Altbausanierung aber wie?

29.06.2019



Guten Tag,

Ich habe ein paar schwierige Anliegen, die mich als Laien sehr stark fordern und ich in meinem Bauvorhaben nicht vorankomme.

Wir bewohnen ein altes Bauernhaus mit Innenfachwerk aus dem Jahr 1847. Ich bin 36 Jahre alt und wohne seit meinem ersten Lebensjahr in diesem schönen und in die Jahre gekommenen Haus.

Ich bin seit einiger Zeit dabei, das Zimmer meines Vaters zu sanieren, habe bereits einige Gewerke in Angriff genommen, verspüre momentan aber kaum noch Elan, diesen Raum in eigener Sache fertig zu bekommen. Jedenfalls muss dieser Raum noch in diesem Jahr fertig werden, da im Obergeschoss ein zweites Kinderzimmer entstehen muss und mein Krempel (Ja, es ist eine Sammlung) ein neues Zuhause braucht.
Kurz gesagt, der zu renovierende Raum wird mein Raum für meine Sammlung, die recht feuchtigkeitsempfindlich ist...
Vielleicht wird hier auch schon ein Fachmann schnell das Wort ergreifen und behaupten, dass ich diesen Raum niemals 100% trocken bekommen werde. Das Gefühl beschleicht mich langsam eh.

In dem Raum war ein Holzdielenfußboden, den wir herausgenommen haben, da es hinten links in der Ecke feucht war. Der Balken unter dem Fußboden war sichtlich durch Feuchtigkeit braun, feucht, bröselig, vergammelt.
Des weiteren kamen weitere unverhoffte schadhafte Stellen zu Tage. Insbesondere am Sockel der langen Wand (Innenfachwerk/ Wand zur Tenne), wo der blanke Eichenbalken seit über 170 Jahren auf dem Sandstein steht. Dieser war stellenweise feucht und wurde fachmännisch in der gesamten Länge in etwa 1 bis 2 Zentimeter in der Höhe (ca. 6 Meter Länge) gesägt, die schadhaften Stellen somit beseitigt. Im gleichen Moment wurde eine Mauersperrfolie eingebracht und mit Trass-Kalkmörtel unterfüttert.
An anderer Stelle wurde ein ca. 2 Meter langer Balken, von dem nicht mehr viel, ausser ein bisschen "Blumenerde" übrig war, komplett ausgetauscht und ebenfalls mit Folie und Mörtel vom saugenden Sandsteinfundament getrennt, um natürlich das neue Holz vor der aufsteigenden Feuchtigkeit zu bewahren.

Wie ich so in eigener Sache meine  Erfahrungen mache mit verschiedenen Baustoffen und Gewerken -> Gipskarton als Zimmerdecke, Lehm auf Lehmwand, Verputzen mit Sanierputz, Drainage an der Aussenmauer...., so fallen mir bei diesem gesamten "Projekt" immer wieder neue Mängel auf, die wohl nunmal aufgrund des Alters einfach vorherrschen.

1. Lehmgefache neben versottetem Schornstein trocknet nicht. ( Siehe Bilder )

2. Momentan freiliegendes Sandsteinfundament wird bei schwülem Wetter schlagartig nass.. (nur oberflächlich?)

3. Wahl des Fußbodens

Zu 1.
Ich habe den Lehmunterputz mittlerweile fast an der gesamten bisherigen Lehmwand mehr oder weniger dick aufgetragen. Noch ist diese Arbeit nicht erledigt und sie muss auch nicht perfekt werden. Es stehen später Regale davor.
Wie jedenfalls auf den Bildern zu sehen ist, so trocknet das schmale Gefache neben dem Schornstein nicht. Der Schornstein ist schon seit Jahren nicht mehr in Betrieb und ist versottet. Dieser Lehm ist nicht nur augenscheinlich, sondern auch immer noch gefühlt feucht. Es ist knapp vier Wochen her, ich trug eine maximale Schicht von knapp 1 cm auf.
Alle anderen Stellen und Gefache trocknen binnen 3-4 Tagen (augenscheinlich), ich weiß, eine komplette Trocknung ist auch erst nach wenigen Wochen erreicht.

Meine Frage hierbei ist, warum dieses Gefache nicht trocken wird?

