Werkzeugbezeichungen für den MèrodeAltar
Ihr lieben Leute ich brauche dringend eine Auskunft. Für meine Arbeit über den Meròdealtar bräuchte ich die genauen Bezeichnungen der Handwerke von Josef im rechten Flügel des Altars.Maria Springer | 07.06.10
Hallo
Maria, ich glaube nicht, dass hier jemand unbedingt den Altar kennt. Bitte anmelden und Bild einstellen.
Olaf aus Sachsen | 08.06.10
Das erste Haus baue man für einen Feind, das 2. für einen Freund und erst das 3. für sich selber !
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Hier...
...wäre der Link:
http://www.wga.hu/art/m/master/flemalle/merode/0merode.jpg
Aber was der gute Mann da baut, ist mir rätselhaft geblieben. Er bohrt da recht mürrisch ein Brettchen, dessen Verwendung nicht direkt erkennbar ist. Es ähnelt aber den großen Brettern, die über Josef, an die Decke geklappt, die Fensteröffnung versperren können. Möglicherweise entstand die hemdsärmelige Aufforderung "Mach das Brett zu" also in dieser Zeit im Flamenland. Auch die verächtliche Titulierung "Dünnbrettbohrer" könnte hier ihre Wurzeln haben. Interessant auch das kleine Bastelwerk, das auf dem Tisch und auch im Fenster noch einmal steht. Wenn ich mich nicht täusche, könnte es eine Mausefalle sein. Die Verwendung des mickrigen Hockers vorn links ist offen, selbst als Fußbank wohl kaum tauglich. Köstlich: Josef bastet irgendeinen Kleinkram im stillen Kämmerlein, und nebenan geht die Post ab, inclusive Verkündigung. War es auch früher verbreitet, daß Männer nicht erwachsen wurden, oder ist das eine männerfeindliche Darstellung par exellence? Oder hatte der Meister mit Tischlern schlechte Erfahrungen gemacht?
Wie auch immer, ich sehe eine Säge und ein Zimmermannsbeil auf dem Boden, in der Hand eine Bohrwinde. Das vordere, über die Kante ragende Werkzeug könnte eine Feinsäge sein, dahinter Kneifzange, Stemmeisen, Hammer und noch ein Bohrer mit Griff. Dazwischen Nägel, offenbar auch im Näpfchen.
Viel Spaß denn
Thomas
Restauratio GmbH | Thomas W. Böhme | 08.06.10
Mut zum Holz
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Josef
Hallo Maria,
Thomas hat schon alles beschrieben. Vater Josef war Zimmermann und Tischler, was auch so im Neuen Testament steht. Ursprünglich war das noch der gleiche Beruf.
Mich wundert etwas die Deckenverkleidung. Hat der flämische Maler schon die "energiesparenden" Hängedecken vorweggenommen? Oder stellt es (nur) eine Ablage dar?
Das Fensterbrett nach draußen scheint ein Verkaufstisch zu sein.
Gutes Gelingen für Ihre Arbeit.!
Dipl.-Restaurator (akad.) | Dietmar Fröhlich | 08.06.10
Es gibt noch viel zu tun, packen wir´s an.
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@ Dietmar
Wie ich schon schrieb, scheinen mir diese "Deckenverkleidungen" herunterklappbar, als Glasersatz. Gesehen habe ich so etwas noch nicht, ein mittelalterliches "Fliegengitter" scheint's zu sein.
Grüße
Thomas
Restauratio GmbH | Thomas W. Böhme | 08.06.10
Mut zum Holz
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Merodealtar
Die Fensterläden konnten wie hier nach oben geklappt und arretiert werden, das ging auch nach unten und zwar nach Innen oder außen. Dann wurden unter die Läden Böcke gestellt, damit sie waagerecht lagen.
Auf diesen Laden konnte der Handwerker seine Produkte auslegen, damit die Kunden sie betrachten und Kaufen konnten- der Laden war geöffnet.
Der Handwerker auf dem rechten Flügel hatte wohl keine Laufkundschaft oder sein "Laden" lag nicht an einer Gasse oder Straße. Vielleicht hat der Künstler diese Variante auch aus bildkompositorischen Gründen gewählt, Bildtiefe durch Perspektive kannte man damals noch nicht und das Format schränkte ihn ein.
Die genauen Bezeichnungen für solche speziellen Werkzeuge herauszukriegen wird nicht so einfach sen, da schon damals eine hohe Spezialisierungstiefe bei Werkzeugen vorhanden war. Für jede Produktgruppe, jedes Gewerk gab es spezielle Werkzeuge mit den entsprechenden Namen.
Wichtig wäre also herauszukriegen, was er da herstellt, das ist auf den Abbildungen im Internet nicht erkennbar.
Das mit den Mausefallen ist eine interessante Vermutung.
Was er gerade macht- ich glaube, er schärft seinen Löffelbohrer an einer Ziegel- oder Schieferplatte.
Interessant finde ich das steinerne Waschbecken mit darüberhängender Wasserkanne, Handtuch und Waschlappen? rechts daneben.
Das Wasser lief über eine in der Wand eingelassene kleine Rinne nach Außen ab- so was muß damals ganz schick gewesen sein.
Ich habe vor ein paar Wochen so ein Waschbecken im Original gesehen, konnte mir aber noch so recht keinen Reim darauf machen. Das Foto stammt aus einen wiederaufgebauten Wohnturm im Ecomusee im Elsass, anscheinend wurde das Becken falsch plaziert.
Viele Grüße
p.s. Was mir noch aufgefallen ist:
Maria im mittleren Teil liest in einem Buch, auf dem Tisch liegt ein Zweites. Das jemand, ein Bürger, zwei Bücher hat war damals sicher ungewöhnlich.
Das eine Frau liest, ist für die damalige Zeit auch ungewöhnlich, der Buchdruck war noch nicht erfunden. Bücher waren in Latein mit der Hand geschrieben, meistens Bibeln bzw. Bibeltexte. Da es zwei Bücher sind, kann nur eines die Bibel sein. Dann sitzt Maria nicht auf der Bank sondern hockt auf dem Fußbrett- finde ich auch ungewöhnlich. Ist sie vor Schreck runtergerutscht, als Gabriel kam? Wohl kaum, dazu sitzt sie entspannt, eher lässig und völlig im Buch vertieft da.
Auf dem Bild vom Link von Thomas sehe ich jetzt mehr Details. Da ist doch ein Laden nach außen geklappt und eine Mausefalle steht drauf.
Ingenieurbüro Georg Böttcher | Georg Böttcher | 08.06.10
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