweise zu Ihrem lokalen Bauamt, wo bundesweit von eigentlich jedem Haus die Bauakten archiviert werden. Gegen eine geringe Bearbeitungsgebühr werden einem in der Regel die gesamten Bauakten - egal welchen Alters - als Kopie ausgehändigt.
Sollten Sie das schon versucht haben, könnten die preußischen Meilenblätter auch von weiter zurückreichenden Jahren eingesehen werden - allerdings ist das Rheinland ja auch erst seit 1815 preußisch geworden.

Dentochronologie würde ich jedoch auch bei aus Vorgängerbauten zusammengesetzten Häusern nicht ausschließen: man sollte aber darauf achten, möglichst Proben von sehr unterschiedlichen Stellen des Gebälks zu nehmen. Das wäre sicher sehr spannend und ist keinesfalls teuer!



AW: Der erste Gang



Guten Morgen,

vielen Dank für Ihre Antwort. In der Tat ist die Karte von 1827 die älteste Katasterkarte. Beim zuständigen Bauamt habe ich lediglich Unterlagen für den letzten Umbau von 1995 erhalten, die ich ohnehin hatte. Der Geschichtsverein und das Stadtarchiv sind ja momentan geschlossen. Ich besitze ebenfalls Unterlagen für den vorletzten Umbau 1979, die Katasterurkarten von 1827 und 1880 sowie Fotos aus den 1920ern und 1960ern. Auf der Urkarte von 1827 ist das Haus L-förmig. Jedoch ist an der Stelle wo laut Plan damals bereits ein Anbau war im Obergeschoss ein zugemauertes Fenster. Das ursprüngliche Haus ist ca 11,6 m lang und 4 m breit und 7,6m hoch bei einer Dachneigung von 48 Grad.



Altersbestimmung Haus



Gibt es denn andere Merkmale, zb Ziegelmaße, Mauerverbände, Grundriss, Stampflehmboden, Bruchsteinsockel, Gewölbekeller, die hier helfen könnten? Ich weiß leider nicht wie man hier mehrere Bilder gleichzeitig hochladen kann. Falls jemand möchte kann ich gerne weitere Bilder per Email schicken.



Es würde mich



wundern, wenn im Haus keinerlei Hinweise zu finden wären? Habt Ihr mal im Fußboden gegraben nach alten Scherben? Oder in den Zwischenböden nach Zeitungen usw geschaut? Auch kann es manchmal Münzen in den Dielenritzen geben. Sie wären wegen des Prägestempels eventuell ein Hinweis, wie alt es mindestens sein muss.



Altersbestimmung Haus


Altersbestimmung Haus

Hallo Werner,

danke für deine Nachricht. In der Küche war eine Zeitung eingemauert von 1979 und im Garten habe ich 5 Reichspfennig von 1925 gefunden. Dass das Haus schon 1827 stand weiß ich ja bereits. Aber ich werde auf jeden Fall nen Detektor besorgen und mal ein bisschen auf Schatzjagd gehen. Die mauerziegel in der Gewölbedecke (Wände aus Bruchstein) haben Maße Wild durcheinander. Von 23 cm bis 29,5cm Länge, und 5,5 bis 7,5cm Höhe.



Gewölbekeller


Gewölbekeller

Foto 2



Gewölbekeller


Gewölbekeller

Foto 3



Dachstuhl


Dachstuhl

Foto 1



Die Lichtnische



im Keller deutet ja auch schon auf ein Baujahr vor der Elektrifizierung hin. Allerdings wurden Keller auch oft wiederverwendet, wenn das Haus darüber zB abgebrannt ist. Welchen Boden hat der Keller? Stampflehm? Vielleicht findet man darin noch was.
Bei uns waren ungelogen hunderte uralte Geschirrscherben direkt vor der Haustür vergraben...evtl als Drainage?



Hallo Werner



Vielen Dank für deine Nachricht. Ich vermute stark, dass der Keller älter ist als das Haus. Ich habe im Stampflehmboden im Keller gebuddelt und einen Brandhorizont gefunden. Auch sind im Keller größtenteils unförmige, handgestrichene Ziegel verbaut die man eher als Klosterformat ansprechen kann, im Dachstuhl sind zum Teil rußgeschwärzte handgestrichene Ziegel und teilweise industriell gefertigte Ziegel verbaut. Vielleicht wurden da Ziegel vom Vorgängerbau verwurstet. Der Hauseingang ist traufseitig. Ich muss einfach weiter buddeln, andererseits möchte ich die Funktion des Lehmbodens nicht zerstören. Ich habe eine Veröffentlichung gefunden die sich mit der Architektur im Raum Bergisch Gladbach beschäftigt. Die hilft mir das ganze zeitlich besser einzuordnen. Das Haus steht traufseitig zur Straße. Das ist in der Gegend erst ab der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts so gebaut worden. Der Keller ist genauso ausgerichtet wie das Haus.