70cm Bruchsteinmauer - Garagentore möglich?

22.01.2016 Denis



Hallo zusammen,

Ein Teil unseres Hauses wurde 1908 errichtet und besteht auf einer Fläche von 10 auf 10m aus 70cm Bruchsteinmauerwerk. Nun gehen wir im Moment die verschiedensten Raum Aufteilungen und Sanierungsmöglichkeiten durch.

Eine der Fragen die dabei aufgekommen ist: Wäre es überhaupt möglich ein Garagentor für eine Doppelgarage (oder 2 einzelne) in eine der Bruchstein Außenmauern zu bekommen? Natürlich würden wir das nicht selbst machen. Aber besteht grundsätzlich überhaupt die Möglichkeit oder ist das auszuschließen? Auf dem Mauerwerk im EG liegen 2 Querbalken auf. Über diese ist ein Balkenlager gespannt.

Vielen Dank schon im voraus für Eure Gedanken.

Viele Grüße!





Vielleicht kann ich noch ergänzen, dass in der betreffenden Wand schon 4 Fenster gesetzt sind. Diese sind gleichmäßig über die Wand verteilt. 2 davon könnten jeweils zusammen dann ein Tor ergeben. (wenn es möglich wäre) Ich habe noch ein Bild dazu angefügt.



Garagentor



Das ist möglich aber sehr aufwändig.
Der Aufwand hängt von der Art der Ausführung der Mauer ab.
Ist sie mit Zementmörtel durchgemauert oder wurde nur bei den ersten paar Zentimetern der Lagerfugen festerer Mörtel genommen, wie groß sind die Steine, ist die Füllung lose und regellos, wie groß ist der verbleibende Abstand bis zur Mauerlatte usw.
Das Ausbrechen und Herstellen der Laibungen und des Sturzes erfolgt in zwei Etappen.
Der allgemeine Ablauf sieht so aus:
Zuerst wird auf einer Seite die betreffende Wandschale abgebrochen. Die freigelegte Oberseite ist provisorisch abzustützen. Dann wird heruntergebrochen. Je nach Art der Mauer ergeben sich Mehrbreiten bis zu 50 Zentimetern pro Seite im Lichten, bedingt durch die vorhandenen Steinformate.
Dann wird der Anschlag neu in stehender Verzahnung mit Ziegeln aufgemauert und ein passender Sturz eingebaut; in der Regel ein TT- Breitflanschträger mit vorgebohrten Löchern im Steg.
Nach dem Erhärten der kraftschlüssigen Ausmauerung über dem Obergurt wird auf der anderen Seite ebenso verfahren.
Ausbruch der anderen Wandschale samt Füllung, Aufmauern der Anschläge samt Sturzwiderlager, Einbau des zweiten Sturzes, Verbolzen, Ausmauern zwischen den Stegen, Herstellen des Kraftschlusses durch Ausmauern oberhalb. Auskleben der Räume zwischen des Gurten mit Gasbeton o.ä., Ziegeldraht als Putzträger befestigen , Verputz der Träger, Verfugen oder Verputz der Laibungen.

Nachtrag; ich habe das Foto erst jetzt gesehen:
Wenn oben drüber Wohnraum ist muß Brand- Schall- und Wärmeschutz gesichert sein!





Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

An wen würde man sich in diesem Fall als ersten Schritt am besten wenden? Vielleicht haben Sie hier einen Tipp im Bayerischen Wald.

Eine ganz grobe Kostenschätzung ist wahrscheinlich nicht möglich für zwei Durchbrüche von jeweils 2,50m x 2m? (welche uns beim ausschließen von Planspielen schon mal helfen könnte)



Durchbruch



Vielleicht meldet sich ein Kollege aus Bayern.
Noch eins zum Schluß von mir:
Bei solchen Eingriffen sind Risse im benachbarten Mauerwerk infolge der Lastumlagerungen nie ganz auszuschließen.



Garagentor in Bruchsteinwand



Alternativ könnte die bestehende Fensteröffnung nach unten und oben ausgebrochen werden, angefangen vom Bereich unter den Deckenbalken,
sodass sich etwa in Fensterbreite in der Wand ein senkrechter Schlitz vom Fußboden bis zur Decke befindet.

