Dämmung bei zweischaligem Mauerwerk

13.04.2011 Axelino



Hallo,
unser Bauernhaus hat ein zweischaliges Mauerwerk mit Ziegelfassade. Die Fassade wollen wir auf keinen Fall dämmen. Unsere Idee war, die Hinterlüftung des Hohlraums zu belassen, und nur eine Innendämmung mit Lehmputz und Holzweichfaserplatten anzubringen. Irgendwie widerstrebt es uns, den Hohlraum mit Kunststoff oder anderen Artikeln aufzufüllen. Wir sind der Meinung, dass der Hohlraum seinen Sinn hat.
Ist das so grundverkehrt?

Grüße
Axel



Machbar wäre



den Hohlraum mit expandiertem Vulkangestein zu füllen, sprich Thermo-Fill S oder Thermo-Fill S40. Beide fallen in die Kategorie Nawaro und stehen in grossen Mengen zur Verfügung.
Wenn sie Fragen dazu haben dürfen Sie sich gerne melden.
Wir sind des öfteren in dieser Gegend tätig.

Grüsse Thomas



Innendämmung ..



muß man rechnen (lassen)!!
Kerndämmung wird hier "gern" diskutiert - s. Suchfunktion oben rechts auf der Seite .
Aus der Praxis gesprochen : Kein Mecker gehabt im Nachhinein , aber wärmere Räume .
Vorher aber reingucken - Achtung , wenn Innenwände bis ins äußere Mauerwerk durchgebunden sind ( war ein beliebtes Detail in unsrer Gegend Ende 19.Jh )
Besten Gruß aus Minden
Jürgen Kube



Bis



6cm Holzweichfaser brauchen sie den Aufbau nicht rechnen. Es sollte aber ein Erfahrener Handwerker ausführen oder betreuen.Achtung es kann sinvoll sein den alten Putz zu entfernen.



Auf keinen Fall...



...den Hohlraum mit irgendwelchem Kunststoffschaumgezeugs
ausschäumen lassen!
Es gibt auch Kalkdämmputz innen bis 10 cm.



1997-Baukonstruktionslehre - Teil 1



Unter Allgemeines:
Unter zweischaliges Mauerwerk steht da sehr Interessantes:
"Die werkgerechte Ausführung von zweischaligem Mauerwerk ist aufwendig und erfordert sehr sorgfältige handwerkliche Arbeit. Sie stellt aber besonders bei starker Witterungsbeanspruchung eine sehr gute Lösung dar und ermöglicht außerdem einen optimalen Wärmeschutz!!!!!!!!!!!!"
-
Weiter steht:
Die zwischen Innen- und Außenschale liegende Luftschicht hat zwar keine unmittelbare Wärmeschutzwirkung, da in ihr Luft ständig zirkuliert, doch kann in den Hohlraum etwa eingedrungenes Regen- oder Kondenswasser problemlos abfließen oder abtrocknen."
Die haben sich früher sicher was dabei gedacht und auch noch vor 14 Jahren.
Lassen Sie sich durch das "Du mußt dämmen" nicht verrückt machen!
Welche Heizungsform ist eingebaut bzw. soll eingebaut werden? Es ist viel wichtiger sich mit der richtigen Heizungsform zu beschäftigen!



ich muss meinem Vorredner recht geben



warum überhaupt dämmen....Ist es überhaupt erforderlich dies zu tun? Haben Sie ein Energiekonzept erstellen lassen?

Grüsse Thomas





Hallo Axel,

natürlich haben sich die Baumeister aus der Bauzeit Deines Hauses etwas dabei gedacht. Die Hinterlüftung ist sinnvoll und sollte auch so belassen werden, eine Dämmung des Hohlraumes kann in die Hose gehen.

Heute besteht oft der Wunsch derartiges Mauerwerk aus energetischen Gründen mit Dämmmaterialien zu ertüchtigen.

Der Wandaufbau ist zunächst relativ einfach, genauer betrachtet allerdings von komplexen Wechselwirkungen geprägt. Die Außenschale besteht zumeist aus verputztem oder unverputztem Ziegelmauerwerk in unterschiedlichen Schichtdicken. Nach Innen folgt eine etwa 5 bis 8 cm starke Luftschicht, dann eine Innenschale aus Ziegel, oft aber aus Bims- oder Gasbetonmauerwerk oder ähnlichem.

