Abdichtung und Drainage einer Hausmauer gegen Feuchtigkeit aus dem anstehenden Erdreich.



Abdichtung und Drainage einer Hausmauer gegen Feuchtigkeit aus dem anstehenden Erdreich.

Hallo an alle.
Ich und mein Mann haben kürzlich zwei zusammen gehörende alte Bauernhäuser (ca. 1750 und 1850) aus Phylitschiefer Bruchstein (bzw. mit einem Sockel aus diesem) erworben. Die Gebäude haben beide keinen Keller.
Auf der Gebäuderückseite steht das Erdreich des Gartens (Lehm/Ton) ca. 50 bis 70cm hoch über dem Bodenniveau des Innenraums. Wir haben an den Inneren Wänden die Feuchtigkeit gemessen und laut Herstellertabelle sind Wände im unteren Bereich leicht feucht.
Wir wollen nur den Bereich wo die Erde an die Hauswand bis auf ca. 50cm unter Fundamentniveau ausschachten und erstmal das ganze trocknen lassen.
Das ganze muss jedoch auch wieder aufgefüllt werden. Wir wollten in jeden Fall eine Drainage legen. Unklar ist jedoch ob es gut oder schädlich ist die Hauswand außen gegen Feuchtigkeit abzudichten zu Beispiel mit Dichtschlämme. Die Wandstärke beträgt 50 bis 65 cm.
Der Garten fällt auch leich (ca 2-3%) zu Haus hin ab.



Feuchte Wand



Bevor die Ursache der feuchten Wand nicht eindeutig geklärt ist, sollten keine aktionistischen Maßnahmen ergriffen werden. Wie wurde die Feuchtigkeit gemessen, ist die Wand im Inneren feucht oder nur an der Oberfläche? Wie sollen die Räume genutzt werden, wie beheizt, wie lange stand das Objekt leer? Wenn Sie schreiben, das Ton/lehm außen anliegt, könnte dies nämlich auch als senkrechte Feuchtesperre eingebracht worden sein, die sie beim Aufgraben erst recht zerstören. Auch sollte zweifelsfrei klar sein, ob es überhaupt drückendes Wasser vom Hang aus gibt, ansonsten ist nämlich die Drainanlage nicht nötig und birgt eher die Gefahr, dass Sie sich das Wasser ans Haus ranziehen. Das sollte sich ein Fachmann anschauen, aber nicht einer, der eine Trockenlegungsfirma betreibt.



Feuchte Wand



Um so eine aufwändige Baumaßnahme durchzuführen ist Ihre Schadensanalyse als Ausgangslage zu dürftig bzw. unbrauchbar.
Ob die Wand von außen durchfeuchtet ist wird damit nicht bewiesen, Sie vermuten das nur. Ob Ihre angedachte Maßnahme zum Erfolg führen wird ist deshalb fraglich. Bei Fehlern in der Ausführung kann es passieren das Sie das Gegenteil erreichen- dann wird die Wand wirklich feucht. Die Ausführung einer nachträglichen Abdichtung und einer Dränung erfordert Fachkenntnisse.
Sie kommen um eine genaue und umfassende Schadensanalyse nicht herum, nur damit kann man über Sanierungen nachdenken.
Mit dem Anschauen eines Fotos ist das im Forum nicht zu bewerkstelligen.
Holen Sie sich dafür einen Fachmann zu Ihnen. Die finden Sie am besten bei der Ingenieurkammer oder der Handwerkskammer.



Feuchte Wand Antwort



Hallo und vielen Dank erstmal für die schnellen und klaren Antworten.
Die Feuchte haben wir "nur" Oberflächlich mit dem Trotec Feuchteindikator BM31 gemessen, welcher hier im Forum empfohlen wurde. Wir haben jede Wand systematisch gemessen. Also unten, mittig und weit oberhalb der Geländeoberkante des Gartens jeweils an mehreren Stellen pro Zimmer. Die Feuchte nahm dabei von unten nach oben ab (Im Großteil der Zimmer deutlich). Daraus haben wir geschlossen das die Feuchtigkeit von Außen kommt.In dem Raum wo man auf dem Bild der Baum steht gibt es allerdings schon eine deutliche Salpeter Ausblühung.

