alte Bodenplatte rausreißen?

03.09.2014 Newbi2014



Hallo Forum,
ich bräuchte mal bitte Euren Rat/Einschätzung:
Wir wohnen in einem ca. 150 Jahre alten Fachwerkhaus. Nachdem die Oma gestorben ist, wollen wir jetzt das Erdgeschoss sanieren (Außenwände mittels Lehm und Holzfaserplatten von innen dämmen, neue Fenster, neue Heizungsanlage)
Nachdem der Installateur jetzt eine Kernbohrung für den Abfluss im neuen Badezimmer durch die Bodenplatte ins Erdreich vorgenommen hat, stellte er fest, dass die bestehende Bodenplatte des nicht unterkellerten Teils des Hauses nur ca. 5 cm stark ist. Darunter liegt ausschließlich eine dünne Styropor-Schickt von ca. 2 cm. Darunter keine Dampfsperre, einfach nur das Erdreich.
Seine Aussage: „Ich würde die alte Bodenplatte rausreißen und eine neue, dickere, „ordentlich“ isolierte Bodenplatte verlegen, ansonsten könntet Ihr Probleme mit Feuchtigkeit bekommen, weil ja die Wände/Fenster komplett neu isoliert werden.“
Hat er Recht? Muss die alte Platte raus und eine neue rein? Die alte hat ja immerhin die letzten 150 Jahre funktioniert.
Falls die wirklich raus muss, wie muss eine neue Bodenplatte aufgebaut sein? Wie werden die Abschlüsse zu den bestehenden Wänden hergestellt?

Vielen Dank für eine Antwort
Holger



Sanierungsüberlegungen



Grundsätzlich hat der Installateur recht. Grundsätzlich haben Sie auch recht: die (Fachwerk-)Konstruktion hat sich 150 Jahre lang bewährt. Die Bodenplatte ist aber wahrscheinlich ein Produkt der 60er/70er Jahre und ersetzte die Fussbodendielung über Erdreich, die wahrscheinlich rott war. Oder weil´s den Bewohnenr zu sehr durch die Dielenritzen zog

Jetzt wird das Haus aber saniert, gedämmt und abgedichtet und die Bodenplatte ist dann z.B. eines der kältesten Bauteile, an denen Kondensat aus der feuchtwarmen Raumluft ausfällt. Von der Fusskälte ganz zu schweigen oder der fehlenden Abdichtung gegen kapillar aufsteigende Bodenfeuchte oder andere Lastfälle für erdberührte BAuteile nach DIN 1895 Bauwerksabdichtung.

Was die alten Fachwerkhäuser nicht zuletzt bis heute gerettet hat, ist ihre "Zugigkeit" bzw. die ungeplante Konvektion durch Ritzen und Spalten der Konstruktion und der BAuteilanschlüsse. Wenn diese Zugigkeit fehlt, können verstärkt Feuchteansammlungen auftreten, die der Fachwerkkonstruktion nicht unbedingt bekommen.

Der Einbau einer neuen Bodenplatte ist grundsätzlich zu überlegen, in Punkto Dämmung und Abdichtung. Es ergeben sich aber meistens bei genauerer Betrachtung eine Menge Detailfragen, die geklärt werden müssen, bevor es an die Planung einer solchen Baumaßnahme geht.

Nicht zuletzt tauchen beim Abriss oder bei Probeschachtungen meistens neue HErausforderungen auf in Form maroder Fachwerkteile, ungenügend gegründeter oder fehlender Fundamente, die nicht untergraben werden dürfen, fehlender Bauwerksabdichtungen, ungelöster Sockeldetails etc.

im Grunde liegt nahe, erst einmal die Situatiion im Gesamten zu untersuchen, bevor Sie tätig werden und die Maßnahmen zu planen und aufeinander abzustimmen. Improvisieren kommt meistens recht teuer zum Schluß.



alte Bodenplatte rausreißen?



vielen Dank für die schnelle Antwort.

Wer kann die Gesamtsituation denn am besten beurteilen? Welche Art "Handwerker" muss ich dazu konsultieren?
Ein Maurer, ein Architekt, ein Energieberater?

Fragen über Fragen....

Gruß
Holger



Einen Architekten



, weil Sie das gesamte Haus begutachten lassen sollten, bevor Sie an die Planung gehen. Bei einer Sanierung und energetischen Sanierung ist eine Bestandsaufnahme unerlässlich, damit die Planung und auch die Fianzierung auf eine solide Basis gestellt wird. Einige Überraschungen werden dann trotzdem noch dazukommen, sollten aber möglichst in Grenzen gehalten werden.

Ein Energieberater empfiehlt sich, um das ZUsammenspiel zwischen Gebäudedämmung und Überlegungen zur Heizungserneuerung zu definieren und zu variieren. Dieser Berater sollte sich mit der Fachwerkkonstruktion auskennen und den dazu passenden Dämmvarianten.

LEdiglich Handwerker zu befragen empfiehlt sich nicht, weil sie in ihrem Gewerk (vielleicht) den Überblick haben, ihnen aber der Blick für das gesamte Gebäude fehlt.

Eigentlich könnte ich mich empfehlen. z.B. für eine Bauberatung oder eine Gebäudeenergieberatung. Ein Schwerpunkt meines Büros ist die Sanierung von Fachwerkbauten. Z.Zt. bereite ich z.B. die Sanierung eines denkmalgesch. Fachwerkhauses bei Gummersbach vor.

Bei Interesse oder für nähere Infos können Sie mich gerne kontaktieren.





...naja. Vielen lieben Dank für das Angebot, aber noch einen zusätzlichen Architekten wollte ich jetzt eigentlich nicht noch beauftragen, denn eigentlich ist das ja schon alles abgeschlossen. Finanzierung steht, KfW-Zuschüsse beantragt/zugesagt.
Energieberater war da. Statik (für die rauszunehmenden tragenden Wände) vom Architekten/Statiker liegt vor.
Außenwände sind alle entkernt, Fenster kommen nächste Woche, Gas-Anschluß heute, neue Heizungsanlage im Laufe dieses Monats....
Eigentlich wollte ich jetzt "voll" loslegen, als mir der Installateur eröffnet hat, er würde die Bodenplatte rausreißen.
Es wäre schön gewesen, wenn ich Sie vorher getroffen hätte. Dann hätte ich alles aus einer Hand gehabt.....



Na dann



sind doch alle Fachleute vor Ort ...



Wenn...



Ihr Planer sich so "unwesentlichen" Details wie dem Bodenaufbau im Erdgeschoß gar nicht gewidmet hat, sind auch seine sonstigen Aktivitäten auf Realitätsnähe abzuklopfen. 08/15 von der Stange funktioniert im Altbaubereich nicht. Möglicherweise ist der Mann perfekt im Formulareausfüllen, hat die real existierende Bausubstanz aber gar nicht gründlich bewertet?

Dann sind aber auch die hübschen KfW-Anträge Makulatur, weil nicht umsetzbar bzw. unvollständig.

Sie sollten den Zustand vermeiden, von Handwerkern über Sachverhalte aufgeklärt zu werden, die Ihr "Architekt" hätte sehen müssen. Was sagt er denn dazu, oder hat er das Problem noch gar nicht wahrgenommen?

Grüße

Thomas



alte Bodenplatte rausreißen?



Hallo Thomas,

Du hast völlig Recht. Leider sieht man bei der Auswahl eines Architekten nicht vorher, wie gründlich er arbeitet.
Trotzdem würde ich es gerne vermeiden, einen zweiten Architekten anheuern zu müssen. Ich "hoffe" jetzt einfach einmal, dass die Bodenplatte das Einzige ist, über das ich nicht aufgeklärt wurde.....

Eine blöde Frage, die mir (als völlig unvoreingenommener Laie) durch den Kopf gegangen ist:
Wir wollen sowieso die komplette Wohnung fliesen. Reicht das nicht als Schutz gegen die Feuchtigkeit?

Danke
Holger



Fundament



Wie tief geht es ? Das beschränkt meistens die Tiefe für einen neuen Aufbau. XPS Dämmung gibt es inzwischen auch mit WLG 027, etwas teurer aber jeder cm Aushub kostet...

Wie trocken ist das Erdreich ?



Bodenplatte



Hallo,

sorry. Ich verstehe die Frage nicht "wie tief geht es"? Wie tief geht was?
Das Erdreich unter der Bodenplatte ist trocken.
Die Bodenplatte hat ja auch ihren Dienst in den letzten Jahren erfolgreich geleistet, ohne das irgendetwas feucht geworden ist....

Wenn ich folgende Diskussion verfolge, werde ich nur noch unsicherer, ob es überhaupt Sinn macht,etwas am Zustand der Bodenplatte zu ändern:

http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/anschluss-dichtung-159926.html



trocken ist relativ...



... wenn man zu buddeln anfängt, sieht das oft anders aus ! Wir hatten nach dem Aushub einen Kneippweg im Keller, und mussten eine Drainage legen.

Da es sich um Wohnräume handelt, würde ich aber durchaus einen gewissen Aufwand treiben. Die Fliesen sind zwar feuchtetolerant wenn es mal kondensiert, kalte Füsse bekommt man aber trotzdem...

Ich würde am Rand eine Sondiergrabung machen von wegen Tiefe des Fundaments, dann kann man entscheiden was möglich ist.



Die Dämmung...



der Bodenplatte entspricht weder den KfW- Richtlinien noch dem gesunden Menschenverstand. Gerade ein (eh fußkalter und unbehaglicher) Fliesenboden sollte gut gedämmt sein.

Grüße

Thomas