Die angrenzenden Steine werden ohnehin teilweise ausbrechen, auch abhängig von der Sturzausführung.
Die Fensterlaibung abstemmen, sodass eine gute Verzahnung möglich ist,
alles säubern, gründlich anfeuchten, eine U-förmige Schalung herstellen und ausbetonieren bis Unterkante Auflager.
Die Schalung kann auch in mehreren Höhenstufen erstellt werden, damit der Betonpfeiler bei unterschiedlichen Mauerstärken nicht zu dick wird.

Anschließend die andere Fensteröffnung entsprechend bearbeiten.
Evt können auch beide Fensteröffnungen gleichzeitig ausgebrochen werden.
Abstützung des Daches je nach vorliegender Konstruktion.

Dann die dazwischen befindliche Mauer abbrechen.

Wenn die Auflagerhöhen genau hergestellt wurden können nacheinander 2-3 IPB-Träger in Zementmörtel eingesetzt werden-
bei genügender Höhe auch entsprechend dimensionierte Holzträger.
Je nach Nutzung außenseitig und auf der Laibungsseite Dämmung einlegen. Auflager der Träger auf der Wand mind 20 cm.
Alle Träger mittig zur Höhe,etwa 3-4 mal auf die Länge zB mit Gewindestangen, Unterlegscheiben und Muttern miteinander verbinden.

Die Arbeit sollte jeder halbwegs qualifizierte Maurer erledigen können.

Dauer grob geschätzt ca 1 Arbeitswoche ohne Nebenarbeiten, zuzüglich Dachabstützung.
Andreas Teich



Bruchstein-Mauerwerksöffnungen



Ohne genaue Bestandsaufnahme, ohne genaue Angaben vom Statiker/Bauingenieur zur Auflagerausbildung (Breite/Tiefe/Druckbelastung), zur Sturzbemessung (Spannweite, Profilart /-höhe/-breite in Stahl, Verbindung untereinander) und zum Montagevorgang inkl. Bemessung der Abfangungen sollten Sie hier wirklich gar nichts machen.

Dafür ist die Situation zu prekär, auf jeden Fall dann, wenn Sie ein Doppeltor einbauen wollen. Die Gefahr unkontrollierter Bauwerkssetzungen bis zum ZUsammenbruch von Wandteilen oberhalb ist real. Siehe Foto von G. Böttcher.So sehen Bastelbaustellen nach vorgenannten Heimwerkerrezepturen a la " ... man nehme / man tue ..." aus, wenn´s noch gut ausgegangen ist.

Lassen Sie von wirklich fachkundiger Seite nachweislich planen und dann auch ausführen. Je nach vorgegebenem Stahlprofil sind Sie auch nicht in der Lage, es ohne professionelle Hebezeuge in 2,00m Höhe lagegerecht einzubauen.

Die Angelegenheit ist ggf. auch kein geringfügiger statischer Eingriff mehr, sondern bauantragspflichtig.



Öffnung in Bruchsteinmauer herstellen



Nach der Beschreibung hört sich das so an, als ob direkt über der Erdgeschoßmauer 2 Holzbalken auf der Mauer aufliegen, die die Holzbalkendecke tragen.
Bei so einer Konstruktion vermute ich nicht, dass sich darüber ein weiteres gemauertes Geschoß befindet.

In solch eine Wand sollte jede Baufirma eine Öffnung herstellen können, ohne dass es zu Rissebildungen oder besonderen Schwierigkeiten kommt.

Die Situation auf Georg Böttchers Foto ist eine völlig andere- wobei das auch nicht danach aussieht, als ob das Laien gebaut haben.
Das Mauerwerk unter dem Trägerauflager
ist offensichtlich zu schwach-ein Betonpfeiler hätte das vermeiden können.Vielleicht wurde auch einfach nicht genug abgestützt und die Bereich über dem Sturz nicht gut genug vermauert/verpreßt.

Jede Ändererung der Außenansicht ist natürlich genehmigungspflichtig- aber bei jeder Maueröffnung gleich einen Statiker/Bauingenieur zu konsultieren scheint mir sehr übertrieben und nicht kostenbewußt.

Der Kölner Dom wurde auch nicht von Statikern berechnet und ist sicher anspruchsvoller als ein Wanddurchbruch für ein Garagentor.
Bei verputzem, unbekanntem Bruchsteinmauerwerk wird auch ein Statiker Schwierigkeiten mit der Berechnung haben-
genaues läßt sich dann ohnehin erst nach Teilabbruch oder Putzentfernung sagen.
Oder es wird eine unnötig teure, überdimensionierte Lösung mit Angstzuschlägen gewählt.

Ein Foto von außen sagt sicher mehr aus über den möglichen Aufwand.
Was befindet sich über dem Erdgeschoß, über den beiden Balken?

Andreas Teich



doppel



doppel



Wagemut



oder auch Selbstüberschätzung, gerne in Kombination mit Unkenntnis und Tatkraft können erstaunliche, wenn auch ungeplante Ergebnisse hervorbringen.

Beim Kölner Dom ist es gut gegangen, die Kathredale von Beauvais musste einige Male aufgebaut werden, weil: s.o.

Die Bruchstein-Außenwand ist mit 10x10m angegeben, also mindestens. 2-geschossig. Wir wissen nichts über den Zustand der Bruchsteinwand. Wenn sie nicht durchgehend und auch heute noch kraftschlüssig vermörtelt ist, besteht eine recht große Wahrscheinlichkeit, das Teile einbrechen.

Da sollte niemand ermutigt werden, selbst Hand anzulegen. Oder wollen Sie für die Empfehlung Ihrer Vorgehensweise die Haftung übernehmen, Herr Teich ?



@Herr Teich



Wofür müssen denn die Stahlträger (wieviele waren es?) untereinander mit mehreren Gewindestangen verbunden werden? Mal wieder ein Vorschlag, wo ich Ihnen gerne mal über die Schulter bei schauen würde... Ihre Statikphantasien sind fast zum lachen.
PS: Haben Sie mal den Dachstuhl des Kölner Dom gesehen?
Den hat sicher kein Energieberater geplant!
Gruß Methusalem (Dipl.-Ing. Konstruktiver Ingenieurbau)





Ich möchte mich bei allen für die Kommentare bedanken. Mir ging es nur darum einschätzen zu können ob es überhaupt möglich sein könnte und wenn ja wie mögliche Wege aussehen.

Natürlich würde ich es nicht selbst angehen sondern erstmal von einem Statiker begutachten und dann umsetzen lassen. Als Laie würde ich hier sicher nichts selbst machen.

Zum Haus an sich kann ich noch sagen dass die Bruchsteinmauer über zwei Geschosse geht. (EG und erstes OG) danach folgt der Dachboden mit einer Mischung aus verschiedenen Steinen. (diese werden wir wohl ersetzen und diese Mauer hat dann auch max 40cm)

Interessant wäre für mich noch wie man die Beschaffenheit bzw. Güte der Bruchsteinmauer prüfen kann. Sie ist verputzt von innen und außen und wenn man es nicht weiß wüsste man von außen nicht das es eine Bruchsteinmauer ist.



Bruchsteinwand ua.



Zuerst alle Informationen sammeln ist sicher generell günstig- daher stelle ich häufig Fragen.

Am aussagekräftigsten ist's immer, Bilder und/oder genaue Beschreibungen zu bekommen.

10 x 10 m habe ich in diesem Fall als Grundrißabmessungen angenommen, es wurde dies ja als Fläche angegeben.

Gleich am Beginn des Beitrages wurde angegeben, dass die Arbeiten nicht selbst ausgeführt werden sollen-es war alo nicht anzunehmen, dass ein unbedarfter Heimwerker anfängt sein Häuschen einzureißen.

Wenn ich selbst beteiligt bin übernehme ich natürlich die Verantwortung.
Die beschriebene Vorgehensweise ist eine Möglichkeit, die auch von Fachbetrieben so ausgeführt wird-
die von Georg Böttcher beschriebene ist eine andere bei normalem Mauerwerk übliche, die ich auch bisher beim Einbau von Stürzen so angewendet habe.

Zumindest hat es Vorteile wenn auch Nichtbauprofis wissen wie bestimmte Arbeiten ausgeführt werden können-
deshalb muß man noch nicht alles selber machen.

Um die Beschaffenheit der Wand zu prüfen wird sicher jeder Statiker oder Baufirma ein Wandstück freilegen- wobei das dann auch nicht repräsentativ für die anderen Wände sein muß.
Methusalem@
Sie würden die Stahlträger auch bei solchem Mauerwerk einfach einzeln auflegen?
Ich würde die als zusätzliche Sicherheit gegen Verschieben untereinander befestigen- (wie auf dem Bild von Georg Böttcher)Jeder arbeitet eben anders.

Andreas Teich