Altbau Dielen renovieren (neue Konstruktion)

30.07.2015 Suffix186



Hallo liebe Fachwerk-Community,

ich habe vor kurzem ein Altbau-Mietshaus erworben, in welchem mehrere Renovierungs- bzw. Sanierungsarbeiten anfallen. Eine davon ist die Aufarbeitung der gesamten Böden in den Wohnungen (sechs Wohnungen mit insg. 356,33m²).

Vorhanden ist ein typischer Altbau Dielenboden mit ochsenblutfarbenen Dielen, die eigentlich von mir aufgearbeitet werden sollten (typisches Abschleifen und Ölen der Dielen). Jedoch fehlt dann weiterhin eine Trittschalldämmung. Der Boden ist ebenso uneben (teilweise über 1cm Unebenheit bei Messung mit 2 Meter Richtscheid) und quitscht und knarrt sehr stark. Somit fällt das Abschleifen bedingt durch den Arbeits- und Kostenaufwand bezogen auf den Nutzen flach.

Eine Ebnung des Bodens mit herkömmlichen Ausgleichsestrich traue ich mir als Laie nicht zu (ganz nach dem Motto: wenn es trocken ist und ich was falsch gemacht habe, gibts kein Zurück mehr) und das Verlegen von OSB Platten kann ich mir bei den Bodenunebenheiten nicht vorstellen.

Somit kommt eigentlich nur eine Trockenestrich Konstruktion für mich in Frage.
Diese wäre Kostentechnisch aufs gesamte Haus gerechnet im Rahmen und zeitlich auch für mich umsetzbar.

Umsetzung wäre somit folgende:
Rieseschutzpapier verlegen, Trockenausgleichschüttung drauf (30mm waren geplant) und mit Trockenschüttgutlehre und Abziehlehre entsprechend verteilen.
Darüber kommen die Trockenestrichelemente ohne Dämmung (die von Fermacell z.B. mit Mineralwolle sind in den Baumärkten völlig aus dem Sortiment verschwunden, da sie wohl kaum verkauft wurden) in 1500 x 500 x 20mm, welche mit dem Estrichelement Kleber als auch Schrauben verbunden werden. Um die Estrichelemente kommen noch die Randdämmstreifen.

Hierbei komme ich jedoch zu mehreren Punkten, die verschiedene Fragen mit sich bringen:

1)
Was mache ich mit angrenzenden Räumen, dessen Böden bereits fertig sind bzw. nach Einsetzen tiefer als die Estrichkonstruktion liegen?

Ich habe ja mit 30mm Schüttung, sowie 20mm Estrichelement geplant, somit etwa 50mm. Teilweise grenzen aber Räume bzw. ja auch die Wohnungseingänge an, die nach Einbau der Konstruktion drunter liegen. Ein Bad z.B. ist fertig gebaut und gefliest und liegt derzeit knapp 25mm über den Dielen. Somit wären mit der Estrichkonstruktion 25mm höhenunterschied zu den Badefliesen. Fällt dort nicht die Schüttung einfach heraus?

Noch extremer ist es mit den Wohnungseingängen. Das Hausflur liegt eben zu den Dielen in den Wohnungen. Im Rahmen der Eingangtüren ist ein Holzbrett von etwa 22mm Höhe eingesetzt. Nach Einsetzen der Estrichkonstruktion würde man quasi beim Eintreten in die Wohnung gegen eine Kante laufen. Die Schüttung würde somit auch freiliegen und, so befürchte ich, mit der Zeit "herausrieseln".

Des Weiteren ist ein Betonboden vorhanden, der bereits auf Höhe der Diele liegt. Damit hätte man eine "Stufe" von 50mm.

Was kann man dagegen tun?