Ich las auch schon mehrere Meinungen dazu, dass Lehm nicht Wärmetrocknern getrocknet werden soll. Aber da nun sicherlich schon mehr als vier Wochen vergangen sind, müsste sich doch längst eine Trocknung abzeichnen.
Liegt das an der Abgrenzung zum versotteten Schornstein? Welchen Fachmann kann ich dazu befragen? Die Reinigungsklappe auf der anderen Seite der Wand (in der Tenne) habe ich geöffnet und gefühlt und es scheint darin trocken zu sein. Wenn auch die Fugen vielleicht schon ziemlich ausgebrannt sein dürften. Kann es sonst einen Grund für die nasse Wand geben? Unten ist jedenfalls durch die Horizontalsperre hoffentlich alles in Ordnung. Und aufsteigende Feuchtigkeit doch bei ca. 1,50 m in der Höhe nicht der Grund.
Ich kann es mir nicht erklären.
Oder kann es mit diesem grünlichen Anstrich zusammenhängen, dass dieser alte Anstrich eine Dichtungsschlämme ist?

Zu 2.
Durch den Wetterumschwung vom recht kühlen Frühling zum nun doch schlagartigen Sommer, beobachte ich nun immer wieder das nasse Sandsteinfundament. Ich kann ja nicht mal eben unser denkmalgeschütztes Haus komplett zerlegen und dort eine Horizontalsperre unterhalb des Sandsteins einbringen, man kann ja auch gar nicht sagen, wie tief dieses liegt.

Was kann ich hier also tun, wenn es auch gerade um das Einbringen eines für diesen Raum passenden Fußbodens geht? Wenn der Sandstein freiliegt, so habe ich dann stets die aufsteigende Feuchtigkeit im Raum?
Hat das etwas mit Inversion zu tun?
Sucht sich die Kondensationsfeuchtigkeit den kältesten Punkt?

3.
Ein geeigneter Fußboden?
Momentan liegt in dem Raum eine Betonbodenplatte, wie dick diese ist, kann ich nicht sagen. Nun habe ich zwei Preise eingeholt zum Verfüllen mit Fließestrich.
Jetzt kam meine Mutter durch Anraten eines Bekannten auf die Idee, dort keinen Estrich einzubringen, da die gesamte Trocknungszeit ca. 7 Jahre dauert und wieder sehr viel Feuchtigkeit in den Raum gebracht wird.
Stimmen diese Angaben, die ihr gesagt wurden?
Macht dort eine Vefüllung mit Schaumglasschotter mehr sind, weil dies trocken ist? Aber dann habe ich, so denke ich, das Problem mit den teils nassen Sandsteinen.
Und kann man den Boden des Raums dann mit Fliesen belegen oder bietet sich dann eher PVC, Vinyl oder Linoleum an?
Ich denke, dass ein Holzfußboden, wie z.B. Dielen oder Laminat nach ein paar Jahren wieder feucht werden und gammeln kann.

Ich bin mit meinem Latein leider vorerst am Ende und weiß nicht, was hier die richtigen Entscheidungen sind.

Ich bitte um zeitnahen Rat oder Hilfestellungen und bin über jegliche Tipps und Ratschläge dankbar. Und auch welche Art von Gutachter oder Berater ich mir zu Rate hinzuziehen kann.

Ich danke Ihnen beiden für die hilfreichen Denkanstösse. Leider gelingt es mir nicht, hier ein Foto oder mehrere vernünftig hochzuladen. Eins habe ich indessen hochladen können, wenn auch nur liegend.. Ich verstehe auch noch nicht, wie ich Ihre Meinungen kommentieren kann.
MfG



eine Meinung.....



Hallo,

ich bin nun auch kein Fachmann, aber vielleicht ein paar allgemeine Gedanken....

Kondensation von Feuchtigkeit erfolgt natürlich immer an kühlen Stellen... ist es draußen warm und feucht und der Stein (wie bei uns im Kellerbereich) schön kühl, kondensiert dort naturgemäß auch oberflächlich Feuchtigkeit... das ist physikalisch nun mal so...

Der nicht trocknende Lehmputz am alten Schornstein muss meiner Meinung nach eine andere Ursache haben.... es muss von irgendwo Feuchtigkeit kommen...vielleicht mal die Feuchte in der Wand bzw im Schornstein messen und schauen, ob nicht von oberhalb Wasser eindringt oder ob der Schornstein vielleicht einfach in Gänze sehr feucht ist und daher der Lehmputz nicht trocknen kann.... testweise vielleicht mal eine Fuge von 1cm am Anschluss zum Schornstein vom Lehmputz befreien und schauen, ob der Rest dann trocknet... Lehmputz kann ja grade Feuchtigkeit gut aufnehmen und abgeben, trocknet also fast zwangsläufig, wenn keine Feuchtigkeit nachkommt.....

