Die Entstehung des Fachwerkbaus

Fachwerklexikon - Zeitachse

Vom Pfostenbau zum Fachwerkhaus

  • ca. 10.500 v. Chr.

    Erste feste Wohnhäuser

    Pfostenbauten

    Pfostenbau - Der Vorläufer des Fachwerks Pfostenbau

    Die Vorläufer unserer heutigen Fachwerkhäuser waren einfache Hütten und Pfostenbauten. Beim Pfostenbau wurden die senkrechten Holzstützen des Hauses in den Erdboden eingegraben. Starke Dachlasten oder gar belastbare Dachböden konnten diese Pfosten nicht tragen. Zwar wurden im Küstengebiet zur Eisenzeit bei größeren Pfostenbauten schon die notwendigen Versteifungen entwickelt, aber das Ganze blieb in seiner Statik doch instabil und mehrgeschossiges Bauen war kaum möglich.

  • 79 AD, Pompeji

    Südeuropa

    Opus Craticium

    Fachwerk bei den Römern Opus Craticium

    Die Römer kannten die Fachwerkbauweise und nutzten sie wohl im Wesentlichen in einer Mischform aus Stein- und Holzbau. Der berühmte römische Architekt Vitruv äußerte sich nicht gerade schmeichelnd über das Fachwerk und schrieb in Vitruvs Verdikt: Fachwerk, ich wünschte es wäre nie erfunden. Vitruv hat auch damals bereits gefordert, die Schwelle vom Boden abzusetzen, um die Bodenfeuchtigkeit zu vermeiden. Als der Vesus 79 AD ausbrach und Pompeji begrub, wurde auch das als "Opus Craticuim" bekannte Haus unter der Asche verschüttet. Dieses Haus ist im ersten Stockwerk in Fachwerkbauweise errichtet worden.

  • Romanik

    ca. 950 bis 1250
    Mitteleuropa

    Stil-Epoche Romanik

    In dieser Epoche war der Pfostenbau für Profanbauten noch üblich. Das fehlende Fundament ließ das Gebäude von unten verfaulen, da das Holz direkt mit dem Erdreich in Verbindung kam. Während in der Romanik imposante Sakralbauten aus Stein entstanden, welche noch heute von der frühen Baukunst Zeugnis ablegen, sind nur wenige Profanbauten in Fachwerk- oder Holzbauweise erhalten.

  • Ältestes Holzhaus Europas

    ca. 1170
    Schweiz

    Nideröst-Haus (Schwyz, Schweiz)

    Nideröst-Haus Nideröst-Haus (Schwyz, Schweiz)

    Auch wenn es kein Fachwerkhaus ist, sondern in Blockbohlenbauweise errichtet wurde, verdient es dieses Haus, hier aufgeführt zu werden. Mehrfach versetzt und mit Fachwerk ergänzt, lässt sich viel Baugeschichte an der Historie dieses Hauses ablesen. Das 800-jährige Schwyzer Nideröst-Haus gilt als ältestes Holzhaus Europas. 2014 wurde das Holzhaus an einem neuen Standort wieder aufgebaut. Die Rekonstruktion ist jedoch sehr umstritten. Über das Haus existiert eine schöne Dokumentation: Kurzfilm Wiederaufbau mittelalterliches Schwyzerhaus von 1170

  • Gotik

    ca. 1250 bis 1520
    Mitteleuropa

    Stil-Epoche Gotik

    Gotisches Fachwerk - Göttingen, Rote Straße 25 Göttingen, Rote Straße 25, Baujahr 1425

    Die Fachwerkbauweise entwickelt sich in der Gotik weiter und die Fachwerkhäuser überdauern aufgrund der nun zum Einsatz kommenden Fundamente Jahrhunderte. Die Fachwerkkonstruktion geht vom Pfostenbau in den Ständerbau über. Die frühesten noch erhaltenen Gebäude in Deutschland stehen in Esslingen (1262, 1267). Das vormals mit dem Baujahr 1276 datierte Haus in Göttingen, Rote Straße 25, wurde 2014 auf 1425 nachdatiert.

  • ca. 13. Jahrhundert

    Entwicklung des Ständerbaus

    Ständerbau

    Ständerbau - Der Vorläufer des Fachwerks Ständerbau Quedlinburg, Wordgasse 3, erste Hälfte 14. Jahrhundert

    Die Nachteile des Pfostenbaus mit der schnellen Fäulnisbildung an den im Erdreich eingegrabenen Pfosten führen zur Entwicklung des Ständerbaus. Die Pfosten werden nicht mehr in das Erdreich eingegraben, sondern auf Steine oder andere Unterlagen gesetzt. Das führt dazu, dass die Wände nun stärker gesichert werden müssen, um die seitlich wirkenden Kräft abzufangen. Schwerter und Bänder ergänzten das Holzgerüst zur Horizontalversteifung und wurden zunächst durch Blattverbindungen eingebracht (verblattet). Später folgten Holzverbindungen mit Zapfen / Zapfenlöchern.