Am Mauerfuß über dem Sockel sind häufig Lüftungsöffnungenzu finden. Oft sind kleine Gitter, offene Fugen oder auch einfach fehlende halbe Steine auszumachen. Manche Schalen wurden auch über Öffnungen im Keller hin zur Schale belüftet.
Die häufig auch nur eingeschossig ausgeführten Schalen besitzen/besaßen auch zum Teil kaminähnliche Lüftungsöffnungen in den Dachraum oder auch darüber hinaus. Leider wurden die Öffnungen oft zugemauert.
Beide Schalen übernehmen oft tragende Funktionen und sind durch Metallanker oder Verbindungssteine miteinander verbunden.

Zur Systematik und damit Problematik der Schalen: Durch das Bewohnen, das Schlafen, das Kochen usw. entsteht in den Wohnräumen Feuchte, die aus den Räumen abgeführt werden muss.
Die grobporige Innenschale lässt die raumseitig auftretende Feuchte in die Luftschicht diffundieren, schlägt sich (im Winter) an der Außenschale nieder und wird durch daran entlang streichende Luft abgeführt. Im Sommer wird die vorgesetzte Schale aufgeheizt und befördert so durch thermisch bedingt erhöhte Luftbewegungen die Feuchtigkeit.

Soweit ein gutes System, wenn die Öffnungen noch vorhanden sind. Negativ jedoch, dass eben im Winter durch die Öffnungen zwar trockene, aber eben kalte Luft durch die Schalen geführt wird und im Sommer aber warme und auch feuchte Luft. Also immer das, was man gerade nicht gebrauchen kann ...

Nachträgliches Dämmen:
Wenn nun die Außenschale von außen gedämmt wird führt das zu folgenden Szenarien:
- im Winter wird die kalte Luft noch immer hinter die Dämmung an die Innenschale geführt ... also so ausgeführt eine sinnlose Maßnahme.
- im Sommer wird kein Aufheizen der Außenschale mehr erreicht, was zu einer verminderten Abfuhr der Feuchtigkeit führen kann, also feuchte Schale und feuchter Mauerfuß.

Werden die Öffnungen verschlossen kann die Feuchte nicht mehr abgeführt werden. Feuchtigkeit sammelt sich an Wand und Fußpunkt, Putzschäden und Schimmel können auftreten, auch die Metallanker die Außen- und Innenschale miteinander verbinden können rosten.

Kerndämmung: Reinschütten oder auch ausblasen: Es funktioniert einfach nicht so wie gedacht.
Davon ausgehend, dass die 5-8 cm - durch Mörtelreste oft eingeengte Luftschicht - homogen, ohne Luftlöcher ausgebildet zu haben im gesamten Wandbereich bis unter das Dach gleichförmig vorhanden ist:
Wohin geht nun die Raumfeuchte? Zunächst wie gehabt durch die Innenschale, dann in die Dämmung. Je nach Material kann die Dämmung die Feuchtigkeit halten oder aber sie kann es nicht (hydrophob), dann ist mit erhöhtem Feuchteeintrag im Fußpunkt zu rechnen und wenn sie Feuchtigkeit aufnehmen kann in der ganzen Wand.

Feuchte, nasse Dämmung dämmt nicht. Erschwerend kommt die Schwere des Materials hinzu, dass in sich zusammensacken kann und zu feuchteren Bereichen am Fußpunkt und kälteren Bereichen am Kopfpunkt der Dämmung führt.
Dann sind da noch die Metallanker. Statt luftumspült zwischen den Schalen zu sitzen verbringen diese nun ihre Zeit in feuchter Dämmung eingepackt. Und feucht werden gerade diese allemal, denn die Raumfeuchte sitzt bereits in der ehemalige Luftschicht. Durch die Temperaturschwankungen der Außenschale kühlen sich die Anker ab und es wird sich Kondensfeuchte gerade im Ankerbereich sammeln und nun durch die Dämmung gerade dort gehalten. Korrosion droht.

Eine leichte Innendämmung ist möglich, sollte aber durchgerechnet werden. Wenn ein an die Hinterlüftung angeschlossener Dielenboden existiert sollte die Innendämmung auch bis auf den Rohboden herabgezogen werden.

Erst wenn sich genug Feuchte im Fußbereich der Schicht gesammelt hat ist mit einem kapillaren Abtransport in bis dato trocknere Bereichen zu rechnen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer