Was tun mit ehedem überputzten Eichen-Ständern?

Moin,
unser Problem: Fachwerkfassade wurde in den 1950ern / 1960ern überputzt. Fassade muss saniert werden - Denkmalschutz besteht auf sichtbarem Fachwerk (ist ja auch besser für die Konstruktion). Nun gibt es im EG Balken, die noch gut sind bis auf die Tatsache, dass sie seinerzeit zur Aufbringung des Putzes aufgekhackt und teilweise verjüngt wurden (grummel). Zimmerman meint, das sei nur durch Austausch der Balken zu beheben - oder wir müssten mit den vorsichtig ausgedrückt "hässlichen" Balken leben. Denkmalschutz frohlockt, dass man den Wandel des Hauses sehen könne. Gibt es Möglichkeiten, die Hölzer mit vertretbarem Aufwand wieder so herzurichten, dass man sich ihrer nicht schämen muss (glatter "Kinderpopo ist definitif nicht unser Ziel)?
Es gibt immer eine Lösung - man muss sie nur wollen, suchen und zulassen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 30.07.16

Kommt auf die Perspektive an…


Sie sollten klären ob das Fachwerk so aussieht, weil es überputzt wurde oder überputzt wurde, weil es so aussieht. Ich vermute letzteres und der Zementputz hat zusätzlich noch seinen Beitrag geleistet. Das straßenseitige FW ist in den 50ern ziemlich brachial verändert worden um die schönen „Normfenster“ einpressen zu können. Wahrscheinlich stand dem damaligen Eigentümer ihres Hauses der Erfinder des abartigen Wolfenbüttler Betonfachwerks beratend zur Seite, der war schließlich „vom Fach“.

Ich fürchte nur aufhübschen der Balken wird nicht reichen.
Die Schwelle neben der Haustür liegt für die Wetterseite zu tief und die zwei Ständer darauf sollten mindestens im unteren Bereich etwas erneuert werden. Einfacher ist es wahrscheinlich ihn komplett auszutauschen. Könnte das Haus mal ein zweiflügeliges Tor, bzw. Tür gehabt haben?

Mit dem DS würde ich nach eingehender Untersuchung der Fassade noch mal das Gespräch suchen. Es dürften sich sicher noch Hinweise finden, ob die Fassade in den letzten Jahrhunderten nicht irgendwann doch einmal fachgerecht überputzt gewesen ist. Auf der Wetterseite gilt es viele konstruktive Details zu beachten um sich mit Sichtfachwerk nicht erst die Probleme neu einzubauen.
Sicher kann man den Wandel des Hauses gut erkennen, stellt sich nur die Frage welchenn Wandel? ...und den Wandel der letzten 70Jahre kann man m.e. ruhig beseitigen. Das Ergebnis in WF war meistens Kompost oder Abrissbirne wie an der Langen Straße.

Gut gemacht kann man einen Teil der Balken auch aufbohlen, sofern der eigentliche Ständer noch hinreichende Tragfähigkeit hat. Meist waren die Ständer früher überdimensioniert. Das sollte ein fachwerkerfahrender (!!!) Statiker einschätzen können.

Prüfen sie den Zimmermann ihres Vertrauens auf Referenzen, holen sie in jedem Falle eine Zweitmeinung ein und wenn er Blechwinkel, Spaxschrauben und Silikon ansetzen will, jagen sie ihn wieder fort (letzters gilt insbesondere für den Maler und Fensterbauer)

Oberflächenschäden lassen sich auch gut abhobeln oder abfräsen, solange bis die gewünschte Glätte erreicht ist. Wie das Ergebnis wird kann ich ihnen gerne an einem Anschauungsobjekt in der Nähe zeigen.

Gruß
Selle
Krumm und schief hat was
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 30.07.16

Unsere guten Denkmalschutzbeauftragten...


...mit immer weniger Sinn auf Nachhaltigkeit und Sachverstand der sinnvollen Sanierungsaufgaben an unseren Fachwerkhäusern.
Teilweise überalterte Ansichten, Missachtung bauphysikalischer und bewitterunstechnischer Gegebenheiten und Ignoranz an heutiges Wohn- und Nutzungsverhalten.
Vieles muss man im gemeinsamen Gespräch am Objekt erarbeiten und auch den langen Arm dieser Behördenmitarbeiter vielfach niederdrücken.
Verantwortungsübernahme ihrer empfohlenen oder gar definierten Sanierungsvorgaben sind da völlig ignorant und abweisend.
Dazu kommen dann auch noch u. U. Verfilzungen mit Industrie und Baustoffherstellern.

Alles sei einmal gut zu überdenken.
Das Heutige und Jetzt ist mit seinen vielfältigen Facherfahrungen und Betrachtungsweisen, man bedenke nur die erhöhte Schlagwetterbelastungen unserer Häuser mit viel höheren Wassermengen, sehr sehr wichtig.
Und daraus sollten dann die Machbarkeiten definiert und festgelegt werden.
LEHM - natur am bau
Mitglied der Fachwerk.de Community
LehmHandWerk Udo Mühle | | 31.07.16

Bild 01: Ansicht vom Platz her.


