Alte Wand zu neuem Glanz verhelfen, aber wie bzw. womit?

13.06.2019 Michl85



Hallo Forum,

ich habe im Vorfeld in einigen Foren gestöbert und das eure scheint mir das fachlich kompetenteste zu sein. Daher stelle ich meine Fragen hier. Auch wenn es sich bei der betreffenden Wand nicht wirklich um Fachwerk handelt (siehe Bild, der Putz ist noch nicht ganz entfernt aber für den ersten Eindruck sollte es reichen)

Ich versuche mal alle Fakten zusammen zu tragen:
- Das Haupthaus wurde 1899 errichtet der letze große Umbau/ Sanierung (abgesehen von meiner) fand 1930 statt. Irgendwo dazwischen wurde wohl der Anbau und besagte Wand gemauert.
- Das Haus steht zwischen Karlsruhe und Mannheim direkt am Rhein, hier wurde und wird gerne für vieles Rheinsand verwendet, ob das auch bei dem hier verwendeten Mörtel getan wurde, weiß ich leider nicht
- Irgendwann später wurde die Wand verputzt und mehrfach gestrichen. Hierbei wurde meines Erachtens nach ein zementhaltiger Putz verwendet
- Beim Abschlagen des Putzes habe ich bemerkt, dass es zwischen Putz und Mauerwerk recht feucht ist (es hat aber auch unlängst geregnet)
- Die ursprünglichen Fugen lassen sich mit bloßem Finger rauskratzen und zerfallen zu „Sand“, farblich würde ich es als blasses bis gräuliches Gelb beschreiben


Meine Fragen:

- Bei meiner Recherche bin ich auf den Tipp gestoßen, die Steine mit einem Hochdruckreiniger mit Fräsaufsatz von den putzresten zu reinigen. Das klingt erst mal gut, aber ich befürchte mir damit die Fugen zu weit auszuwaschen, was haltet Ihr davon?
- Sollte ich die Fugen nach dem Auskratzen mit etwas vorbehandeln (eine Art Tiefengrund vielleicht?
- Was verwende ich für die neuen Fugen?
- Kann oder sollte ich das gesamte im Anschluss irgendwie versiegeln?
- Und auch sonst bin ich für jegliche Tipps offen


Vielen Dank im Vorraus



Tipps



-Hochdruckreiniger könnte tödlich für die Wand enden



Handarbeit



Mein Haus steht auch in der Region und ist ebenfalls mit einem sehr sandigen Mörtel gebaut worden. Mit einem Hochdruckreiniger würde ich da keinesfalls rangehen. Die Fugen möglichst so belassen wie sie sind. Den Putz bei mir innen habe ich mit einem Bohrhammer entfernt.
Dein Mauerwerk ist, auf den ersten Blick auch kein Sichtmauerwerk. Ich würde es einfach wieder Verputzen mit einem Kalk putz. Schau mal bei Hessler.



Wieder Verputzen



Da stimme ich zu: Die Wand sollte wieder verputzt werden. Eine Grundierung, wie etwa Tiefengrund, ist nicht nötig. Genauso wenig wie eine abschließende Versiegelung.
Allen losen Putz würde ich zuvor entfernen.
Da in einigen Fugen schon gehörig Material fehlt, würde ich diese zuvor neu ausfugen.
Wenn also alles vorbereitet, der alte Putz entfernt ist und das Gerüst steht, würde ich einen Gartenschlauch mit lockerem Strahl zur Hand nehmen. Damit fängt Du oben an und schwemmst den losen Sand/Staub aus den Fugen und von den Steinen. Ohne Druck, so kurz und schonend, wie möglich.
Jetzt hast Du eine saubere und noch Feuchte Wand. Beste Voraussetzungen, gleich mit dem Ausfugen zu beginnen. Der Mörtel sollte erdfeucht sein und beim Einbringen mit dem Fugeisen (mit einem Streich) gut verdichtet werden. Wenn der Fugmörtel abgebunden hat (nach Tagen bzw. Wochen, je nach Art) kannst Du die Wand verputzen (lassen).
Gruß
Mark



Hab gestern weiter gemacht.



Ich hab gestern noch einwenig Putz abgeschlagen (siehe Bild).
Und noch bevor ich die Antworten gelesen hatte, es auch mal an einer Stelle (die Fugen waren hier mit etwas härterem gefüllt) vorsichtig mit dem Hochdruckreiniger versucht.
Fazit: der Reinigungseffekt ist sehr gering, dafür die Sauerei groß.

Zu dem Thema Sichtmauerwerk:
Spricht technisch etwas dagegen, ein nicht Sichtmauerwerk unverputzt zu lassen?

Diesen Abschnitt wollte ich bewusst frei lassen, auch wenn das Mauerwerk optisch kein Meisterwerk ist.
Der Rest der Gebäude/ Wände ist oder wird noch neu verputzt.
Diese Wand jedoch soll einen Konstrast darstellen und es stört mich nicht im geringsten, dass hier und da mal ein Stein schief drin sitzt, rechts im bild sieht man auch eine durchgehende Fuge, vermutlich wurde hier mal was nachträglich gemauert etc.

Die Frage ist nur, ob es für die Substanz schädlich ist, wenn ich die Wand "nackig" lasse.

Und weiterhin die frage, welches Material nehem ich für die Fugen?
Es geistern so viele Begriffe durch die Foren, dass man als Leihe schnell den Überblick verliert, womit das selbe gemeint ist und was doch was anders ist etc.



Sichtmauerwerk



Hallo,

es kommt darauf an, wie stark das Mauerwerk bewittert wird (Wetterseite, Dachüberstand, Spritzwasser) und ob die Härte und Ausführung der Verfugung auf die Steine abgestimmt sind. Früher hat man die am heißesten und härtesten gebrannten Ziegel für das Sichtmauerwerk verwendet. Für mich sehen die Steine Deiner Wand nicht danach aus. Daher solltest Du einen relativ "weichen" Mörtel verwenden.

Gruß,

Mark



Billig gebaut



Nicht nur heute, sondern auch früher wurde billig gebaut. Das muss natürlich nicht heißen schlecht. Der Mörtel war sehr sandhaltig, weil Sand einfach billig und schnell vor Ort war. Ebenso wurden die Putze hergestellt.

Wenn die mauerziegel viel Wasser aufnehmen können, z.B. durch Regen, und es dann gefriert, entstehen die oben zu sehenden Ausplatzungen. Darüber hinaus wird mit der Zeit der Mörtel aus den Fugen gespült und die Steine werden locker.

Ein Putz hat nun mal eine Schutzfunktion. Die Fugen zu erneuern ist auch viel Arbeit. Hast du noch Nahaufnahmen?



Mischung



Ich nehme Ziegelmehl:Kalk CL90:Sand = 0,5:2:6
Dies ist die alte Stallwand, die Steine haben durch den Stalldunst und durch jahrelange Feuchtebelastung vom Dach und im Fensterbeich (Kondensat) eine Belag, der nicht mehr so einfach abgeht. Das ist nicht vom Fugenmörtel, auch wenns manchmal so aussieht.