Alte Schalter umrüsten?

20.03.2013 Wienerwaldhaus



Liebe Spezialisten, habe im Forum gelesen, dass manche alte Schalter sammeln. Ich renoviere gerade ein 60er-Jahre Haus mit sehr hübschen Lichtchaltern, sie sind flach, viereckig und in der Mitte ist ein kleiner flacher schmaler rechteckiger Taster, den man oben oder unten drückt, also eine Art flacher Kippschalter. Mein Elektriker hat nun alle Leitungen und alle Metall-Dosen ersetzt, und er meinte, diese Schalter sind zum Wegwerfen, man kann sie nicht adaptieren, es sei verboten, wegen einem Metallkontakt, da könne man sich elektrisieren. Muss Photo nachliefern. Stimmt das?



Spontan



würde ich meinen nein. Elektriker sind leider Meister in Verschwörungstheorien.

Mit dem Foto kann man aber sicher mehr sagen.



Euer



Elektriker wird sich hüten 50 Jahre alte Schalter einzubauen, da er für das was er da macht Haftung zu übernehmen hat.
In D darf er das Zeug schlicht und einfach nicht wiederverwenden, in Ösiland dürfte es sich ähnlich verhalten.

Was privat gebastelt wird im E- Bereich ist teilweise zum Nackenhaare aufstellen, ich hatte hier nicht mal Unterputzdosen drin bei neu eingebauten Steckdosen, Kabel waren aber auch neu...
Hab auch noch teilweise alte Schalter mit Drehknopf an der Wand ;-)

Grüße Micha



So



ein Schwachsinn!
Pauschal zu behaupten alte Schalter seien nicht mehr zulässig ist genau die Neigung zu verschwörungstheorien die ich bei vielen Elektrikern kritisiere!

Soweit mir bekannt ist(!) entsprechen so ziemlich alle ab etwa 1930 produzierten Schalter noch den aktuellen Normen in Deutschland wie Österreich, Steckdosen nur wenn es sich um welche mit Erdung handelt.

Die Behauptung dieses Elektrikers kann sich wohl nur darauf beziehen, dass nach Abnehmen des Deckels(!) die Schrauben berührbar sind. Da die Deckel im Normalfall aber nicht ohne Werkzeug entfernbar sind, ist das keinerlei Problem.

Die Beschreibung der eckigen Schalter im ursprünglichen Beitrag klingt übrigens eher nach einer sehr verbreiteten Serie aus den 70ern und 80ern, MPE Regent (hergestellt von der österreichischen Firme Erlacher-Maté, einem Zusammenschluss der Traditionshersteller Presswerk Erlacher (Villach) und Ernst Maté (Wien 7), Ende der 70er von Legrand aufgekauft).



Nostalgie



Wenn man auf alte Schalter und Steckdosen steht, sollte man sich mit der Thematik einfach mal fachlich und vor allem Praktisch befassen:
Bei vielen alten Schaltern der Bakelit-Ära sind die mechanisch beanspruchten Kontakte "verbrutzelt" und oxydiert, Federn ausgeleiert etc.
Das sieht man, wenn man so einen Schalter mal aufschraubt und das Innenleben überprüft, meist ist die Funktion dann auch eingeschränkt, der Schalter rastet nicht mehr oder ist schwergängig. So etwas würde ich nicht mehr verwenden wollen, ist üblicherweise auch nicht sinnvoll reparabel und sowieso zu Recht nicht erlaubt, wenngleich noch oft in Benutzung.
Manchmal werden über Kleinanzeigen oder bei eBay aus alten Lagerbeständen größere Posten von noch unbenutztem Bakelit-Elektrogedöns zu nicht gerade kleinen Preisen angeboten, man kann also davon ausgehen, dass diese Dinger auch gekauft und installiert werden, logischerweise ohne dass ein Elektriker seinen guten Namen darunter setzt…
Es gab damals allerdings auch Schalter höherer Qualitätsnorm, z.B. im industriellen Bereich, von denen tun heute noch viele klaglos und sicher ihren Dienst.
Alte Steckdosen hatten weder die Vertiefung, noch die Schutzkontakte, die heute in Deutschland Standard (und Vorschrift) sind, aber im Ausland sind solche Systeme nach wie vor verbreitet bzw. Neustandard. Das würde ich mir aus Sicherheitsgründen aber nicht antun.

In unserem Haus hat es zu Zeiten der Vorbesitzer einen Brandschaden, hervorgerufen durch Kabelbrand in einem unfachmännisch elektrifizierten Wintergarten-Anbau gegeben, von daher gibt es die komplette Elektrik neu und ich trenne mich auch schweren Herzens von den alten Bakelitschaltern, es gibt bei Bedarf ja schließlich Ersatz von Manufactum und ein paar anderen Anbietern, anderseits fände ich alte Bakelischalter neben moderner LED-Anzeige eines programmierbaren Raumtherstates oder einer Smart-Home-Steuerung auch irgendwie deplatziert.

Back to topic:
Vielleicht bekommst Du über den Hersteller bzw. dessen Nachfolger Infos, ob diese Schalter noch zugelassen sind.
Aus reinem Eigeninteresse würde ich so einen Schalter allerdings einfach mal aufschrauben und mir das Innenleben anschauen, für einigermaßen technisch Verständige ergibt sich dann meist von selber, ob eine Verwendung weiterhin aus konstruktiven- oder Verschleißgründen sinnvoll ist.

