alte Lehmdecke löst sich teilweise

07.09.2016 Alex



Hallo zusammen,

ich hole etwas aus (sorry), wem das zu lang ist der könnte sich absatzweise durchzappen:)

meine Frau und ich bewohnen das OG eines 300 Jahre alten Fachwerkhauses. Die Wohnung selbst ist soweit erstmal fertig, soweit es ging zumindest. Fenster und Türen wurden aufbereitet und lackiert, allein schon aus Schallschutzgründen wäre ein Tausch der zwar schönen, aber ineffizienten alten Fenster ein Projekt für die nächsten Jahre, und auch die Türen ohne Kopfeinziehen durchlaufen zu können..,aber da muss man die Finanzen abwarten.
Die Zwischendecken sind wir noch nicht angegangen, haben da nur neues Laminat gelegt, nicht immer ganz gerade aber genügt unseren Ansprüchen. Langfristig rechnen wir jedoch mit einer notwendigen Komplettsanierung der Decken, da der Lehm, der bei uns auch unterwärts an die Decken geputzt wurde, sich ablösen dürfte. Genaues sieht man nicht, da alle Decken abgehängt sind.
Nun kann man sich ein wenig ein Bild machen denk ich.

Das aktuelle Projekt sind zwei Lagerräume neben dem Treppenhaus, unter unserer Küche, so eine Art Kellerersatz für uns. Hier sind die Decken niedrig und nicht abgehängt, und ich bin direkt auf Fühlung mit dem Desaster.
Der Raum ist nicht so groß, und durch die Balken und den irgendwann zwischendurch eingezogenen, zusätzlichen Stahlträger ist die Decke in kleine Fächer aufgeteilt. Diese Fächer allerdings kann ich mit dem Arm leicht nach oben drücken, sie fliegen also. Nehme ich das lockere Zeugs komplett weg, wird es überall aussehen wie das fotografierte Loch.

Folgende Möglichkeiten hatten wir angedacht:

1. Mit normalem Putzmörtel ersetzen, was runter kam, möglichst glatt ziehen, streichen, vielleicht mit so Streichputz.
Wir haben bereits die Wände der Wohnung teilweise mit Lehm verputzt, ein monatelanger Akt, weshalb wir mitten drin zu normalem Putz und Tapete übergingen, seufz, was deutlich leichter ging, und auch tadellos zu halten scheint. Lehm ist für den handwerklichen Laien offenbar nicht so leicht zum Einsteigen, daher wollen wir das an der Decke gern vermeiden.

2. Alles bis auf die Balken abkratzen, Lattung drunter, mit Naturzeugs dämmen, und ne Schicht Rauspund hinterher. Dann zumindest über die eine Decke nicht mehr nachdenken müssen, in diesem Leben.
Müsste aber ne dünne Schicht Dämmung sein, wir wollen mit der Decke auf keinen Fall tiefer.

Hat jemand Rat, was zu empfehlen wäre? Wir liebäugeln mit Option 1, sind aber unsicher, ob der Putz so überhaupt dauerhaft hält.
Der Lehm löst sich ab bis zu so einer Art Strohummantelung?? der eigentlichen Balken.
Kann der Putz da drauf, oder muss das runter? Es bietet ja keine feste Oberfläche, lässt sich eindrücken, und irgendwann verrottet solch uraltes Zeug doch auch mal..
Aber rein auf den Holzbalken wird der Putz vermutlich auch Probleme bekommen, oder?

Fazit:
Ich bin absolut unsicher, ob ich so wenig wie möglich von der Decke runterholen, und sie flicken soll, in einer Kombination aus altem Lehm und neuem Putz, oder doch nur die radikale Lösung in Frage kommt.

LG
Alex

PS: geht wohl nur ein Bild hochzuladen, aber vielleicht reicht das ja



mal ne frage



oder zwei..
was ist "normaler putzmörtel"?
und warum nicht mit Fachlicher Anleitung , oder gar vom Fachmann/Frau die Decke Fachgerecht mit Lehm wieder herstellen lassen?..
um so n Loch in der decke zu flicken brauch ich 2 mal 10 minuten...
ne Decke abhängen und dämmen dauert länger..und ist bestimmt auch teurer:),vom soeben gesparten geld n Lehmputzer holen der kriegt auch die decke wieder chic:)

immer im system bleiben ,
gutes gelingen wünscht Flakes



Hab nochmal ein neues Bild hochgeladen



Ja, ich bin halt Laie^^
Also, Mauer- und Putzmörtel mein ich, zumindest steht das so drauf auf dem Sack:) Ist recht grob, aber fester als dieses Gipszeug, und eine Kelleroptik genügt hier vollkommen.
Müsste doch gehen, mit Armierung?
Immerhin kam noch kein Aufschrei, dass wir "normalen" und Lehmputz an den Wänden gemischt haben:)

Klar, abhängen dauert richtig lange, und für mich nochmal extra lang, aber die Dämmung hätten wir noch hier.

