Alte Schalter und Steckdosen

05.11.2018 baujahr 36


Liebe Community,
Es ist mir bewusst, dass diese Thematik bereits vielfach in diversen Threads diskutiert wurde.

Leider ist die Gemengelage für einen Neuling höchst unübersichtlich und die Diskussionsbeiträge widersprechen sich diametral.

Mein Anliegen ist es, Original-Bakelit-Schalter und -Dosen in einem Haus BJ 1936 zu bewahren, jedoch auch einige zu ergänzen (Manufactum o.ä.). Das bedeutet - nach allem was ich bisher gelesen habe - einen Eingriff in die Anlage, die jeden deutschen Elektriker dazu bringen wird, einen Komplettaustausch zu verlangen.

Das möchte ich nicht. Ich bin nicht an Sicherheitsnormen und sonstigen Bestimmungen interessiert. Auch soll in dem besagten Haus nur ein Minimum an moderner Technik betrieben werden - es wird weder Fernseher noch Elektroherd oder Spülmaschine geben.
Die verlangte Leistung ist entsprechend altertümlich ;-)

Gibt es unter Euch ein paar erfahrene Renovierer, die etwas derartiges schon durchgezogen haben?



wenn



die zusätzlichen an neue kreise kommen sollte das gehen.
und sonst gibts auch lösungen.
schon mal elektriker angefragt?
z. B. könntest du nur neue leitungen Verlegen lassen ... wer die alten schalter anklemmt ist ja ne ganz andere sache ;)
ich weiß ja nicht was da alles bei dir gemacht werden muss.
bleibt die alte verteilung etc?
wenns keiner macht , kannst du mir die alten dinger gern zukommen lassen :D



natürlich



Elektriker angefragt. Antwort: "Alles, was mir hier nicht passt, klemme ich ab."

Und sorry - ich bin sentimental - die alten Dinger bleiben bei mir !


Es mus gar nicht so viel gemacht werden - die meisten Stecker / Schalter funktionieren. Nur sind sie halt nach heutigen Standards unzulässig... Ich brauche ein paar Neuschaltungen, weil manche Installationen ausser Betrieb genommen wurden, aber ganz sicher möchte ich nicht alles neu verkabeln.



naja, war n versuch wert ;)



da würde ich erst mal schauen ob es nicht auch ein romantischen elektriker in der nähe gibt.
wenn er direkt so rigoros vorgeht muss man weiter suchen.
natürlich kann man verstehen, daß es sicher sein muss und das beauftragte nicht gegen recht verstößt, doch es kommt halt darauf an, wie und was genau beauftragt wird .



Alte Elektrik



Dir sollte aber klar sein, dass Du damit ein Risiko eingehst und im Zweifelsfall einen schlechten Stand gegen die Brandschutzversicherung hast. Auch wenn das alles toll aussieht: Elektrische Anlagen altern und werden schlechter und damit gefährlicher. Früher wurde alles mit Schraubklemmen verbunden, die über die Jahrzehnte Kontaktschwierigkeiten kriegen, so dass es zu kritischen Übergangswiderständen kommen kann. Sollten nicht alle Leitungen dreiadrig ausgeführt sein, kann nicht einmal ein FI-Schutzschalter verbaut werden.

Hinzu kommt, dass man in der Regel überhaupt keine Ahnung hat, was da an der Elektrik in den letzten Jahrzehnten herumgebastelt wurde. Als ich unsere Elektrik raus gerissen hatte, habe ich in der Küche und im Bad nachinstallierte Erdungen gefunden: Man hat einfach von jedem Steckdosen-Schutzleiter einen Zaundraht unter Putz bis zum nächsten Wasserrohr geführt. In der vorletzten Wohnung habe ich gar zweiadrigen 0,35mm² Klingeldraht unter dem Putz gefunden, der ein paar Meter dreiadrige NYM-Leitung überbrückt hat.

Du kannst das so lassen und darauf vertrauen, dass nichts passiert, wenn Du das Haus alleine bewohnst, doch sobald irgend eine weitere Person dort mit Dir lebt, setzt Du auch das Leben Dritter einem unnötigen Risiko aus. Und wozu? Es gibt genügend Hersteller wie THPG, die Bakelit-Steckdosen und -Schalter in klassischem Design anbieten.



Dringend alle Elemente überprüfen



Hallo,

ich möchte nicht weiter auf die Vorteile der Neuverlegung eingehen, es dir aber dennoch ans Herz legen!

Solltest du dennoch bei der Altinstallation bleiben wollen, so würde ich auf jeden Fall jeden Schalter, Steckdose, Abzweigdose oder ähnliches überprüfen (lassen). Im Wohnhaus meiner Großmutter haben sich hinter vielen Abzweigdosen bereits leicht bis stark verkohlte Kontakte gezeigt. Die betroffenen Adern wurden gekürzt und die Kontaktstellen gereinigt.

Beste Grüße,
Marco



Alte Schalter?



Also mir wäre es zu gefährlich, den alten Mist zu erhalten.
Warum möchtest du wissen?
Sowohl die Spannung als die Lasten haben sich erhöht.
Früher war es eine Steckdose mit einer Lampe, heute sind es drei Steckerleisten mit einigen Verbrauchern.
Wenn die Bude abbrennt, ist dies traurig, doch wenn jemand zu Schaden kommt?
Kannst du dir dann noch morgens vor dem Spiegel in die Augen schauen?
Und dir ist schon klar, dass ggF einmal dein Stromlieferant eine Überprüfung der Installation anordnen kann, wenn z.B. der Zähler erneuert werden muss?

Klaus



die Risiken



sind mir bekannt und ich brauche dazu keine weitere Aufklärung.

Zudem verfüge ich nicht über die finanziellen Ressourcen, um eine vollständige Neuinstallation vorzunehmen. Jeder auszutauschende Schalter tut also weh, zusätzlich zur optischen und ästhetischen Problematik.
Ein Austausch der Leitungen steht nicht zur Debatte.

Ich nehme aber gerne Empfehlungen zu preisgünstigeren Bezugsquellen für Bakelitdosen entgegen :-)

Und auch für Elektriker im Großraum Dresden.



Das preisgünstigste sind da immer noch alte, originale Schalter und Steckdosen



vom Flohmarkt oder aus einer der bekannten Internetbörsen. Der Nachteil ist, daß sie halt nicht mehr neu sind und Macken haben. Außerdem ist es schwer, mehrere gleiche zu bekommen.

Eine alternative sind neue Schalter z. B. die "Serie 1930" von Berker . Die gibt es aus Porzellan, Glas oder Bakelit. Die sehen sehr gut aus, funktionieren tadellos, du kriegst soviele wie du brauchst, sie kosten aber etwas mehr.
Ich habe selbst einen Raum mit der Serie 1930 von Berker Porzellan ausgestattet und war und bin sehr zufrieden damit.

Es gibt noch einen tschechischen Hersteller (katypaty.de), der bietet etwas günstiger als Berker an. Ich habe mich aber dann doch für den deutschen Hersteller entscheiden, weil ich zu dem mehr vertrauen hatte und weil die Serie 1930 für mich die schönere ist.





Dein Vorhaben wirft vielfältige rechtliche und technische Probleme auf. Grundsätzlich kann das schon in Ordnung sein, ganz pauschal ist es aber nicht zu klären.

Wenn die Anlage sich noch in funktionsgerechten, bauzeitlich zulässigen Zustand befindet und nicht grundlegend verändert wurde kann Bestandsschutz gelten, sofern keine gefahrenträchtigen Mängel vorliegen.

Das bestehen solcher Mängel müsstest du prüfen, solche könnten altersbedingt oder durch Beschädigung vorliegen und müssten dann (auch "originalgetreu") instand gesetzt werden.

Empfehlenswert ist die Installation eines Fehlerstromschutzschalters für den Personenschutz (30 mA).

Dadurch werden die Abschaltbedingungen bei Körperschluss verbessert und auch der Brandschutz bei Isolationsfehlern gewährleistet. Hier sind alte Schmelzsicherungen nie so zuverlässig gewesen.

Auch dürfen die Stromkreise nur mit Leistung betrieben werden, für die sie bauzeitlich ausgelegt wurden.

Also bei Haushaltgeräten mit moderaten Leistungsbedarf, die schutzisoliert sind (Schutzklasse II) und deren Stecksystem "kompatibel" ist, gibt es keine Probleme.