Bild 01: Ansicht vom Platz her.Das Foto zeigt unser "Schätzchen" vor dem Beginn der erforderlichen Reparaturen.
Es gibt immer eine Lösung - man muss sie nur wollen, suchen und zulassen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 31.07.16

Bild 02: Eingerüstet und der Putz ist ab


Bild 02: Eingerüstet und der Putz ist abDieses Bild zeigt die Gesamtansicht vom Platz her voll eingerüstet. Der Putz ist weitestgehend herunter.
Hinter der Putzfläche links neben der Eingangstür verbirgt sich eine Zigelwand. Der "Balken" unter dem ersten Fenster nach der Tür ist gekappt - reicht also nur noch bis an das Fenster heran.
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Mitglied der Fachwerk.de Community
| 31.07.16

Bild 03: Blick entlang der offenen EG-Fassade


Bild 03: Blick entlang der offenen EG-FassadeBlickrichtung von O nach W (oder für Ortsansässige: aus Richtung Deutsche Bank in Richtung Nord-LB) - das Haus steht in fast exakter Nord-Südausrichtung.
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| 31.07.16

Bild 04: Schadstelle links neben der Eingangstür


Bild 04: Schadstelle links neben der EingangstürDer rechte Balken ist der "Stummel" unter dem 1. Fenster und taugt nicht einmal mehr als Brennholz. Die Fragmente der Schwelle unten geben auch nichts mehr her. Beim Freilegen wurde erkennbar, dass sowohl die Schwelle als auch der Ständer links vor dem Verputzen nicht vernünftig repariert wurden. Nicht nur, dass der Ständer auf Stein steht, im oberen Bereich (auf dem nächsten Bild besser zu erkennen) war der Ständer schon aus dem Zapfen heraus, als der Putz aufgebracht (bzw. dzwischen geschmiert) wurde.
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Mitglied der Fachwerk.de Community
| 31.07.16

Bild 05: Schad-/Problemstellen


Bild 05: Schad-/ProblemstellenWie schon erwähnt hat der Ständer keine Verbindung mehr zum Riegel. Die Verbindung zur Schwelle ist noch nicht freigekrazt. Auch zu erkennen: angehackte Balken.
Es gibt immer eine Lösung - man muss sie nur wollen, suchen und zulassen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 31.07.16

Fachwerkfassade


Was ich auf dem ersten Foto sehe scheint mir von der Aufteilung her keine orginale Fassade zu sein sondern ein Nachbau aus den letzten 100 - 130 Jahren. Dann wurde sie wohl überputzt. Sind die auf dem Foto sichtbaren Balken aufgemalt worden?
Im unteren Bereich scheinen noch Reste des ursprünglichen, älteren Fachwerks vorhanden zu sein.
Wann wurde das Gebäude denn errichtet?
Es besteht die Möglichkeit das die Fassade von Anfang an verputzt war. Viele deutsche Städte haben nach dem dreißigjährigen Krieg und später ab dem 18. Jahrhundert Fassaden und Dacheindeckungen aus brennbaren Baustoffen verboten. Vorhandene Fachwerkfassaden mussten überputzt werden. Das entsprach auch den damals herrschenden Moden des Barocks und später des Klassizismus. Sichtfachwerk wurde erst wieder im 19.Jahrhundert mit Beginn des Historismus populär.
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 31.07.16

Ergänzungen


Moin, ich denke die paar Fotos verdeutlichen vielleicht ein wenig mehr, worum es geht. Insbesondere für die, die nicht vor Ort sind und das Haus daher nicht kennen.
Also, das was (ab morgen) gemacht wird (Fa. Dornieden), ist die Erneuerung der Stummels unter dem ersten Fenster sowie das Absetzen und Erneuern des Ständers (links) neben dem 1. Fenster im unteren Bereich. In der Mitte und oben sind auch noch ein paar Reparaturen erforderlich - hier jetzt aber nicht auf der Prioliste.
@ D. Selle: Es sieht so aus, dass der Eingangsbereich 'mal bis an den "Stummel" heranreichte. Zugunsten der Räumlichkeiten im EG ist irgendwann zwischen 1920 und Ende 1970er (aus diesen Zeiten haben wir mehr oder weniger gute Fotos) die Situation geändert worden.
@ U. Mühle: Auch wenn ich den DS in seinem Wirken in Teilen ebenfalls sehr problematisch sehe - so auf ihm herumzuschimpfen ist auch nicht OK. Was das Fehlen von wenigsten ein bisschen Kontrolle anrichten kann, ist gerade an unserem Häuschen gut zu erkennen. Allerding der Dogmatismus und die Relation - da gebe ich Ihnen uneingeschränkt recht - das ist nur schwer zu ertragen und kaum nachzuvollziehen.
Piet
Es gibt immer eine Lösung - man muss sie nur wollen, suchen und zulassen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 31.07.16

Materialien


Ich danke ihnen trotzdem erst einmal für die sehr nette Gesprächsbereitschaft und den gemeinsamen Konsens, Dinge ähnlich zu sehen.

