Akustik und Lehm. Wieviel kann Lehm für die Akustik in einem Schulungsraum beitragen?

06.06.2008



Hallo

ich baue eine altes Gebäude (Stickereilokal, dann Restaurant, dann Pizzeria)zu einer Schule um. Durch Zufall entdeckte ich, dass die Mauern des Erdgeschosses schon an die 400 Jahre alt sind. Ich möchte einen etwas spezielleren Schulungsraum gestalten und möchte z.T. die alten Mauern zum Vorschein bringen, den Pizzaholzofen bestehen lassen und eine wohnliche Atmosphäre hineinzaubern. Da der Raum relativ nun schlicht ist (ausser 3 alte Balken), aber auch ziemlich gross, habe ich Angst wegen der Akustik. Wegen des Raumklimas habe ich mich für Lehm entschieden, an den Wänden und ev. ein Lehmanstrich über die alte Gipsdecke (Schilfrohrdecke). Genügt es Lehm für die Wände ev. die Decke zu wählen, oder benötige ich noch weitere Schallabsorber? Muss vielleicht dem Lehrm möglichst viel Stroh beigefügt werden, oder soll er möglicht unförmig aufgetragen werden. In Schulräumen ist die Akustik einer der wichtigsten Punkte und eine Schallplatte oder eine Lochdecke zu integrieren, würde nicht so in mein Konzept passen. Ich wäre sehr froh, wenn jemand damit schon Erfahrung gemacht hat und mir auch weitere hinweise geben könnte. Leider konnte ich nirgends genaue Angaben, Zahlen etc. finden (auch nicht bei den Herstellern).

Herzlichen Dank

Dr. Viviane-Jacqueline Girardier



Lehmakustik



Hallo in die Schweiz

Ich denke, dass der Lehm auch in dieser Hinsicht sehr gut ist.
Um eine schalltechnische Verbesserung zu erreichen sollte man nicht nur mit dem Material spielen, sondern es optimal einsetzen.
die Oberflächen sollten rau sein und unterschiedlich sein.

Dazu würde ich den Lehm als Putz eigentlich überall einsetzen.

Raumgrösse, Raumgeometrie und andere Faktoren können eigentlich nur vor Ort analysiert werden und konzeptionell erfasst werden.

Wenn das zu teuer wird: Lehmputz grob und dann mit Kalkfarbe streichen.
eigentlich immer gut!

FK





Herzlichen Dank für die Rückantwort. Dass Lehm für die Akustik gut ist, steht überall. Aber eben... Wieviel oder muss man noch mit anderen Materialien arbeiten? Von Vorteil wäre es Wand und Decke mit Lehm zu verputzen. Eben habe ich auch gelesen, dass eine Strohmatte unter dem Lehm noch mehr beitragen würde. Mir fehlt einfach ein bisschen, das handfeste :-). Schlussendlich muss/sollte, möchte ich, dass ich viele Jahre mit diesem Entscheid glücklich bin ;-)

einen lieben Gruss zurück

Viviane-Jacqueline Girardier



Moin,



ich würde dennoch den Einfluss von Lehm auf die Schallverteilung nicht überbewerten denn hier spielen in erster Linie die Raumgeometrie und Oberflächengestaltung die entscheidenden Rollen. Deshalb auch meine Empfehlung: Lassen Sie sich vor Ort beraten.



Wie steht es denn im jetzigen Zustand mit der Akustik?



Sind die Räume hoch? Sie werden kaum handfeste Werte finden, denn solche Untersuchungen kosten sehr viel. Unsere Erfahrungen mit Lehm an den Wänden weicht nicht sehr von anderen Putzen ab, was die Akustik betrifft. Negativ wirkt sich Lehm jedoch nicht aus. Weichfaserplatten an der Decke, die nur gestrichen sind, bewirken einiges.
Schöne Grüsse aus Lörrach. Hopp Schwiz heute abend.
Jürgen Maier





Ich habe mal was von Rudolf-Steiner-Leuten gelesen, die mit Lehm gebaut und eine angenehme Akustik hingebracht haben sollen. Ich habe allerdings keine weitere sachdienliche Hinweise. Vielleicht werden Sie auf dieser Schiene dennoch fündig.



