Aschgrauer Abendbock in Balken

25.03.2008



Guten Tag an alle!

Nach Griechenland noch nach Italien...Wir wohnen in Kalabrien, Sueditalien und haben in einem Haus, wo wir vor ca. 10 Jahren das Dach neu eingebaut haben, mit grosser Wahrscheinlichkeit den Aschgrauen Abendbock drin.

Es handelt sich um Kastanienbalken, ca, 13 cm Durchmesser, schlecht bearbeitet und schlecht geschaelt vor der Montage. Seit ca. 3 Jahren hoeren wir Fressgeraeusche, vorallem nachts, in der warmen Jahreszeit deutlich mehr. Es hat einige Ausflugsloecher, ca, 0,8 cm Durchmesser, wir haben auch schon mit Chemie behandelt und einige tote Kaefer gefunden. Mehl liegt selten rum. Es scheint nur aeusserlich befallen su ein, das heisst, man sieht, wenn man das Auessere wegreisst, Gaenge, die aber alle auf einer inneren Ebene enden...Habe ich mich klar ausgedrueckt, wohl nicht...Es scheint,als ob das innere des Balkens nicht angefressen wird...

So. nun zur eigentlichen Frage, wenn ihr einverstanden seid mit meiner Diagnose.
Eine Firma vor Ort sagte, sie wuerden das mit Hitze behandeln, das toete alles ab. Larven und Kaefer. Trifft das eurer Meinung nach auch fuer den (mediterranen ) Abendbock zu?

Vielen Dank fuer eure Meinung oder Info..wie eben in Griechenland gibt es hier nicht allzu viele Holz-experten...

Viele Gruesse,

Anita



Heißluft nach DIN



Sehr geehrte Frau Frisina,
eine Heißluftbehandlung erscheint mir sinnvoll. Über die besonderen (Über-)Lebensbedingungen von Hesperophanes cinereus kann ich aus dem Stegreif nichts sagen. Grundsätzlich ist bei der DIN Vorgabe von mind. 55°C über mind. 1 Stunde im Holz gehalten bereits ein Sicherheitszuschlag enthalten. Da diese Käfer noch mehr an warme Gefilde gewöhnt sind, als unsere Hausböcke, könnte es sinnvoll sein den Behandlungszeitraum oder ggf. die Temperatur etwas zu vergrößern. Die Firma vor Ort kennt sich (hoffentlich) mit dem was sie tut aus. Eine Heißluftbehandlung muss immer berücksichtigen, dass wirklich alle Hölzer im Inneren erreicht werden, keine Schäden durch Hitze und Trocknung an der Konstruktion entstehen und ggf. einzelne Bereiche, die nicht erreicht werden, anders behandelt oder ausgetauscht werden. In Deutschland gehört ein Protokoll über die Aufheizbedingungen, erreichte Temperaturverläufe usw. für den Bauherren zur Leistung des Bekämpfers. Grundsätzlich ist Heißluft wohl richtig, die Details lassen sich nur vor Ort klären. Das bedeutet, man muss einen lokalen Handwerker finden, dem man traut. Ein Kriterium wäre z. B. zu fragen, wie andere Bauteile geschützt werden und alle Bauteile erreicht werden, sowie ob ein Messprotokoll erstellt wird. Welche Regelwerke in Italien verbindlich sind kann ich nicht sagen. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Hitzebehandlung



Da tierisches Eiweiß bei 61 bis 62 °C gerinnt, führt eine längere Erwärmung auf diese Temperatur bis ins Innere des Holzes und des Schädlings ;-) zwangsläufig zum Ende krabbelnder und kriechender Lebewesen.
Wegen dieser "übergeordneten" Tatsache dürfte also die Hitzebehandlung zu "Null Bock" führen.

Bunte Grüße,
Peter



Genau betrachtet



Hallo Anita
Wenn der Balken schlecht geschält ist und die Gänge sich vorwiegend unter der Rinde, bzw. im oberflächennahen Holzbereich befinden, sollte die Frage geprüft werden, ob es sich wirklich um den Aschgrauen Abendbock handelt. Lass doch bitte einen gefundenen Käfer von neutraler Seite bestimmen.