Gruß aus Wuppertal!!!



lehm auf gesperrtem Grund trocknet langsamer



nach ein paar wochen sollte lehm zwar auch trocken sein, wenn er die feuchtigkeit nur in den raum abgeben kann, doch dauert es merklich länger, wenn das wasser nicht in den Untergrund ziehen kann.
auf gut saugendem untergrund trocknet lehm jedenfalls deutlich schneller hell auf.

wurde richtig gelüftet?
wird er fester, ist er teilweise schon hell (trocken) oder ganzflächig nass?

ich sehe deine Bilder nirgends

Ist ein Keller drunter, oder nur das sandsteinfundament und zwischendrin Erdboden?
es darf keine feuchtwarme luft an kaltes Mauerwerk gelangen, sonst feuchtet es auf.
Bei Wetter wie in den letzten Tagen geht das teilweise Blitzschnell, wenn heiße Außenluft reinkommt.
Der neue Aufbau sollte das verhindern können.
Estrich trocknet in wenigen Monaten durch.
Alternativ könnte man Gussasphaltestrich in Erwägung ziehen.
Es fehlen noch Details zum Untergrund .

edit:
jetzt seh ich das foto.
ist die grüne Farbe auch in dem feuchten bereich?
wird bald trocknen, vermute ich.

boden:
feuchtesperre, ausgleichsschüttung (z.b. cemwood), dämmung, estrich (nass, trocken oder gussasphalt) , belag
kommt auf die aufbauhöhe an.
vielleicht auch dämmlage mit lagerhölzern und dielen...
keine luftschichten einbauen.



saugender Sandstein



Ich habe bei mir einen Raum im Erdgeschoss. Eine Wand ist eine massive Sandsteinwand mit 40 bis 50 cm Dicke. Ich hatte von 3 Jahren diesen mit Lehm verputzt und es waren glaube ich 6 Wochen und die Wand war immer noch nicht trocken. Aus Ablaufgründen musste ich dann die Wand mit Möbeln zustellen, die ich dann in 10 cm Abstand gestellt habe um wenigstens etwas Zirkulation zu haben. Inzwischen ist die Wand trocken und auch der Raum hat keine Feuchtigkeit mehr. Gerade bei sommerlichen Temperaturen ist die Sandsteinwand so kalt, dass ständig das Wasser kondensiert. Ich würde auch vermuten, dass derselbe Grund auch für die Kompostierung ihrer Schwellen zuständig ist. Wenn Stein so saugen könnte, würden die Höhenburgen auf Sandstein überflutet werden. Die Geschichte erzählt aber immer von teils extremem Wassermangel auf Höhenburgen. Ich habe bei mir im Keller massive Sandsteinwände und habe kein Problem mit aufsteigenden Feuchtigkeit, die ich nur bekomme wenn ich an heißen Tagen die Fenster öffne.

Drainage und Sperrfolien können sicher in Einzelfällen sinnvoll sein, im Allgemeinen wird die Konstruktion der Fachwerkhäuser für die Trockenheit der Schwellen gesorgt haben. Bei mir muss ich jetzt auch eine Schwelle ausbessern, die bei der letzten Sanierung mit Zementputz "stabilisiert" wurde. Leider hält der Zementputz die Feuchtigkeit am Balken und verhindert die Trocknung. Früher wurde reiner Kalkputz verwendet, dessen Ausgleichsfeuchtigkeit niedriger ist als die des Holzes. So hat es mir ein altbauerfahrener Restaurator erklärt.



Sanierungsfragen



Hallo Joscha,
bei der Vielzahl deiner Fragen wäre ein Vorort-Termin eines Fachmannes/Fachfrau sicher sinnvoll, wobei klare Aussagen und Hinweise zur Vorgehensweise und zum Ablauf auch motivationsfördernd sind.

Gib doch deine Kontaktdaten an und markiere den Punkt:
"Kontaktdaten für Mitglieder sichtbar",
dann kann sich jemand in deiner Nähe melden.
Evt kannst du auch bei IG Bauernhaus nachfragen, die Gruppentreffen veranstalten, bei denen du dich austauschen kannst.
Ansonsten kannst du mir eine email schreiben, ggf mit Bildern und Fragen