2002 saniertes Fachwerkhaus EG/1OG saniert jetzt 2OG Fußboden erstellen. Was eignet sich zur Eigenleistung?

30.06.2014 StefanL38



Hallo,

Ich habe 2005 ein im Jahre 2002 von Grund auf saniertes Fachwerkhaus gekauft. Die Sanierung umfasste Keller, EG und 1OG sowie den Dachstuhl. Der Vorbesitzer ist Architekt und wollte das Haus ursprünglich selbst bewohnen. Er hat es dann aus beruflichen Gründen schweren Herzens verkauft.
Bisher sind keine Probleme aufgetaucht.

Jetzt möchte ich das 2OG ausbauen. Ich bin handwerklich begabt aber kein Zimmermeister mit Spezialgebiet Fachwerkhäuser. Das heißt anspruchsvolle Zimmereiarbeiten
wie Dachgauben einbauen überlasse ich dem Fachmann.

Im Moment gibt es im 2OG nur den Rohfußboden und den ungedämmten Dachstuhl sonst nix.

Auf der "Decke" des 1OG liegt einfach nur eine Perlitschüttung zwischen den Balken.

Im 1OG sind die Balken sichtbar und zwischen den Balken ist die Decke verputzt.

Direkt an das Fachwerkwohnhaus ist eine Backsteinscheune angebaut. Im 2Og gibt es noch keine Trennwand zwischen Wohnhaus und Scheune.

Der erste Schritt wäre jetzt den Fußboden begehbar zu machen. Das will ich aber nicht als Provisorium sondern gleich im endgültigen Ausbau bis auf den obersten Belag (Dielen oder evtl. Linolium) ausführen.

Was gibt es da für Möglichkeiten für den Fußbodenaufbau?
Insbesondere wenn ich einen relativ guten Trittschallschutz haben möchte. Alle Geschosse sind selbst genutzt. KEINE zweite abgeschlossene Wohnung.

Gibt es Fußbodenaufbauten die ich möglichst vollständig in Eigenleistung erstellen kann?

Wie kann ich die zulässige Flächenbelastung ABSCHÄTZEN?

viele Grüße

Stefan



Fußbodenaufbau



Das kommt drauf an wie die Decke genau aufgebaut ist. Ohne präzisere Angaben über den Einschub, Dimension, Spannweite und Abstand der Balken sowie deren Ebenheit an der Oberläche des Bodens kann ich Ihnen nur folgende Variante anbieten: Aufschrauben einer Lage OSB 20 mm, Nut und Feder verklebt, darauf 10 mm Trittschalldämmung aus Holzfaser. Darauf entweder 40 mm Steicofloor mit Dielung oder Trockenestrichelemente mit bzw. ohne Trittschalldämmung und Belag. Billigvariante: Auf die Trittschalldämmung Laminat.
Das funktioniert nur wenn das Dachgeschoss gedämmt wird.





Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für ihre Antwort.

Ich habe inzwischen den "Rohfußboden" noch einmal genau unter die Lupe genommen. Und ich habe in den Unterlagen zum Haus die mir der Vorbesitzer gegeben hat gestöbert. Der Vorbesitzer wollte ja ursprünglich das Dachgeschoß auch ausbauen und hat eine entsprechende Planung dazu gemacht. In einer Schnittzeichnung habe ich folgendene Fußbodenaufbaubeschreibung gefunden:

Decken EG, OG, DG
Holzdielen 2,5cm
Holzkalkestrich 6-8cm
Strohleichtlehm gestampft 800 kg/cbm
Stakung auf Traglattung
Putz

Der Strohleichtlehm zwischen den Balken ist eingebracht.
Die Perlite-Schüttung ist nur stellenweise vorhanden.

Das heißt wenn ich mir keine Extraarbeit machen möchte, würde ich den schon eingebauten Strohleichtlehm drin lassen und ab Balkenoberkante weiterbauen.
Es gibt auch eine Statikberechnung. Auf welche Werte kommt es denn da an?
Ausschnitt aus der Berechnung
Deckenbalken KG, EG, OG, DG
...Auflistung der Materialien ...

Dann
Zitat: "Für 1,00m lichte Weite und 1,20m Balkenabstand ergibt sich 1,03 kN/qm

Deckenbalken 16/16 mit e= 1,20m
ständige Last: 1,96 kN/qm
Verkehrslast 2,00 kN/qm"

Zitatende.

Ist das jetzt ein Zahlenwert der hohe Belastungsmöglichkeit signalisiert? (soll heißen könnte ich da - wenn ich extrentrischerweise trotzdem wollte - 10cm Zementestrich draufladen oder muss man da vorsichtig sein?


Ich kann mich dunkel erinnern, dass der Vorbesitzer mir einmal kurz beschrieben hat wie das mit dem Holzkalkestrich geht. Wenn ich mich recht entsinne hat er das als kostengünstige Variante die man in Eigenleistung einbauen kann erzählt.

Was halten sie (bzw. auch die anderen Leser von dieser Variante?)

Mir ist klar das das eine Menge Arbeit macht.
Was haltet ihr von Gußasphalt?

Ich bin nicht auf super baubiologische Materialien festgelegt. D.h. Trockenestrich käme für mich auch infrage.

Kann jemand einen ungefähren Kostenvergleich
Trockenestrich
Holzkalkestrich
Gußasphalt
angeben?

