Alte Wand verputzen bzw. ausbessern aber mit welchen Materialien?

11.04.2016 Keen



Hallo, ich möchte meine Küche renovieren, dazu habe ich einige Putzschichten entfernt, um die 2cm. Unten drunter erschien mir eine farbige Putzschicht, das muss die originale Bemalung von Früher sein, die Pigmente sind förmlich im Putz selbst. Meine Großmutter meint, die Farbe wurde Früher mit Kuhmist angerührt.Oben kann man noch eine Bodüre erkennen, die wurde vermutlich mit einer Schablonentechnik bemalt. Jedenfalls muss der Putz geglätet werden, ich würde ihn anrauen, grundierenen und dann einen neuen Putz großflächig auftragen. Aber welche Materialien nutze ich? Der jetzige Putz scheint ein normaler Kalkzementputz zu sein, kein Lehm oder reiner Kalkputz.



Nachfrage



Braucht ihr noch irgendwelche Infos die zur Antwortgewinnung beitragen würden?



Silikatgrundierung?



Langsam frage ich mich warum keiner Antwortet. Bin ich im falschen Forum?
Ich möchte ja auch mal weiter machen. Habe einiges hier gelesen, einige empfehlen eine Silikatgrundierung, weil an manchen Stellen sandet der Putz, darüber würde ich dann eine Kalkglätte oder ein Kalkputz auftragen. Obendrauf dann eine Kalkfarbe oder Kalklasur. Passt das?



Untergrundbehandlung



Wenn der Putz absandet kannst du diese Stellen mit Silikatgrundierung behandeln.

Am einfachsten ist es, entweder einen weißen Haftputz aufzutragen- dann bist du fertig oder auf diesen einen reinweißen Feinputz.

Alternativ Lehmputz, der aber bei glattem Untergrund bei der jetzigen Wand zb eine Mineralgrundierung benötigen würde- oder Aufrauhen des Untergrundes.
Den Lehmputz dann mit Lehmfarbe streichen.

Zuerst alles lose Material beseitigen, abbürsten, ggf mit der Drahtbürste.
Dann anfeuchten zur Staubbindung,
dann weiter wie oben.

Ohne den Putzuntergrund zu kennen sind Empfehlungen schwierig abzugeben.
Fotos helfen

Andreas Teich



Bilder



Lehm? Der Untergrund ist ein Kalkzementputz, die Farbe darauf vermutlich eine Kalkfarbe? Ich würde da schon im System bleiben wollen. Die weißen Stellen sind warscheinlich Gipsspachtelungen. Oder ich putze ein normalen Kalkzementputz drüber.



Innenputz



Wenn du unbekannte Putzuntergründe hast und nicht zuviel entfernen bzw bearbeiten willst wirds am einfachsten sein, mineralischen Haftputz aufzutragen und ggf noch einen Feinputz darüber.

Normaler Kalkzementputz kann Probleme mit sich bringen, mangelnde Verträglichkeit und zu grob, wenn nur geringe Unebenheiten ausgeglichen werden müssen.

Andreas Teich



Kuhmist in der Farbe



deutet auf Kalkfarbe hin also mutmasse ich jetzt mal das es auch kalkputz sein wird,
und wenn schon im System bleiben dann doch mit Kalkputz:)

der Kuhdung macht die Kalkfarbe wohl etwas Grau und wohlmöglich Abriebfester.

also wenn die Wand auf dem Foto fest und Tragfähig erscheint
könntest du mit einer geeigneten Putzgrundierung auf nummer sicher gehen und die Wand einmal einpinseln zb Haga
putzgrund Fein und dann mit einem reinweissen Kalkfeinputz
drüber nach einhaltung der Trocknungszeit.
je nach oberfläche noch mit kalkglätte abspachteln oder einfach nur mit Kalkfarbe Streichen.
Greets Flakes



Innenputz



2 cm Putz habe ich schon mit einer Putzfräse runter geholt, da war ein Sammelsurium von verschiedenen Putzen oben. Das drunter ein Kalkputz ist glaube ich fast nicht, er ist eher gelblich und gröber, sieht eher wie ein magerer Kalkzementputz aus. Oder gibt es Mischungen mit Kalk und Sand ohne Zement?

Zur Schichtstärke, wenn ich die Wand glatt bekommen möchte, muss ich teilweiße ordentlich auftragen, max 1,5cm, an anderen Stellen eher weniger.



Öhhhm



ja für mich ist Zement im putz sogar eine ausnahme.
es wird Kalkputz gewesen sein:)
wenn du eine Putzfräse hast dann kannst du ja die ganze Fläche abfräsen bestenfalls bis du die Steine wieder siehst oder auf wirklich Feste substanz stösst, und 2 Lagig einen Kalkputz aufbauen.
es gibt gute Kalkputzsysteme aus der Tüte(Sackware) zb Schäfer Kalk, Otterbein etc
greets Flakes



Innenputz



Ich habe ein Problem:
Die Bilder zeigen etwas anderes als in der Fragestellung beschrieben.
Auf den Bildern sehe ich einen leidlich intakten Innenputz der beim letzten Renovieren/Tapezieren nachgespachtelt wurde. Ich kann weder eine Bordüre noch eine eingefärbte Putzschicht erkennen.
Kuhmist ist in diesem Putz mit Sicherheit nicht.
Falls sich nicht große Schollen gelöst haben und hohl klingen kann man diesen Putz mit einem Gipsspachtel oder einer Kalkglätte wieder in Form bringen.
Bei Neuverputz (dann wäre das rohe Mauerwerk vorhanden) reicht innen ein einlagiger Putzauftrag ca. 10- max. 15 mm.
Rohes Mauerwerk findet man in der Regel wenn man den vorhandenen Putz in Stärke von 10 - 20 mm abschlägt.