Ein Fachmann scheidet leider aus. Wir haben jede Menge Punkte, wie Heizung, bei denen es ohne Fachmann nicht geht, da mach ich sowas nach Kräften selber. Man lernt ja auch immer dazu. Natürlich sieht man die einzelnen Stufen der Lernprozesse in den Arbeiten, aber wir sind nicht pingelig, und bisher hat auch alles geklappt, auch wenn`s dauern kann.

Wichtig ist vor allem, dass die Decke danach möglichst lange nicht mehr angefasst werden muss, und da bin ich eben unsicher, ob die Putzerei Sinn macht.
An den ganz lockeren Stellen wären das 5-10 Zentimeter, die ich wieder draufputzen müsste, und das Loch auf dem Bild ist nur der Anfang, da bröselt viel mehr. Wenn alles runter ist, was jetzt keinen Kontakt zur Decke hat, dürften das deutlich mehr als 50% der Decke sein. Was mach ich dann mit dem Rest? Dranlassen, weil er ja noch Kontakt hat, oder davon ausgehen, dass sich der Kontakt altersbedingt ebenfalls demnächst ablöst, und runter damit?
Ich denke da liegt der Knackpunkt. Ne halbe Decke würde ich eher zuputzen wollen, könnte ja die noch intakten Stellen als Ausgangspunkt nehmen, ist aber eh alles runter scheint mir das Abhängen das kleinere Übel.

Danke Flkaes, für deine Antwort!
Aber welches System meinst du?

LG



der aufschrei wird dann wohl noch kommen.



im System bleiben heißt .. du hast n 300 jahre altes haus welches zum Glück (auf den bildern)noch Lehmputz hat..
dann sollte man auch bei Lehm bleiben..
das zweite bild,den Schaden könnte man eventuell mit Feinputz flicken oder mit Lehmoberputz..
ich würde da nich so schnell die Flinte in´s Korn werfen.so´n Lehmputz ist kein Hexenwerk.und übung macht den Meister..
Greets Flakes





So, ein Update, manche Dinge erledigen sich von selbst, wenn man erstmal anfängt:)
Ich begann, die Balken der Decke von ihrer Lehmummantelung zu befreien, was eine gute Idee war. Hätte es nicht gedacht, aber wir haben so 10cm Höhe gewonnen, so dick waren sie eingebettet, und plötzlich kann ich den Raum durchqueren, ohne den Kopf einziehen zu müssen. Dabei löste sich gleich jede Menge der eigentlichen Decke. Habe ein Fach dann versuchsweise komplett ausgeschlagen, was folgenden Aufbau zu Tage brachte:
Im Abstand von jeweils c. 10cm waren Latten zu sehen, wie bei einer Knüppeldecke, nur eben mit großem Abstand einlagig, ein bisschen mau wie ich finde. Da war der Lehm drum verteilt, mit sehr viel Stroh. Dann kommt bestimmt 30-40cm Luft nach oben, und zuletzt recht neu aussehende, ineinander geschobene Dielen, welche die erste Schicht unseres Küchenfußbodens bilden.
Wir werden nun alles herausnehmen bis zu diesen Dielen, dann dämmen und Holzdecke, ist das Sinnvollste, denn die Decke bröckelt wirklich in ihren letzten Zügen, und der Raum wird so angenehm groß und viel besser nutzbar.
Die Seitenwände haue ich bis auf Balkenniveau runter, so dass eine schöne Fachwerkoptik entsteht. Die Dicke der Wände ist im Innen- und Abstellbereich ja eh nicht relevant. Die Löcher der Wände werden mit Lehm verputzt, die Mühe gönnen wir uns, muss ja auch nicht perfekt glatt werden:)

Ich danke allen für`s Lesen, und Flakes für`s Antworten:)
Bin sicher noch das ein oder andere Jahrzehnt hier am machen, also wer weiß, vielleicht bis bald.

LG
Alex