Problematisch wird es mit Geräten deren Schutzkonzept gegen gefährliche Körperströme durch einen Schutzleiter (Schutzklasse I) gewährleistet wird, der sicheren Kontakt zum Erdreich und allen leitfähigen Instalationen im Haus hat (Zentralheizungs- und Wasserinstallationen)

Früher behalf man sich mit "klassischer Nullung" oder "Schutzklasse 0". Hier wurde der Neutralleiter auf das Gehäuse geklemmt und sichergestellt das in der Umgebung von diesen elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln, sich keine gleichzeitig berührbaren leitfähigen Installationen mit Erdkontakt befinden.

Das war bei Ofenheizung und Holzböden früher selten ein Problem. Heute muss dies kritisch geprüft werden. Liegen diese Bedingungen aber vor, kann die Anlage genauso sicher betrieben werden.



Berker Serie 1930



Sieh dir mal die Serie 1930 von Berker an:
https://www.berker.com/de/e-katalog/schalterprogramme-und-gebaeudesteuerung/designlinien/serie-1930/102809.htm



Kursänderung bitte..



.. Warum sollte ein ausgebildete Fachmann sich auf ihre angeblich Gesetzwidrige Vorhaben eingehen?
Kennen Sie überhaupt heutigen Gesetzlage für Autorisierte Handwerker..?

Schaffen Sie doch lieber ausreichende Finanzierung zum fachlich korrekter Instandsetzung, oder Verkauf mal die Bude statt unschuldige zu gefährden!

Veraltete Hauselektro sind ein gefährliche Angelegenheit



@ Lars



Schön, dass sich immer wieder einer von dieser Sorte im Internetz findet. Danke für die Lebensratschläge.



@ Mario



Vielen herzlichen Dank für die fundierte Antwort !



Nichts zu danken



Als erfahrene Handwerker habe ich immer wieder mit Geizige Besitzer zu tun..
-Frag mal ihr Feuerwehr welche Erfahrungen die dort gemacht haben mit veraltete Haus Elektronik. .

Nach meinem Kenntnis eine der größten Gefahren fürs Wohnungsbesitzer..
Das sind nun Fakten..

Mach dein Wohnung wie es dir gefällt..
Ändert aber nichts an die Gefahrenlage!



Bestandsschutz?



Gibt es nicht bei technischen Einrichtungen.
Wenn die Bude abgefackelt ist, dann wird gejammert.
Auch ein FI ist keine Lösung, denn wer garantiert, dass alles mit drei Leitern verlegt wurde?
Und wenn da ggF noch Alu mit Gewebe in der Wand liegt und dann von damals 6A bzw 10A nun mit 16A abgesichert wird, was dann?
VDE Vorschriften sind keine unverbindliche Empfehlungen sondern der Versuch die Überlebensrate zu erhöhen.

Sparen ist gut und wichtig, doch auf Kosten der Sicherheit?
Dud dat Nod?

Klaus



Bakelit ist klasse!



Im Wirtschaftsteil unseres Hauses liegt parallel zu seelenlosen Leuchtstoffröhren noch das alte Netz. Bakelitschalter, Steckdosen und alte Stallleuchten mit Schraubglas. Die Kabel gegen Nagerbiß in Blechrohren.
Beim Einzug habe ich die Steckdosen und Drehschalter demontiert, geöffnet, innen gereinigt und die Kontakte wieder ganz blank gemacht.
Dieses Ensemble hat jahrzehntelang problemfrei im Schweine- und Kuhstall gearbeitet, die Stecker der 20W Halogenstrahler, welche in der Badezimmerdecke sitzen, schmorten dagegen schon nach wenigen Jahren vor sich hin, trotz Installation und Auswahl durch einen Elektriker und Beachtung aller dazu gültigen Normen.
Du möchtest günstig gute Bakelitelektroteile? Ganz einfach: Suche Dir einen Hochbunker (zum Beispiel über die BIMA) welcher trauriger Weise abgerissen werden soll. Frage den Besitzer, ob Du vor dem Abrißbeginn die Elektrik demontieren darfst. In der Regel haben die da nichts gegen.
Stirnlampe, Stehleiter, Seitenschneider, mehrere Flach- und Kreuzschlitzschraubendreher eingepackt und los geht es. Die Säcke für die Beute nicht vergessen!