2)
Kann ich mich darauf verlassen, dass die Trittschalldämmung auch ohne weitere Dämmung unter den Estrichelementen gegeben ist? Oder sollte eine separate Dämmung zusätzlich unter den Estrichelmente verleget werden bzw. eventuell die geplante Schütthöhe der Ausgleichschüttung von 30mm erhöht werden (je höher ich gehe, deste problematischer sehe ich Punkt 1))
Ein örtlicher Baumarkt-Mitarbeiter meinte, die Ausgleichschüttung würde genügen als Trittschalldämmung, dem bin ich aber etwas skeptisch gegenübe.

3)
In so ziemelich jedem Türrahmen befindet sich als Übergang in den nächsten Raum ein Brett im Boden, das etwa 20mm über der Diele liegt. Kann dieses einfach mit der Schüttung (dann quasi 10 statt 30mm ) überschüttet werden und somit in der Konstruktion verschwinden?

4)
Teilweise grenzen Heizungsrohre an der Wand, welche etwa 40-70mm über der Diele liegen, an den Boden an. Wie kann man diese in die Konstruktion einbinden, bzw. müssen diese komplett neu verlegt werden (ein Belassen der aktuellen Position wäre mir natürlich am liebsten)

5)
Es befinden sich Altbauzierleisten mit einer Höhe von etwa 200mm an fast allen Böden. Sollen diese einfach bestehen bleiben oder komplett entfernt werden? Sehe hier eventueller Probleme mit den Randdämmstreifen.

Ebenso frage ich mich, ob die Randdämmstreifen schon bei der Ausgleichschüttung, oder erst bei den Estrichplatten zum Einsatz kommen?


Das wäre vorerst alles. Mir ist bewusst, dass das umschrieben ne Menge Holz ist, aber ich finde einfach keinen Ansprechpartner, daher wäre mir mit jeglicher Hilfestellung, eventuell sogar den ein oder anderem Erfahrungbericht wirklich weitergeholfen.

Daher Danke schon mal im Voraus für jegliche Denkanstöße

PS: Konnte nur ein Bild anhängen, daher sieht man auf diesem leider nicht das Problem mit den Heizungsrohren.



Denkanstoss



- Alte Dielen raus
- Alte Schüttung entsorgen oder zwischenlagern (je nach Grauslichkeit)
- Hohlraum unter dem Einschub mit Steinwolle ausdämmen (Luftschall).
- Schüttung im Einschub ergänzen (z.B. getrockneter Sand)
- ev. nivellieren
- Neue Dielen verlegen - werden durch die Feder geschraubt, da knarzt nichts.

Wenn der Trittschall weiter verbessert werden soll, wäre noch eine Möglichkeit, den Boden schwimmend zu verlegen. Da würde ich aber einen Statiker fragen ob die Scheibenwirkung des Dielenbodens relevant ist.

Wir haben in unserem Haus neue Dielen aus Douglasie, geölt - ist sehr schön geworden.



Bodensanierung



Ich hatte in meinem gut 100 J alten Mietshaus eine ähnliche Situation wie bei dir.

Je nach Hohlraumhöhe unter den Dielen könnte in Raummitte eine Diele eine Diele entfernt werden und zB Zellulose eingeblasen werden, um den Resonanzboden durch Ausfüllen des Hohlraumes zu beseitigen.

Knarren kann durch verschrauben der Dielen beseitigt werden.

Dann Dielen Schleifen und ölen.

Zur Verbesserung der Schalldämmung können zB quer unter die Balken
40/60 mm Latten geschraubt werden, dazwischen dicht gestoßen 40mm
dicke Holzfaserplatten schrauben.
Darunter Gipsfaserplatten schrauben und Verputzen oder spachteln.
Das war bei mir völlig ausreichen.
Eine weitere Verbesserung könnte durch Verlegung der Gipsplatten mit Federabhängern erzielt werden.
Bei den Gipsplattenherstellern findest du Konstruktionsbeispiele mit Angabe der jeweiligen Db- Werte.

Ggf können Installationsleitungen noch unter der Decke verlegt werden.

Die Konstruktion unter der Decke dürfte um einiges günstiger sein als einen komplett neuen Boden zu verlegen mit allen schon geschilderten Problemen.

Andreas Teich