Alte Lehm/Strohdämmung an Dachschräge behalten oder entfernen

25.05.2015 altbaufan-1975



Hallo,
ich möchte in meinen Haus (rotes Backsteinhaus, Baujahr 1914) das 1. OG renovieren und ich überlege in drei Räumen die vorhandene, original Lehm/Stroh-Dämmung an den Dachschrägen zu entfernen. Es soll dann eine - ich sage mal - übliche Dachschrägendämmung für Altbauten angebracht werden (keine Unterspannband, Zwischensparrendämmung und zusätzliche Untersparrendämmung mit Steinwolle, Dampfsperre) angebracht werden.
Jetzt zweifele ich, ob es überhaupt sinnvoll ist, die alte Lehm/Stroh-Dämmung wegzureißen, da eine Lehmdämmung ja grundsätzlich nicht schlecht ist. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass eine Dämmung von 1914 ähnliche Dämmwerte aufweisen kann, wie eine heutige Dämmung.
Ich habe auch schon überlegt, ob man die vorhandene Lehmdämmung belässt und dann einfach nur eine zusätzliche Untersparrendämmung anbringt. Ein befreundeter Zimmermann, sagte mir dazu nur, dass er verschiedene Dämmstoffe nicht kombinieren würde. Insgesamt hatte er keine gute Meinung zu der alten Lehm/Stroh-Dämmung.
Leider weiß ich nicht genau, wie dick die alte Dämmung aufgebracht ist und wie die genaue Beschaffenheit ist. Ich weiß nur, dass es eine Lehm/Strohdämmung ist, weil mein Vater in einem Zimmer die alte Dämmung vor Jahren entfernt hat.
Hier also meine abschießenden Fragen:
Hat jemand Erfahrungen, damit eine vorhandene Lehm/Stroh-Dämmung mit neuen Dammstoffen zu kombinieren – wenn ja wie macht man das bzw. welcher Dämmstoff würde sich anbieten? Oder soll ich evtl. die alte Dämmung ohne weiteres Zutun einfach belassen?



Nicht immer muss Altes gleich weg!



Obwohl sie es bereits ziemlich detailliert hier aufgeschrieben haben, stellen sich trotzdem Fragen auf.
Diese kann man am besten per Telefon miteinander erörtern und erfragen und daraus weiter erklärt bekommen.
Generellsage ich jetzt erst einmal, dass es bei einer guten funktionalen Vorfindung belassen bleiben kann.
Viele Handwerker können zwar damit kaum noch etwas anfangen (Lehm, dieser Dreck und alte Mist, hört man da meistens!!) und lassen es herausreißen, um dann irgendwelchen modernen Baustoffmix einzupflanzen und der Nutzer bekommt größere Probleme nachher, als erwartet oder gedacht.
Kombination der vorgefundenen Situation mit funktionalen Materialien macht da mehr Sinn und kann auch viel Geld und Aufwand sparen helfen.

Ich bin gern breit mit ihnen ins Gespräch zu treten.

MfG Udo



@ BAUST Bau & Sanierung Struve



Ich kann mich da leider nur auf die Aussagen von meinem Vater berufen, der damals (vor 30 Jahren) in einem Raum die Dämmung entfernt hat. Es war eine risige Sauerrei, die alte Dämmung abzuschlagen und die Dämmung bestand wie gesagt aus Lehm und Stroh. Draht zur Stabilität wäre wohl auch drin gewesen.
Die Sparren sind 13 bis 14 cm tief, so in etwa müsste wohl auch die alte Dämmung zwischen den Sparren ausgemacht haben.
Das Problem wird sein, wenn ich Dämmung aufmache, um nachzuschauen, kann sie wahrscheinlich gleich ganz abreißen :-(



@LehmHandWerk Udo Mühle



Das können wir gern tun. Ich bin ja für jeden Ratschlag dankbar.
Ihre Telefonnummer ist ja bei Ihnen im Profil hinterlegt. Ich nehme an, es passt Ihnen tagsüber besser?



Ich



kann mir schwer vorstellen, dass tatsächlich die gesamten Sparrenfelder mit Lehm-Strohgemisch ausgefüllt sind. Viel eher würde ich - wie mein Vorschreiber - davon ausgehen, dass da nur eine dünne Putzschicht ist und zwischen den Sparren Luft.

Klarheit würde hier eine kleine Probeöffnung schaffen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit NICHT die ganze Decke zum Einsturz bringt. Wenn doch, war sie ohnehin längst überfällig. Kleine Löcher in verputzten Holzkonstruktionen sind für Elektriker tägliches Brot (Deckenlampenanschlüsse).



Mit der menge der Antworten.....



....plädiere ich jetzt auch eher zu der Annahme, dass es sich bei ihnen um einen Schilfrohrputzträgerausführung handeln könnte, die auf einer gespaltenen oder auch normalen Holzschalung aufgebracht vorgefunden wurde.
Zwar mit Lehm verputzt eher untypisch, wäre da eher ein Kalkputz drauf.
Oder es handelt sich um eine Lehmbrettwickelbeplankung.
Nur da ist wiederum kein Draht vorzufinden.

Einfach anbimmeln und wir erarbeiten es im Gespräch.



Bilder von der alten "Dämmung"



vielen Dank für die Antwort.
Ich habe heute, in dem Raum der keine alte "Lehmdämmung" mehr aufweist, noch Reste der alten Lehmdämmung am Balken und Dachfenster gefunden. Diese habe ich mal als Foto beigefügt.
Des Weiteren habe ich in einem anderem Raum mit der Lehmdämmung mal etwas an der Oberfläche gekratzt. Das Foto lade ich auch nochmal hoch. Vielleicht kann man jetzt beser erkennen, was dort verbaut ist.



Und noch ein Bild



Ich hoffe, man sieht etwas.



Sieht



eigenartig aus, aber immer noch eher nach Putz als nach Dämmung.

Ich habe da schon so allerhand gesehen. In Wien sind Altbau-Holzbalkendecken meistens mit Lehm grob verputzt und darüber mit Gipskalkputz fein. In moderneren Bauten (ca. 1910-1965) findet man gerne Beton-Rippendecken, die mit Putzträger (Rohrmatten) aber ohne Schalung verputzt sind, die Putzschicht ist hier teilweise bis 4 cm stark. Wenn die Drahtbindung des Putzträgers durchrostet, ist die ganze Decke unten. Das kenne ich aus dem Keller eines Hauses von ca. 1910.



Es wird sich tatsächlich eher....



...um eine reine Lehmwickel oder Lehmstakenverkleidung handeln.
Trotzdem keine Panik, es geht alles herzurichten.