Dickbeschichtung, Noppenbahn, Drainage, Abdichtung, Kellerwand

22.08.2008



Dickbeschichtung JA oder Nein? Das ist hier die Frage ....

Hallo Fachwelt ... wir komme einfach nicht weiter mit unserem Kellerabdichtungskonzept und hoffen auf Expertenrat, Erfahrung, Denkanstöße damit es endlich weitergehen kann … Haben den Keller unseres 100 Jahre alten Hauses vor kurzem freigelegt. Bruchsteinmauerwerk aus Kalkstein – siehe Bild. Haben jetzt die großen Fugen zum Teil ausgemauert und das Ganze mit einem Zement-Kalk-Putz (1:2:9) verputzt. Soweit so gut, sind jetzt aber von einem Fachhändler etwas ausgebremst worden. Hatten zuvor geplant die Putzschicht mit einer Dickbeschichtung + Noppenbahn zu versehen und den Keller wieder zuzuschütten haben jetzt aber die Aussage, dass es in unserem Fall gar nicht notwendig sein soll …

Der Boden ist relativ Trocken und Sandig – das meiste Sickert also runter. Der Keller ist nicht beheizt und kein Wohnraum – sollte aber trotzdem keine nassen Wände haben.

Die Aussage im Raum ist, dass dies nicht notwendig ist (da bei uns das meiste versickert) und dass eine Noppenbahn + Kiesschicht + Drainage im Sockelbereicht völlig ausreichen würden.

Kann das jemand bestätigen? Würden uns über jeden Rat, Erfahrungsbericht, Diskussionsanstöße, andere Vorschläge freuen!

Größten Dank, Ed





Hallo,

das sehe ich ähnlich wie der gute Händler. Endlich einmal jemand der berät und nicht nur verkaufen will.
Ich glaube nicht, daß der Putz, der sicher gut ausssieht, in feuchtetechnischer Hinsicht irgend etwas bewirkt.
Wenn Sie keinen klassischen Sperrputz mit Dichtungsmittel und reinem Feinsand aufgetragen haben (hat man vor 40 jahren so gemacht, weil besser als nichts), dann war das alles für die Katz.
Sie können es natürlich machen, sollten dann aber darauf achten, daß
- die Noppenbahn oben fixiert ist und kein Wasser dhinter läuft
- die Noppen nicht die KMB eindrücken bis auf den Stein
- ordentliche Hohlkehlen am Übergang zum Fundament ausgebildet werden (so eines vorhanden)
- der Übergang Fassade / Noppenbahn einwandfrei ausgebildet wird.

Grüße vom Niederrhein



KMB



Hatte vor kurzem ein Seminar zum Thema KMB- Ausführung und Haftungsfragen (Gutachter und Rechtsanwalt haben vorgetragen)
Fazit: Es ist zwar möglich, mit KMB erfolgreich abzudichten. Aber wenn man die entsprechende Norm genau durchliest und sich versucht zu merken, was alles zu berücksichtigen ist, dann weiß man, dass das niemand wirklich normgerecht herstellen kann. Ich würde (vor allem als Eigenleister) die Finger von KMB lassen. Sieht einfach aus, hat aber Fallstricke ohne Ende.

Ob eine Drainage wirklich hilft ? Meist hilft sie im umgekehrten Fall, irgendwo eindringendes Wasser gezielt an die Kellerwand zu führen.

Wenn der Keller schon freigelegt und verputzt ist, ist das meiste ja schon erledigt - jetzt würde ich empfehlen, die Drainage zu vergessen und eine Bitumen-Dichtungsbahn aufzukleben.

Beste Grüße, Marc Sattel



Kellerabdichtung



Hallo Eduard,
das eine KMB bzw. eine Abdichtung wohl bei Ihnen nicht erforderlich ist, hatte ich schon ihn Ihrem ersten Beitrag vermutet.
Auch, das eine solche Abdichtung nicht in die Hände eines Laien wie Sie einer sind gehört.
Also hören Sie auf Ihren Fachhändler und das, was ich Ihnen in meinem ersten Beitrag geschrieben habe:
Bringen Sie auf den Putz eine mineralische Dichtchlämme auf, sorgen Sie für einen Verfüllschutz (Noppenbahn, Noppen zeigen VOM Gebäude WEG) und das wars.
Dränung ist überflüssig.

Viele Grüße





Hallo und danke für die Beiträge …
Was die Drainage angeht scheint die Meinung ja verbreitet zu sein, dass diese mehr Unnütz tut als Gutes. Was ich trotzdem nicht nachvollziehen kann ist folgendes: Durch das Freilegen des Hauses ist ja der Boden rund um den Haus lockerer als der übrige – dies wird schon automatisch mehr Feuchte anziehen aus der Umgebung. Warum dann nicht unten eine Drainage schaffen die in eine Sickergrube weg vom Haus führt?

Herr Beckmann: Wie sieht denn ein anständiger Übergang von der Fassade auf die Noppenbahn aus?

Herr Sattel, meinten Sie einfach eine selbstklebende Dachpappe? Soll die dann auch heiß gemacht werden damit sie klebt? Oder gibt es eine Bitumen-Dichtungsbahn extra für den Keller? Das mit der Dachpappe hört sich auch vernünftig an. Brauche ich dann auch noch eine Noppenbahn die drauf kommt oder reicht die erwähnte Bitumen-Dichtungsbahn?

Herr Böttcher: Eine mineralische Dichtschlämme ist quasi die Zwischenlösung – haben Sie da ein Produkt was Sie empfehlen können? Die wird wahrscheinlich mit dem Pinsel aufgetragen …

Vielen Dank noch mal für die Info, sorge mich einfach, dass ich hier was falsch mache und das ganze in 1,2 Jahren wiederholen muss … Bester Grüße aus Berlin, Ed



Keller trockenlegen



Lieber Eduard,
vielleicht muß ich mich etwas drastischer ausdrücken:
lassen Sie die Finger von allem, was schwarz ist und klebt.
Es kostet Sie einen Haufen Geld und Arbeit, die Sie nicht beherrschen.
Mineralische Dichtschlämme ist keine Zwischenlösung, sondern ein übliches Verfahren zur Abdichtung gegen Bodenfeuchte.
Vorteil: Sie können es selber auftragen, ohne große Fehler zu machen. Mit Wasser nach Gebrauchsanleitung anrühren, mit Bürste auftragen, fertig.
Ich empfehle Ihnen das PRODUKT mineralische Dichtschlämme, keinen Hersteller. Der spielt keine Rolle, Qualität und Preis sind kaum abweichend. Wichtig ist nur, das die Schlämme ein Ü- Zeichen hat, also ein bauaufsichtliches Prüfzeugnis vorliegt.
Und wenn Sie Probleme beim Einbau einer Noppenbahn haben, dann können Sie als Verfüllschutz auch einen Kellen- oder Pinselputz P II auf die Dichtschlämme auftragen.
Einfacher gehts nicht.
Und lassen Sie die Finger von einer Dränung!
Sie hat in Ihrem Lastfall Bodenfeuchte nichts zu suchen.


Viele Grüße



Bitumenbahn



Da die Abdichtung am Sohlenbereich ohnehin nicht weitergeht, hat eine druckwasserdichte Ausführung ohnehin keinen Sinn.
Dann reicht zur Verbesserung der Situation eine einfache Abdichtung für den Lastfall Bodenfeuchte/Nichtdrückendes Sickerwasser.
Aufbau z.B. Voranstrich Bitumen-Emulsion, dann KSP-Bahn (Kaltselbstklebende Polymer-Bitumenbahn) vollflächig verkleben; Schutzlage (z.B. Bautenschutzmatte).
Infos z.B. bei www.derdichtebau.de

Beste Grüße, Marc Sattel



Dichtschlämme...



... ist natürlich auch möglich.
Aber auch einfacher in der Anwendung ?
Kenne ich z.B. von Remmers: In mehreren Lagen, dazwischen Kiesol zur Imprägnierung etc.



Kellerabdichtung



An Marc Sattel:
Dichtschlämmen werden einfach nur 2-3- mal mit dem Pinsel aufgetragen, das wars.
Weitere Informationen dazu stehen in der "Richtlinie für die Planung und Verarbeitung von Abdichtungen von Bauteilen mit mineralischen Dichtungsschlämmen"
Herausgeber Deutsche Bauchemie e.V.
Punkt 7 behandelt die Ausführung.
Genau deshalb empfehle ich keine Firmenprodukte, damit es nicht zu Irritationen kommt.

Zur Erinnerung:
Es ist eine sehr unebene Natursteinwand.
Ohne zu wissen, wie sie jetzt aussieht, würde ich keine bahnenförmige Abdichtung empfehlen.
Für mich gehört so was ohnehin in die Hände von Spezialisten und nicht von Laien.
Warum eigentlich mit solchen Kanonen auf den Spatz Bodenfeuchte schießen?

Viele Grüße



O.K.



An Georg Böttcher:
Da sind wir uns jetzt ja einig.

Du hast ein Material aus den Vorschlägen des Dachverbands "Deutsche Bauchemie e.V." zum Lastfall Bodenfeuchte empfohlen,
ich eine Lösung aus den Technischen Regeln des "vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e.V." zum gleichen Lastfall.

(Vielleicht sind wir jetzt keine Knechte der Hersteller, sondern nur der Dachverbände...)

Nachdem die Wand jetzt "verputzt ist, nachdem die größeren Fugen ausgemauert wurden", dürfte es nicht mehr ganz so uneben sein - aber vielleicht hast du Recht. Habe schon lange keine Abdichtung mit Schlämmen mehr ausführen lassen. Wenn es wirklich so einfach ist, wäre das vielleicht für den Do-It-Yourselfer leichter zu handlen.

Bsten Dank für die fachliche Diskussion, man lernt eben immer wieder gern dazu!



Man lernt eben immer wieder gern dazu



Sehr geehrte Herren,
ich nehme gerne die Worte meines Vor"schreibers" auf, und möchte gerne etwas dazulernen.
Ich bin von Beruf Garten- und Landschaftsbauer, und manchmal werde ich von Kunden gefragt, ob wir deren Keller trockenlegen können. Standardlösung ist dann immer freilegen bis knapp unter Kellersohle. Dann Grundierung bzw. Voranstrich, dann Bitumenanstrich, darauf in noch frischen Zustand Noppenbahn mit Noppen nach innen, zur Wand.
Auf die Shle des ausgehobenen "Montagegrabens" kokosummanteltes Draingerohr, angeschlossen an ein Entwässerungsrohr. Verfüllt wird unten mit Draingeschotter der Körnung 5/22. Darauf Schotter 0/45, verdichtet, darauf Kantensteine, in die Traufe Draingeschotter und darauf Zierkies.
Wenn ich Ihre Beiträge lese, scheint mir das nicht mehr der Weisheit letzter Schluß zu sein.
Gestatten Sie mir deshalb einige Fragen: Was bedeute die Abkürzung KMB? Warum gehören bei der Noppenbahn die noppen nach innen? Wo kann man so eine Art "technische Datenblätter" bekommen, die bei der Beurteilung des Problemes und bei der Suche nach der Lösung helfen können?
Von Bitumenanstrichen scheinen Sie nichts zu halten, ich war da auch immer skpetisch, weil es mir nahezu unmöglich erscheint, dieses Sauzeug lückenlos und fehlerfrei aufzutragen. Was sind gängige und vor allen taugliche Alternativen?
Die Probleme, die aus einer Drainage resultieren können, werde hier im Forum ja immer wieder angesprochen, das Gegenargument "Wassermagnet" scheint mir schlüssig. Ist es besser, das Wasser an einer fachgerecht abgedichteten Wand stehen zu lassen?
Ich danke Ihnen, natürlich auch für Teilaufgaben,
Grüße aus dem verregneten Ostwestfalen,

Mario Albrecht



KMB



= Kunststoff Modifizierte Bitumendickbeschichtung

Zugelassen für Abdichtungen nach Lastfall Bodenfeuchtigkeit und nichtaufstauendes Sickerwasser, aber mit DIN-genormten Verarbeitungsrichtlinien, die von niemandem gelesen und von noch weniger Verarbeitern eingehalten werden.
Aber nur dann funktioniert es.
Ansonsten: Arbeitsbeschaffung für Gutachter, Anwälte, Gerichte - und den nächsten "Bauwerkstrockenleger"





@Mario Albrecht
Das von Ihnen angewendete Standartprogramm scheint mir doch sehr Fragwürdig.
Ein Bitumenvoranstrich und ein Anstrich mit Bitumenemulsion reicht für den Lastfall Bodenfeuchte wenn der Sperrputz auf dem Mauerwerk intakt ist. Eine Hohlkehle im Fußpunkt der Wand ist ebenfalls wichtig, genau wie das herumführen der Abdichtung bis Mitte Bodenplatte(10cm). Die Frage warum der Anfüllschutz mit den Noppen zum Haus liegen soll stellt sich so nicht! Die von Ihnen angesprochene Noppenbahn ist ein reiner Maueranfüllschutz und nicht zum Schutz der Abdichtung gedacht. Egal wie rum die Noppenbahn liegt, sie wird sich aufgrund des Erddrucks in die Abdichtung krallen und sie beschädigen. Ein zugelassener Anfüllschutz für Abdichtungen hat immer eine Gleitschicht zwischen Noppen und Abdichtung um bei der Bodenverdichtung an der Abdichtung entlang gleiten zu können ohne diese zu beschädigen. Dies gilt ebenfalls wenn die Noppenbahn vor eine Perimeterdämmung(die mit der Abdichtung verklebt wurde) gestellt wird.
Die beschrieben Drainage mit Kokusnussummantelung klingt mir sehr nach diesem gelben flexiblen Leitungen aus dem Baumarkt!? Wenn ja, unterlassen sie den Einbau solcher Rohre. Zum einen sind die zur Bewässerung gedacht bzw. entwickelt worden, zum anderen viel zu flexibel um exakt im Gefälle verlegt zu werden und im weiteren haben sie zu kleine bzw. zu wenige Öffnungen zur Wasseraufnahme(wurden ja entwickelt zur Wasserabgabe).
In ihrem ureigensten Interesse würde ich mir an ihrerstelle etwas Lektüre zum Thema anschaffen. Richtiger jedoch wäre es, in Ihrem und dem Interesse der Bauherren, Sie ließen von vornherein die Hände von Bauwerksabdichtungen.


Da ich Verarbeiter bin nehm ich mir die Freiheit hier auch Produkte zu empfehlen.
Wenns flexible Schlämme sein soll geht meiner Ansicht nach nix über Deitermann D2, hervorragend in Qualität und Verarbeitung. Bei starrer Schlämme teil ich die Einschätzung von Georg Böttcher und schau auf den Preis.
Ist das Mauerwerk Salzbelastet greif ich zur sulfatbeständigen von Remmers.
gruß jens



Hände weg...



Hallo, Herr Schröters.
Danke zunächst für Ihre Antwort, ich möchte im Anschluß daran noch etwas klarstellen.
Ich habe mich mißverständlich ausgedrückt, das Standardprogramm ist nicht das, was ich mache, sondern das, was quasi alle machen und alle möchten.
Da ich von diesen Dingen, wie zugegeben und von Ihnen festgestellt, nicht ausreichend Ahnung habe, habe ich mich bislang auf das Freilegen und Verfüllen der Kellerwände beschräkt.
Aber ich sehe ja, was dazwischen als Lösung präsentiert wird. Und die Gewährleistung dafür möchte ich nicht an der Backe haben.
Zur empfohlenen Literatur: gibt es so etwas wie ein Standardwerk, das Sie empfehlen können?
Danke und Grüße, hier regenet es immer noch!
Mario Albrecht





Hallo Herr Albrecht,
zuverlässige Dienstleister die Kellerfreilegen und anfüllen sind von Abdichtungunternehmen gesucht!
Sogesehen sind Sie sicher gut Positioniert.
Zu Ihrer Eigentlichen Frage, ich hab unter anderem folgendes im Schrank
"Bauwerksabdichtungen" von Dieter Ansorge
"Lufsky Bauwerksabdichtungen"
"Handbuch der Bauwerkstrocknung" von Knaut & Berg
"Schadenfreies Bauen" von G.Zimmermann & R.Ruhnau
"Mauerwerkstrockenlegung" von Balak & Pech
"Wasser und feuchteschäden im Stahlbetonbau"
alle beim IRB Fachbuchverlag zu beziehen

"KMB Richtlinie"
"Richtlinie für Mineralische Dichtungsschlämme"
von der Deutschen Bauchemie

Für den Anfang reicht wohl Lufsky und Ansorge sowie die KMB Rili
Viel Spass bei der Lektüre
gruß jens



"Abdichtung" aussen, Drainage



Hallo Herr Toews,

einfach so ausführen.
http://www.mauertrocken-shop.de/download/Draenage_Drainage.pdf

Das reicht vielleicht wenn Ihre Wand nicht unter aufsteigender Feuchtigkeit leidet. Dann ist das als alleinige Lösung ohne horizontale Sperrschicht eine verlorenen Maßnahme.

MfG A.Cyba