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Region: Kohrener Land

Natursteingewölbe

Hallo, ein neues Problem hat sich aufgetan: das Haus ist teilweise mit Tonnengewölbe aus Naturstein und Lehmfugen unterkellert. Das Gewölbe ist freigelegt und hält seit über 200 Jahren. Mein Mann ist aber überzeugt, Risse zu sehen und will daher das Gewölbe durch Leichtbeton als Füllung und Ausgleichsmasse unter dem neuen Fußboden entlasten, also Fugen ausgießen usw. Mir klingt das nicht geheuer, ich würde mich also gern beraten lassen von jemandem, der sich mit solchen Problemen auskennt und sich das Gewölbe mal ansieht. Hat jemand einen Tip, wer das sein könnte? Das Haus befindet sich in Sachsen, Kohrener Land, nahe Thüringer Grenze.
Danke schon mal für Eure Hilfe!
Karén Diettrich | 29.03.07
Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.
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Natursteingewölbe
Hallo Karen,
das sich Risse in einem Tonnengewölbe bilden, ist nicht ungewöhnlich, das passierte nach dem Ausschalen und dem Aufbau der Belastung auf dem Gewölbe recht häufig. Die Leute, die so was bauten, nahmen nicht die optimalen Materialien und waren oft Autodidakten, wenn es um Bauerhäuser geht. Das ist kein Vorwurf, man konnte sich eben keine Fachleute aus einer Bauhütte leisten, baute so wie man es kannte und mit den Materialien, die da waren. Die Gewölbe wurden nach empirischen Regeln bemessen und haben recht hohe Sicherheitsreserven. Das Tonnengewölbe ist ohnehin nicht die optimale Gewölbeform, läßt sich aber einfach konstruieren und bauen.
Die Risse traten nun mal auf und blieben so, das ist nichts Schlimmes. Wenn es 200 Jahre mit Rissen gestanden hat, kann es auch weiter stehen, vorausgesetzt, man verändert, z.B. durch Umbauten, nicht das vorhandene statische System und die Belastung.
Viele Risse verlaufen üblicherweise parallel im Scheitel und/ oder parallel in etwa 1/3 der Höhe an den Wänden.
Anhand des Verlaufes und der Häufung kann man einige Rückschlüsse auf Belastung und eventuelle Mängel ziehen und sich Maßnahmen zur Ertüchtigung des Gewölbes überlegen, falls dies erforderlich sein sollte. Ehe Dein Mann anfängt, am Gewölbe oder an der Auflast etwas zu ändern, sollte er lieber einen Statiker oder Planer fragen, der sich mit so was auskennt. Auch eine ENTLASTUNG kann bei einem Gewölbe falsch sein, wenn sie z.B. einseitig oder im unteren Drittel erfolgt.
Auch das beliebte Ausfugen mit Zementmörtel kann Schäden hervorrufen.
Wenn Ihr wollt, komme ich mal vorbei!

Viele Grüße
Georg Böttcher
Ingenieurbüro Georg Böttcher | Georg Böttcher | 29.03.07
Immer vorher Gehirn einschalten
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Nicht an den Widerlagern entlasten...
Nicht  an den Widerlagern entlasten... - ... und von oben keine Schichten aufbringen, die fest mit dem Gewölbebogen verbunden sind. Dadurch wird der Druck von den Steinen des Bogens genommen und sie können sich lösen, wodurch der gesamte Bogen gefährdet wird(Trennschicht aus Lehm, darüber Kiesbett und dann erst evtl. Bodenplatte o.ä.)
Wen... und von oben keine Schichten aufbringen, die fest mit dem Gewölbebogen verbunden sind. Dadurch wird der Druck von den Steinen des Bogens genommen und sie können sich lösen, wodurch der gesamte Bogen gefährdet wird(Trennschicht aus Lehm, darüber Kiesbett und dann erst evtl. Bodenplatte o.ä.)
Wenn ihr herausfinden wollt, ob sich etwas verändert, könnt ihr dünne Gipsstreifen (Gips, keine Fugenmasse für Rigi o.ä., ist zu elastisch) von unten quer zum Gewölbescheitel auftragen. Entstehen Risse im Gips, solltet ihr auf jeden Fall einen "bruchsteingewölbeerfahrenen" Statiker hinzuziehen.
In der Regel wurden derartige Konstruktionen statisch überdimensioniert und vertragen auch die deletantischten Eingriffe ohne Schaden (Der Instalateur der Vorbesitzer unseres Hauses kannte sich auch entweder besonders gut oder gar nicht mit Gewölben aus, sonst hätte er nicht den Schlußstein am Rand entfernt, direkt daneben stand ein 6t Kamin als Punktlast auf dem Scheitel! Darwin-Award läßt grüssen). Letzteres ist aber keine Aufforderung zu Gedankenlosigkeit..., zeigt jedoch wie stabil diese Konstruktionen im Allgemeinen sind.

Gruß Frank
Frank Holberg | 30.03.07
Guter Wille allein reicht nicht...
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