Altbaudecke aufbereiten

23.11.2015 Wolfgang2020


Altbaudecke aufbereiten

Hallo,
wir werden ab Januar in ein kleines Fachwerkhaus einziehen und möchten zuerst die Wohnzimmerdecke erneuern.
Haus ist BJ 1927, Zimmer ist ca. 4,5 m mal 4,5 m groß mit einer sichtbaren Abstützung links und recht und Querbalken
bei ca. 2,o m. Zur Zeit ist eine Holzdecke relativ fest eingebaut (Nut und Feder). Diese Decke ist allerdings schon ziemlich vergilbt und sollte erneuert bzw. bearbeitet werden. Über der Decke befindet sich ein Schlafraum mit Teppichboden.(Lärmdämmung spielt keine Rolle, da nur 2 Personen)
Idee 1: Alte Decke entfernen, neue Lattung und neue Paneele.
Idee 2: Alte Decke lassen und neue Paneele direkt auf die alte Holzdecke.
Idee 3: Alte Decke lassen und weiß lackieren.
Eigentlich tendieren wir zu Idee 1, wir wissen aber nicht was uns nach Entfernen der alten Decke erwartet. (kann man dann überhaupt neue Latten anbringen.
Für ein paar gute Hinweise wären wir sehr dankbar.
Vielen Dank
Wolfgang



Decke erneuern



Liegt über den Stützen keine Wand?
Wurden die wegen zu großer Durchbiegung der Deckenbalken angebracht?
Oder kann es eine alte Trennwand zwischen 2 kleinen Zimmern sein?
In welcher Richtung liegen die Deckenbalken?
(Wahrscheinlich zum Fenster hin-aber überprüfen)

Wenn die Bretter stabil befestigt sind könntest du auch zB Gipsfaserplatten darunter schrauben- das verbessert etwas die Schalldämmung und reduziert kaum die Deckenhöhe.

Oder alles demontieren- dann hängt es davon ab was du vorfindest- ein Foto sagt mehr aus.

Am einfachsten ist es, die Bretter mit weiß pigmentiertem Öl zu lasieren oder mit Bleichlauge etc aufzuhellen.

je nach Zeit und Lust die eine oder andere Möglichkeit aussuchen, wobei ich es immer gut finde, zu wissen was verbaut wurde und daher zu Abriß der nachträglich eingebauten Bretter neigen würde.

Andreas Teich



Holzdecke rein oder raus?



Guten Morgen Herr Teich,
vielen Dank für die schnelle Information.
Leider können wir erst ab 01.01. in das Haus um alles zu überprüfen und was noch schlimmer ist, ich bin ein absoluter Fachwerkslaie.
Zu Ihren Punkten:
Über den Stützen liegt sehr wahrscheinlich eine
Wand vom 1.OG. Allerdings glaube ich auch, dass es im EG eine Trennwand zwischen zwei kleineren Räumen war und das jetzige Wohnzimmer im EG aus diesen beiden Räumen besteht. An den Stützen sind auch Zapfenlöcher vorhanden.
Wenn ich die vorhandene „alte/neue“ Deckenverkleidung entferne, kann ich dann sehen, wie die Deckenbalken laufen oder kann ich das irgendwie anders feststellen?
Ich glaube allerdings, dass die Deckenbalken von innen zu den Fenstern laufen, da vor den Fenstern im 1. OG ein kleiner Balkon auf Balken steht, die in dieser Höhe aus dem Haus kommen.
Könnte ich grundsätzlich, wenn ich die alten Bretter entferne, an die Decke eine Konterlattung anbringen oder ist das wegen der Holzbalkendecke problematisch?
Dann würde ich doch evtl. ein Lasieren der vorhandenen Bretter vorsehen.
Vielen Dank für die Hilfe
Wolfgang



Altbaudecke



es scheint, als wollten Sie das Haus erst noch kaufen? In Anbetracht Ihrer Laienschaft in Fachwerkdingen empfehle ich, dass Sie sich begleiten lassen. Es besteht so auch die Möglichkeit vom Vorbesitzer zu erfahren, wann die Holzdecke eingebaut wurde, wie der Unterbau aussieht und ob das Entfernen von Riegeln und Streben in der Zwischenwand statisch unbedenklich war. Ich persönlich würde die Decke nicht wegreißen, sondern weiß gestalten.
Gruß Roland



Decke sanieren



wie erwähnt vermute ich die Laufrichtung der Deckenbalken in Richtung der Fenster- das solltest du aber bei den Holzdielen darüber erkennen- die sind quer dazu befestigt, sofern der ursprüngliche Aufbau nicht verändert wurde.

Das weitere Vorgehen hängt sicher auch davon ab wie der Zustand der Unterdecke ist und welche Oberfläche gewünscht wird- eine weiße Gipsfaserplattendecke ist später einfacher nachzustreichen und drückt optisch nicht so wie Holzdecken.
Eine Konterlattung läßt sich unter den Balken befestigen-
ggf muß die in der Höhe ausgerichtet werden.

Weiß lackieren ist relativ viel Arbeit, wobei die Fugen wegen Arbeiten des Holzes nie sehr schön sind und sich dunkel abzeichnen werden.

Wenn sich über dem Stützbalken eine Wand befindet und darüber evt weitere Lasten vom Dach einwirken scheint mir der Pfosten etwas unterdimensioniert und bei fehlenden Riegeln, dazu mit Zapfenlöchern, möglicherweise zu wenig gegen Ausknicken gesichert zu sein.

