Alter Bodenaufbau ersetzungswürdig?

10.12.2015



Hallo,ich bin Kristian, 28.
Ich lese hier schon seit geraumer Zeit still mit, da ich letzten Monat ein 141-130 jahre altes Fachwerkhaus gekauft habe.
In Sachen Bau bin ich vollkommen unversiert, allerdings handwerklich geschickt. Ich möchte jedoch nicht vollkommen unüberlegt Handeln.
Jedoch sind die Individualfälle, die hier schon beschrieben sind teilweise ungenau beschrieben.
Daher würde ich gerne meinen darlegen und einige Fragen Stellen.

Ich habe da an vielen Stellen Feuchtigkeitsprobleme und unterschiedlichste Fußbodenaufbauten.

Alle Dielen sind auf Niveau des Bodens um das Haus herum, sprich die Erde unter den Dielen ist unter Umgebungsniveau.
Grundwasser kommt bei hohem Stand nach ca 100 cm, ansonsten werden es wohl 150 cm sein.
Die Wände stehen, bzw. deren Lehmfächer liegen auf einem Balken der auf einem feuchtem Sandstein aufliegt - Sandsteine in Kontakt mit Erdreich.
Horizontalsperre inexistent, bzw. an ganz wenigen Stellen Dachpappe zwischen Balken und Sandstein.

Raum 1:
Ich habe heute den Fußboden geöffnet, den der Vorbesitzer erneuert hatte.


Bodenaufbau:
-Dielen
-Balken
-Folie
-Erde (kaum feucht, hat gefühlt ne sehr geringe Schüttraumdichte ist fast Pulverig, liegt gelegentlich mal nen Schlackenklumpen mit drinnen (Haus steht wohl auf ehem. Halde). Ist ne Komische Erde.
-zwischen Dielen und Folie ca. 8-10 cm Luft.


Wand:
-Lehmwand auf Balken auf Sandstein.
-unterste 2 cm des Balkens schon richtig moderig und bröselig.
-Die Sansteine sind in Dachpappe eingepackt worden, die nach ca. 10cm in der Erde aufhört, der Stein geht aber tiefer (weiß nicht wie tief noch).

Fragen, meine Theorie:
Die Feuchtigkeit ist wohl zwischen Dachpappe und Stein gefangen und steigt weiter auf vermute ich. Ich würde den Sandstein freilegen, damit er Atmen kann.
Ein befreundeter Bauunternehmer Schlug mir vor, 30 cm auszuschachten,
spezielle Steine (hab den Namen vergessen) rein, darüber dünn Estrich und dann einen hinterlüfteten Dielen Boden draufzulegen.
Die Sandsteine mineralisch verputzen. Wäre es nicht sinnvoll die zum Atmen offen zu lassen oder mindert ein diffusiosoffener Putz die Verdunstung kaum?

Kann man das so machen?
Man liest imemr wieder negativ über Bodenabdichgtungen.
Würde sich das Wasser nicht darunter Sammeln und noch stärker in den Sandsteinen aufsteigen ?

Das Budget ist sehr klein, daher reizt mich das, da es sehr günstig ist und ich das Ausschachten selber machen kann.
Oder doch Dachpappe ab und den Rest so lassen?

Raum 2:
Hier wurden wohl irgendwann die Dielen rausgenommen und einfach Beton (darauf Estrich) bis auf Lauffhöhe reingefüllt (darauf Linoleum).
Vermute, dass war 'ne dumme Idee, da alle angrenzenden Räume an der Wand zu diesem Raum Feuchtigkeitsprobleme aufweisen.
In diesem Raum befindet sich ein Schornstein, der dunkel vermutet auf einem ca. 1 m hohem Sandsteinsockel ruht der in Erdkontakt steht.
Der Schornstein ist tot und ist offen auf dem Dachboden zur Hälfte abgetragen.

Kondensiert darin Wasser und er muss verisegelt werden oder kommt die Feuchtigkeit doch wie vermutet von unten?
Kann ich den Estrich rausnehmen und den Aufbau für Raum 1 verwenden?


Raum 3:
Ähnlich Raum 1,
-Presspanplatten
-darunter Folie genagelt
-Balken in Erde liegend

Im Schornsteinbereich von Raum 2 Feuchtewand.

Vorschläge? Aufbau für Raum 1 ?

Raum 3:
-Teppich
-original Dielen
-Balken in Schlacken Glasscherben Mischung gelagert
-Dielen direkt in Kontakt zu Schlackenglasmischung
-kein Raum für Hinterlüftung.

Würde diesen Raum gerne so lassen, auch wenn eine Ecke nass ist (Schornsteinbereich). Geht das, ich meine das funktioniert seit über 'nem Jahrhundert so, warum nicht weiter so ?

Raum 4:
- Teppich
- Original Dielen
- Unterbau schwer ersichtlich, vermute Balken in dünner Schlackenschicht , wenig Raum zur Hinterlüftung.
- Massiver Anbau vorhanden.
-Ganz kleines Feuchtigkeitsproblem in Sandstein Sockelhöhe in einer Ecke die an den Estrichraum grenzt (nasser Sandstein hinter dem Putz).