Sehr farbig



Auf dem Foto kann man die Farbe schlecht erkennen, nachdem ich den Staub abgekehrt und die Wand befeuchtet hatte, strahlten die Farben nur so auf. Die Hauptfarbe war ein türkis, die Bordüre bräunlich.



Innenputz



Womit ich immer noch nicht klarkomme ist die Vielzahl von "Putzschichten"- bis 2 Zentimeter- die da drauf gewesen sein sollen. Putz war das sicher nicht, eher irgendwelche Spachtelaufträge denn auf so einer glatten, mit Leimfarbe gestrichenen Wand hält kein Putz richtig. Die übliche Auftragsstärke eines Innenputzes beträgt ca. 1 Zentimeter.
Überlegen Sie sich ob es sich in der Küche lohnt die Wand insgesamt zu begradigen. Mit ein paar Tricks beim Spachteln an den Kanten und Übergängen kriegt man das optisch auch hin und Riesenflächen die sichtbar sind gibt es kaum in der Küche. Wenn dann kann man die Fläche mit einem Regal, einem Bild o.ä. optisch brechen und so die Ebenheitsabweichungen kaschieren. Kleine Dellen bis etwa 1 m² können mit Spachtel egalisiert werden. Ein Kalkzementputz sollte auch nicht absanden oder mürbe sein. Lose Sandkörnchen vor dem Spachteln sorgfältig abkehren, eventuell mit einem Einlassgrund (etwas verdünnen)das weitere Absanden stoppen.
Jedes Sandkörnchen auf der Oberfläche stört beim Spachteln.
Es reicht also ein Spachtelbelag von 0 bis etwa 5 mm aus.
Gearbeitet wird in mehreren Aufträgen mit Zwischenschliff.
Vor dem Spachteln die Leimfarbe gründlich abwaschen.
Ich wiederhole mich:
Putzen bedeutet ALLES runter bis aufs Rohbaumauerwerk und dann neu aufbauen, inklusive Elektroinstallation.
Wollen Sie sich das antun?

Zum Kuhmist:
Er war früher gängiger Bestandteil in Stampflehmwänden, Windelböden und Gefachauskleidungen aus Lehm. Ob er immer bewußt beigemischt wurde wage ich zu bezweifeln.
Ich habe jedenfalls selber schon Lehmputz mit getrockneten Kuhfladen und ein wenig Kalk angemischt, das Ergebnis war eine verbesserte Verarbeitung und nach meiner Beobachtung eine höhere Wetterfestigkeit.
Als Bestandteil von Innenfarbe war Kuhmist schlecht geeignet, üblich waren Magermilch oder Magerquark.
Bei Innenputz kenne ich kein Beispiel von Kuhmist als Bestandteil; ich kann mir einen Nutzen nur schwer vorstellen. Der Festigkeitszuwachs durch den Eiweißanteil der Darmbakterien wäre durch durch die Beimengungen der restlichen Ausscheidungen wieder zunichte gemacht worden. Immerhin hätte so ein Putz in der guten Stube als Hygrometer funktioniert: Bei Ansteigen der relativen Luftfeuchte hätte es nach Kuhsch. gerochen.
So ein Putz könnte höchstens als Anti- Versottungsputz gedient haben.





Es waren tatsächlich mehrere Putz oder Spachtelschichten auf dem alten Putz. Da war wohl alles Mögliche dabei, Gips Kunstharzputz usw. Aber niemand hat von Leimfarbe geschrieben, es war auch definitiv keine! Das Haus ist schon seit Generationen in Familienbesitz, meine Großmutter weiß noch ganz genau wie damals ihr Onkel in die Farbe Kuhmist rührte, das war wohl hier so üblich.

Zufällig hatte ich mal eine Malerlehre abgeschlossen, ich kann mich noch genau erinnern wie Damals mein alter Meister davon berichtete, das Kuhmist in die Farbe gerührt wurde. Allerdings war es eher üblich um Wasser oder Nikotinflecken abzusperren.

Jedenfalls habe ich jetzt alles lose und poröse runtergeholt, alles mit Tiefengrund behandelt, die Fehlstellen mit einen Kalkzementmörtel ausgeglichen und obendrüber ganzflächig einen Kalkzementfilzputz aufgetragen. Es sieht jetzt optisch gerade aus, aber ein Richtscheid darf man nicht drauflegen.
Wir sind noch am überlegen jetzt eine Kalkglätte aufzutragen, so das es richtig glatt wird. Dann eventuell eine Kalkfarbe oder Lasur drüber.



Innenputz



Also alles zurück auf Anfang.
Dann kommt mal ein Rollputz drauf der gerade in Mode kommt, dann wieder ein Spachtel, dann ein Strukturauftrag...
Ihr Nachfolger wird sich freuen, er kriegt die ganzen Schwarten dann ebenso leicht runter wie Sie.