Andreas Teich





Guten Morgen, vielen Dank für die Rückmeldungen.

Pope, Wir haben das Haus bereits gekauft, werden ab erst am
01.01. hineinkönnen. Es macht einen sehr guten Eindruck. (naiv?) Im Prinzip wollten wir die Decke nur etwas heller bekommen. Hatten nur Bedenken die Holzbretter wegen des hohen Aufwandes und des nicht bekannten Unterbaus einfach zu entfernen.

Herr Teich, kann den jemand eine tragende Konstruktion verändern ohne dies prüfen zu lassen? Das Haus wurde 1993 renoviert und seither steht es so mit diesem Raum.

Es sieht nach ihren Angaben nun aber doch etwas komplizierter aus, als wir gedacht haben. Ich glaube nun auch, dass es das Beste ist die Kontruktion der Decke noch einmal prüfen zu lassen.
Wer kann dies tun, eine Schreinerei oder Zimmerei oder wenn würden sie um Rat fragen?
Vielen Dank für die Informationen.
Wolfgang



Deckenkonstruktion



Hallo Wolfgang
Leider wird vieles abgerissen und verändert ohne die Funktion mancher Bauteile zu bedenken.
Wenn es seit über 20 Jahren hält spricht es für die Konstruktion-
wenn eine Durchbiegung des Trägers über dem Pfosten feststellbar ist kann evt eine 2. Stütze in etwa 1 m Abstand zur Fensterwand sinnvoll sein oder auch die vorhandene (welche Dimension hat die?)gegen eine etwas stärkere ersetzt werden-
möglichst aus Altholz wenn es passen soll, das ist aber Geschmackssache.
ich würde zumindest keine zusätzlichen Lasten aufbringen, wenn ihr den Deckenaufbau verändern wollt.

Ihr könnt bei der IGB fragen, ob die jemand bei euch in der Nähe haben zwecks Überprüfung, ansonsten hier im Forum oder in eurer Gegend sehen, ob es eine altbauerfahrene Zimmerei gibt.

Wenn es generell um Umbaumaßnahmen, evt Schadensfeststellung, Verbesserung des Wärmeschutzes und eine generelle Begutachtung des Objekts geht sollte das jemand machen, der Erfahrungen auf solchen Gebieten hat- evt auch das örtliche Denkmalamt ansprechen- auch wenn das Gebäude kein Denkmal ist können die Hinweise geben.
Du kannst mir auch mailen wenn Fragen auftauchen sollten

Wenn ihr die Holzdecke entfernt wird außer evt viel Schmutz nichts passieren- nur läßt sich der Sanierungsaufwand erst hinterher beurteilen.

Könnt ihr nähere Informationen zu dem Gebäude und bisherigen Umbauten von den früheren Eigentümern bekommen?

Hat sich denn ein von euch beauftragter Fachmann/Fachfrau das Gebäude vor dem Kauf angesehen?

Andreas Teich



Deckenkonstruktion



Hallo Herr Teich,
nochmals vielen Dank, dass Sie sich der Sache so annehmen.
Die Tragfähigkeit der Decke war ja ursprünglich gar nicht mein Thema. Ist sie nun aber anscheinend doch geworden.

Da wir aber noch Zeit haben, bis wir endgültig ins Haus können,muss ich mich erst einmal etwas beruhigen und habe dann folgende Idee (Vielleicht können Sie mir ein bißchen Mut machen). Werde versuchen noch Informationen über den Deckenbau bzw. die Träger zu erhalten. (eher schwierig).
Habe im Internet über ihren Hinweis die Adresse einer Interessengemeinschaft Bauernhaus in Birstein gefunden und werde mich hier nach einer Möglichkeit der Besichtigung erkundigen. Ansonsten werde ich Anfang Januar die Holzbretter teilweise öffnen und sehen was passiert.

Falls zufällig eine Zimmerei mit Altbauerfahrung in der Nähe von Gelnhausen/Wächtersbach dies liest, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme freuen.

Vielen Dank
Wolfgang



Deckenstatik



Aufregen lohnt sich gar nicht- in diesem Fall sind ja auch keine Schäden feststellbar.
Es ist bei evt zweifelhaften Vorsanierungen jedoch immer sinnvoll, die überprüfen zu lassen- vor allem wenn evt weitere Umbauten davon abhängen.
Es läßt sich gut selber feststellen, ob sich darüber eine Wand befindet und evt über dieser noch Pfosten der Dachstuhlkonstruktion darauf stehen.
Die Fußbodendielen laufen immer quer zu den Deckenbalken,falls nicht noch jemand eine zusätzliche Dielenlage versetzt auf die vorhandenen Dielen befestigt hat.

Andreas Teich



Altbaudecke



Hallo Herr Teich,
vielen Dank für die Rückmeldung.
Ich habe michnun noch einmal bei den Vorbesitzern erkundigt und sie meinen, dass die vorhandene Stütze schon immer(?), wie auf dem Bild zu sehen ist, eingebaut und wohl auch ausreichend sei. Werde nun aber erst abwarten, bis wir endgültig ins Haus können.
Vielen Dank nochmals, komme bestimmt noch einmal auf Sie zurück.
Viele Grüße
Wolfgang