Gruß
L. Parisek



DANKE!



Vielen Dank fuer die Antworten; auch fuer die Praezisation zur Eiweissgerinnung...etwas unappetitlich zwar, aber einleuchtend!

Herr Parisek; habe leider die Kaefer dann irgendwann mal entsorgt...ist es unwahrscheinlich dass der A.Abendbock nicht ins innere vordringt? Was koennte es denn sonst noch sein, was da rumfrisst?
Ich habe auf den A.A. geschlossen, weil es halt Kastanienbalken sind und die Kaefer sehr denjenigen von den Bildern glichen,die ich auf Ihren Seiten gesehen habe.

Herzlichen Dank an alle und freundliche Gruesse,

Anita Frisina





Bei Bauholz aus Kastanie (Castanea, nicht Aesculus) wird eigentlich immer nur der Splint befallen, der nach einigen Jahren auch ohne Insektenbefall vermorscht. Der Kern ist hingegen fast so dauerhaft wie Eiche. Wenn der Querschnitt des Kerns ausreichend ist, haben Sie nichts zu befürchten. Wobei natürlich Anschlüsse und Zapfen, soweit sie im Splint sind, dahinfallen.



Kleine Anmerkung Jens!



Aesculus hypocastaum ist die Roßkastanie.
Castanea sativa die Edel- oder Esskastanie.
Gibt es also beides. Oder meinst du die Verwendung als Bauholz?
Im übrigen ist es einem Bockkäfer schnurzegal wie dauerhaft ein Kernholz ist. Charakteristisch für die meisten "Böcke" ist, dass sie ihre Frassgänge bis in das Kernholz treiben.
Auch bei Eiche (Eichenbock z.B.)

Gruß
Martin

Nachtrag:
Habe gerade gesehen, dass du Botaniker bist. Lasse es trotzdem mal so stehen, für die interessierte Leserschaft sozusagen.





Lieber Martin,
ich hab im Tessin schon mehrfach alte Steinhäuser renoviert, deren Dachbalken aus grob behauenen Kastanien (Castanea) sind. Der Splint war immer wurmsch und morsch, der Kern immer sehr scharf abgegrenzt und nie angegriffen. Aber Du hast recht, vielleicht ist es in Süditalien anders.
Es wäre denkbar, wenn auch unwahrscheinlich, dass Rosskastanienholz als Bauholz genommen wurde. Da die meisten Leute die beiden Kastanien umgangssprachlich nicht unterscheiden und ich das Holz der Rosskastanie nicht kenne, bezieht sich mein vorheriger Beitrag deshalb auf Castanea, nicht Aesculus.





Na02-NitrumSaeure mit Wasser im Verhaeltniss 1:1 gemischt, und Holz damit gestrichen. Soll helfen - garantiere



Garantien und Verantwortung



Lieber M.Trojanowski

Der Beitrag ist vielleicht lustig gemeint jedoch hat Anita ein ernstes Problem und wird durch deinen Beitrag in ihren Sorgen nicht ernst genommen.
Ich bin übrigens immer wieder ein wenig irriert über so vollmundige Versprechen wie ich "garantiere". Heißt dies, das du im Versagensfall nach Kalabrien fährst und dafür sorgst das Anita ihr Problem los wird?

Lutz



Unser Beschluss



Liebe Alle!

Wirklich sehr nett, wie Ihr euch unseres Problemes angenommen habt. Danke nochmal an alle.

Die Situation ist zur Zeit folgendermassen:

Eine Firma hat uns fuer die Heissluft Behandlung einen ungefahren Kostenvoranschlag von 5-6'000 Euro gemacht. Scheint mir durchaus realistisch, ist aber fuer uns zu viel im Moment.
So werden wir mal bei unsere Edelkastanienbalken mit abschaelen beginnen; hoffentlich kriegen wir den Splint ganz weg und somit hoffe ich auch, essende Viecher finden zu koennen. Wenn das so klappt, und das Kernholz nirgends betroffen zu sein scheint , werden wir dann bahendeln. Borsalz eventuell oder sonst ein Insektenvernichtungsmittel.

Also, werde mich dann mal melden, nach Arbeitsbeginn..

Viele gruesse aus dem Sueden!

anita