Horizontale Abdichtung mit Paraffin!

21.04.2009



Hallo,

hat jemand schon Erfahrung mit einer horizontalen Abdichtung bei einem Natursteinmauerwerk gemacht?

Vorgehensweise: Löcher im Innenraum werden gebohrt und dann mit Heizstäben getrocknet, um anschließend Paraffin zu injizieren.


Viele Grüße, Mal.



Abdichtung



Ich habe damit zwar noch keine praktischen Erfahrungen gemacht, bitte Sie aber Folgendes zu überdenken:

Natursteinmauerwerk kann sehr stark variieren, was Material, Qualität und Ausführung betrifft.
Gutes Quadermauerwerk mit geringer Fugenfläche braucht nicht gedichtet zu werden.
Zweischaliges Bruchsteinmauerwerk kann sehr inhomogen sein, oft befindet sich in der Mitte ein Gemisch aus Lehmmörtel und Steinabfällen.
Beim Bohren kann es zu Schäden am Mauerwerk bis hin zu Abrissen einer Schale und Ausbeulungen kommen, da teilweise sehr harte Steine in der Wand liegen können.
Die Abdichtung wirkt nur im Fugenbereich, Natursteine sind in der Regel selbst wasserdicht.

Sie sollten sich überlegen, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt.
Aufsteigende, kapillare Feuchte spielt in Natursteinmauerwerk keine Rolle.
Die häufigsten Feuchtequellen sind hier Kondensat, hygrische Feuchte und Spritzwasser bzw. Schlagregen, das sich über die Fugen verteilt.
Und dagegen hilft keine Paraffinsperre.

Viele Grüße





Hallo Mal,

ich nehme mal an es geht noch um die gleiche Kellerwand wie im Beitrag zuvor. In der Regel wird das im Natursteinmauerwerk nichts bringen. Im Beitrag http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/112479$.cfm wurden eigentlich die Problematiken und Lösungsansätze angesprochen. Ich resümiere mal die Hauptpunkte:

- Kellerwände (Naturstein) feucht, deutlich feuchter über OK Gelände
- Kellerboden trocken
- Betondecke aus Nachkriegszeit über dem Kellergeschoss
- Neuaufbau des Gebäudes aus Ziegel nach dem Krieg auf der Betondecke
- Kellerabdichtung und Drainage um etwa 1990
- Fehlerhaftes Material im Sockelbereich
- Schimmelbefallene Bereich im EG an Außenwänden und auch an einer Innenwand, vor allem Schlafzimmer und Küche
- Schimmelbefall erst nach dem Bezug
- Das Kellerfenster war den gesamten Winter offen, es herrschten also tiefe Temperaturen im Keller.

Das klingt mir alles weniger nach der oft angeführten angstschürenden "aufsteigenden Feuchte". Noch ein paar bisher unbenannte Randbedingungen:
- Was geschieht zur Zeit im Keller, was wir da gelagert und gibt es eine Waschküche?
- Wurden die abwasserführenden Leitungen überprüft?
- Wurde die Drainage einmal gespült?
- Installieren Sie einen Datenlogger in den betroffenen Räumen Ihrer Mieter und geben Sie präzise Lüftungsanweisungen.
- Steht unter der betroffenen Innenwand im Keller eine weitere Wand?
- Wie sieht der Bodenaufbau im Erdgeschoss aus? Handelt es sich evt. um Verbundestrich?
Welche Materialien wurden als Endbelag verwendet?
- Eine Kombination aus tiefen Temperaturen im Keller und einer beheizten Wohnung darüber kann auch den plötzlichen Schimmel (nach Kondensatausfall) erklären.

Vor dem Einsatz der großen finanziellen Mittel erst einmal ergründen wo die Feuchtigkeit herkommt. Die Möglichkeit des Scheiterns liegt in jeder Unternehmung: Bevor Sie die schon einmal abgedichtete Wand mit Paraffin vollpumpen denken Sie noch mal an die Worte von Herrn Bromm aus dem letzten Beitrag: "Was ist, wenn alles nur Tauwasser ist?"

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Herr Böttcher,



„Zweischaliges Bruchsteinmauerwerk kann sehr inhomogen sein, oft befindet sich in der Mitte ein Gemisch aus Lehmmörtel und Steinabfällen.“

Richtig!

„Aufsteigende, kapillare Feuchte spielt in Natursteinmauerwerk keine Rolle.“

Dann wohl falsch!

Im Prinzip funktioniert dieses Verfahren, durch das aufheizen der Wand wird allerdings einiges an Strom verbraten. Ein Problehm können auch Rissbildungen durch das erhitzen sein, meist aber sekundär, da die Wandflächen ja in aller Regel verputzt werden.
Das Erhitzen dient mehr der Verflüssigung des Paraffin als der Trocknung der Wand.
Ob eine Horizontalsperre Sinnvoll ist,vorallem welches Verfahren, hängt vom den am Objekt anliegendem Lastfall- Fällen ab.
Die sollten Sie natürlich erst mal prüfen (lassen).



Salze sind das Problem!



Laut Sachverständiger existiert keine Horizontale Abdichtung am Haus. Dadurch hat aufsteigende Feuchtigkeit mit der Zeit Salze im Mauerwerk produziert. Die Salze haben bereits in der EG-Wohnung vom Erggeschoß bis zur Decke (ca. 4m x 2,5m) hoch in das 1.OG 50 cm über die Fußleiste und 1m breit feuchte Stellen verursacht.
Deshalb schlagen die Sachverständiger vor eine horizontale Sperre mit Paraffin anzubringen und zusätzlich auf den Innenwänden die feuchten Putzstellen abzuklopfen bzw. Fugen auszukratzen und mit einem Sanierputz zu versehen.

Gibt es auch andere Maßnahmen, die Salze in den Griff zu bekommen?
Oder ist eine Horizontalsperre nicht notwendig, reicht ein Sanierputz aus?

Viele Grüße, Mal.



Abdichtung



Um es mal vorsichtig auszudrücken:
Ich bin bei der von Ihrem Gutachter genannten Schadensursache
- aufsteigende kapillare Feuchte vom Keller bis zum 1. OG - sehr skeptisch.

Ich glaube das nicht, da es meinen beruflichen Erfahrungen und der Mauerwerksphysik widerspricht.

Es kann nicht die alleinige Ursache sein, schon gar nicht die Hauptursache.
Wie schrieb Eddy Bromm: "Und wenn es Kondensfeuchte ist"
Ich ergänze: Und wenn es durch Bewitterung von außen eindringt?

Versalzungen der Innenwände im Wohnbereich, die zu hygrischer Feuchte in diesen Größenordnungen führen, sind mir nur von einigen wenigen Fällen bekannt, wo die Ursachen des Salzeintrages schnell ermittelt werden konnten.
Die im Gutachten genannte Ursache ist sehr fraglich, eine über 3 m hohe Versalzung der Wände ohne Gründe (außer, das die Salze über die kapillare Feuchte aus dem Erdreich kommen) halte ich für sehr unwahrscheinlich.
Wenn es aus dieser Quelle stammt, dann müsste die gesamte Wandfläche salzbelastet und feucht sein, nicht nur einzelne Stellen.
Ist denn der Salzgehalt der Wände im EG labortechnisch nachgewiesen?
Gibt es denn Fotos von der Außenseite der befallenen Wände im EG/OG?
Über was für eine Qualifikation verfügt der Gutachter?
Wo genau soll laut Gutachten die Abdichtung eingebaut werden?
Oberhalb der Kellersohle?
Unterhalb der Kellerdecke?
Oberhalb der Kellerdecke?
Was ist eigentlich mit den Innenwänden im EG?
Sind die genau so feucht?

Viele Grüße



Sachverstand



Hallo Mal, beantworte doch mal all die gestellten Fragen, dann kann man sich ein besseres Bild machen. Wie kamst Du denn an den Sachverständigen. Bietet dieser die Paraffinlösung evt. gleich mit an?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Feuchter Keller



Hallo Mal,
die Fotos in der Bilddatenbank erhärten meine Vermutung, das nicht versalzenes Mauerwerk und kapillar aufsteigende Feuchte die Hauptursachen für die Feuchteerscheinungen sind.

Ich sehe die mangelhafte Ausführung des Außenputzes als eine der Hauptursachen für die Schäden.
Die zweite Ursache sehe ich in der Taupunktunterschreitung und damit Kondenswasserbildung durch mangelhafte Wärmedämmung in Verbindung mit dem Nutzerverhalten.
Von den 5 sichtbaren Fenstern sind 3 angekippt, fast alle Fenster sind innen mit Blumen vollgestellt. Ich glaube nicht, das diese Mieter daran gewöhnt sind, Stoßlüftung zu praktizieren.
Das Detail von einem Fenster weist Spuren auf, die auf regelmäßige Kondenswasserbildungen schließen lassen.

Zum Außenputz:
Der vorhandene Vorsprung des Kellermauerwerkes aus der Fassade hätte sorgfältig im Übergang und oberhalb gedichtet werden müssen.
Davon ist nichts zu sehen.
Hier kann Regen, der an der Fassade herunterrinnt, in die Fuge zwischen Fassade und Schräge eindringen.
Ein zweiter Ausführungsfehler ist am Fuß des Putzes sichtbar.
Der Sockelputz hätte bis unter den Erdboden, also mindestens einen halben Meter, geführt werden müssen damit:
a) er später einmal mit einer eventuellen neuen senkrechten Abdichtung verbunden werden kann und
b) kein Wasser an der Fuge Erdboden/Putz in das Mauerwerk eindringen kann.
Gerade hier, auf dem abschüssigen Boden, läuft Oberflächenwasser ans Haus und am Haus entlang und kann hier unterhalb des neuen Sockelputzes ins Mauerwerk eindringen.
Ein armierter Klebemörtel, der laut Hersteller auch noch diffusionsoffen sein soll, kann ohnehin nicht die Funktion eines Sockelputzsystems übernehmen.
Das die Wassermengen nicht zu unterschätzen sind, zeigt das Foto in der Bilddatenbank mit dem Hauseingang; das Podest ist hangaufwärts bereits unterspült.

Ich glaube, das mit der fachgerechten Ausführung des Sockelputzes in Verbindung mit einer Verblechung des Mauervorsprungen eine deutliche Verbesserung der Situation erfolgen wird.
Zusätzlich sollte man die Situation der senkrechten Kelleraußendichtung abklären und je nach Ergebnis der Untersuchung über eine neue Abdichtung bis auf Fundamentoberkante entscheiden.

Viele Grüße

p.s. Ich habe keine Dachentwässerung gesehen, ich hoffe, die ist in Ordnung!