Ein Raum soll als Heizungskeller genutzt werden die anderen als Wohnräume. Wir wollten eine Wandheizung an die Wand die zwischen den zwei Häusern ist machen. Da wir außen nicht dämmen wollen und uns eine Dämmung zwischen Außenwand und Heizung zu Risikoreich ist (man darf sich da ja nicht den kleinsten Fehler wegen Schimmel und so erlauben).
Das Objekt stand gute 1 und 1/2 Jahre lehr, durch die alten einfachverglasten Fenster und die vorgehängten Winterfenster wurde es jedoch, denke ich, immer gut durchlüftet.
Das mit den Ton/Lehm bezieht sich auf den Gartenboden, welche Beschaffenheit der Boden direkt an der Wand hat müsste ich erst überprüfen.
Wie kann ich den Feststellen ob es drückendes Wasser vom Hang gibt?
MfG Sarah



Feuchte Wand



Sehen Sie das meinte ich mit Vermutungen und falschen Schlüssen.
Mit diesem Piepding können Sie weder Schlußfolgerungen über die Menge, die Verteilung noch den Ursprung von Feuchte ziehen. Sie können höchstens feststellen ob es an einer Stelle feuchter sein könnte als an der anderen, mehr nicht.
Damit Sanierungsmaßnahmen festzulegen ist wie Nachts mit einer Schrotflinte in den Wald zu ballern. Das Ergebnis wird rein zufällig sein, mit entsprechender Erfolgssaussicht.

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Wann_ist_eine_Wand_nass.pdf

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Gab_es_frueher_trockene_Keller.pdf



Feuchtemessung



naja, Sie haben die Oberflächenfeuchte gemessen, die sagt aber noch nicht aus, wie der Wandquerschnitt durchfeuchtet ist. Mit Wandmitte meine ich nicht die Mitter der Raumhöhe, sondern das Feuchteprofil des Wandquerschnittes, also von innen nach außen. Einen langen Steinbohrer nehmen und bohren, dabei aller paar Zentimeter das Bohrgut untersuchen, wirds trocken je tiefer Sie bohren oder feuchter. Nur wenn es feuchter wird, kommt die Nässe von außen. Zudem sollten Sie eine Salzbelastungsmessung machen lassen. Unten sind die Wände meist feuchter, am Wandfuß ist die Oberfläche kälter, dort sammelt sich eher Raumfeuchtekondensat. Gerade dieser Sommer war für Sommerkondensation wie geschaffen-lange Phasen feuchtwarmer Witterung, die Feuchte zieht durch undichte Fenster -vielleicht noch gelüftet, ins kalte Haus -der Bruchstein hat innen die Kälte lange gespeichert-und kondensiert an den Wänden.
Drückendes Wasser: Mal eine Probegrabung 2 meter von der Hausmauer weg und beobachten, was sich in der Grube abspielt, reicht ein Loch, sodass Sie ungefähr bis auf Bodenniveau innen kommen. Sie merken schon beim Graben, ob die Grube vollläuft.



Wie kann ich feststellen ob es drückendes Wasser ist ?



Nun das ist sehr einfach. Allerdings ist mir nicht klar um was es sich überhaupt handelt. Einmal schreiben Sie es wird ein Heizungskeller und dann wieder Räume / Zimmer.
Was nun ist richtig?
Beim Keller ist dies sehr einfach. Ich frage Sie wie hoch und auch wie oft steht das Wasser im Keller?
Wenn nun Wasser eindringt hilft eine Drainanlage überhaupt nichts! Auch eine Aussenabdichting verhindert nicht, dass dann das Wasser am Boden eindringt! Abgesehen von den möglichen Schäden beim wieder auffüllen und verdichten. Es kann auch wie Herr Bötcher schon geschrieben hat Wasser an das Haus geleitet werden.
Im Erdgeschoss gibt es wenn der Boden innen höher als aussen kein eindringendes Wasser. Es sei denn es gibt Überschwemmungen.
Zu den Abdichtungsarbeiten im Keller habe ich schon oft Stellung bezogen. Hier verweise ich auf den Beitrag. Welche Abdichtungsarbeiten sind im Keller machbar/notwendig?
Siehe hierzu auch: http://www.haus-schwamm.de/aktuelles/



