Einleitung zur Gotik

Notre Dame Paris Im Mittelalter vollzogen sich in Europa zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert entscheidende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen. Das Christenturn bestimmte das Weltbild, das wirtschaftliche Wachstum gab den Bürgern der aufstrebenden Städte zuvor ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten und ein neues Selbstbewußtsein. Der bestimmende Stil dieser Epoche war die Gotik.

Der Begriff "Gotik"

Es läßt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen, woher die Bezeichnung "Gotik" eigentlich stammt, denn die historisch nachweisbaren Goten waren ursprünglich ein skandinavischer Volksstamm, der im Lauf seiner ausgedehnten Wanderungen kaum die Gelegenheit hatte, eine bedeutende Architektur hervorzubringen. Zudem verlor sich ihr Volkstum großenteils schon in den Wirren der Völkerwanderungszeit, so daß ihr unmittelbarer Einfluß auf die Kunst des Mittelalters nach heutiger Erkenntnis nicht anzunehmen ist.

Vielmehr ist es wahrscheinlich, daß die Humanisten der italienischen Renaissance, die wieder allein das Vorbild der römischen Antike gelten lassen wollten, den Begriff "gotisch" als synonym mit "barbarisch" verstanden. Alles was an Kunst zu ihrer Zeit nördlich der Alpen hervorgebracht wurde und von dorther zu ihnen kam, war in diesem Sinne für sich gotisch. Den Begriff Gotik hat sich jedoch in neuerer Zeit als einwandfreie Stilbezeichnung durchgesetzt.

Der Ursprung der gotischen Architektur

In der Architektur sind die ersten gotischen Bauwerke in dem fruchtbaren Gebiet rings um Paris entstanden, das als lle de France bekannt ist. In dieser Region gibt es einen Kalkstein zum Bauen, der sich sowohl gut bearbeiten läßt, als auch dauerhaft ist. Zwischen 1140 und 1144 wurde in St. Denis bei Paris von einem unbekannten Baumeister, der als "Urheber" des gotischen Baustils gelten kann, der Chor der Abteikirche neu errichtet. Seit dieser Zeit wetteiferten die Städte Frankreichs miteinander, ihre großen Kathedralen in eben dieser Gotik neu zu erbauen oder zu erweitern.

Ausbreitung

Das spätgotische Rathaus von MichelstadtVon der lle de France aus hat sich die Gotik dann relativ rasch über ganz Europa verbreitet. Es bestanden traditionelle Verbindungen mischen Frankreich und England,und der französische Baumeister Wilhelm von Sens begann seine Tätigkeit an der Kathedrale von Canterbury im Jahr 1174. Auch in Deutschland, in Skandinavien und in Osteuropa wurde der gotische Stil übernommen, ebenso gewann er in Spanien und in Italien an Boden, doch wurden hier Einflüsse lokaler Bautraditionen verarbeitet.

Entwicklungsphasen der Gotik

Es bildeten sich nicht nur regionale Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern heraus, sondern ebenso Stilunterschiede der einzelnen Generationen. In England z. B. lassen sich die Entwicklungsphasen des gotischen Stils von Early English und Middle English über den Decorated Style bis zum Perpendicular Style unterscheiden, und ebenso sind in der Deutschen Gotik die Phasen der Frühgotik, Hochgotik, Spätgotik klar erkennbar.

Blütezeit der Künste

Die Gotik war eine Blütezeit der Künste. Der gotische Stil prägte daher - neben der Architektur - ebenso die Bildhauerei und die Malerei, sowie zahlreiche Gebiete des Kunsthandwerks wie die Glasmalerei, Buchmalerei, Teppichwirkerei, Goldschmiedekunst.