Definition Umgebindehaus

Das UmgebindehausUnter einem Umgebindehaus versteht man ein vor die Außen- wände einer Umgebindestube gestelltes Stützgerüst aus Ständern, Rähm und Kopfstreben. Die Kopfstreben des Umgebindes werden zu Knaggen, wenn sie mit eingezogenen Spannriegeln bogenförmig ausgeschnitten sind. Ein solches Bogenfeld wird als Joch bezeichnet. Die Umgebindestuben können Holzblockwände, Blockbohlenwände, Wände von Fachwerk oder Lehmbau aufweisen. Teilweise wurden bei späteren Umbauten Block-Außenwände durch Massivwände ersetzt.

Der Bau von Umgebindehäusern und Blockbauten war zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert entlang des Oberpfälzer Waldes, des Erzgebirges im Egerland und in der Oberlausitz sowie in Oberschlesien eine vorherrschende Bauweise. Wahrscheinlich ist die Bauweise slawischen Ursprungs und wurde von deutschen Siedlern und assimilierten Slawen weiterbetrieben.

Die Bauweise erklärt sich aus dem damaligen Holzreichtum der Gebiete. Es können nachwachsende Rohstoffe verwendet werden. Die geringe Baufeuchte lässt einen trockenen Ausbau zu. Hohe Wärmedämmwerte sind durch zusätzliche Dämmschichten genauso möglich wie bei anderen Bauweisen. Das Umgebindehaus stellt gegenüber dem reinen Holzblockhaus eine Verbesserung dar, da es die Lasten über Stützen ableitet. Eine Lastübertragung über die stark setzungsaktiven waagerecht liegenden Blockbohlen wird hierbei vermieden.

Oberlausitzer Umgebindehaus

Umgebindehaus Oberlausitz Kommt man in die Lausitz, findet man dort häufiger eine Abwandlung des Umgebindehauses das so genannte Bogenumgebinde. Beim Bogenumgebinde sind die Ständer ähnlich einer Arkadenreihe angeordnet. Diese bilden optisch mit den Kopfbändern eine Einheit. Der Bogen, der zwei Ständer verbindet wird in der Regel von vier Kopfbändern gebildet. Dabei werden die flächengerundeten Kopfbänder in das Rähm und die die steileren Kopfbänder in die Schwelle des Obergeschosses eingeblattet. Bei dieser Konstruktion überschneiden sich die Kopfbänder und verbinden somit optisch wie auch konstruktiv das Umgebinde und damit das Erdgeschoss mit dem Obergeschoss.

Das Vogtländische Umgebindehaus

Umgebindehaus Vogtland Beim vogtländischen Umgebindehaus wurde für die Holzkonstruktion in den meisten Fällen Kiefern- oder Fichtenholz verwendet. In seltenen Fällen wurden diese beiden Sorten durch Lärchenholz ergänzt. Kennzeichnend für das obere Vogtland war ein sogenannter Umschrot, der eine drempelartige Raumerhöhung des Oberstockes bildete. Er verlieh dem Gebäude eine besondere Festigkeit. Der Umschrot bestand aus einem Balkenkranz von Stämmen voller Gebäudelänge und voller Gebäudebreite, der im Ganzen einen in sich geschlossenen Gürtel um das Gebäude bildete. Auf den raumtrennenden Querwänden des Flurs zur Blockstube und zum Stall besitz der Umschrot Querverbindungen. Diese wurden nur durch Türöffnungen mehr oder weniger tief eingeschnitten. Im oberen Flur blieb zu den beiden Giebelseiten eine Schwelle aus einem, manchmal auch zwei Balkenhöhen, über die man steigen musste. Bestehend aus vier übereinanderliegenden Balken bildete der Umschrot oft am Giebel die Brüstungshöhe für die Fenster. Die beiden Bundwände über den eben beschriebenen Querverbindungen und der rückwärtige Giebel bestehen aus Fachwerk.