Was nunmehr ihre Verputzsituation betrifft, würde ich ihnen in allen Fragen die Klakputzpalette der Firma Hessler Kalkwerke empfehlen wollen.
Auch bekommen sie dort kompetente Beratung und Produktauswahl.
Zusätzlich ergänzt, handelt es sich um 100% reine Kalkputze und können auch mittels Bedarfsermittlung durch Herrn Gramespacher erarbeitet werden.

http://www.hessler-kalkwerk.de/hessler-kalk-system.html

Gutes Gelingen ihres Vorhabens
LEHM - natur am bau
Mitglied der Fachwerk.de Community
LehmHandWerk Udo Mühle | | 31.07.16

Materialien


Ich danke ihnen trotzdem erst einmal für die sehr nette Gesprächsbereitschaft und den gemeinsamen Konsens, Dinge ähnlich zu sehen.

Was nunmehr ihre Verputzsituation betrifft, würde ich ihnen in allen Fragen die Klakputzpalette der Firma Hessler Kalkwerke empfehlen wollen.
Auch bekommen sie dort kompetente Beratung und Produktauswahl.
Zusätzlich ergänzt, handelt es sich um 100% reine Kalkputze und können auch mittels Bedarfsermittlung durch Herrn Gramespacher erarbeitet werden.

http://www.hessler-kalkwerk.de/hessler-kalk-system.html

Gutes Gelingen ihres Vorhabens
LEHM - natur am bau
Mitglied der Fachwerk.de Community
LehmHandWerk Udo Mühle | | 31.07.16

Es ist vollbracht..


Wie ist eigentlich die Anbindung des zurückgeschnittenen Ständers an das übrige FW gedacht?
Wie hat der Zimmermann die Verbindung Schwelle Ständer erstellt, rechts und links?
Sie sollten ihn mal fragen und hier diskutieren lassen, ob die gelb passivierten Spaxschräubchen als fachgerechte verbindung und Lagesicherung anzusehen sind oder sollte er sich in Unkosten gestürzt haben und einen Blechwinkel gesetzt haben?
Ich vermute, das auch selbst das nicht der Fall ist.

Die Teerpappe direkt unter dem Fachwerkbalken ist problematisch, wenn nicht überputzt wird, vermutlich wurde sie auch noch vor dem Einbau an die Schwelle angenagelt. Sie bildet eine Kapillarfuge die das Wasser ansaugt. die Folge ist Staunässe unter der Schwelle weil diese nicht abtrocknen kann.

Welcher Putz soll aufgetragen werden?
Welcher Mörtel wurde für die Porotonausfachung verwendet?

Welche Farbe wird denn der Maler verstreichen, gibt es da Infos?

Die übrigen Balken können sie mit einer Lackfräse glätten, die Risse mit einer Leinöl-Lehm-Hanfmischung ausstopfen sofern gestrichen wird oder ausklotzen, verwenden sie kein Sanopas bei Rissen über 5mm Breite, bzw. am besten garbnicht, kontrollieren sie den Maler ober sich daran hält und lassen sie ihn auf keinen Fall Acryl oder Silikon verwenden. Die Gewährleistungszeit wird es dann wohl überdauern bis Schäden offenkundig werden, nur ist die Restnutzungsdauer eines FWH meist länger.

Gruß
Selle
Krumm und schief hat was
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 02.08.16

Es ist begonnen ...


... mehr nicht.
Moin und danke erst einmal für die Tipps und Hinweise.
Grundsätzlich haben wir derzeit kein Problem mit dem, was die Handwerker so bisher gemacht haben. Ob die "Spaxe" als (alleinige) Sicherung dienen (sollen), oder nicht - wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass es in der Region Firmen mit wesentlich schlechterem Ruf gibt. Das mit der Teerpappe wird bei nächster Gelegenheit hinterfragt. Ebenso werden die Putz- und Maurerabeiten von unserem Vater/Schwiegervater gecheckt, der ein Meister dieses Fachs ist.
Die Risse sollen ausgespant werden.
Hinsichtlich Farben war von Leinölfarbe die Rede.
Wir müssen Sichtfachwerk machen - etwas anderes lässt der DS nicht zu.
Hm, vielleicht 'mal grundsätzlich: wir sind leider nicht in der Situation, dass wir viel Zeit zum Diskutieren abwägen u. dergl. haben. Wohl wissend, dass das nicht ideal ist, so sind wir leider in der Situation, dass wir Lösungen brauchen, die den Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Mittel nicht sprengen. Und alles "Hätte, Wenn und Aber" haben wir schon tausendmal durch - am Ende führt's zu nichts, weil es da jemanden gibt, der die Macht hat, Normen zu setzen und wir unsere wenigen Euros lieber in das Haus als in den Rachen eines Rechtsverdrehers stecken.
Nichts für ungut - aber die Anrufe, in denen nur dogmatisch die eine oder andere Philosophie angeprisen und alles andere verteufelt wird, die helfen nicht weiter und kosten nur Zeit. Hiermit ist ausdrücklich NICHT das nette Telefonat vom Sonntag mit Herrn Mühle gemeint!
Bis dahin,
Piet
Es gibt immer eine Lösung - man muss sie nur wollen, suchen und zulassen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.08.16

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