  • ca. 15. Jahrhundert

    Entwicklung der Rähmbauweise

    Stockwerksbau

    Rähmbauweise

    Rähmbau - Entwicklung des Stockwerksbau Anfänge der Rähmbauweise

    An dieser Stelle beginnt eigentlich die Geschichte des Fachwerkhauses wie wir es heute kennen. Denn jetzt werden mehrfach gesicherte Konstruktionen nötig. Innerhalb der Wandbereiche werden Hölzer schräg gestellt (Streben) und Riegel eingefügt. Allein mit diesen zwei Konstruktionselementen können die seitlich einwirkenden Kräfte abgefangen werden und die Wand statisch gesichert. Lange Zeit bleibt die Sicherung der Ständer zum Erdboden hin noch ein Problem. Erst im 15. Jahrhundert wird es allgemein üblich, die Ständer auf durchgehende Schwellen zu setzen und diese durch ein Fundament gegen Feuchtigkeit zu schützen. Mit dieser Konstruktion war die Entwicklung des Fachwerks weitgehend abgeschlossen. Änderungen sind nun eher in den gestalterischen und dekorativen Elementen zu finden.

  • Renaissance

    ca. 1510 bis 1620
    Mitteleuropa

  • ca. 16. Jahrhundert

    Blütezeit des Fachwerks

    Fachwerk in Vollendung

    Renaissance

    Fachwerkschnitzereien Renaissance Renaissance-Fachwerk

    Zwischen 1450 und 1550, in der Ablösezeit der Gotik hin zur Renaissance, erfolgt noch einmal eine Weiterentwicklung und Ausgestaltung der konstruktiven Möglichkeiten des Fachwerkbaus. Die Blattverbindungen wurden durch Zapfenverbindungen ersetzt. Neben seiner technischen Vollendung erlebte das Fachwerk vom 16. bis ins 17. Jahrhundert in der Schnitzkunst der Hausgiebel seine höchste Blüte. Im Gegensatz zu Süddeutschland, wo die einzelnen Wandgefache mit künstlerisch gestalteten Querstreben ausgefüllt sind, hat das norddeutsche Fachwerk auch bei reichen Giebelschnitzereien den strengen Charakter des rein konstruktiven Balkenwerkes weitgehend bewahrt. Hinzu kommt der Einfluß der Renaissance auf die Gestaltung der Schmuckelemente an den Fachwerkfassaden. Die erhaltenen stellen noch heute gleichsam ein Lesebuch dar für den tiefgreifenden Bewusstseinswandel, der sich in dieser Zeit vollzieht. Ein schönes Beispiel ist das Eickesche Haus in Einbeck.

  • Barock / Rokoko

    ca. 1600 bis 1770
    Mitteleuropa

    Barock / Rokoko

    Barockes Portal in Duderstadt Barockes Portal in Duderstadt, Jüdenstrasse 29 (Baujahr 1729)

    Im Barock wurde in den Schmuckformen der Fassade geprotzt und gerade Linien wurden vermieden, wo es ging. Es wurden ovale Fenster gebaut und der Stuck an den Decken ware geradezu verschwenderisch. Symetrie wurde groß geschrieben und findet sich in den Gebäuden und Gartenanlagen als Planungsgrundlage.

  • 1713-1716

    Das "Lange Haus" in Halle an der Saale

    Größtes Fachwerkhaus in Europa

    Fachwerkschnitzereien Renaissance Langes Haus, Franckesche Stiftungen, neu
    Der 2002 sanierte Teil des Langen Hauses der Franckeschen Stiftungen in Halle. Foto: Werner Ziegler, Halle

    Die Franckeschen Stiftungen zu Halle (Weltkulturerbe), beherbergen auf ihrem Gelände das "Lange Haus". Den Namen trägt das größte Fachwerkhaus Europas, da es mit 110m und 6 Stockwerken imposante Ausmaße bietet.

  • Heute

    Fachwerkneubauten

    Moderner Fachwerkbau

    Fachwerkschnitzereien Renaissance Fachwerkhaus-Neubau

    Die modernen Fachwerkneubauten sind eine Kombination aus historischer Fachwerkbauweise, moderner Haustechnik und entsprechen den heutigen Anforderungen der Energiesparverordnung.

Geschichtlicher Verlauf

Im Laufe der Geschichte hat es mehrere Beispiele für die unterschiedliche Wertschätzung der Fachwerkbauweise gegeben. So galten die Fachwerkhäuser im 18. und 19. Jahrhundert als besonders brandgefährdet. In Einbeck – wie auch in anderen Städten –wurde deshalb die Verputzung der Fachwerkfassaden angeordnet. Verheerende Stadtbrände lieferten dafür ausreichende Gründe. Ein weiteres Argument war der bäuerliche Charakter, den damals viele als ärmlich empfanden. Diese „Geringschätzung“ des Fachwerks blieb bis in das 20. Jahrhundert bestehen. Heute sind Fachwerkhäuser wieder "modern". Die historischen Fachwerkhäuser werden erhalten und auch der Fachwerkneubau erlebt eine Renaissance.