Bin dankbar für weitere Hinweise

viele Grüße

Stefan



Fußbodenaufbau



Die Spielerei mit dem Holzkalkestrich sollten Sie sich nicht antun.
Der Architekt hat einen grundsätzlichen Fehler in seiner Planung: Die Einschübe in einer Holzbalkendecke (hier die Staken) dürfen nicht belastet werden. Die Verkehrslasten müssen von den Deckenbalken aufgenommen werden. Der Strohleichlehm kann bleiben. Die lastverteilende Schicht die Verkehrslasten vom Einschub fernhält und in die Deckenbalken überträgt ist entweder die OSB- Platte oder eine direkt auf die Balken aufzubringende Dielenlage.
Der Einbau von Trockenestrich in Eigenleistung ist billiger als der Einbau von Gußasphaltestrich. Der Unterbau- die OSB- Lage- bleibt gleich. In Nassbereichen (Bad) ist der Einbau von Gußasphalt günstiger, man spart sich die Entkopplungsschicht. Allerdings kommt ein Einbauzug nicht wegen ein paar m² Estrich im Bad auf Kommando. Die wollen dann auch Fläche machen.
Deshalb eignet sich Trockenestrich auf OSB für Sie zur Eigenleistung am besten. Darauf können Sie alles an Belag legen.
Ich hoffe die Balkenlage ist einigermaßen eben, sonst müssen Sie vorher mit Federn o.ä. die Ebenheit der Balkenlage sichern damit die OSB- Lage auch vollflächig aufliegt. Bei ordentlicher Verschraubung (Abstand am Balkenauflager 10 cm versetzt aus der Balkenachse, zur Mitte hin kann der Abstand auf 20 cm vergrößert werden, Schrauben 80 mm lang)ergibt sich auch eine Erhöhung des Widerstandsmomentes und damit der Tragfähigkeit. Die Decke wird insgesamt steifer. Eventuelle leichte Trennwände werden auf die OSB- Lage im Trockenbausystem gestellt und versteifen die Decke zusätzlich.
Was die Statik betrifft:
Der maximale Balkenabstand ist üblicherweise 1 m. Größere Abstände lassen Dielung zu stark federn.
Bei Deckenbalken 16/16(ein ungewöhnliches Maß für einen Deckenbalken) und einem Abstand von 1 m ergibt sich eine max. Spannweite für diese Decke von etwa 3,5 m.
Zur Belastung:
Als Eigenlast für Holzbalkendecken rechnet man 1,5 kN/m², als Verkehrslast werden 2,0 kN/m² angenommen. Das ergibt eine Flächenlast von 3,5 kN/m² (4,25 kN/m² wenn leichte Trennwände mit dazukommen).
Sie sollten prüfen ob die max. Spannweite von 3,5 m eingehalten wird.



Welche maximale Flächenlast ist jetzt zulässig?



Hallo Herr Böttcher,

vielen herzlichen Dank für ihre Erklärungen.

zum Teil sind die alten Balken aus dem 18 Jhd. aus Eiche wiederverwendet worden. Die Balken sind unterschiedlich breit. Teilweise deutlich breiter als 16cm.

Die größte Tragweite beträgt ca. 2,4m von Balkenmitte zu Balkenmitte.

Ich verstehe noch nicht ganz was jetzt die maximal zulässige Flächenbelastung ist. Ist das so zu verstehen wenn die Eigenlast 1,5 kN/qm
die Verkehrslast 2 kN/qm
und Zwischenwände noch einmal 0,75 kN/qm
in Summe also 4,25 kN/qm

dann beträgt die maximale Spannweite 3,5m?

Bei einem anderen Gebäude im Ort habe ich gesehen, das unter dem Trockenestrich eine Schüttung aufgebracht wurde um Höhenunterschiede auszugleichen. Verbessert so eine Schüttung auch die Trittschalldämmung?

Was für eine Art "Federn" versteht man in dem von ihnen erwähnten Fall wenn die Ebenheit der Balkenlage gesichert werden soll?

Um die Ebenheit zu prüfen. Würde es ausreichen mit einem rotierenden Laser wie ihn Trockenbauer verwenden um eine waagerechte Bezugsebene zu bekommen mit dem Zollstock den Abstand Balken Laserlinie zu messen?

Welche Abweichungen wären noch tolerabel?

Wenn größere Abweichungen vorhanden sind könnte man die Abweichungen durch einbringen einer Ausgleichsschüttung ausgleichen oder müssen die OSB-Platten die mit den Balken verschraubt werden alle plan-waagerecht liegen?
(Das Gegenteil von plan-waagerecht wäre es geht von Platte zu Platte etwas "auf und ab" d.h. die Platten würden je nach Höhe der Balken beim Anschrauben in der Mitte am Rand nach unten gezogen bis sie auf dem Balken aufliegen)

mit freundlichen Grüßen

Stefan



Fußboden



Das mit der Flächenlast stimmt so. Bei 2,5 m Spannweite gibt es genügend Sicherheitsreserven.
Federn sind keilförmig geschnittene Bretter die auf die Balkenoberflächen aufgenagelt werden um größere Höhenunterschiede zwischen den einzelnen Balkenlagen auszugeleichen. Wenn die Fläche insgesamt eben ist kann man Abweichungen von der waagerechten im Wohnbereich von ein paar cm pro Zimmer tolerieren. Die Ebenheit muß gegeben sein um die relativ steifen (außer Sie nehmen 2 Lagen 15 mm mit versetzten Fugen) OSB- Platten lasssen sich nicht so eiunfach biegen. Die stöße sperren dann und unter Druck reiben sich die Schraubenschäfte langsam durch. Dann knarrt es und der Boden federt. Die Stöße sollten verklebt werden. Wenn die Balkenoberflächen zu uneben liegen dann muß mit einer Ausgleichsschüttung gearbeitet werden. Damit steigt die Bauhöhe erheblich, denn die minimale Schütthöhe beträgt etwa 15 mm. Schallübertragungen finden nicht nur in der Deckenfläche durch Trittschall statt, also erwarten Sie von so einer Schüttung nicht zuviel. Es gibt noch genug andere Übertragungswege und Schallarten.