Einleitung

Allgemein betrachtet, deckt die Periode 200 Jahre zwischen den Jahren 1400 und 1600 ab. Obwohl sich Spezialisten noch nicht auf genauere Daten einigen konnten. Das Wort Renaissance bedeutet wörtlich "Wiedergeburt".

Die zwei Hauptbestandteile der Renaissance sind zum einen die Wiederbelebung der klassischen Formen, die ursprünglich von den alten Griechen und Römern entwickelt wurden, und zum anderen die verstärkte Beziehung mit weltlichem Lebensinteresse an Humanismus und die Erklärung der Bedeutung des Individuums.

Während der Renaissance wurden Künstler nicht mehr als bloße Handwerker betrachtet, wie sie es in der mittelalterlichen Vergangenheit gewesen waren.

Die Verwendung des klassischen Lateins wurde wiederbelebt und wurde oft zu dieser Zeit bevorzugt. Die Renaissance war auch eine Periode gieriger Erforschung; Kapitäne fingen an mehr zu wagen bei der Suche neuer Strecken nach Asien, das in der Entdeckung und schließlich in der Kolonialisierung von Nord und Südamerika resultierte. Maler, Bildhauer, und Architekten zeigten auch einen ähnlichen Sinn für das Abenteuer und dem Wunsch für größeres Wissen und neue Lösungen.

Frühe Renaissance Architektur

Während des Konstanzer Konzils entdeckte der Florentiner Humanist Poggio Bracciolini im Jahre 1414 in der Bibliothek des Klosters Sankt Gallen eine Handschrift der "Zehn Bücher über Architektur", die der römische Baumeister Vitruv verfaßt und Kaiser Augustus gewidmet hat. Dieses Werk ist die einzige überlieferte Darstellung der antiken Architekturtheorie und Baupraxis.

In Florenz war der Fund ein hochwillkommener Impuls, denn die Baukunst der Arnostadt hatte schon im 14. Jahrhundert, im Trecento, eine entschiedene Abkehr von der Gotik vollzogen. Bei der Suche nach neuen Lösungen wurde den Baumeistern die Architektur der Antike zum Leitbild wie den Humanisten die bewunderte klassische Literatur.

Man studierte nicht nur die Abhandlung Vitruvs, sondern auch römische Ruinen oder Bauwerke, die man für römisch hielt, um den antiken Formenkanon und sein Maßsystem, die sogenannten Säulenordnungen, richtig anwenden zu können. Am Werk waren jedoch nicht Epigonen, die aus Mangel an Originalität Vorbilder der Vergangenheit nachahmten, sondern selbstbewußte Künstler voll Phantasie und Schöpferkraft, die sich fähig und berufen fühlten, die Größe und Natürlichkeit der antiken Welt wiederherzustellen.

Den von Florenz ausgehenden Neubeginn in der Architektur und der bildenden Kunst bezeichnete der Maler und Architekt Giorgio Vasari ein gutes Jahrhundert später als -Wiedergeburt- (rinascitä) die in den Stürmen der Völkerwanderung untergegangenen wahren Kunst. Auf Vasaris Wort geht der Stilbegriff Renaissance zurück, der um 1820 in Frankreich aufkam und sich auch bei uns einbürgerte, während die Italiener von Rinascimento sprechen.

Kunsthistoriker unterteilen diese Stilepoche in drei Phasen: Früh-, Hoch- und Spätrenaissance. Die Frührenaissance von 1420 bis 1500 bezeichnet man auch mit dem italienischen Wort für 15. Jahrhundert als Quattrocento. Der entsprechende Begriff Cinquecento umfaßt sowohl die Hochrenaissance bis 1530 als auch die um 1600 ausklingende Spätrenaissance mit der Sonderströmung des sogenannten Manierismus.

Hohe und Späte Renaissance Architektur

Er war der erste, der gute Architektur ans Licht brachte. Mit diesen Worten rühmte einer den Hauptmeister der Renaissance Architektur, Palladio, seinen älteren Kollegen Bramante. Donato Bramante (1444-1514) hatte in seiner Heimat Urbino eine vorzügliche Ausbildung als Baumeister und Maler erhalten und war dann in Mailand tätig, wo er das Universalgenie Leonardo da Vinci kennenlernte. Als die Franzosen im Jahr 1499 in der Lombardei einmarschierten und Herzog Ludovico Sforza vertrieben, floh er nach Rom. Bramante war in Mailand vor allem mit Zentralbauten hervorgetreten, deren kleinteilige Gliederung und reicher Schmuck an die lombardische Bautradition anknüpften und sie im Geist der Frührenaissance umformten. In Rom fand er rasch zu jener klassischen Haltung, die die Werke der Hochrenaissance prägten. Bramantes Entwürfe für Paläste und Höfe zeugen ebenso davon wie der Tempietto von San Pietro in Montorio, der noch im 17. und 18. Jahrhundert Kuppeln in London und Paris als Modell diente. Im Jahre 1506 begann er den Neubau von Sankt Peter. Der Grundriß in der Form eines griechischen Kreuzes mit kleineren Wiederholungen in den Winkeln sowie Türmen an den Ecken bildeten ein wunderschönes Ornament. Allerdings blieb es allen Nachfolgern Bramantes ein Rätsel, wie man auf ein so filigranes Gebilde eine Kuppel von der Spannweite des Pantheons (über 40 Meter) setzen könnte.

Michelangelo Buonarroti (1475-1564) hat nicht nur als Bildhauer und Maler, sondern auch als Architekt eine einzigartige Stellung in der Kunstgeschichte. Mit den ersten Architekturprojekten beauftragte ihn Papst Leo X., ein Medici. Diese Florentiner Familie großer Bankiers und Mäzene hatte Brunelleschi mit dem Bau ihrer Pfarrkirche San Lorenzo betraut. Michelangelo sollte die noch fehlende Fassade schaffen. Mehr als ein großes Holzmodell, das erhalten blieb, kam davon nicht zustande. Zur Ausführung gelangten jedoch die Grabkapelle der Medici, ein Pendant zur Alten Sakristei Brunelleschi’s und daher Neue Sakristei genannt, sowie ein Bibliotheksgebäude für die San Lorenzo gestifteten Bücherschätze, die Biblioteca Laurenziana.

In Rom gestaltete Michelangelo den monumentalen Platz auf dem Kapitol mit dem Reiterdenkmal des Kaisers Mark Aurel im Zentrum, Vorbild der "Königsplätze" in vielen Hauptstädten Europas. Über siebzigjährig übernahm er 1547 die Bauleitung von Sankt Peter. Hier setzte Michelangelo die Rückkehr zu Bramantes Zentralbauplan durch, der aus liturgischen Gründen aufgegeben worden war. Es ging ihm dabei wohl vor allem um die prachtvolle Außenwirkung seiner Tambourkuppel, die in der Tat nicht ihresgleichen hat.

Michelangelo war auch als Baukünstler ein revolutionäres Genie, dessen Werk sich der stilistischen Einordnung entzieht. Durch die Brillanz der Detailformen erweckt er den Eindruck von Klassizität wie kein zweiter, aber wie nie zuvor wird das herkömmliche System aufgebrochen, um die Architektur zu emotionsgeladenem Ausdruck zu befähigen. So wurde er einerseits zum Auslöser des Manierismusses, des Stils in der "maniera di Michelangelo", andererseits zum "Vater des Barocks". Zu seinen manieristischen Gefolgsleuten gehören Baldassare Peruzzi (1481-1536) in Rom, Giulio Romano (1499-1546) in Mantua und Giorgio Vasari (1511-1574) in Florenz. Giacomo Barozzi da Vignola (1507-1553), Michelangelo’s Nachfolger in der Bauleitung der Peterskirche, schuf mit der römischen Jesuitenkirche II Gesù das Muster für die Barockkirche. In Venedig übersetzte man um 1500 die byzantinische Struktur von San Marco in einen sehr ansprechenden Renaissance Kirchen Typ. Der Florentiner Bildhauerarchitekt Jacopo Sansovino (1486-1570), der 1527 aus Rom in die Lagunenstadt kam und die Hoch Renaissance einführte, verlieh seinen schönen Palastfassaden eine so starke Plastizität, daß sie noch im Barock nachgeahmt wurden.

Im Jahre 1549 nahm Andrea Palladio (1508-1580) seine Tätigkeit in Vicenza und Venedig auf. Palladio’s Staatsbauten, Villen, Paläste und Kirchen sind Musterbeispiele antikischer Baugesinnung. Der archäologisch hochgebildete Berufsarchitekt strebte in manchen Fällen geradezu eine Rekonstruktion der Vorbilder an. So wollte er im Teatro Olimpico in Vicenza ein antikes Theater wiedererstehen lassen. Nach Büchern über Monumente des Altertums und die Kirchen Roms publizierte Palladio im Jahre 1570 seine eigenen Schöpfungen. Die Neuherausgabe dieses Tafelwerks im Jahr 1783 löste eine Europaweite Palladio-Begeisterung aus, parallel zur Mode des Englischen Gartens. Auch die jungen Vereinigten Staaten wurden davon erfaßt. Kapitol und Weißes Haus sind ebenso Bauten des Neopalladianismus wie die neuenglischen Landsitze mit Giebelfronten und Säulenloggien.