Selbstverständlich wirst Du keinen Elektriker finden, der Dir diese Schalter einbaut, aber anderseits sind Elektroschalter längst Baumarktware, werden also wohl größtenteils von Heimwerkern eingebaut. Wenn es aber mal bei Dir brennen sollte und die Versicherung oder Polizei findet heraus, dass es an den verbotenen Schlatern lag, wirst Du deines Lebens nicht mehr froh, vor allem, wenn zum materiellen nich Personenschaden kommt.



Ich



sehe das etwas differenzierter. Mit etwas Glück findet man durchaus alte und sehr alte Schalter, die dank seltener Benutzung noch praktisch neuwertig sind. Bei diesen ist dann abzuklären, ob sie gegen moderne Sicherheitsanforderungen verstoßen - zum Beispiel sind Kippschalter mit Metallknebel in Deutschland meines Wissens nicht mehr zulässig, Metallabdeckungen die nicht geerdet sind dürften auch ein Problem sein, ebenso Abdeckungen, die man ohne Werkzeug abnehmen kann.

Ansonsten haben sich die Normen für Schalter nicht so grundlegend verändert, dass alte Schalter aus Prinzip nicht meh zulässig sind. Das Problem ist eher, dass ein Elektriker wie mir gesagt wurde hauptsächlich vom Materialverkauf lebt und die Arbeitszeit mit Mühe kostendeckend verrechnet. Deshalb ist er natürlich unwillig, nicht von ihm stammendes Material zu verbauen.

Ich würde den Elektriker fragen, welche konkrete Norm seiner Meinung nach den Einsatz dieser Schalter verbietet. Wenn er da nicht angemessen reagiert, ist er ein typischer Schwurbler, der irgendwas mal irgendwo gehört hat und jetzt nach Methode Stille Post weitergibt.

Geerdete Steckdosen wurden übrigens 1927 patentiert, es gibt also durchaus als historisch zu bezeichnende Exemplare davon. Wenn sie schwarz sein sollen werden sie aber so teuer, dass man sie besser bei der THPG (Zulieferer von Manufactum) neu kauft. Steckdosen ohne Schutzkontakte sind ganz klar verboten und auch in diversen Nachbarländern eigentlich nur mehr als Ersatz zulässig.

In Deutschland und Österreich waren sie immer nur dann akzeptabel, wenn ein Raum keinerlei geerdete Oberflächen aufweist - Holz-, Linoleum- oder Steinboden, kein Gasleitungen, keine mit Metall- oder Verbundrohr angeschlossenen Heizkörper, keine Antennen-, Sat- oder Netzwerkverbindungen,... und keine geerdeten Steckdosen!

Computer sollte man zumeist dort nicht anschließen weil einerseits die Entstörkondensatoren in den Netzteilen ungefährliche aber störende Stromschläge verteilen können und andererseits im schlimmsten Fall elektrostatische Aufladungen den Computer zerstören könnten.

Kurz gesagt, in einem modernen Haushalt sind solch Steckdosen herzlich unbrauchbar.



Es ist ganz einfach:



Hat der Schalter ein gültiges Prüfzeichen, dann ist er erlaubt, wenn nicht, dann nicht, egal wie gut und sicher er funktionieren mag. Etwas anderes würde ich in einem Forum niemals schreiben... ;-)

Schön, wenn man einen aufgeschlossenen Elektriker mit Menschenverstand findet, der solchen Retro-Schaltern gegenüber aufgeschlossen ist, aber verlangen kann man es nicht.



Das erwähnte Prinzip...



... ist für viele Bereiche im Bauwesen völlig korrekt dargestellt. Solange man nichts ändert, genießt es Bestandsschutz, wenn man es ändert, dann nach den aktuell anerkannten Regeln der Technik. Das wird in A nicht viel ander sein als in D.

Als Kakerlaken-Kacker muss ich noch anmerken, dass außer dem aktuellen Stand natürlich die sichere Funktion gewährleistet sein muss...

Ach nein, das waren ja Korinthen...

Und jetzt warten wir alle gespannt auf Fotos oder die Auflösung...

MfG,
sh



Man



kann vom Elektriker genausowenig verlangen, dass er die alten Schalter wieder verbaut, wie dass er vom Kunden im Baumarkt gekaufte Schalter verbaut. Mit dem Alter des Materials hat das relativ wenig zu tun.

Etwas mehr als das Prüfzeichen muss es schon sein, denn Prüfzeichen werden ja anhand einer zum Herstellungszeitpunkt gültigen Norm vergeben und die kann sich jederzeit ändern. Mir ist aber außer den oben genannten Punkten keine Änderung dieser Normen in den letzten Jahrzehnten bekannt.



Danke. Photo demnächst!



Liebe Forumsmitglieder, irgendwie hat die email-Benachrichtigung über eingehende Antworten nicht funktioniert und so dachte ich, dass es keine Antworten gibt, habe sie erst jetzt entdeckt! Vielen Dank, bringe Fotos nach, in ein paar Tagen,da es ein Sommerhaus ist, muss ich erst hinfahren. Bis dahin sehr liebe Grüße
CA