Bei Rudolf Steiner ging



es wohl auch um die Bauform, welche die Akustik beeinflusste. Die klaren Vorteile von Lehm liegen im Raumklima. Feuchtigkeitsregulierung, Schadtoff- und Geruchsabsorbtion. Man sollte den Lehm nicht als Wunderbaustoff deklarieren, der automatisch alles kann. Akustik ist ein sehr weites Thema. Raumgeometrie, Steifigkeit des Materiales und Oberflächenbeschaffenheit wirken mit. Ein unbehandelter Unterputz wird als Wandbelag kaum den (mechanischen) Beanspruchungen eines Schulzimmers standhalten können. Endbehandelt nähert sich die Oberfläche anderen mineralischen Putzen.

Zum Thema Akustik sende ich gerne einen Auszug auch den Gedanken Rudolf Steiner zu dem ersten Goetheanum im schweizerischen Dornach, welcher auch die Vielfalt der Einflussmöglichkeiten auf die Akustik zeigt:

Akustik
Um für den Innenraum eine gute Akustik zu erzielen, wurden die Kuppeln doppelt ausgeführt, mit einem Hohlraum dazwischen, der als Resonanzraum wirkt:

"So versuchten wir ja das Problem der Akustik in diesem Bau zu lösen. Gewiß werden solche Probleme nicht gleich auf den ersten Anhieb gelöst werden, aber Richtung wird wenigstens gegeben werden, indem gezeigt werden wird, wie man durch geometrische Berechnungen oder durch die gewöhnlichen architektonischen äußeren künstlerischen Regeln das Problem der Akustik nicht lösen kann, sondern nur auf dem Wege des geisteswissenschaftlichen Denkens. Der kuppelförmige Überbau wird ein doppelter sein, und er wird nach dem Prinzip des Violinresonanzbodens wirken und damit einen Teil des akustischen Gedankens des Raumes zum Ausdruck bringen. Es wird versucht werden, daß ein Ton klar auseinandergelegt zur Geltung kommen kann von allen Punkten des Raumes." (Lit.: GA 157, S 250)

Die aus symmetrischen massiven Hölzern massiv verleimten Säulen, die aus sieben verschiedenen Holzsorten gefertigt wurden, hatten auch eine akustische Funktion und dienten dazu, den Ton in rechter Weise in den Raum zurückzuwerfen:

"Es ist für die Akustik das Zusammenschauen und Zusammenempfinden eines viel weiteren Kreises von Faktoren notwendig, um solche Dinge hervorzurufen, wodurch in einem Raum, der zu gleicher Zeit schön sein soll, dennoch der Ton in einer entsprechenden Weise gehört wird, weil er immer von der Wand, auf die er auffällt, nicht nur zurückgeworfen, sondern auch aufgesogen wird. Er dringt immer eine gewisse Strecke hinein und wird dann erst zurückgeworfen. Es ist das Materialgefühl da, wenn man den Ton in einem gewissen Raume, der eben seine Wände in einem bestimmten Material hat, hört. Und so muß man, um die Möglichkeiten der Reflexion hervorzurufen, Verschiedenes zusammenschauen. Und unter diesem Zusammenschauen sind auch die verschiedenen sieben Holzsorten der Säulen gewählt. Die sind geradezu dazu da, um der Akustik zu dienen, also der Akustik, die durch Reflexion hervorgebracht wird." (Lit.: GA 283, S 93)

Jürgen Maier





Einen ganz lieben Dank an alle.

Ihr habt mir sehr geholfen. Obwohl ich eine Texte fand, dass Lehm wie ein Wunderding für Akustik sei (Jazzkonzerte in Kellern etc.), fand ich nirgends handfeste Beweise, Werte etc.

Ich werde mich somit noch mit der Raumgestaltung auseinandersetzen und ich denke die Ansätze der Rudolf Steiner Schule werden mich ebenfalls in die gute Richtung führen.

Seit der Raum nun ohne Möbel ist, hats ein ziemliches Echo. Der Raum ist an die 140m2, aber sonst ziemlich leer. Die Pseudobalken wurden entfernt, um die wirkliche alte Decke wiederzufinden :-). Wegen der Brandschutzregelung ist es noch offen, ob die alten Balken unter der Gipsdecke gezeigt werden dürfen.

Falls jemand aber wirkliche Erfahrungen mit Lehm und Akustik gemacht hat, wäre ich trotzdem sehr dankbar.

Einen lieben Gruss aus der Schweiz

Viviane-Jacqueline Girardier

PS: Leider hat das Hopp Schwiz nicht ganz gereicht. Nun müssen wir wohl die Türken besiegen ;-)



Raumakustik



Wenn Lehm einmal hart ist wie Kalk, dann sind seine Eigenschaften, was Schallreflexion angeht, auch nicht besser.

Sie haben aber bei Lehm die Möglichkeit, die Oberfläche zu strukturieren, ähnlich wie bei einer keramischen Lochplatte und damit gezielt das Reflexionsverhalten/Absorptinsverhalten zu beeinflussen.

Eine Maßgebende Größe für Wortverständlichkeit und Musikqualität ist die Nachhallzeit, einfach zu berechnen aus Raumvolumen und Absorptionsfläche) > wikipedia. Dazu deshalb hier keine weiteren Erläuterungen.

Gefürchtet in Unterrichtsräumen ist das sogenannte "Flatterecho", das vorzugsweise in zigarrenkistenförmigen Räumen entsteht. Dagegen hilt kein Lehm sondern nur ein guter Entwurf, und, wenn der Raum schon da ist, der Einsatz von Absorbern (Menschen und künstliche Absorberflächen an Decken und Wänden) und Reflektoren (genau ausgerichtete Holzwerkstoffplatten).
Absorberflächen z.B. für abgehängte Decken gibt es z.B. in Systemen von Knauf oder Lafargue.

Grüße vom Niederrhein



Formel für Akustik



Hallo

auf meiner Suche zur Berechnung der Akustik bin ich einerseits auf eine der Formeln gekommen, andererseits auf ein Onlinerechnertool. Vielleicht nützt dies jemandem.


t = 0,163 * [ V / (A * alpha )]

t: Nachhallzeit,
alpha: Absorbtionskoeffizient
A: für das alpha relevanter Flächenanteil
V: Raumvolumen

Es gibt auch Online-Rechner, hier z.B. http://www.csgnetwork.com/acousticreverbdelaycalc.html

Nochmals lieben Dank für die Antworten. Ich suche mir jetzt geeignete Platten für zwischen die Bälken und werde noch weitere Nischen in den Raum bauen.

