Zunächst großzügig Entkernen?

Hallo Miteinander,
Wir haben uns vergangener Woche ein "Stadthaus" (FW-Haus mit gemauerter Fassade (stuckverzierungen usw.) gekauft. Laut Vorbesitzer ist das Haus "abbruchreif ", da die Grundsubstanz aber gut aussieht, ich hoffe mir die Argumentation erlauben zu dürfen, da wir schon einige Bauvorhaben gemeistert haben,haben wir uns entschieden das Haus zu erwerben, und von Grund auf zu sanieren.
Zunächst würde ich das Haus grundlegend entkernen. D.h. Alle Wände und Decken bis auf die jeweiligen Grundgerüst (Ständer, Deckenbalken usw. entkernen, und danach Stockwerk für Stockwerk wieder ausbauen .
Wer hat hier schon Erfahrungen gemacht? Ist das die richtige Vorgehensweise?
Genieße das Leben
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 02.10.14

Naja, Grundsubstanz gut??


Wenn der Vorbesitzer schon der Meinung ist, die Bude ist abbruchreif, sollte man doch schon ein wenig genauer hinschauen und eventuell auch Fachleute zu Rate ziehen, die in der Lage sind, nicht so ganz ofensichtliche Mängel und potentielle Problempunkte erkennen und genauer untersuchen lassen.
Naja, das Thema ist durch und Ihr habt das Ding schon an der Backe(meckern hilft nix mehr ;-)).
Altbausanierung ist eine diffizile Sache, jedes Objekt hat da seine Eigenheiten. Erstmal die zukünftige Nutzung festlegen. Wenn ich das Posting richtig interpretiere, handelt es sich hier um ein Anlageprojekt und nicht um Eigenbedarf, also muss sich die Sache auch irgendwann irgendwie rechnen, sonst machts keinen Sinn ;-)).
Und dann eben nicht alles rausreissen und neu machen, sondern gezielt vorgehen. Es macht zum Beispiel wenig Sinn, den Lehmschlag aus einer Decke zu entfernen, denn dann ist der Brandschutz zum Teufel und muss entsprechend teuer erneuert werden. Viele Dinge können erhalten werden und brauchen nur ´ne einfache Reperatur, anstatt von teurem Ersatz. Die richtige Vorgehensweise für Altbausanierung gibt es nicht, nur die richtige Vorgehensweise für das entsprechende Objekt ;-)).
Ein paar mehr Info´s wären bestimmt hilfreich.
MfG
dasMaurer
alt und neu ist kein widerspruch
Mitglied der Fachwerk.de Community
Maurermeister | | 02.10.14

Die richtige Vorgehensweise ...


... nach zahlreichen Objektberatungen und etlichen durchgeführten Sanierungen, auch bei schweren Fällen, manchmal auch als "Rettungsaktion" mutig begonnener, aber ungeplanter Sanierungsversuche in Eigenleistung ist:

- Bestandsaufnahme mit einem fachkundigen Architekten
- Kartierung eventuell vorhandener Bauschäden, quantitativ + qualitativ
- Anfertigung von Bestandszeichnungen
- Klärung bau- und planungsrechtlicher Einschränkungen/Vorgaben für den Umbau, die Umnutzung, die Erweiterung, den Neubau etc.
- Beauftragung der Planung an einen Architekten inkl. eventuell notwendigem Bauantrag (statisch nicht geringfügige Eingriffe, Umnutzung, Dachgeschossausbau, Abgeschlossenheitserklärung bei mehreren WE etc.)
- Berücksichtigung von Eigenleistungen im Rahmen der architektonischen Planung
- Kostenkalkulation durch den Architekten
- Finanzierungsplanung
- Bauausführung mit Bauleitung durch den Architekten inkl. der Eigenleistungen

Von allen anderen, mehr oder weniger improvisierten Selbstsanierungsversuchen kann ich nur dringendst abraten. Sie enden mit hoher Wahrscheinlichkeit im finanziellen, konstruktiven und organisatorischen Chaos.
... den Dingen auf den Grund gehen ...
Mitglied der Fachwerk.de Community
Will Pickartz Architekt AKNW | | 02.10.14

leidgeplagt


bin ich in ähnlicher weise... allerdings war mein haus nicht abbruchreif, sondern schien in gutem zustand zu sein.

dann aber nicht kernsanierung, sondern vollsanierung. Unterschätzt nicht den Aufwand denkmalschutz! Die nerven ohne Ende. Ich rate JEDEM ab, sich ein Fachwerkhaus zu kaufen, wenn es selbst saniert werden soll. Wer genug Geld hat Firmen zu beauftragen und Architekten zu nehnmen. JA, ansonsten FINGER WEG! Die Nerven, die ich in den letzten 4 Jahren verloren habe ersetzt mir keiner. Und in meinem Haus stecken schon über 12000 Arbeitsstunden (ich habe mir Leute angestellt, weil es allein nicht zu bewältigen ist) und noch kein Ende in Sicht.

Bis dato alles ohne Architekt und leider voll vor die Wand gefahren. Am liebsten abreissen und Park hin bauen...

NIEMALS DIE EIGENE LEISTUNGSKRAFT ÜBERSCHÄTZEN UND DEN AUFWAND UNTERSCHÄTZEN! Farbe DRAUF KANN JEDER! GUT SANIEREN KOSTET NUR EINES geld geld geld geld geld

schreibt ein Frustrierter Leidtragender...

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 02.10.14

Von übermotiviertem...


Entkernen rate ich ab. Vermutlich wird da auch viel zerkloppt, was zu halten wäre.

Die Formulierung "abrissreif" im Kaufvertrag soll vermutlich einfach Gewährleistungsansprüche des Käufers für plötzlich auftauchende Bauschäden aushebeln.

Also: Bestandsaufnahme und Planung, DANN sollte der Rückbau beginnen.

Grüße

Thomas

P:S: Auch der "frustrierte Leidtragende" wäre von Anfang an besser mit SV / Architekten gefahren. Der hätte möglicherweise frühzeitig abgewinkt, wenn das Geld des Bauherrn und die Sanierungsaufgabe so gar nicht zusammenpassten. Das hätte bis dahin nur ein paar kleine Scheine gekostet und wäre die Information unbedingt wert gewesen. Es ist mir ein Rätsel, warum selbst Leute, die kaum einen Fahradschlauch alleine wechseln, eben 'mal so alleine eine höchst komplexe Haussanierung stemmen wollen. Kein Geld zu haben ist keine Schande; auch Dummheit nicht. Letztere tut aber in diesem Falle noch lange weh.

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 03.10.14

Entkernen-Bilder aus der Bilddatenbank: