Alter einer Haustür bestimmen

22.12.2018

Alter einer Haustür bestimmen

Liebe Fachwerker
Lange war ich nicht mehr aktiv...die Baustellen des Lebens und die echten Baustellen haben mich sehr gefordert.
Nun haben wir aber ein neues Projekt..
Stadthaus von 1802-4 , massiv, brandenburgische Kleinstadt. Fachwerk nur im Obergeschoß und der Remise...dafür aber innen quasi unbearbeitet seit 1945...
Hier fanden wir dieses Türfragment ..misshandelt als Teil eines Schuppens. Seufz..einseitig teilweise mit Teer oder Bitumen gestrichen..es handelt sich um die alte Haustür. Zurzeit hängt eine hühä Plastiktür in Holzoptik darin...igitt..
Wir sind uns unsicher, ob sie bauzeitlich ist oder aus einer späteren Sanierung stammt.
Die Rückseite stelle ich gleich auch noch ein. Sie ist sehr schlicht gearbeitet, die honigfarbene Lasur mit zartem dunklen Streifen ist noch zu erkennen.Könnte ursprünglich mal poliert gewesen sein.
LG
Anna




Die misshandelte Rückseite


Die misshandelte Rückseite

Da blutet mir das Herz...
Die Tür ist massiv, ursprünglich 2 flügelig mit Oberlicht. Gewicht des Flügels deutlich über 50 kg ...sehr massiv gearbeitet.



Ich halte...



...Ihre Tür für bauzeitlich. Verschleppte barocke Elemente, das passt ganz gut zur Kleinstadt um 1800.

Bei mir war es ähnlich. Als Haustür eine Papptür im Auflösungsprozess - Im Keller war ein Durchgang mit dem öffnenden Haustürflügel zugenagelt. Er war zu retten, der 2. Flügel wurde nachgebaut.

Freuen Sie sich, Sie müssen keine Tür "erfinden". Und vermutlich ist auch Ihr Türflügel wiederbelebbar.

Poliert waren Haustüren nie. Möglicherweise sehen Sie Reste einer Bierlasur.

Viel Erfolg

Thomas



Vielen Dank für die Einschätzung


Vielen Dank für die Einschätzung

An Bierlasur hatte ich auch zunächst gedacht, den Gedanken dann aber verworfen, da deren Hauptzeit doch eher um 1900 eingeordnet wurde...daher meine Irritation über das Alter der Tür.
Der feine braune Dekorstreifen am Rand der obersten Kasette der Rückseite sah dagegen für mich wieder sehr nach barocken Möbelgestaltungen aus..und einen leichten Glanz hat selbst die fast völlig ruinierte Farbe der Rückseite noch.
Es war das Haus eines Chirurgus, der Flur , der heute nur noch ein schlichter, wenn auch breiter Durchgang zum Hof ist, war vermutlich im vorderen Teil auch gleichzeitig Wartebereich. Die Eingangstür zur vorderen Stube weist eine ähnliche Farbe auf. Wir sind noch dabei das Haus zu entdecken...einige nette Details haben wir bereits gefunden ...unter anderem einen hinter Paneelen verborgenen Rauchfang, einen Gewölbekeller, Hellblaue Wandbemalungen im vorderen Zimmer und ein Zimmer unterm Dach als Fachwerk in den sehr hohen Dachstuhl eingebaut.
Über den Fund der Tür sind wir auch sehr glücklich...leider sind keine originalen Fenster mehr in der Fasade erhalten. Lediglich auf der Rückseite in einem späteren Anbau befindet sich noch ein altes Fenster incl. Winterfenster vermutlich aber eher um 1870/80. Ein altes Foto aus den 1980 ern zeigt in der Fassade noch wunderschöne Kreuzstockfenster mit zierlichen Sprossen und offenbar einem Schlichten Holzgewand um die Fenster herum.
Erstaunlich sind bei dem nur gut 70 qm kleinen Haus die Deckenhöhen von 3,00 Metern. Das verleiht dem Haus eine Weite, die man hinter der niedrigen Traufseite nicht vermutet.
Wir freuen uns auf das Abenteuer und werden sicher wieder öfter mit Fragen hier auftauchen.
LG Anna



Wie schön,



daß Ihr auch die Form der alten Fenster kennt.

Bierlasuren gab es im übrigen schon weitaus früher, das ist keine gründerzeitliche Erfindung. Versucht 'mal, mit Spiritus abzuwaschen. Bierlasuren sind oft löslich. Schleifen ruiniert schnell die Kanten.

Schön auch, daß Ihr erstmal schaut (und dann baut). Dann wird es Euer "Juwel"

Viel Erfolg

Thomas