Antwort für die Antworten



Also zuerst finde ich es ja sehr nett überhaupt Antworten zu bekommen. Weiß jedoch nicht so recht was damit anfangen. Da es sich ja bei keiner um konkrete Lösungen bzw Ansätze von Lösungen handelt.
Für alles nochmal eine kurze Beschreibung.
Haus ca. 1700 bis 1800, Phylitt (Glimmeschiefer) Bruchstein. Kein Keller. Im Erdgeschoss ist das Bodenniveau der innen ca. 50 cm tiefer als das Bodenniveau aussen. Es gibt dort einen leichtes Gefälle Richtung Haus. Die Räume im Erdgeschoss sollen später als Wohnräume bzw ein Raum als Heizungsraum genutzt werden.
Es gibt übrigens kein hangzugs Wasser aber bei Regen natürlich einen Oberflächen Abfluss Richtung Haus.
Ich denke wir werden es so machen wie es schon viele bei uns gemacht haben die sehr ähnliche bzw gleich Häuser haben.
Aufgaben, neuer lehmputz, 10 bis 30 cm dicke kiesschicht vor die Wand als Belüftung, kiesschicht zum Hang bzw Boden wasserdicht sperren ( sonst gibt es Hangzugswasser( ich bin bodenkundlerin ich weiß wie Kapillarer Wasser und Feuchte Transport funktioniert.)) vor die sperrschicht Drainage.
Das funktioniert so bei mehr als 20 alten Häusern bei uns in der Gegend einwandfrei.



Abdichtung



Ich bin Maurer und weiß so einiges über Abdichtungen und wie früher so etwas gemacht wurde.
Belüften im Sinne von Abtrocknen funktioniert nicht. Was funktioniert ist einen senkrechten Flächendrän vor eine Wand zu setzen um kurzzeitig aufstauendes Wasser drucklos zu halten indem man es in einen Liniendrän am Fuß einleitet.
Das setzt aber eine Abdichtung gegen Bodenfeuchte und druckloses Wasser voraus; denn die bleiben.
Um so eine Dränung zu bauen muß die jetzt vorhandene Abdichtung zerstört werden; die gab es auch früher schon. Sie bestand aus zwei Hauptkomponenten:
Es wurde bei standfesten bindigen Böden senkrecht heruntergeschachtet und die Mauer direkt gegen das Erdreich gesetzt. Innen wurde die Wandschale aus Naturstein an der Schnur aufgemauert, Der Abstand bis zum Erdreich wurde mit Steinabschlägen und Mörtel aufgefüllt. So entstand keine Fuge zwischen bindigem, undurchlässigem Boden und der Mauer in die Wasser einsickern konnte.
Dann wurde mit undurchlässigen, dichten Natursteinen mit möglichst geringer Fugenfläche gemauert.
Der Kies vor der Wand wirkt wie eine Badewanne oder eine Rigole die Oberflächenwasser an die Wand leitet da die Fuge zur Wand nie dicht zu kriegen ist. Besser ist es ein Stück Kontergefälle von der Wand wegzubauen, eine offene Entwässerungsmulde zu formen und über die das Oberflächenwasser wegzuleiten. Trotzdem bleibt noch das Wasser das bei Regen direkt an die Wand schlägt (der Dachüberstand des Sparrendaches ist sehr klein). Nach ein paar Minuten ist die Benetzungsfähigkeit der Wandoberfläche erschöpft, dann saust das Regenwasser durch den Coandaeffekt senkrecht die Wand nach unten in die Fuge Wand- Oberfläche und versickert dort. Dieser Effekt ist so stark das sich dort etwas hydrostatischer Druck aufbauen kann. Deshalb ist diese Fuge nie ganz dicht zu kriegen. Hier,im Spritzwasserbereich (ca. 30 cm über und unter der Bodenoberfläche) kann flüssiges Wasser an die Wand gelangen und über sich über das Fugennetz etwa im 60°- Winkel in der Wand nach innen und unten durch Schwerkraft und Kapillarität verteilen.
Deshalb gehört zu einer funktionierenden Abdichtung auch ein Sockelputzsystem.
Also:
Wenn Sie schon glauben das die Feuchte innen DURCH die Wand kommt (was ich NICHT glaube) dann bauen Sie eine ordentliche Abdichtung nach den Regeln der WTA bzw. der DIN 18195.
Vorher sollten die Feuchtequellen abgeklärt werden. Das kann man selber im Groben mit einfachen Hilfsmitteln bewerkstelligen.