Würde das auch gerne so lassen wenn die Balken unter den Dielen ok sind und hoffe, dass sich das Problem durch das Entfernen des Estrichs erledigt.
Was sagt ihr?


Anderes:

Hat jemand Vorschläge zum Umgang mit dem Schornstein?

In jeder Tür ist im Durchgang ein Sandsteinsockel der nass ist (Sandsteine alle in Erdkontakt). Hier bin ich überfragt. Der Platz zur Fußbodenhöhe beträgt lediglich 3 cm.
Der ehem. Eigentümer hatte einfach Spachtelmasse drauf gemacht und Presspan draufgelegt, der ist natürlich aufgequollen. Hab die Sandsteine freigelegt und Sie waren nach 4 tagen fast trocken.

Das ganze ist eine viel größere Mission geworden, als ich erwartet hatte.
Ich danke schon jetzt für jeden Vorschlag und jede Anregung, sowie jede Antwort.

Grüße, Kristian.



erdberührter Fußbodenaufbau



Hat sich schon ein Fachmann das Gebäude angesehen?
Der Fußboden ist ja nur ein relativ unwichtiges Teil des Ganzen und leicht austauschbar.
Ist Feuchtigkeitseintrag von außen ausgeschlossen?
Regenrinne, Fallrohre, Oberflächen- und Spritzwasser etc kontrolliert?

Zum Fußboden gibts massenhaft Beiträge, aber vom Tenor sind die Empfehlungen im wesentlichen gleich:

Boden ausschachten, damit du genügend Dämmung einbauen kannst.
Boden mit Handstampfer verdichten
Tragschicht aus Estrich oder Betonplatten in Sand legen
Feuchtigkeitssperre auflegen und am Rand bis Oberkante Fußboden hochziehen.Sperre aus Bitumenbahnen, EPDM-Folie, Katja Sprint oä.-unter dünne Abdichtungen Geotextil oä legen zum Schutz.
Darauf zB KVH- Balken auf Gummigranulatplatten oä legen, um Abstand zur Abdichtung zu bekommen und zum Ausrichten.
Dann mit Perlite, Zellulose etc dämmen bis Oberkante Balken
Darauf geölte Holzdielen verlegen.

Seitlich innen muß der Sandstein nicht verputzt werden, da er ohnehin von der Feuchtigkeitssperre bedeckt wird-
dh in keine Richtung kommt Feuchtigkeit.

Besser Bilder einstellen, um eine genauere Vorstellung zu vermitteln.Jeweils ein Bild pro Beitrag- oder du mailst etwas an meine angegebene emailadresse.

Andreas Teich



Nicht Zielführend



Ich danke Ihnen für ihre Antwort Herr Teich,
ich hatte diverse Fachleute da:

-Statiker
-Arschitekten
-Tiefbautechnicker
-Zimmerleute
-Begutachter für Fachwerk

Die Vorschläge könnten nicht diversifizierter und verkaufsausgerichteter sein.

Ich habe keine Ahnung vom Bauen und Gebäuden, aber ich habe die ein oder ander Physik, Mineralogie und physikalische Chemie Vorlesung belegen müssen. Aufgrund dieses Hintergrundes halte ich die von Ihnen vorgeschlagen Vorgehensweise für fatal - oder ich verstehe sie nicht.
Ich bitte Sie um Erläuterung.

Wenn ich das ganze versiegeln würde, löse ich meines Erachtens nach nicht das Problem der aufsteigenden Feuchtigkeit in den Sandsteinen. Wie soll es mir helfen, wenn ich den Hohlraum unter dem Fußboden versiegele? Das Wasser hätte keine andere Möglichkeit als in den Sandsteinen aufzusteigen und das Gebälk als bald als möglich vollends zu zerstören. Ich kann weder das Gebälk, noch das Sandsteinfundament anheben und dort eine Schweißbahn oder wie auch immer geartete Sperre einzubringen. Zielführender wäre meines Erachtens nach eine Maximierung des Verdunstungsraumes für die Sandsteine, sprich Ausschachten und mehr "Atmungsfläche" für die Sandstein und eine wie auch immer geartete mehr oder weniger dichte Fläche unter den Dielen.

Dankend und grüßend,
K. Kröhl

P.s. Fotos werde ich nachreichen.



Fußbodenaufbau



So ist das nun mal: Je mehr "Fachleute" Sie fragen je mehr Meinungen, Erfahrungen oder einfach nur altkluges Nachgeplappere werden Sie zu hören kriegen.