Einen lieben Gruss

Viviane-Jacqueline Girardier



Raumakustik



Guten Tag Frau Girardier
Wieviel kann Lehm für die Akustik in einem Schulungsraum beitragen?
Sehen sie den Baustoff Lehm als ein Werkzeug an um Akustik zu regulieren.
Zu all seinen Vorteilen im Sinne der Bauökologie die Ihnen sicher bekannt sind,lässt sich Lehm in seiner Zusammensetzung durch spezielle Zuschläge,Schichtdicke,Oberflächen-
strukturen und deren Anordnungen im Raum für Ihre Bedürfnisse evident einsetzen.
Genügt es Lehm an Decke und Wände oder benötigen sie noch andere Raumregularien?
Vorab, ohne daß ich den Raum in seiner
Beschaffenheit gesehen und erlebt habe, ist folendes relevant:
Kubatur in qbm, Personenanzahl min./max. Bodenbeläge, Art der
Bestuhlung, Anordnung(Sender-Empfänger) Inneneinrichtung-
Mobiliar/Vorhänge usw. All diese Dinge werden die Nachhallzeit,sie beschreiben es als Echo ,wesentlich beeinflussen.
Die Herangehensweise an die Raumanalyse und dessen Konzeption:
Es gibt im Bauwesen kaum ein heikleres und kostenintensiveres Feld als die Bau- und Raumakustik, wenn sie denn professionell betrieben wird.
Sie können den Raum im rechnerischen Sinne erfassen, digitale Messtechnik einsetzen, oder durch subjektive Wahrnehmung beurteilen und bearbeiten.
Alle Möglichkeiten führen zum Ziel. In jedem Fall sollte ein erfahrener Fachmann beraten oder Hand anlegen. Anzuraten ist eine feste Kostenbugetierung. Der Aufwand obliegt Ihrer Entscheidung. Ziel der Raumakustik sollte eine gute Verständlichkeit,Transparenz und Eindrücklichkeit sein.
Sie haben ein, wohl ehrwürdiges Gebäude an der hand. Zur Wahl zum Baustoff Lehm beglückwünsche ich Sie, akustische rundumschläge mit
industriell gefertigten Paneelen,wie sie oft unreflektiert in öffentlichen Bauten eingesetzt werden wären in Ihrem Fall wohl auch nicht angebracht.
Sie konnten keine Zahlen und Angaben finden. Das wundert nicht, denn jeder Raum ist individuell zu behandeln. Die Grundlagen für Bau und
Raumakustik können Sie nachlesen z.B. bei Fasold,Sonntag und Winkler- Bau und Raumakustik. In Sachen Lehm können Sie bei Minke nachschlagen.

Ich selbst baue seit 25 Jahren im Bereich der Akustik. Regie-Aufnahmestudioräume,Übungsräume, Schulungsräüme, usw. . Klangräume zu konzeptionieren und zu bauen
ist eine wunderbare Aufgabe. also haben sie keine Angst, auch wenn der Raum gross und im Moment noch nackt ist, - zaubern sie sich in Ihren alten Gemäuern Ihre Vision. Wenn Sie wollen helfen wir Ihnen dabei.
Die Synthese -Akustik und Ökologie haben wir uns mit den Jahren erarbeitet.
Machen Sie sich frei davon nur die Raumakustik bearbeiten zu wollen, leztendlich wirkt die Gesamtheit;Bestand,Baustoffwahl,Primär-und sekundäre Raumstruktur, Haustechnik (z.B. Heizung), Farbe, Liebe zum Detail.

Das letzte Projekt in dieser Art steht in Diedorf (Bayern) bei Augsburg. Ein Raum mit multifunktionaler Aufgabe; Oktagon , ca 150 qm, 6 m Höhe, ausgelegt für max. 150 Personen.-Neubau- mobile Regularien
Bühne variabel; Fokus: Sprache, Musikdarbietung .-Kontakt- europäisches Kindertheater EURYEKA Diedorf. Ein gelungenes Projekt,- hören sie selbst-.

Konzeption: Bauakustik, Raumakustik, Lehmbau mit Stein und Putz in verschiedenen Dichten, Tucharbeiten an Decken und Wänden, Bühnen-Resonanzboden. Als Heizung in Verbindung mit Verputz-
Themperierungsanlage in Kupfer (Leitfaden Prof. Grosseschmidt München)

Grüße aus Geretsried (Wolfratshausen) und Jettingen Scheppach (Günzburg)
Holz Lehmbau, Bau- u. Raumakustik, Altbausanierung, Pavillon, Lachner Bernhard birgit_hahn@t-online.de oder b.lachner @arcor.de
Lehmbau Burkhardt, arnulf.burkhardt@gmx.de