Abdichtungen Antwort



Hallo (Herr Böttcher)
Auf die Idee mit der Kiesschicht vor der Hausmauer bin ich nicht selbst gekommen. Die Technik die ich (jedoch nur im Groben und natürlich ohne Fachbegriffe) beschrieben habe wird bei uns seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet. Wir haben nun mehrere Handwerker (Trockenlegung, Maurer, Ingenieure) kommen lassen und jeder wollte was anderes machen, jedoch war es nie etwas was auf die alte Bausubstanz abgestimmt war. Eine bekannte hat uns dann in Ihr altes Bauernhaus ( Die gleich Situation und Bausubstanz wie unseres) eingeladen und uns Bilder gezeigt wie es bei Ihr war. Also haben wir auch ihren Maurer kommen lassen. Dieser hat sich fast zwei Stunden jede Mauer und Ecke im Haus gründlich angeschaut. Um uns schlussendlich nicht nur die Beschriebene Drainagelösung vorgeschlagen sondern er hat uns auch alle anderen Feuchtequellen aufgezeigt.Wie undichte Regenrinnen ect. Das der Putz im Erdgeschoss innen abblättert und die Salzausblühungen hat auch weniger was mit Feuchtigkeit von aussen zu tun, sondern damit das die letzten zwei Jahre nicht geheizt und dauer belüftet wurde.
Die Abdichtung die jedoch vieleicht besteht ( es ist unbekannt ob das Bodenniveau schon immer so hoch war oder vielleicht einfach nur aufgeschüttet wurde) ist wahrscheinlich beschädigt (mehrer Bäume direkt am Haus, bis auf einen bereits gefällt). Deshalb werden wir zuerst den Bewuchs entfernen und dann vorsichtig aufgraben. Falls die alte Abdichtung noch zu retten ist, so unser Maurer sollten wir das auch tun. Die Kiesschicht am Haus solle eigentlich auch nicht belüften sondern eben das Wasser das von der Hausmauer herunterläuft so ableiten das es eben nicht in die Wand sondern eben in die Drainage läuft. Die Abdichtung vor dem Kiesschicht sorgt dafür das die Kiesschicht nicht verschlämmt. Wie unser Maurer mir noch einmal erklärt hat, wird direkt an der Hausmauer nicht einfach der Lehmputz erneuert. Sonder es wird sozusagen ein Keil aufgemauert, Fugenlos versteht sich. So wie man das früher eben gemacht hat.
Auch unsrer Mauer hat früher mit Konventionellen Moderen Drainagesystemen und Abdichtungen gearbeitet musste aber feststellen das diese bei dieser Art von alten Häuser eher destruktiv als hilfreich sind.
Ich möchte hier niemandem auf dem Schlips treten aber wie hier schon geschrieben wurde ist halt wohl doch so das man die Situation immer nur wirklich direkt vor Ort beurteilen kann.



Abdichtung



Da Sie schon Fachleute eingeschaltet haben rate ich Ihnen bei der Beauftragung darauf zu drängen das die technischen Regeln der Abdichtung gemäß WTA- Merkblättern bzw. DIN 18195 eingehalten werden! Sonst wird das nur eine Stümperei.
Konkrete Maßnahmen kann ich nur bei genauer Ortskenntnis empfehlen, aber Sie hatten ja schon genug Fachleute vor Ort.
Ich verdiene u.a. mein Geld einmal mit solchen Sanierungskonzepten und dann als Sachverständiger damit misslungene Sanierungen anderer zu beurteilen.
p.s. Warum steht der Obstbaum so schief?