So löst man keine Sanierung.
Suchen Sie sich einen sanierungserfahrenen Planer und lassen Sie von ihm
a) eine Bauzustandsermittlung und auf dieser Basis zusammen mit Ihren Nutzungsvorstellungen
b) ein stufenweises Sanierungskonzept mit Kostenrahmen erarbeiten.
Dafür müssen Sie etwas Geld in die Hand nehmen, haben aber relative Sicherheit für das was dann auf Sie zukommt.
Die Problematik Fußböden ist dann eine Teillösung im Sanierungskonzept.
Vermutlich haben Sie Angst jemanden allein zu vertrauen wenn doch alle anderen um Sie herum gefragt oder ungefragt andere Meinungen zu Detailfragen haben. Das wird so sein, aber die stehen bei Ihnen nicht in der Gewährleistungspflicht.
Wenn der Planer Mist produziert können Sie ihn auf Schadenersatz verklagen. Er wird also alles dafür tun Ihnen ordentliche Arbeit abzuliefern weil indirekt seine Existentz dranhängt. Das ist der Unterschied zwischen den Informationen die Sie bisher erhalten haben.

Auf dieser Basis kann dann die Finanzierung geplant und die Baugenehmigung erwirkt werden.

Abschließend noch zu zwei von 3 Stereotypen die immer wieder und gebetsmühlenartig vorkommen:

1.) die böse aufsteigende Feuuchte
Ich versichere Ihnen das die bei Ihnen keine Rolle spielt.

2.)atmende Wände, Fundamente und was weiß ich nicht noch alles
Auch hier versichere ich Ihnen das dieser Begriff einer der nicht totzukriegenden falschen Ansichten ist wie das viele Eisen im Spinat oder das die Amis gar nicht auf dem Mond waren. Die Feuchteursachen sind andere und deshalb auch anders zu eliminieren.

3.) Der dritte Mythos ist das Zement böse und Kalk gut ist, das taucht bestimmt noch mal in Ihrem weiteren Erleben als Bauherr auf.

Zum genannten Aufbau im ersten Beitrag:
Dieser Aufbauvorschlag ("vom Tenor sind die Empfehlungen im wesentlichen gleich") trifft nur auf die Beiträge von Herrn Teich zu.



Feuchter Sandsteinsockel



Die Fußbodenkonstruktion und der Sockel sind erst einmal unabhängig voneinander- nur am direkten Kontaktbereich nicht.
Wenn der Boden abgedichtet wird steigt die Feuchtigkeit nicht vermehrt im Sockel auf.
Wenn der Sockel im Fußbodenbereich abgedichtet wird reduziert sich natürlich die Verdunstungsfläche- allerdings herrscht hier ohnehin eine höhere Feuchtigkeit, geringere Temperatur und geringerer Luftwechsel.

Wenn andererseits nicht gedämmte, Feuchte Bereiche in Kontakt mit warmer Raumluft kommen ist Kondensationsfeuchte wahrscheinlich.

Zur Abhilfe wäre innenseitig -sofern von der Höhe her möglich- eine Erwärmung und dadurch Austrocknung durch ein unterhalb der Fußschwelle verlegtes Vorlaufrohr der Heizung evt sinnvoll.
Im Außenbereich Abdunstungszone vergrößern durch Tieferlegen des Geländes, evt Bepflanzung beseitigen, Luftbewegung ermöglichen.

Soweit möglich außen Feuchtigkeitseintrag verringern.

Wenn die Schwelle ohnehin schon unterhalb verrottet ist ließe sich dieser Bereich relativ einfach mit der Kettensäge horizontal aufsägen,
zerstörtes Holz beseitigen, auf den Sockel Feuchtigkeitssperre auslegen und dann mit einem entsprechend dicken Brett auffüttern oder nur das fehlende Material unter der Sperre mit Quellmörtel ausfüllen.

Austrocknung des Sandsteins kann auch bei evt Salzen im Mauerwerk Schäden anrichten.
Günstig wäre ggf die Dämmung des Sockels- das hängt aber von der Höhe über Erdniveau und Bodenniveai innen ab.

Skizze oder Foto von innen und außen wären hilfreich-
ohne dies läßt sich das nicht wirklich beurteilen.
Was haben deine Fachleute vorgeschlagen mit welcher Begründung?

Andreas Teich



die böse aufsteigende Feuchte...



... ist oft nur Kondensation wegen ungenügender Dämmung. Der Betonboden in Raum 2 ist ein Beispiel dafür. Ohne Dämmung darunter leitet er Wärme zum Erdreich ab, und kühlt damit die angrenzenden Wände ab. Vielleicht nur ein wenig, aber das könnte schon reichen damit sich Feuchtigkeit sammelt.

Tiefe Abgrabungen sind eher Fehlanzeige da das Fundament wohl kaum so tief reicht.

Kann man den Schornstein abtragen ? Oder hängen da zuviele Sachen dran ?

Bitte das ganze erst mal gut analysieren. Grundriss und Schnitt würden helfen. Mögliche Lösungsansätze hängen vom Budget und dem Wert des Gebäudes ab. Wenn die Schwellen auch am modern sind, würde ich einen Abriss und Ersatzbau nicht ausschliessen...

Ich wünsche viel Geduld und Energie, das wird kein einfacher Umbau.